Ist zwar schon spät, aber der Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger vom heutigen Freitag lohnt sich auch nächtens für ein paar Zitate:

„Rüttgers sucht neuen Chef der Staatskanzlei“

Der bisherige Chef der Staatskanzlei, Grosse-Brockhoff, scheints nicht zu bringen, wenn er gegenüber Mitarbeitern sagt, er habe

in Zukunft mehr Zeit für Kultur

Zu den Gründen schreibt der Stadt-Anzeiger:

Andererseits zeigte sich in den vergangenen Monaten, dass sich die Doppelfunktion von Grosse-Brockhoff nicht bewährt hatte. Dies wurde immer häufiger bei Koordinationsproblemen deutlich.

Aha. In der CDU-Landtagsfraktion scheint niemand gut auf Rüttgers zu sprechen zu sein. Jedenfalls will ihn scheinbar niemand zum Chef:

Aus der CDU-Landtagsfraktion drängt sich offenbar kein Kandidat auf.

Was die Personalauswahl unserer Landesregierung angeht, scheint Rüttgers auch eher keine Strategie zu haben, wenn der Stadt-Anzeiger – und es handelt sich nicht um einen Kommentar, sondern um einen gewöhnlichen Artikel – schreibt:

Aber, so sagen Insider, Rüttgers sei auch immer für eine Überraschung gut.

Überraschungen? Soso.

12 Monate an der Regierung und der Regierungschef sieht Mängel in der eigenen Truppe. Der KStA weiter:

Fest steht, dass Rüttgers nach knapp einem Jahr in der Regierung erkannte Mängel beseitigen will. Der Stratege Rüttgers weiß, dass es mit einem Personalaustausch nicht getan ist.

Anderes Personal – andere Politik?

Auf das lästige Alltagsgeschäft scheint Jürgen lt. Stadtanzeiger auch keinen Bock mehr zu haben:

Sein Ziel muss sein, die Staatskanzlei so zu organisieren, dass er sich selbst nicht um das politische Alltagsgeschäft kümmern muss, wobei er sich mitunter aufreibt. Mehr als einmal musste er in der Vergangenheit – etwa bei der Beratung des Schulgesetzes – in aktuelle Diskussionen einsteigen.

Schon ganz spannend, wenn Eltern, Lehrer und Schüler gegen das Schulgesetz Sturm laufen (Gleich hier Petition unterzeichnen!) und der Regierungschef keine Lust mehr auf Diskussionen darüber hat. Vor knapp einem Jahr im Wahlkampf hat Rüttgers uns noch erklärt, wie wichtig ihm ein neues Schulgesetz ist. Heute will er sich um die Details nicht mehr kümmern.

Es geht weiter:

Das neue Führungsteam muss vier Jahre durchhalten – und die Reformen besser kommunizieren als bisher.

Ob es nur an der Kommunikation liegt? Beim neuen Schulgesetz zum Beispiel? Man bringt doch die gesamte Lehrerschaft, Elternvertreter und Schülervertretungen nicht mit ein bischen schlechter Kommunikation gegen sich auf?!

Auch die CDU-Landtagsfraktion scheint nur noch aus Reservespielern zu bestehen, wenn es heisst:

In der CDU-Landtagsfraktion will Rüttgers offenbar ebenfalls Hilfestellung leisten. Einer seiner wichtigen Vertrauten, Abteilungsleiter Edmund Heller, soll die Staatskanzlei verlassen und zurück in die Fraktion gehen.

Hauptgewinn, Herr Heller!

Wenn Heller dort „mit offenen Armen“ empfangen wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn weitere Personalgerüchte ins Kraut schiessen: So berichtet der Branchen-Dienst Plato über Europaminster Breuer, er wolle Verbandspräsident der gemeinsamen Sparkassenverbände des Rheinlands und der Region Westfalen-Lippe werden. Das bestreitet Breuer aber heftigst. Noch.

Rette sich wer kann.


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2 Kommentare

  1. Benno 28. April 2006 · 8:17 Uhr

    Diese Landesregierung pfiff ja ohnehin schon in puncto Ministerriege von Anfang an personell auf dem letzten Loch. Wenn man noch nicht einmal für solche Prestigejobs genug gute Köpfe für zusammenkriegt, darf es nicht wundern, wenn das personelle Niveau in der „zweiten Reihe“, sprich: der Staatskanzlei, noch schlechter ist. Und warum man einen ohnehin schon (im Normalfall) viel beschäftigten Staatskanzleichef auch noch mit der Kulturpolitik beauftragt, habe ich sowieso nie verstanden. Gut, dass sich solche Fehlentscheidungen irgendwann doch rächen und man nicht einfach ungeschoren „durchregieren“ kann.

    CDU und FDP sollten endlich den Tatsachen ins Auge sehen: „Das neue NRW“ kann man seit ihrem Amtsantritt lange suchen. Aufbruch — Fehlanzeige. Anstatt dessen wird dieses großartige Bundesland völlig unter Wert regiert. Nämlich dilettantisch. Schlimm genug, dass diese Rumpeltruppe immer noch geschlagene vier Jahre vor sich hat (sofern sich der Laden nicht doch noch vor der Zeit in seine Einzelteile zerlegt).

  2. Andreas Schulz 18. Mai 2006 · 23:31 Uhr

    Man kann soviel Geld in Verteidigung,Verkehr,und Politik stecken wie man will wenn man an Grund-Haupt und Weiter-Bildung Spart fördert man abbau von Wetbewerbsfähigkeit und damit gefärdet man den Staat im ganzen.Ich könnte schreien wenn ich in den Schulen höre „dafür sind leider keine Mittel vorgesehen“Stat dessen wird die A1 3spurig Ausgebaut.Die Bundeswehr reist in die ganze Welt.Ich würde es begrüßen wenn die Studierten Herren sich im Spiegel ansehen und dann veststellen das es gut gewesen wäre sie hätten mehr Wissen mitnehmen dürfen.
    Andreas Schulz

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