Das statistische Bundesamt hat Zahlen vorgelegt, die die Effekte der Einführung der Studiengebühren deutlich zeigen. Niedersachsen, welches als erstes Land Studiengebühren eingeführt hat, verlor im Wintersemester 2004/2005 im Vergleich zum Vorjahr 25 345 Studenten! Berlin (verzichtet bis jetzt noch auf Studiengebühren) hatte einen Zuwachs von 35 000 Studenten. NRW verzeichnete zwar noch einen Zuwachs von 7 500 Studenten, mit der Einführung der Studiengebühren kann sich dies aber schnell ändern.

Wanderungssaldo Studenten

Leere Hörsäle und kleine Seminare sind ja schön, aber eine fast schon Exodus-mäßige Flucht der Studenten in Bundesländer ohne Studiengebühren, kann ja auch nicht der Sinn der Sache sein. Wenn man sich dann überlegt, wie viel Geld mit jedem Student mit „abwandert“ (Miete, Essen, Kleidung usw.), dann erscheint mir das doch für die Hochschulstädte einschneidend!

Hörsaal
CC Photos by krat-os und heipei

Klar das Land aus dem ein Student abwandert spart im ersten Moment Geld, schließlich muss es die Ausbildung des Studenten nicht mehr finanzieren. Aber sollte es nicht das Ziel eines jeden Landes sein, ein attraktives Hochschulland zu sein? Mit der Einführung von Studiengebühren die Studenten zur Abwanderung zu bringen und so seinen Haushalt zu entlasten, finde ich sehr fraglich. Spätestens wenn dann Fachkräfte fehlen, werden mit Sicherheit teure Programme aus dem Boden gestampft um sie wieder anzulocken.

Kann man da nicht gleich besser auf Studiengebühren verzichten und sich einige der negativen Folgeeffekte ersparen? Das erscheint mir zumindest weniger kosten- und arbeitsintensiv und um einiges sinnvoller!


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6 Kommentare

  1. Klaus-Dieter 16. August 2006 · 0:28 Uhr

    Hallo Marion, deine Einschätzung kann ich nicht teilen. Studiengebühren bedeuten keine leeren Hörsäle, denn dann wären die Hörsäle zum Beispiel amerikanischer Universitäten alle leer. Der Wanderungssaldo in Höhe einiger tausend Studierender belegt auch keine „exodus-mäßige Flucht“ bei über 2 Millionen Studierenden in Deutschland, wenn man sich mal die Relation der Zahlen anschaut. Auch wird ein Hochschulland mit Einführung von Studiengebühren nicht automatisch weniger „attraktiv“ und es werden mit der Einführung von Studiengebühren auch nicht „Studenten zur Abwanderung gebracht“. Das Gegenteil kann der Fall sein, wenn man sich wieder einmal amerikanische und englische Gebührenunis wie Harvard und Cambridge ansieht.

    Studiengebühren führen auch nicht zum Fehlen von „Fachkräften“. Und das Argument mit dem mit den Studenten abwandernden Geld für Miete und Konsum überzeugt mich nun am allerwenigsten: Der Verzicht auf Studiengebühren kann ja wohl nicht damit begründet werden, den Unistädten Mieteinnahmen zu erhalten. Das ist nicht Aufgabe akademischer Ausbildung.

  2. Benno 16. August 2006 · 14:56 Uhr

    @Klaus-Dieter:

    Nichtsdestotrotz sind die Studiengebühren, so wie sie jetzt in einigen Bundesländern beschlossen werden, absolut sinnlos. 500 Euro pro Semester reichen nämlich nicht aus, um die Qualität der Lehre merklich zu verbessern. Dementsprechend werden ja auch in den USA und Großbritannien weitaus höhere Studiengebühren verlangt. Ich als Student sehe es schon kommen, dass wir künftig für unsere Gebühren bessere Leistungen seitens der Uni einfordern und die Verantwortlichen an der Uni uns einen Vogel zeigen werden.

