Soeben erreicht uns folgende Meldung über verschiedene Nachrichtenagenturen:

Berlin (AP) SPD-Chef Matthias Platzeck steht offenbar kurz davor, sein Amt nach nur nur fünf Monaten wieder aufzugeben. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Montag aus zuverlässigen Berliner Quellen. Danach soll der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck das Amt übernehmen.

UPDATE: Parteisprecher Lars Kühn hat den Schritt von Matthias Platzeck inzwischen gegenüber Spiegel Online bestätigt. Lt. WDR 5 soll es um 11.30 Uhr eine Pressekonferenz geben, auf der Platzeck selber sprechen wird. Die Pressekonferenz wird bei Phoenix ab 11.30 Uhr übertragen.

Weitere Pressestatements:
12:30 Jochen Dieckmann im Düsseldorfer Landtag:

Jochen Dieckmann sagte in Düsseldorf zur kommissarischen Leitung der SPD durch Kurt Beck: «Das ist eine gute Entscheidung». Beck sei von Lebensalter und politischer Statur geeignet, die SPD länger als nur eine Übergangszeit zu führen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und erste stellvertretende Bundesvorsitzende wurde zuvor vom Parteipräsidium in Berlin dem Bundesvorstand als kommissarischer Vorsitzender vorgeschlagen.

13:30 Bundeskanzlerin Merkel im Foyer des Kanzleramtes

Ich möchte das von meiner Seite gerne für den Moment unkommentiert lassen, und versuche die Nachrichtenlage genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich frage Euch aber natürlich nach Eurer Meinung dazu! Eure Kommentare:


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16 Kommentare

  1. rdh.twoday.net 10. April 2006 · 12:27 Uhr

    Platzeck macht Platz f

    Verdammte Axt. Warum muss das nur immer so kommen? Kaum hat die SPD sich von den Turbulenzen des JAhres Nullf

  2. Benno 10. April 2006 · 12:59 Uhr

    Meine Herren! Da hat man sich gerade mit dem überstürzten Münte-Rücktritt und dem neuen Vorsitzenden arrangiert (und das sogar ziemlich gut) und dann kommt schon wieder die nächste Hiobsbotschaft.

    Immerhin muss man diesmal ja niemandem Vorwürfe machen, weil Matthias‘ Rücktritt schlichtweg durch höhere Gewalt bedingt war. Trotzdem ist das eine traurige und mehr noch: ärgerliche Nachricht. Ich (und ich denke, viele andere auch) war mir nämlich schon sehr sicher, dass Matthias der nächste Kanzlerkandidat sein würde. Und den wird es ja jetzt, nach Lage der Dinge, wohl auch nicht geben.

    Abgesehen davon: Von diesen ewigen Wechseln im SPD-Vorsitz (Kurt Beck wird der achte Parteivorsitzende innerhalb von nur 20 Jahren sein!) habe ich, auch wenn ja bislang eigentlich immer ganz adäquate Nachfolger gefunden wurden, allmählich die Nase gestrichen voll. Wie gesagt: Im aktuellen Fall kann man immerhin niemandem einen Vorwurf machen. Und ich zweifle auch nicht daran, dass Kurt Beck seine Sache gut machen wird. Umso mehr wünsche ich ihm aber, dass er eine lange, eine WIRKLICH lange Zeit als Parteivorsitzender erleben wird. Wenigstens die fünf Jahre von Gerd zu erreichen, wäre jedenfalls ganz schön — allein schon, damit Kurt die komplette Programmdiskussion und -reform als Vorsitzender begleiten kann. Mehr als fünf Jahre wären natürlich nur noch besser, damit die SPD — auch was ihre internen Personalia angeht — wieder mehr Stabilität und Verlässlichkeit verkörpert. Wenn wir jedenfalls jetzt alle paar Monate unsere Spitzenkräfte auswechseln müssen (die Generalsekretäre gehören ja beispielsweise auch dazu), kommt das beim Wähler bestimmt nicht gut an.

  3. Titania Carthaga 10. April 2006 · 13:26 Uhr

    So ärgerlich der Rücktritt Platzecks auch ist: irgendwie macht es die SPD doch sympathisch. Da bewegt sich wenigstens noch was, das ist lebendig. Mich haben schon immer Brüche in z.B. Biografien gereizt; sie machen eine Person sympathisch und – authentisch. Gleiches gilt für die SPD. Auch wenn es turbulent sein mag: es ist Leben drin!

