Rüttgers mit KroneKaum zu glauben, aber wahr. Seine Durchlaucht, Jürgen Rüttgers in persona, hat sich bei der Visitation seines herrschaftlichen Fürstentums gnädigst dazu herabgelassen, Milde über seine Untertanen walten zu lassen. Leider trifft dieser „spontane Akt“ der Barmherzigkeit nicht alle Betroffenen, nur ein kleiner Junge konnte das harte Herz des Ministerpräsidenten erweichen.

Der kleine Düsseldorfer Edijan Idic, fiel dem neuerdings so sozialen Rüttgers bei einem Besuch einer Grundschule auf. Der Junge soll mit seinen Geschwistern und der Mutter ausgewiesen werden, der Vater wurde bereits abgeschoben. Nur eine seiner Schwestern hat Aussicht auf ein Bleiberecht in Deutschland. Jetzt kümmert sich der Ministerpräsident persönlich um ein Bleiberecht für Edijans Familie.

Und Rüttgers lässt sich dafür auch noch in der Bild-Zeitung abfeiern. Gegenüber all denen, die zum Teil seit Jahren in der ständigen Angst vor der Abschiebung leben, ist das ein Schlag ins Gesicht. Sollen sie jetzt alle um eine Privataudienz beim Landesfürsten bitten? Vor ihm auf die Knie fallen? Oder jeden öffentlichen Termin von Rüttgers stürmen? Aber bitte nur die Kinder und auch nicht zu alt natürlich, sonst zieht erstens das Kindchenschema nicht mehr, und zweitens lieben die Medien (siehe Bild) doch solche Storys.

Anstatt wie in mehreren anderen Bundesländern die Abschiebung vorübergehend auszusetzen, bis im November die Innenministerkonferenz eine Entscheidung über das Bleiberecht für lange geduldete Menschen gefällt hat, wird in NRW abgeschoben, als gäbe es diese Diskussion gar nicht. Der nächste Flieger von Düsseldorf nach Pristina geht morgen, mit Sicherheit an Bord Menschen mit dem gleichen Hintergrund wie die von Rüttgers spontan erwählte Familie. Das ist wirklich christ-demokratische Heuchelei vom Übelsten in Reinform; Herr Rüttgers. Aber es passte ja halt so schön zu seinem neuen Image des „sozialen“ Rüttgers.

CC

Photomontage, Krone by riverofgod


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2 Kommentare

  1. Sozialdemokrat für Oskar 16. August 2006 · 19:15 Uhr

    Im Vergleich zu den menschenverachtenden Machenschaften der SPD kann man den nordrhein-westfälischen Landesvater Rüttgers sehr wohl als sozial bezeichnen.

    Ich darf nämlich daran erinnern, daß bereits kurz nach dem Machtantritt Schröders und seiner Schergen todkranke und in ihren Heimatländern verfolgte Menschen kaltblütig abgeschoben und damit dem Tode ausgeliefert wurden.

    Nachzulesen sind die skrupellosen Aktionen der SPD und ihrer grünen Lakaien in folgenden Berichten:

    Opfer der rot-grünen Asylpolitik
    Teil 1
    Von Elisabeth Zimmermann
    4. Mai 2000

    In jüngster Zeit häufen sich Berichte über die Schicksale einzelner Menschen und Familien, die der unter der rot-grünen Regierung verschärften Asyl- und Flüchtlingspolitik und dem gnadenlosen Vorgehen der deutschen Ausländerbehörden zum Opfer fallen.

    So berichtete die Frankfurter Rundschau Ende März vom Tod der 42-jährigen Hamida Mujanovic. Sie starb am 17. November 1999, drei Monate nach ihrer erzwungenen Rückkehr aus Deutschland nach Bosnien an ihrem schwerem Asthma. Die Krankheit konnte in dem vom Bürgerkrieg schwer beschädigten Land nicht wirksam behandelt. Hamida Mujanovic hinterlässt ihren Mann und zwei kleine Kinder. Sie war mit ihrer Familie 1993 vor dem Bürgerkrieg in Bosnien nach Deutschland geflohen und hatte in Velbert (nahe Düsseldorf) Aufnahme gefunden.
    […]
    http://www.wsws.org/de/2000/mai2000/asyl-m04.shtml

    Opfer der rot-grünen Asylpolitik
    Innenministerkonferenz beschließt Beschleunigung von Abschiebungen
    Teil 2
    Von Elisabeth Zimmermann
    10. Mai 2000

    Die Innenminister von Bund und Ländern beschlossen auf ihrer am 4. und 5. Mai in Düsseldorf abgehaltenen Frühjahrskonferenz, die Abschiebung von nicht anerkannten Asylbewerbern und Flüchtlingen aus Deutschland zu beschleunigen. Dazu soll nach den Worten des nordrhein-westfälischen Innenministers Behrens (SPD), der zur Zeit Vorsitzender und Sprecher der Länderinnenminister ist, die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge und den Länderbehörden, die für die Durchführung der Abschiebungen zuständig sind, verstärkt werden. Konkret sollen Erkenntnisse aus dem Asylverfahren benutzt werden können, um „Rückführungshindernisse“ aus dem Weg zu räumen.
    […]

    http://www.wsws.org/de/2000/mai2000/asyl-m10.shtml

    Ihr Mitläufer bei der SPD solltet einmal in Euch hineingehen und Euch dessen bewußt werden, daß Ihr mit Eurem Verhalten die menschenverachtende Politik Eurer Parteibonzen billigend in Kauf nehmt und sie dadurch unterstützt.
    Sich and den Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft zu vergreifen, ist nicht nur abscheulich und niederträchtig, sondern hat mit wahrer Sozialdemokratie nichts — aber auch gar nichts — zu tun.

  2. Klaus-Dieter 16. August 2006 · 22:57 Uhr

    @ Marion:

    Ich denke, du siehst das etwas zu verbissen. Man sollte Politikern nicht immer nur schlechte Absichten unterstellen. Ich finde das Eintreten von Jürgen Rüttgers für die jugoslawische Familie eigentlich ganz positiv, schließlich ist er selbst Familienvater und hat selbst kleine Kinder und ist ein sehr bodenständiger Mensch geblieben.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.