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Das Weblog findet als Kommunikationsmedium immer größeren Anklang. Mittlerweile gibt es kaum noch eine Sparte in der es nicht ein Gesetzt wird. Auch für den politischen Sektor ist das Weblog ein lohnenswertes Unterfangen. Das NRWSPD Weblog hierfür ein sehr gutes Beispiel. Der Einsatz eines Weblogs ist aber nicht nur für große Landesverbände interessant. Gerade auch für kleinere Gliederungen bietet ein Weblog vielfältige Möglichkeiten. Ich möchte an dieser Stelle stellvertretend für viele andere unser Weblog der Jusos Düsseldorf vorstellen. Und hoffe ein anregendes Beispiel zu liefern und andererseits Anregungen von euch zu bekommen, wie wir unser Weblog noch verbessern können.

Wir haben vor gut vier Monaten unseren Internetauftritt von einer klassischen Homepage vollständig auf ein Blog-System auf WordPress-Basis umgestellt. Zuvor hatten wir bereits erste Erfahrungen mit einem „Roten Blog“ aus dem Support Angebot der SPD zur Bundestagswahl gemacht und uns auch andersweitig mit Alternativen zu unserem herkömmlichen Auftritt beschäftigt. Anlass war eine wachsende Unzufriedenheit mit unserer damaligen Homepage und das dringende Bedürfnis neue Wege zu gehen.

Unsere herkömmliche Homepage, die bereits einige Jahre auf dem Buckel hatte, wirkte etwas altbacken und bedürfte einer Generalüberholung. Zu dem war die Software in ihrer Handhabung nicht ganz einfach, so dass die Aufgabe für Inhalte zu sorgen an wenigen technisch Versierteren hängen blieb. Des Weiteren konnten wir mit der klassischen Technik nicht das umsetzten, was wir uns als Ideal vorstellten.

Eine herkömmliche Website, auf der ein paar Termine angekündigt und ab und an ein Positionspapier der Jusos Düsseldorf steht nutzt nicht die Möglichkeiten die es gibt! Bei einer klassischen Homepage präsentiert sich zudem immer die anonyme Organisation, von mir aus noch mit ein paar Fotos, wer da so hinter steckt in der Personenrubrik. Aber die Meldungen sind immer offizielle Erklärungen der Organisation. Und vor allem ist die Kommunikation abgeschlossen. Eine klassische Homepage ist wie eine Burg. Wir stellen was online und der interessierte Leser kann es nur zur Kenntnis nehmen. Es wird gelesen oder nicht und das war es dann. Mit dem Blog laden wir die Leser dazu ein sich zu beteiligen, wir gehen auf sie zu. In dem wir uns anders und offener präsentieren, aber auch in dem wir die Möglichkeit geben direkt zu antworten. Wir wollen, dass unsere Leser eine Bindung zu uns aufbauen, dass womöglich die eine oder der andere auf diesem Weg zu uns stößt. Daher müssen wir uns ihnen gegenüber öffnen.

Wenn auf unseren (Neu-) Mitgliederstammtischen neue Gesichter auftauchten, dann hörten wir oft, dass diese Leute bereits seit Ewigkeiten Mitglieder sind oder sich damit herum getragen haben eins zu werden. Aber sie kannten keinen und wussten nicht so recht was sich hinter den ominösen Jusos Düsseldorf verbirgt. Wer ist das? Wie sind die so drauf? Und wenn man keinen kennt und sich unsicher ist, ob die Jusos denn zu einem passen, dann bleibt man passiv. Wir wollen aber, dass diese Leute aktiv werden. Und deshalb gehen wir jetzt auf sie zu! Das Weblog ist gerade bei unserer jungen und internetaffinen Zielgruppe ein interessantes Medium um sich dem entgegen transparent und offen zu präsentieren.

Wir zeigen uns zwar auch weiterhin klassisch als Organisation. Mit offiziellen Stellungnahmen der JUSOS DÜSSELDORF, mit offiziellen Terminen, Informationen, Pressemitteilungen etc. Aber wir haben jetzt die Möglichkeit die Beiträge zu personalisieren. Die offiziellen Sachen sind dabei mit der Autorenangabe JUSOS Düsseldorf versehen. Daneben schreiben wir unter unserem jeweiligen Namen eigene Einträge. Also zum Beispiel Erlebnisberichte von unseren AK-Treffen, Besuchen bei Regionalkonferenzen oder Parteitagen. Und zwar in unserem ganz persönlichen Stil und ganz persönlichen Eindrücke. Den Lesern ist natürlich klar, dass wir voreingenommen sind. Aber sie sehen, da ist einer, der sagt mir wie er es dort findet. Das ist was ganz anderes, als ob die Jusos Düsseldorf ihm sagen, dass die Veranstaltung toll war.