  4. Jammalappe 10. April 2006 · 16:51 Uhr

    Ehrlich gesagt,

    das Märchen von der gesundheitlichen Überlastung als Ursache glaub ich nicht.

    Als Auslöser vielleicht.
    Aber wenn ein Mann 2 Hörstürze, mehrere Kreislauf- sowie Nerverzusammenbrüche innerhalb kürzerer Zeit erleben muss (so wird es bei Reuters jedenfalls berichtet), dann ist es wohl klüger darüber nachzudenken was in einem solchen Leben schief läuft.

    Platzecks´ Platzhalterfunktion in einer am Boden liegenden SPD, offenkundig ein Versuch der Parteielite den öffentlichen Fokus von dem desaströsen Zustand in den die SPD qua SchröderClementMünte-Gang & Co. (Seeheimer Kreis) geraten ist, abzulenken, ist gescheitert und dürfte seinen Teil zu den gesundheitlichen Belastungen des Herrn Platzeck beigetragen haben.

    Ich bin froh das wir nun dem schrecklichen Schauspiel des (ja schon in der Anfangszeit als farbloser Politiker kritisierten) sich aufopfernden, krank werdenden Politikers („müssen wir den wählen weil er so arm dran ist !?“) nicht mehr zusehen müssen.

    Ich wünsche Herrn Platzeck gute Besserung und dem Rest der Genossen ebenso.

    Interessant in dem Zusammenhang, die Feststellung Peter Strucks (ebenso bei Reuters nachzulesen), dass „die Gesundheit ja das wichtigste sei.“.

    Da könnte man ja auf die Idee kommen, der Mann hat zum Früstück wieder diese Pillen bekommen.
    Seit der Gesundheitsreform (SPD-Regierung), stimmt das so jedenfalls nicht mehr.

    Das Primat der SPD lautet doch offensichtlich vielmehr:
    Für Reiche (und die Pharmaindustrie) ist die Gesundheit nach wie vor das wichtigste !
    (Platzeck wird sicherlich auch nicht allzu lange auf seinen Arzttermin bzw. das Krankenhausbett gewartet haben, im gegensatz zum Ottonormalmodell hierzulande.)

  5. Benno 10. April 2006 · 16:56 Uhr

    @Titania:

    Na ja, deine optimistische Sichtweise in allen Ehren: Aber für die meisten SPD-Mitglieder, so auch für mich, dürfte da im Moment ein bisschen zu viel Leben drin sein — wenn man nach gerade mal fünf Monaten schon wieder den Vorsitzenden wechseln muss, ist das schon ziemlich heftig. Und wenn solche „Brüche in der Biographie“ beinhalten, dass einer der größten (wenn nicht sogar DER) Hoffnungsträger der Partei abtreten muss, dann kann ich auf solche Brüche dankend verzichten.

  6. Titania Carthaga 10. April 2006 · 17:18 Uhr

    @Benno

    Ja, Du hast recht. Es ist auch eine Katastrophe. Keiner sieht gern den Hoffnungsträger untergehen – auch ich nicht. Es war nur einer meiner ersten Gedanken, wie der landesüblichen Chaos- und Schreckensmeldungshysterie zu begegnen sei.
    Nicht auszudenken, was passierte, wenn Beck – warum auch immer – auch bald ginge…. dann wirds wirklich verdammt eng in den SPD-Reihen. BTW: Wieso wird jetzt eigentlich Bullerjahn so gepushed? Als Dank für seinen Wahlerfolg in SAH? What about Voigt, Gabriel, Matschie, Tiefensee?

  7. Normenbrecher 10. April 2006 · 18:48 Uhr

    Der kürzeste SPD-Vorsitzende aller Zeiten!

    Nach nur 5 Monaten im Amt ist dem derzeitigen Vorsitzenden der SPD seine Partei so schlecht bekommen dass er heute mittag zurücktreten musste!

    Heute morgen sollte er noch die neuen Ideen für einen „vorsorgenden Sozialstaat“ vorstellen und seinen…

  8. Mag 10. April 2006 · 20:33 Uhr

    „… Ich frage Euch aber natürlich nach Eurer Meinung dazu! …“

    1. Er dürfte nicht allein aufgrund angeschlagener Gesundheit gegangen (worden) sein,

    2. sicher hat die SPD sich menschlich damit keinen Gefallen getan (Platzeck war noch einer der netteren und ich wünsche ihm gute Genesung)

    3. Beck ist aber ein Siegertyp, der Euch evtl. wieder auf die Beine bringt…

  9. Piranh@se 10. April 2006 · 23:23 Uhr

    Die Partei braucht keine Siegertypen, sie braucht Gesundheit.

