Franz sagte mal ganz richtig „Es ist nicht wichtig recht zu haben, sondern recht zu bekommen“. Und so wie es aussieht wird er für seine (damals völlig falsch als Kapitalismuskritik bezeichnete) Kritik an anonymen Investoren, die Unternehmen zum Zwecke kurzfristiger Gewinnmaximierung zerschlagen und sich nicht für die langfristigen sozialen Kosten interessieren, Rückenwind erhalten. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland finanziert der britische Finanzinvestor Terra Firma die überzogenen Gewinnerwartungen seiner Investoren bei der Autobahn-Raststättenkette Tank & Rast mit Kreditaufnahmen in Höhe von über 400 Mio. Euro. Damit haben die Investoren bereits Renditen im Bereich von 150% bis 200% erhalten – dies rund 2 Jahre nach Kauf der Kette und die Anteile an dem Unternehmen hält man natürlich auch… Daß Tank & Rast seine Schulden dafür mal eben um ein Drittel erhöhen musste interessiert da natürlich nicht.
Die Zeche zahlen muß am Ende der Kunde (indem er an den Raststätten für immer weniger Leistung immer mehr zahlen muß) und der Pächter des Rasthofes. Die Pacht hat sich für manchen Pächter zwischen 2005 und 2007 mal eben verdoppelt. Aber hey! Was soll’s? Die Investoren von Terra Firma fahren sicher eher selten stundenlang über deutsche Autobahnen und sehnen sich wahrscheinlich auch eher selten nach einem gepflegten und bezahlbaren Rasthof. Mit den Renditen können sie sich das Fliegen leisten…

Meine Meinung ;-)

[via FTD, blog.markus-ritter.de]


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4 Kommentare

  1. Jens 28. Juli 2006 · 14:03 Uhr

    Nicht nur de Kunde wird am Ende die Zeche zu zahlen haben sondern wahrscheinlich auch einige Mitarbeiter denen natürlich aus „Kostengründen“ gekündigt wird.

    Kurz darauf wird darunter natürlich der Service leiden, weswegen einige Filialen eben geschlossen werden. Ich könnt echt kotzen vor soviel Turbokapitalismus. Es ist halt so AG´s sind für unser Land eher Schädlich als Nützlich.

  2. Carsten 28. Juli 2006 · 14:10 Uhr

    Sorry Jens, aber AGs haben damit mal gar nichts zu tun…

    Am Ende ist es immer ein Problem der Gier. Wenn der Besitzer eines mittelständischen Familienunternehmens 2 Angebote auf dem Tisch hat und das einer Private-Equity-Gesellschaft eben 50% höher ist als das eines anderen potenziellen Käufers, dann muß sich der Besitzer fragen lassen ob er denn wirklich 50% mehr verdienen muß und sich damit von jeglicher Verantwortung gegenüber seinem Unternehmen und den Mitarbeitern verabschiedet.

    Im Endeffekt sind nicht AG’s böse und auch Private-Equity-Gesellschaften sind nicht per Definition zu verteufeln: Am Ende weiß ja jeder worauf er sich einlässt… Da nimmt man vielleicht einfach mal das finanziell zweitbeste Angebot, stellt seine Gier etwas zurück und darf dafür wieder ruhig schlafen.

  3. Jens 31. Juli 2006 · 15:10 Uhr

    Hmmm ich meine nicht NUR Ag´s, sorry das ich mich da ein bisschen missverständlich ausgedrückt habe. Jede sonstwie geartete Firma deren Kopf mit dem Unternehmen außer dem kurzfristigen Gewinndenken nichts gemein hat ist schlecht für unsere Gesellschaft.

    Den Firmenbossen, wie z.B. hier bei Tank & Rast, ist es letztendlich egal was mit der Firma in zehn Jahren passiert, nur jetziger kurzfristiger Shareholder-Value ist wichtig. Bei Managern die innerhalb von ein bis zwei Jahren soviel verdienen das es für mehrere Generationen reichen wird ist langfristiges Denken nicht zu erwarten. Die Beispiele für diese Firmenpolitik sehen wir ja jeden Tag aufs Neue, egal ob Sie jetzt Karstadt, Allianz oder Tank & Rast heißen.

    Mein nicht mal radikalster Vorschlag wäre das ganze Pack nach Drüben zu scheuchen und uns wieder richtige Unternehmen UND Unternehmer zu besorgen.

    Alternativ würde ich an der Kostenschraube auch mal drehen wollen, wie wäre es mit chinesischen Managern? Ich habe gehört die arbeiten nur für einen Bruchteil der viel zu teuren deutschen Manager ;)

  4. manni 30. August 2006 · 23:41 Uhr

    Das Pack nach drüben scheuchen und uns wieder richtige Unternehmen und Unternehmer besorgen…
    das war der fromme Wunsch:

    Und Dein Beitrag dazu ist, dass der Unternehmer nichts verdienen darf, aber das Risiko trägt und zusätzlich Deinen Arbeitsplatz subventioniert.

    Diese hier anwesende Partei sorgt schon dafür, dass niemand unter solchen Bedingungen Unternehmer wird …

    Jeder Mensch arbeitet zunächst für sich und dann für die Allgemeinheit (in dem Fall für Dich).
    Die SPD hat im Sinn, allen, die etwas haben, möglichst viel wegzunehmen, um es denen die nichts haben (vielleicht auch weil einige faule Säcke sind) zu geben, weil es stimmen bringt.

    Die Fleissigen (und vielleicht sogar deswegen auch manchmal Reichen) werden geschmäht und mit entsprechenden Zusatzsteuern belegt und aus dem Land vertrieben (mitsamt den kompletten Steuern).
    Ihr wollt den reinen Kommunismus.
    Jeden Montag werfen alle ihr Geld zusammen und teilen es untereinander auf.
    Das Ergebnis nach einigen Jahren ist die DDR.
    Übrigends sind auch von dort die Besten zuerst geflohen.

    Euer Programm führt Deutschland in den Ruin.
    Zeit für „Kommunismus“ ist, wenn wir ein Wirtschaftswachstum von 5% haben, heute ist das ein riesiger Fehler, den Leuten die Lust an jeglicher Leistung zu vergrätzen.

    Zur Zeit muss ich von der SPD dringends abraten!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.