Die WAZ ist seit einiger Zeit in aller Munde: Pläne zur Schließung einiger Lokalredaktionen, einen neue Onlinestrategie und die Einführung von WAZ-Blogs so wie ein WAZinside-Blog haben die Zeitung vor allem in den Blogs zum Gesprächsthema gemacht.

WAZ BulliDie Bekanntgabe (siehe taz), dass viele Lokalredaktionen geschlossen werden sollen, sorgte für erste Unruhe (siehe hier). Insgesamt werden bis zum Ende des Jahres sieben Redaktionen geschlossen, alle im Kreis Recklinghausen. Hier soll ab nächstem Jahr nur noch ein Lokalteil, aus einer Redaktion erscheinen. Dies führte zu Spekulationen, dass die Verlage WAZ und Bauer sich die Gebiete im Ruhrgebiet so unter einander aufteilen, dass sie die Monopolstellung im jeweiligen Ort haben (wir berichteten). Die Lokalredakteure die bei diesem Umbau „arbeitslos“ werden, sollen in anderen Abteilungen und besonders in dem neuen Onlinebereich unterkommen.
Als Ersatz für die Lokalredaktion hat man sich bei der WAZ die „mobile Redaktion“ ausgedacht, eine Redaktion im Bulli! Über den Arbeitsplatz freut sich bestimmt jeder ehemalige Lokalredakteur! Andererseits wenn er vor der Wahl steht Bulli oder Online-Bereich?!

Womit wir beim zweiten Thema wären: die WAZ will ihr Online-Angebot erweitern, verändern und insgesamt komplett renovieren (siehe hier). Erste Auswirkungen sind bereits zu spüren, man muss sich nicht mehr für jeden Artikel eines Lokalteils einloggen, um ihn online lesen zu dürfen. Einige feste Elemente der Printausgabe sollen in Zukunft nur noch online zur Verfügung stehen. Unter dem Arbeitstitel „WestEins“ soll eine Mischung aus alt und neu entstehen. Neben den klassischen Artikeln aus der Printausgabe sollen Beiträge aus der Online-Redaktion, Weblogs, Podcasts und Videoblogs das Angebot ergänzen.

Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Lokalredakteure der WAZ nicht unbedingt eine große Affinität zum Medium Internet haben und der Begriff Blog noch nicht zu jedem durchgedrungen ist, erscheint dies als große Aufgabe. Das was die WAZ bisher an Blogs anbietet, hat z.T. schon skurrile Züge (Diskussion hier und hier). Die Beiträge schwanken zwischen Sonntagspredigt und nur einer Überschrift. Zum kommentieren muss man sich erst registrieren, was wohl die meisten die auf diesen Gedanken gekommen sind spätestens abschreckt. Das diese Strategie nicht unbedingt der Renner ist, ist aber jetzt auch wohl bei der WAZ angekommen.

Lyssas LoungeDeshalb hat die WAZ jetzt eine Spezialistin in Sachen Blog in ihr Boot geholt – Katharina Borchert (im Netz bekannt unter Lyssa). Neben ihrem eigenen Blog Lyssas Lounge, dem Einzug in die Coca-Cola WG bei der Fußball-WM usw., führte sie in jüngster Zeit ein viel diskutiertes Interview mit der Kanzlerin, natürlich als Videoblog. Die Frau soll es also richten und ist jetzt Online-Chefredakteurein bei der WAZ.

WAZsollsAber auch die Redakteure der WAZ scheinen neue Wege zu beschreiten. Ein Mitglied der WAZ-Redaktion bloggt neuerdings anonym im eigenen Blog „WAZsolls„. Er berichtet aus der Redaktion der WAZ, sein Verhältnis zum bloggen und den Einzug von Lyssa in die WAZ-Welt. Im Interview mit Mediendschungel verriet er Details zum neuen Projekt der WAZ. Auf die Frage, ob er verstanden hat was das WAZ-Management vor hat, antwortete er „Ich konnte noch nicht verstehen, was unser Management vorhat, da es mich (wie üblich) nicht in seine Pläne eingeweiht hat. Bei Frau Borchert gehe ich von der Hypothese aus, dass sie im Online-Bereich das Konzept vorgibt und, wenn das Management es gutheißt, es auch zu realisieren versucht.“. Bei allen Vorbehalten gegenüber Neuerungen bereiten ihm aber eher die zurückgehenden Auflagenzahlen Sorgen als das was da kommen könnte.