Und noch was anderes ist ganz wichtig! Wir sind zwar alle Jusos, doch stimmen wir nicht immer überein. Erst recht nicht mit dem, was unsere Parteifreunde in Berlin so treiben. Das wissen wir, aber die Leute nicht. Wenn sie uns sehen, dann stehen wir in den Wahlkämpfen auf der Strasse und bewerben unsere Partei. Nicht selten haben wir dann Gespräche, wo junge Menschen sagen, dass sie die SPD ganz gut finden, aber halt auch vieles blöd finden. Auch an dieser Stelle wollen wir uns bereits im Vorfeld den Menschen gegenüber öffnen. Natürlich werden wir auch weiterhin Stellungnahmen als SPD-Gliederung Jusos Düsseldorf abgeben. Aber auch jeder Einzelne von uns soll seine persönliche Meinung zum besten geben, jeder unter seinem eigenen Namen und ohne Umwege. Soll heißen, dass die personalisierten Inhalte nicht vorab vom Vorstand abgesegnet werden. Natürlich versteht es sich, dass rechtlich zweifelhafte Dinge sich nicht gehören. Auch wird der Vorstand jemanden der vollkommen überzieht den Zugang entziehen. Aber wir müssen nicht immer einer Meinung sein, weil wir das nicht sind. Das dürfen, ja sollen die Leute auch sehen. Sicherlich spiegeln unsere Beschlüsse und die Stellungnahmen des Vorstands irgendwo das Meinungsbild der Jusos Düsseldorf wieder. Aber noch viel deutlicher wird es, wenn wir unsere Debatten und Diskurse transparent führen. Wenn zwei unterschiedliche Meinungen im Blog stehen und wir dort auch selber diskutieren. Dann können die Leser sich ein viel exakteres Bild davon machen, wer die Jusos sind und wie sie ticken. Und sie sehen auch, dass es überhaupt nicht hinderlich ist nicht überall auf Linie zusein. Und vor allem können sie sich so bereits auf ungebundener Ebene einbringen und mitdiskutieren.

Soweit die Beschreibung unserer Entscheidung für das Weblog-Format. Bei der technischen Umsetzung haben wir uns eines WordPress-Themes bedient, dass auch die Jusos Minden-Lübecke und die Jusos Hamburg nutzen, welches wir an unsere Vorstellungen anpassten. Um bei der Vielfalt an Inhalten zwischen Meinungsäußerung, Berichten, Terminankündigungen, Pressemitteilungen etc. Ordnung und Übersichtlichkeit zu gewährleisten haben wir 8 Kategorien eingerichtet, sowie einen Event-Kalender integriert. Aber das könnt ihr euch ja selber mal anschauen.

Doch mit der technischen Umsetzung ist es nicht getan. Ein Blog muss mit Leben gefüllt werden. Dabei hinken wir zugegeben hinter unseren euphorischen Plänen zurück. Was jedoch realistisch betrachtet kein Beinbruch ist. Wir haben mit 64 Einträgen in den vergangenen vier Monaten deutlich mehr Inhalte generiert als dies in vergleichbaren Zeiträumen bei der vorherigen Homepage der Fall war. Auch sind die Inhalte von ihrer Art her sehr viel vielfältiger als zuvor. Dafür haben wir viel Zuspruch erhalten. Nicht zuletzt von einigen neuen Gesichtern, welche nun ihren Weg zu uns gefunden haben. Also genau unserer Zielgruppe.

Was die Diskussion in den Kommentaren angeht, gestaltet es sich etwas schwieriger. Zwar kommt im Schnitt etwa ein Kommentar auf jeden Eintrag. Für eine Diskussion ist dies aber häufig zu wenig. Hier überlegen wir momentan, wie wir nicht zuletzt unsere eigenen aktiven Leute dazu animieren können, sich stärker zu beteiligen. Allerdings ist auch klar, dass es nicht auf die schiere Masse ankommt. Ähnlich sieht es bei den Besucherzahlen aus. Hierbei ist ein Vergleich mit den Wahlkampf geprägten Vorjahren schwierig. Ein wenig mehr Breitenwirkung sollte aber schon drin sein. Allerdings schätze ich für beide Bereiche, dass im Winter ohne Fußball WM und Ferien-/Grillsaison mehr drin sein wird.