  10. Zonk 11. April 2006 · 11:56 Uhr

    Platzeck geht, die Furche seines Wirkens hinterlässt auf dem Acker der Politik noch nicht einmal eine Scharte. Und das Gewinsel so mancher (Co-) Genossen ist infantil und peinlich: Gesundheit vs „Siegertyp- Profil“, Sympathie für Fablosigkeit etc. Wie auch immer es beschrieben oder polemisiert werden wird: Platzeck war keine Führungspersönlichkeikt, hier im Westen kam dieser profillose, von oben aufoktruierte Ossi nicht an. Und Kurt Beck als Allheilmittel…
    Schröder und Müntefering haben es – machiavellistisch brilliant – verstanden, niemanden „hochkommen“ zu lassen, der Geist, Profil und Stil hat. Dafür sitzen jetzt alle Wahlverlierer wieder auf soliden Posten: z.B. Gabriel, der über die Trümmer gesolpert ist, die ihm Gerd Schröder hinterlassen hat, Peer Steinbrück, in NRW abgehalftert usw.
    Mit dieser SPD ist wahrlich kein Staat zu machen. Also was soll´s, ob Kurt Beck oder irgendein anderer „es macht“ – jeder Angelverein hat einen Präsidenten, und ob er gut oder schlecht ist, das spielt bei grösseren Vereinen keine Rolle mehr.
    Insofern wird das parteiinterne Manko einer fehlenden, charismatischen, mitreissenden, motivierenden und präsidialen (irgenwann wollen wir ja auch mal wieder `nen Kanzler stellen, oder?) Vorsitzenden – Persönlichkeit nicht auffallen… lediglich bei den nächsten Wahken werden wir wieder die Schlappe kassieren, die uns Gasprom- Gerd & Münte durch ihre Personalpolitik eingebracht haben.
    Tschüss Genosse Platzek, gute Besserung… was warst Du nochmal? Vorsitzender der SPD? Ach wirklich?

  11. Titania Carthaga 11. April 2006 · 15:56 Uhr

    @Zonk

    … hier im Westen kam dieser profillose, von oben aufoktruierte Ossi nicht an.

    Es ist verdammt nochmal wirklich schlimm, dass sowas i m m e r noch gedacht und geschrieben wird! Wann kapiert Ihr es endlich: Platzeck ist nicht als „Ossi“ den Parteichefposten angetreten, sondern als Politiker. Völlig egal, ob er nun aus Brandenburg oder Rheinland-Pfalz ist. Wäre er kein „Ossi“, glaube ich kaum, Du würdest von „Aufoktroyierung“ reden. Und genau diese infantilen Ressentiments sind es, die viel dazu beitragen, dass eine Einigung Deutschlands endlich wahrhaft vollzogen wird. Ein Hoch auf Stoiber und seine „frustrierten Ossis“!

  12. Titania Carthaga 11. April 2006 · 16:09 Uhr

    PS: „Umfrage: Merkel vor Beck

    Einer neuen Umfrage zufolge wird Platzecks Rücktritt der SPD eher schaden. 46 Prozent der von Emnid im Auftrag von N24 befragten Wähler sagten, sie erwarten von Platzecks Rückzug eher einen Schaden für die SPD. 34 Prozent erwarten positive Auswirkungen für die Partei. Bei einer Direktwahl des Kanzlers läge Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) bei 46 Prozent, für Beck würden 39 Prozent stimmen.“ (Focus: http://focus.msn.de/politik/deutschland/brandenburg_nid_27499.html)

    Soviel zum Thema, Platzeck sei im „Westen“ nicht akzeptiert worden…

  13. Zonk 11. April 2006 · 16:36 Uhr

    @titana carthaga:

    Zu Platzeck: Kennzeichnend für mich war seine farb- und profillosigkeit. Es schien mir ganz persönlich so, als wenn er an der gesamten Partei vorbei auf diesen Posten gehoben wurde. Insofern ist es meine ganz persönliche Meinung, wenn ich glaube, dass er vielleicht einen Quotenossi darstellen könnte – schliesslich geht es hier um Politik auf Bundesebene, nicht auf Länderebene. Also geht es weniger um Inhalte, sondern um Verkaufen: Dem Wähler „dem Gerd seine ehemalige Partei“! Und so ein Ossi ist ein toller Gegenpart zu Merkel(chen)… Da sind wir dann nach allen Seiten abgesichert und haben die Wählerstimmen im Sack…
    Sicher, ich mag mich vielleicht irren, aber Platzeck ist ja jetzt weg und wir haben die Chance, einen charismatischen, intelligenten und fähigen Nachfolger zu bestimmen.
    Vielleicht kann man aber von Platzeck eines übernehmen: Weniger billige Polemik à la Franz M und Gasprom – Gerd! Vielleicht „un peu“ mehr Inhalt…

  14. Oliver Zeisberger [blog.nrwspd.de] 11. April 2006 · 18:54 Uhr

    Ihr lieben Kommentatoren! Es freut uns, dass ihr den Rücktritt von Matthias Platzeck kontrovers diskutiert.

    Ich weise aber dennoch auf unsere Nutzungsregeln hin, damit sich hier keine Missverständnisse einschleichen. Beim Kommentieren muss eine gültige E-Mail-Adresse angegeben werden. Leider sind unter Euch wieder einige Nasen, die zwar jammern, aber bei denen wir berechtigte Zweifel daran haben, dass Sie ihre eigene E-Mail-Adresse angegeben haben.

    Unsere Regel besagt: Wer mit falscher E-Mail-Adresse kommentiert, beabsichtigt die anderen Leser und uns zu täuschen. Diese Täuschung tolerieren wir nicht. Beim nochmaligen Posten mit ungültiger E-Mail-Adresse werden die Kommentare gelöscht. Ende der Durchsage.

  15. bewegteflaeche 12. April 2006 · 1:10 Uhr

    Platzeck geht, Beck steht (Manueller Trackback)

  16. Jammalappe 12. April 2006 · 16:09 Uhr

    Der über die Gesundheit von Matthias Platzeck hinausgehende, eigentlich interessante Aspekt an seinem Rücktritt ist doch die Tatsache das nun wieder einmal ein Vorsitzendenrücktritt gab bevor es zur Programmdebatte überhaupt kam.

    Seit mehr als 10 Jahren scheint dies das Schicksal der SPD zu sein. Kein Konzept = Keine legitime, dauerhafte Führung. Wie auch ?

    Evtl. sollt man den rechtsreaktionären Herrn Kahrs und seine Freunde vom Seeheimer Kreis mal fragen woran die etwas viel versprechenderen Leute in der SPD idR so scheitern.

    Sind es nicht der Sprecher vom ominösen Seeheimer Kreis und seine Freunde, die wohl eher im Auftrag des politischen Gegners handeln/handelten und so die SPD in ihre tiefste Krise seit dem Bestehen der BRD gestürzt haben ?

    Wo bleibt die Konsequenz, fragt sich da der interessierte Beobachter.
    Wahr ist doch:
    Wenn Frau Nahles mal in die Kritik gerät wird in der Partei Zeter und Mordio geschrien. Das geht dann sogar so weit, dass man sich öffentlich der frauenfeindlichen Rhetorik der 1960er Jahre bedient.

    Wenn Herr Kahrs mal wieder einen seiner reaktionären Sprüche ablässt, schweigt die ganze Partei (mehr oder weniger) betreten.

    Deshalb kann hier nur Beck helfen, den ganzen schwarzen Dreck (tut mir Leid, die meisten von denen stammen halt aus NRW/Niedersachsen…) mal aus der roten Rille zu kehren.

    Meine Forderung nach dem Platzeck Rücktritt wäre die Erneuerung:
    1. Programm
    2. Programm
    3. Programm
    3. Enttarnung des Seeheimer Kreises und seiner eigentlichen Funktion.
    4. Clement rausschmeissen.
    5. Schröder die Mitgliedschaft entziehen.
    6. Ulla Schmidt raussschmeissen
    7. Münte rausschmeissen.
    8. Rückkehr zu sozialdemokratischer Tagespolitik und Programmatik.

    Ich kenne einen Haufen Leute (sogar ne Mednge Ex-Mitglieder) die würden dann evtl. auch wieder wählen gehen.

    Politik statt Pöstchen !
    Kuscheln mit den Bossen schadet auf Dauer den Genossen.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.