Es tut sich also was bei der WAZ.

Auf das neue Online-Angebot muss man allerdings noch warten. Der erste Relaunch der Seite ist lt. Frau Borchert für März 2007 geplant. Aber bis dahin wird es bestimmt nicht langweilig bei der WAZ. Im Internet kursieren auch schon erste Worst-Case-Szenarien!

Fotomontage WAZ-Bulli, Foto by jaspeace CC


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9 Kommentare

  1. dlaw@247msg.com 31. August 2006 · 23:09 Uhr

    Andererseits wenn er vor der Wahl steht Bulli oder Online-Bereich?! dlaw@247msg.com

  2. dlaw@247msg.com 1. September 2006 · 0:32 Uhr

    “Ich konnte noch nicht verstehen, was unser Management vorhat, da es mich (wie üblich) nicht in seine Pläne eingeweiht hat. Bei Frau Borchert gehe ich von der Hypothese aus, dass sie im Online-Bereich das Konzept vorgibt und, wenn das Management es gutheißt, es auch zu realisieren versucht.”??

  3. Mocki 1. September 2006 · 11:00 Uhr

    Apropos Frau Borchert. Die kommt doch aus Wattenscheid, vom dortigen Bauernhof. Ist das nicht der Hof von Ex-Minister Borchert? 1993 bis 1998 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Helmut Kohl?

  4. Marion 1. September 2006 · 11:19 Uhr

    Ja, sie ist die Tochter vom Ex-Landwirtschaftsminister. Spätestens seit ihrem Merkel Videopodcast ist das aber auch kein Geheimnis mehr und wurde in vielen Blogs ausgiebig kommentiert.

  5. Nur mein Standpunkt » Was die WAZ so treibt 1. September 2006 · 15:52 Uhr

    […] … das fassen die Kollegen beim SPDBlog recht übersichtlich zusammen: Bloggen, WestEins, Lyssa – eine Kurzeinführung für Interessierte oder Leute die sich fragen warum sich die Dikussionen in der Blogosphäre damit überhaupt beschäftigen. […]

  6. Jens 1. September 2006 · 22:02 Uhr

    Ja, Mocki. Das muß aber jetzt per se erstmal nix heißen, oder?

  7. WAZsolls 2. September 2006 · 15:01 Uhr

    @Mocki: Was soll Lyssa den machen, für ihren Vater kann sie doch nichts. Ich bin mir sehr sicher, dass diese connection bei ihrer Einstellung keine Rolle gespielt hat. Motor dafür war an entscheidender Stelle Bodo H. ein Euch wohl bekannter Boss-Genosse.
    Lyssas Familienbande spielt bei der Diskussion über die Online-Einflüsse auf die Kollegen im Print-Bereich übrigens nicht die geringste Rolle. Da stehen andere Fragen im Vordergrund.

  8. Bernd Kassner 6. September 2006 · 12:40 Uhr

    Also, nix gegen eine gute Sonntagspredigt… ;-)

    Aber im Ernst: Wer was bloggt, ist jeder und jedem selbst überlassen. Unter den Bloggern befinden sich lediglich drei Redakteure, die Soaß am neuen Medium haben und sich ebenso das Recht nehmen, hier frei zu bloggen wie das auch die anderen Teilnehmer tun. Eine gewisse Kirchenpräsenz lässt im übrigen erkennen, dass die Kirchen viel eher den Trend zum Bloggen und das große Interesse an Weblogs wahrgenommen haben als, sagen wir mal, z.B. RWE-Chef und SPD-Genosse Hempelmann, der eine entsprechende Einladung, sich den Fans wie den Wählern per Blog zu präsentieren, kurz und schmerzlos ablehnte. Auch eine ablehnung liegt selbstverständlich in jedermanns Freiheit, und wir sind da nicht nachtragend (auch nicht, wenn er noch mal in sich gehen sollte :-)… ).

    Übrigens stand ich nie vor der Wahl „Bulli oder Online-Bereich“. Da ist Euch wohl irgendwie irgendwas durcheinander gekommen. Ich bin seit 21 Jahren Lokalredakteur in Essen und habe den Job überaus gerne übernommen.

  9. Vanessa 7. September 2006 · 22:19 Uhr

    na das muss ja noch nichts bedeuten!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.