Alles in allem sind wir mit der bisherigen Umsetzung sehr zufrieden. Unser Auftritt ist deutlich frischer geworden. Und hat vor allem an Dynamik und Vielfalt gewonnen. Erfreulich ist, dass wir uns über die Kommentare bereits stärker mit anderen Jusos vernetzen konnten. So kommt unser Top-Kommentierer von den Jusos Minden-Lübecke. Grüß dich Jens. Die Vernetzung zwischen den verschiedenen SPD(nahen)-Blogs ist jedoch auch ein Bereich, in dem wir uns noch steigern können und wollen. Insbesondere mit Hinblick auf die Kampagnenfähigkeit im Netz.


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2 Kommentare

  1. Demokradikal 13. August 2006 · 14:39 Uhr

    Eigentlich sollte dieser Artikel bei politikinside.blogg.de erscheinen, jedochscheint man dort Angst vor abweichenden Meinungen zu haben, de3shalb hier:

    …irgendwie süss, dass hier all einer Meinung sind und sichso gut verstehen. Liegt das etwa an euren schicken Jobs ?

    Doch eins zum Thema „Soziale Gerechtigkeit bei den ehemaligen Volksparteien“:

    Was kann eigentlich eine gegen die linke Mehrheit regierende SPD im Jahr 2006 ausser den berühmten Vorwahlkampflügen noch zum Thema sozial Gerechtigkeit beitragen ?

    1. Ihre Zustimmung zum faulen Gesundheits-Kopfpauschalen-Kompromiss ?
    (Ausstieg aus dem solidarischen Gesundheitssystem, eingeleitet bereits unter Rot-Grün)

    2. Ihre Meriten die sie sich mit Hartz IV verdient hat ? (Die eigenaltersvorsorgenden, Kinder produzierenden, ihren Partner und zur Not auch ihre Eltern finanzierenden MinderheitsmultiStudiengebührzahler als Zukunftsmodell ? (Hihi. Selten solchen realitätsverweigernden Schwachsinn gehört)

    Genau, die soziale Komponente wird bestimmt dadurch deutlicher, dass man (wie Beck und Struck gerade wieder) sich die Schwächsten innerhalb der Gesellschaft sucht und auf ihnen herumtrampelt. Dann fällt eigenes Versagen und die Arschkriecherei bei den Bossen und internationalen Wichtigtuern auch nicht so auf.

    Demokratie, geschweige denn soziale Gerechtigkeit haben unter diesen Umständen leider keine Überlebensfähigkeit.

    Da braucht man nicht mehr mit dem Finger auf die Union zu zeigen. Das hat SPD auch ganz alleine vermocht.

  2. Jens 13. August 2006 · 18:01 Uhr

    Na dann grüße ich mal zurück@Sebastian (War mit Susanne ja beim Afrika-Seminar in Münster).

    @Demokradikal

    Du hast uns (politikinside) wohl ne Mail geschickt und diese wurde wahrscheinlich noch nicht bearbeitet, weil a.) wir noch in der Sommerpause sind und b.) ich in den letzten Tagen nur unterwegs war.

    Von was für schicken Jobs redest du? Ich z.B. bin noch Auszubildener und mache nebenbei umsonst Medien – & Parteiarbeit bei den Jusos und in der SPD. Politikinside ist auch nen Privatprojekt und das bringt mir und meinen Kollegen auch kein Geld. Ich muss dir teilweise zustimmen, dass wir einen linkeren Kurs in der SPD fahren müssen, um wieder Vertrauen bei den Wählern zu gewinnen. Ich war auf vielen Veranstaltungen (zuletzt eine Diskussion im WBH im Rahmen eines Berlin-Besuches), wo genau das kritisiert wurde, was du angesprochen hast.

    Der Gesundheitskompromiss ist für die Tonne und wir führen eine kleine Kopfpauschale ein, die in meinen Augen unsozial ist und die Lage im Gesundheitssystem nicht verbessern wird. Hinsichtlich 19 %-Merkelsteuer brauchen wir nicht diskutieren, denn das war der Super-GAU schlechthin und ein erheblicher Imageschaden, wenn Erhöhung dann hätte man sich auf die 18 % einigen sollen und nicht ein Prozent drauflegen!

    Hartz4 halte ich in Teilen für Richtig, gerade bei der Zusammenlegung zweier Systeme und so schlecht kann man von dem Geld auch nicht leben, sonst würden einige Bezieher angebotene Arbeitsstellen nicht ablehnen. Dennoch muss man hier auf die soziale Kompnente achten und nachbessern (Sätze regelmäßig überprüfen und entsprechend anpassen).

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.