In Gelsenkirchen-Buer wird eine Zeitung dicht gemacht und es scheint niemanden zu interessieren. Der Verleger Kurt Bauer hat Ende März die Einstellung der Buerschen Zeitung zum 30. September 2006 verkündet und der sich ob dieser Entscheidung in Buer artikulierende Protest kommt in den Zeitungen des Ruhrgebietes nicht vor. Ab Oktober ist die WAZ in Gelsenkirchen quasi Monopol-Anbieter im lokalen Medienmarkt, denn sie ist auch am örtlichen Sender Radio Emscher-Lippe und an den gratis verteilten Anzeigenblättchen beteiligt. Vielleicht ist das der WAZ ja so peinlich, dass sie deswegen so wenig über diesen Vorgang schreibt. Andere wie der Dortmunder Medienexperte Horst Röper (Formatt Institut) sehen jedoch „Auffälligkeiten“, die vermuten lassen, dass es Absprachen zur Aufteilung des lokalen Zeitungsmarktes geben könnte. Gelsenkirchens ver.di –Vorsitzender Wolfgang Gottschalk deutet im Interview mit der Jungen Welt an: „Wäre man böswillig, könnte man sagen: Das ist eine Flurbereinigung, um unliebsame Konkurrenz loszuwerden.“

Ausführlich berichten über diesen bemerkenswerten Konzentrationsprozess im Zeitungsmarkt nur wenige Blätter. Aus Angst? Aus Eigeninteresse? Glücklicherweise gibt es noch Zeitungen, die in eine solche Lücke springen und gegen den Trend das Thema am Kochen halten. Aktuell ist das insbesondere der NRW-Teil der taz (die tageszeitung).

Es gab eine Versammlung in Gelsenkirchen-Buer mit mehr als 200 Menschen, die sich für einen Erhalt der Zeitung stark machten. Berichtet haben darüber nur taz und der wdr in einem Beitrag für das Regionalfenster.

Das Totschweigen versuchte Verleger Bauer auch mit rechtlichen Schritten durchzusetzen. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski hatte von der taz auf die Vorgänge angesprochen, die Vermutung als nahe liegend bezeichnet, dass sich die Verleger das Ruhrgebiet aufgeteilt hätten. Umgehend bekam er Post von den Bauer-Anwälten, die von ihm Widerruf und Unterlassung verlangten. Vergeblich allerdings, er machte auch diesen Vorgang öffentlich.

Das ist schon ein Phänomen: Die Kollegen aus anderen Zeitungen wissen bescheid über die Kündigung der gesamten BZ-Redaktion. Und sie müssten eigentlich auch davon gehört haben, dass die wirtschaftliche Lage der Buerschen Zeitung von Experten für nicht Ausschlag gebend gehalten wird. Aber sie schreiben nicht darüber.

Blogs wollen ja gerne eine alternative Öffentlichkeit darstellen. Über die Relevanz einer Information entscheiden die Leserinnen und Leser. Ich finde, das Plattmachen der letzten eigenständigen Tageszeitung in einem Stadtteil in Nordrhein-Westfalen darf nicht länger totgeschwiegen werden.

Mocki

Berichte der taz zu diesem Thema:
WAZ-Monopol wächst ganz von alleine vom 4. April 2006
Pott verliert Standpunkt vom 10. April 2006
Baranowski vs. Bauer vom 15. April 2006


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