Ich habe gerade auf der Webseite des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Albrecht Müller einen interessanten Brief des ebenso ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung Norbert Blüm gefunden. Blüm fordert seit Wochen einen öffentlichen Disput über die Rente und die Kampagne der Bild gegen die gesetzliche Rentenversicherung. Jedoch scheint Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann kein Interesse an einer ernsthaften Auseinandersetzung zu haben und kneift – aber Norbert Blüms abschließender Brief taugt zum heiteren Vorlesen in entsprechenden Runden, findet Albrecht Müller! Ich stimme hier 100%ig zu und veröffentliche hier mal die schönsten Passagen – den kompletten Brief Norbert Blüms an Kai Dieckmann gibt es hier.

Hinzu kommt noch der Zeitaufwand für eine Rentenkampagne, wie BILD sie losgetreten hat. Das ist schließlich kein Pappenstiel. Manipulation von Statistiken und Diffamierungen sind nicht mit leichter Hand zu machen. Einfache Interviews werden dann von BILD als „Verhör“ angeboten, um in der Staffage der Kriminalisierung von Verteidigern des Rentensystems auch nichts auszulassen. Das alles und noch mehr muss schließlich strategisch geplant und organisiert werden. Auch die Wissenschaftler, die Sie zu Zeugen aufrufen, sind nicht nur viel Geld wert, sondern müssen auch noch betreut werden. Ihr statistisches Material wird von einem Institut geliefert, das der Deutschen Bank nahe steht. Es strotzt aus allen BILD-Zeilen ein willfähriger Lobbyismus.

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Die Strafanzeige gegen die sog. „Rentenlüge“ war zwar eine Farce, aber sie hat auch Zeit gekostet. Und auf die angedrohte Sammelklage warte ich heute noch. Macht nichts. Mit Klamauk kann man auch Blamagen überspielen. Und dass Sie von der Staats-anwaltschaft eine klassische Abfuhr erleiden mussten, war eben eine saftige Blamage; zumal BILD doch so viel teuren „Sachverstand“ zur Begründung der Klage investiert hatte. Die Niederlage zu einem Sieg umzufunktionieren, ist ein alter Trick von Leuten, die nicht zugeben können, dass sie verloren haben.

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So spielen kleine Kinder Blindekuh. Hauptsache, die BILD-Rechnung stimmt.Scheinbar existieren gesetzliche und private Renten in der Welt der BILD-Zeitung auf verschiedenen Sternen, zumindest in unterschiedlichen Volkswirtschaften.

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Lassen Sie, Herr Diekmann, die albernen Mätzchen beiseite.

Sie haben die Hosen gestrichen voll, dass in dem von mir vorgeschlagenen Disput die Machenschaften der BILD-Zeitung offenbart werden. Das ist der Grund für Ihre Absage. Schon der Monitor-Redaktion sind Sie davongelaufen, als diese Ihnen unbequeme Fragen stellen wollte. Sie sind ein Feigling!

Der langen Rede kurzer Sinn: Die BILD-Renten-Diskussion hat nur einen Zweck: Die Rentenversicherung soll madig gemacht werden, damit das Geld in den Kassen der Privatversicherung klingelt. Das ist gut für das Geschäft der Allianz, mit der Sie in der Aktion „Volksrente“ zusammen in einem Bett liegen.

Die BILD-Zeitung entwickelt sich leider zur Zeitung des „Großen Geldes“, auch wenn Sie sich scheinheilig das Aussehen gibt, Sprachrohr des „Kleinen Mannes“ zu sein.

Wunderbar :-)


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2 Kommentare

  1. Jens-Peter 27. Mai 2006 · 15:05 Uhr

    Ach ja manchmal meine ich das Norbert Blüm in der falschen Partei war oder ist.

  2. Milan 4. Juni 2006 · 10:10 Uhr

    Ein sehr gelungener Brief, der vor Sarkasmus und Zynismus nur so strotzt. Mein ehrlicher Respekt einem großen Politiker.

    Als bekennenden SPD-Anhänger macht es mich traurig, einen so intelligenten und charismatischen Mann in den Reihen der CDU zu sehen.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.