    Also: Ganz oder gar nicht. Ich würde mich natürlich überhaupt nicht darum reißen, statt 500 2000 Euro pro Semester hinblättern zu müssen. Aber es ist immer noch besser, hohe Gebühren für eine auch wirklich garantierte Verbesserung der Qualität der Lehre zu zahlen als 500 Euro, die ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

    Und zudem kann uns Studenten niemand eine Garantie geben, dass nicht doch (wie unter den CDU-Parteifreunden in Österreich geschehen) Haushaltsmittel für die Unis gekürzt werden, sobald die Studiengebühren in Kraft sind. Insofern könnten diese Gebühren erst recht zu einem absoluten Nullsummenspiel werden.

    Und deshalb gehe ich auch jede Wette ein: Mit diesen Gebühren wird uns Studenten lediglich an die Geldbeutel gehen. Sonst wird aber absolut nichts passieren. So wird es ja im Übrigen wohl auch mit der sog. „Gesundheitsreform“ kommen, wie sie jetzt in Berlin beschlossen wurde. Insofern werden sich die NRW-Landesregierung und die ganzen anderen Gebührenfans in „guter“ Gesellschaft befinden.

  3. Klaus-Dieter 16. August 2006 · 22:53 Uhr

    @ Benno:

    Deine Einschätzung ist richtig, daß 500 Euro nicht zu einer entscheidenden Verbesserung der Situation führen können, dazu ist das zu wenig Geld. Doch ändern wird sich trotzdem unmittelbar etwas. Das Bewußtsein, daß Bildung ein wertvolles Gut ist, wird noch deutlicher werden. Die Erkenntnis wird gefördert, daß es dieses wertvolle Gut nicht mehr zum scheinbaren Nulltarif gibt. Konkret werden die durchschnittlichen Studienzeiten sinken, die Studierenden werden schneller studieren und für ihr Geld die Möglichkeit des schnellen Studierens von ihren Unis besser einfordern können. So leicht wird niemand mehr der Zutritt zu Seminaren verwehrt werden. Die Studiengebühren könnten damit der Anfang weiterreichender Reformen sein, die verknöcherte Strukturen an den Behörden-Unis aufbricht und die Lehre und Forschung verbessert, insbesondere wenn die Autonomie der Unis gestärkt und der Wettbewerb der Unis untereinander um Mittel und Studierende gefördert wird.

    Ich finde die Einführung von Studiengebühren daher eine gute und begrüßenswerte Sache und sehe eigentlich keine überzeugenden Argumente, die dagegen sprechen.

  4. Benno 17. August 2006 · 9:25 Uhr

    @Klaus-Dieter:

    „Konkret werden die durchschnittlichen Studienzeiten sinken, die Studierenden werden schneller studieren und für ihr Geld die Möglichkeit des schnellen Studierens von ihren Unis besser einfordern können.“

    Darf ich dich daran erinnern, dass es bereits seit zwei Jahren (damals noch von Rot-Grün eingeführt) Langzeit-Studiengebühren gibt? Spätestens seitdem wirst du kaum noch einen Studenten finden, der freiwillig sein Studium vertrödelt. Ich kenne sogar etliche Studenten, die ihr Studium unterhalb der Regelstudienzeit durchzuziehen versuchen. Für den Rest meines Bekanntenkreises gilt, dass sie (ebenso wie ich) in der Regelstudienzeit fertig werden wollen. Überhaupt ist das Bild des Langzeit-Unigammlers schon lange überholt. Die überwältigende Mehrheit der heutigen Studenten hat schließlich realisiert, dass es auch für die spätere Berufsplanung nicht von Vorteil ist, ewig an der Uni abzuhängen.

    „So leicht wird niemand mehr der Zutritt zu Seminaren verwehrt werden.“

    Das möchte ich erst noch sehen. Wie gesagt: Ich befürchte vielmehr, dass die Universitäten über den Betrag von 500 Euro pro Semester nur müde lächeln werden. Einen wahnsinnigen Anspruch auf bessere Lehrleistungen wird man aus diesem Beitrag jedenfalls wohl kaum herleiten können. Denn für zusätzliche Seminarplätze braucht man größere Räume und/oder zusätzliche Dozenten. (Denn es ist ja nicht so, dass die Studenten aus lauter Boshaftigkeit keinen Seminarplatz bekommen, sondern aufgrund mangelnder räumlicher und personeller Ressourcen.) Die Kosten dafür kann man nicht durch Studiengebühren decken.

