Dass man eine gewisse Zeit braucht, um Niederlagen einzustecken, ist ja ganz normal. Wenn man aber seinen Misserfolg so stur abstreitet und sämtliche rechtlichen Schritte gegen eine allgemein angenommene Wahl ausschlachtet, könnte man schon auf die Idee kommen, dass jemand an Realitätsverlust leidet. Diesen Fall kann man zur Zeit bei Herrn Berlusconi in Italien beobachten, der der einzige in Italien zu sein scheint, der seine Niederlage immer noch nicht anerkennen kann. Selbst das höchste italienische Gericht konnte ihn nicht überzeugen, dass er die Wahl am 9. April verloren hat und nun nicht mehr Ministerpräsident sein wird. Da die Richtigkeit der Auszählung der gültigen Stimmzettel nun bestätigt wurde, will er laut einem Artikel auf Spiegel Online nun die für ungültig erklärten Stimmzettel überprüfen lassen. All diese Maßnahmen könnte ich nachvollziehen, wenn Italien ein instabiler Staat mit einer undemokratischen Regierung wäre und Berlusconi der Demokratie-verfechtende Oppositionsführer, der die eigentlich Mehrheit des Volkes hinter sich hätte. Aber war das nicht irgendwie anders?

Das ganze Spektakel scheint deshalb so absurd, weil Berlusconi als Regierungschef Organisation und Kontrolle der gesamten Wahlprozedur in der Hand hatte und nun die Opposition für das angeblich irreguläre Ergebnis verantwortlich macht. Und das allein aus dem Grund, dass es ihm nicht passt.
Ich denke nicht, dass er sich in näherer Zukunft damit abfinden, wird, dass er seine politische Macht als Regierungschef verloren hat. Dafür ist er viel zu machtbesessen. Allerdings wird sich Italien wahrscheinlich noch länger mit ihm und seinen Anschuldigungen herumschlagen müssen, denn durch seine dominierende Rolle in der italienischen Medienlandschaft, besitzt er nach wie vor Machtpotenzial. Doch das allein scheint ihm nicht zu reichen.
Eins haben seine Reaktionen aber nochmal demonstriert: Ein Freund der Demokratie ist er nach wie vor nicht, denn sie hat ihm seine Macht genommen.


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Ein Kommentar

  1. Benno 22. April 2006 · 9:20 Uhr

    @KfA: Egal, ob er sich formvollendet entschuldigt hat oder nicht: Schröder hat immerhin gezeigt, dass er sein eigenes Fehlverhalten erkannt hat. Bei Berlusconi kann man nach so viel Einsicht jedenfalls lange suchen. Außerdem hat Schröder nur einmal einen derartigen Fehltritt begangen (nämlich am Wahlabend) — Berlusconis Fehltritte seit der Wahl gehen hingegen schon nicht mehr auf eine Kuhhaut.

    Er hat ja jetzt auch noch einen draufgelegt und vor seinen Anhängern in Triest getönt, er werde Prodi niemals zu seinem Wahlsieg gratulieren. Denn das würde ja bedeuten, dass er Prodi eine gute Regierungstätigkeit wünsche — und das sei nicht im Interesse des Landes. Siehe hier: http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/ausland/328234

    So, so: Nach Berlusconis Logik ist es also nicht im Interesse Italiens, wenn es gut regiert wird… Allmählich frage ich mich, wo er nach seiner Entlassung als Ministerpräsident als erstes eingeliefert werden muss: Im Knast oder in der Klapse.

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