Was Umfragen für NRW angeht, scheppert es derzeit so richtig im Karton. Schon wieder sind neue Ergebnisse veröffentlicht worden, aber diesmal können wir uns wenigstens darauf verlassen, dass nicht wieder die CDU oder die Landesregierung die Finger im Spiel haben.

Der Fernsehsender n-tv hat nämlich gemeinsam mit der „Westfälischen Rundschau“ das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt, die politische Stimmung in Nordrhein-Westfalen zu sondieren — garantiert ohne parteipolitische Hintergedanken.

Und das ist dabei herausgekommen:

66 % der Befragten beklagen, CDU und FDP hätten seit ihrem Wahlsieg vor einem Jahr ihre Versprechen nicht eingehalten. Was Jürgen Rüttgers und Co. besonders zu denken geben sollte: Sogar die eigenen Leute (54 % der CDU-Anhänger, 68 % der FDP-Anhänger) teilen diese Kritik an der Landesregierung. Auch was die einzelnen politischen Sachbereiche angeht, wiederholt sich das negative Bild der Infratest-Umfrage vom Dezember: Von der Bildungs- über die Finanz- und Arbeitsmarkt- bis hin zur Jugendpolitik hagelt es schlechte Noten für Schwarz-Gelb.

Erstaunlich ist dabei, dass die so negativ bewertete Koalition trotz alldem auch diesmal wieder bei der Sonntagsfrage auf eine (wenn auch geschrumpfte) Mehrheit käme:

Zwar würde die Linkspartei mit 5 % den Einzug in den Landtag schaffen, dennoch könnte Schwarz-Gelb mit insgesamt 50 % auch diesmal wieder die meisten Sitze erobern. Rot-Grün liegt dagegen mit 41 % deutlich im Hintertreffen.

Doch aus der Vergangenheit weiß man ja: Was letztendlich bei einer Wahlentscheidung zählt (die ja ohnehin erst in vier Jahren ansteht), sind nicht die positiven Sonntagsfragen-Werte im Vorfeld, sondern die Zufriedenheitswerte in Bezug auf die jeweils amtierende Regierung. Und die sind für Schwarz-Gelb ohne Zweifel katastrophal.

Da hat die ganze Imagepflege mit den beiden eigens bestellten Umfragen von Emnid und GMS nichts bewirkt — die aktuelle, unabhängige Forsa-Umfrage zeigt: Schwarz-Gelb hat ein riesiges Problem. Und wenn diese Koalition bald auf den verschiedenen Politikfeldern nicht mehr Substanz abliefert, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie auch in der Sonntagsfrage die Mehrheit verliert.


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4 Kommentare

  1. politikinside@blogg.de 19. Mai 2006 · 0:51 Uhr

    Da sehen die Zahlen schon ganz anders aus…..

    Mehrheit für Schwarz-Gelb, aber schlechte NotenVor wenigen Stunden haben wir über die "gekauften Umfragen" der CDU-NRW berichtet, wo die schwarz-gelbe Landesregierung gute Noten in den zentralen Politikbereichen von den Befragten bekommen…

  2. SPD Hasser 2. Juni 2006 · 15:56 Uhr

    Denkt ihr Sozis etwa, mit euch würde es wieder besser gehen. Ihr habt uns die Zukunft in NRW, durch eure katastrophale Politik in den letzten langen Jahren, doch erst vermasselt. Fasst euch gefälligst an eure eigene Nase verdammt nochmal. Ich habe wirklich keine Lust mehr auf dieses Sozialdemokratengesülze jedesmal, ihr verliert doch sowieso jede Wahl.

    Mfg
    SPD-Hasser
    CDU rockt

  3. nikidopoulos 17. Juni 2006 · 20:53 Uhr

    Bin kein SPD-Hasser. War sogar bis vor Jahren Stammwähler.
    Aber dank des auch von der Kölner SPD praktizierten Klüngels und der Selbstbedienungsmentalität aller etabilierten Parteien, bin ich zum Protestwähler mutiert.
    Für mich existiert kein – gut nur marginaler – Unterschied zwischen SPD und CDU. Die Zahlen mögen für die SPD z. Zt. günstiger aussehen. Würde die SPD die Regierungsarbeit übernehmen, ist es aber doch auch nur eine Frage der Zeit bis diese in die Kritik gerät. Die NRW SPD hat sich in der Vergangenheit auch nicht mit Ruhm bekleckert. In diesem Sinn: Ihr würdet es auch nicht besser machen.
    Viele Grüße

  4. Benno 18. Juni 2006 · 9:36 Uhr

    @nikidopoulos:

    Dass auch die NRWSPD Fehler gemacht hat, bestreitet ja niemand. Nur haben wir vor der letzten Landtagswahl auch nicht eine so gewaltige Erwartungshaltung geschaffen, wie es CDU und FDP getan haben. Wenn Rüttgers vor der Wahl solche utopischen Ankündigungen macht wie (sinngemäß) „Der Machtwechsel wird im Handwerk und im Mittelstand eine solche Euphorie auslösen, dass wir damit schon gleich einen Grundstein für einen künftigen Aufschwung legen können“, dann muss sich Rüttgers auch an seinen Aussagen messen lassen. Und was ist von dieser „gewaltigen Aufbruchstimmung“ geblieben? — Bestenfalls schieres Mittelmaß. Rüttgers darf sich jedenfalls nicht wundern, wenn er die von ihm selbst angeheizte Erwartungshaltung der Bürger enttäuscht (was ja offenbar mittlerweile der Fall ist).

    In diesem Sinne: Sicherlich wären auch der NRWSPD, wenn sie hätte weiterregieren können, in dieser Wahlperiode Fehler unterlaufen. Schließlich hat es bislang noch nie irgendeine Regierung in Deutschland gegeben, die absolut fehlerfrei gearbeitet hat. Nur haben wir den Wählern vorher eben nicht das Blaue vom Himmel herunter versprochen. Und das ist der gewaltige Unterschied zwischen Rüttgers CDU (und Pinkwarts FDP) und uns.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.