  5. Roter Baron 23. August 2006 · 1:06 Uhr

    Ich muss Benno Recht geben:
    Die 500€ werden keine Qualitätssteigerung der Lehre herbeiführen – im Gegenteil:
    Schon jetzt wurden ganz unmerklich für die Außenwelt, dafür aber um so drastischer für die Bediensteten und Studierenden der Universitäten in NRW Mittel gekürzt. Zwar heißt es offiziell, es werde nicht an der Lehre gespart, wenn aber – wie im Falle meiner Universität Münster geschehen – drastisch Gelder gestrichen werden, mit denen vorher Studienberatung und Studienorganisation finanziert wurden, dann ist das genau so schlimm, wie wenn man Gelder für Vorlesungen und Seminare streicht.
    „Das Bewußtsein, daß Bildung ein wertvolles Gut ist, wird noch deutlicher werden. Die Erkenntnis wird gefördert, daß es dieses wertvolle Gut nicht mehr zum scheinbaren Nulltarif gibt. Konkret werden die durchschnittlichen Studienzeiten sinken, die Studierenden werden schneller studieren und für ihr Geld die Möglichkeit des schnellen Studierens von ihren Unis besser einfordern können.“
    Das halte ich für absoluten Blödsinn: 90% aller Studenten werden sich schon jetzt bewusst sein, dass Bildung ein wichtiges und teures Gut ist. Und die zehn Prozent, die es nicht sind, bekommen das Geld jetzt eh schon von Papi hinten rein geschoben und werden über Studiengebühren milde lächeln. Die vorgegebenen Studienzeiten sind heute schon kaum zu schaffen, in Zukunft werden sie noch mehr gestrafft. Die soziale Selektion nimmt weiter zu durch Studiengebühren, denn nur noch wohlhabende Leute können es sich leisten, ein ausführliches Studium anzugehen.
    Der Vergleich mit den USA und GB hinkt übrigens auch: Da gibt es einzelne Leuchttürme, die sehr gut und produktiv sind und dabei eine „Schweinekohle“ kosten (die entweder nur von reichen Eltern oder durch mysteriös vergebene Stipendien bezahlt werden kann). Der große Rest der Universitäten in diesen beiden Ländern sind bedeutend schlechter als die deutsche Durchschschnittsuniversität.

    Abschließend kann ich nur immer wieder auf Jürgen Rüttgers‘ Zitat aus dem Landtagswahlkampf hinweisen: „Wenn es damals Studiengebühren gegeben hätte, hätte ich (Rüttgers) nicht studieren können. Mein Vater war einfacher Handwerker, da war das Geld oft knapp. Studiengebühren befürworte ich erst, seitdem ich im Landtag sitze und ein anderes Verhältnis zum Geld habe.“

    Ich glaube, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

  6. Mario 24. November 2006 · 12:34 Uhr

    Naja der Vergleich mit Harvard, usw. ist ja wohl überflüssig, da diese Unis die studiengebühren für sich selbst behalten dürfen und somit auch seber auftreten. Aber bei „unseren“ Studiengebühren, werden nur die Schuldenlöcher der Länder gestopft und es fließt nur ein ganz geringer Anteil der Gebühren an die Hochschulen, somit ist das ganze nur ne ganz fiese Mogelpackung, weil ein Großteil der Bevölkerung meint, dass diese Gebühren der Hochschulen zu Gute kommen, wäre dies denn so würde ich als vielleicht angehender Student die Studiengebühr gerne bezahlen, damit der Bildungsstandard in unserem Land erhöht wird, aber die Studenten nur dazu zu nutzen die Schuldenlöcher zu stopfen finde ich ethisch und moralisch verwerflich. Somit bleibt für mich nur noch zum Abschluss zu sagen, dass die Studiengebühren nur eine ganz geschickte Weise ist um Geld in die Leeren Kassen zu spülenbzw um dem kleinen Mann das Geld aus der Tasche zu ziehen. Weil kein Politiker den Mumm hat dem kleinen Mann direkt zu sagen wie es aussieht und lieber alles schön redet usw. In diesem Sinne schönen Tag noch

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.