Am Sonntag waren in Niedersachsen Kommunalwahlen und die Wahlbeteiligung sank auf das historische Tief von 51,8 %. Das ist Ländertrend. Fast überall bewegt sich die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen rund um 50%. Das ist nicht viel. Und es hilft da auch nicht die Erklärung, dass die Große Koalition die Bürgerinnen und Bürger politikmüde gemacht habe. Wenn man dem folgen würde, dann macht jede Regierung die Menschen politikmüde.

Was ich nicht verstehe: gerade bei Kommunalwahlen können die Bürgerinnen und Bürger so viel direkten Einfluss nehmen, wie sonst nirgendwo. Und es geht bei der Wahl um die Probleme direkt vor der Haustür. Gerade in Zeiten knapper Kassen ist es doch wichtig darüber zu entscheiden, welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Um ernst gemeinte Erklärungsversuche wird gebeten.


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17 Kommentare

  1. Oliver Zeisberger 11. September 2006 · 13:02 Uhr

    Erklärungen fangen für mich immer mit einer Analyse an: Wo war die Wahlbeteiligung besonders hoch? Warum war sie dort hoch? Was haben die beteiligten Wahlkämpfer, Bürger und Medien in den Wahlkreisen mit hoher Wahlbeteiligung gemacht und wie hat es gewirkt? Gibt es eine Befragung der Wählerinnen und Wähler, warum Sie dort zur Wahl gegangen sind – und eine warum sie in anderen Wahlkreisen NICHT zur Wahl gegangen sind?

    Meine Vermutung ist, dass die Politik ganz allgemein – auch die Kommunalpolitik – zur Zeit nicht gut genug gelöst bekommt, einen ernsthaften und wirkungsvollen DIALOG auf allen Medienwegen mit den Wählern zu organisieren. Die Glaubwürdigkeit sinkt, authentische Kandidaten haben es schwerer und müssen sich mehr anstrengen und das ist sehr sehr mühselig. Die Kommunikation wird überall „professionalisiert“ und wird unpersönlich und kalt, wenn die Professionalisierung nicht aus der absoluten Premiumklasse kommt!

    Und hier im Blog kann man es ja sagen: Ich glaube, dass das Internet eine Hilfestellung sein kann, einen Dialog ernsthaft und wirkungsvoll zu führen.

    Aber auch wir lernen ja erst, damit umzugehen. Eigentlich können wir nicht schnell genug lernen, wenn man in Betracht zieht, in welcher Geschwindigkeit sich Medien und Dialogformen weiterentwickeln.

    Wer hätte vor wenigen Monaten gedacht, dass myspace und Youtube (Youtube gibt’s erst seit dem Jahreswechsel 2005/2006!!) schon heute in den USA einen ERHEBLICHEN Einfluß auf den Vorwahlkampf für die Wahlen im November haben wird? Dort werden solche neuen Dialogformen sofort ausprobiert und eingebunden – und dann optimiert und getuned bis zum maximalen Erfolg.

    Ich glaube, deutsche Parteien müssen sich schneller mit neuen Kommunikationsarten und veränderten Bedürfnissen der Wählerinnen und Wähler auseinandersetzen und mehr ausprobieren. Das sehe ich auch politisch-inhaltlich. Da sind Ideenreichtum und Kreativität gefragt – meisst nicht nur optimale Wahlkampforganisation. (Dabei kommt mir ein Buchtipp in den Sinn. Seth Godin: The Big Moo: Stop Trying to Be Perfect and Start Being Remarkable. Frei übersetzt: Versuch nicht perfekt, sondern beginne bemerkenswert zu sein. Amazon-Link…)

    Und es bedarf weniger „selbstgebatikter“ Lösungen und Ideen, sondern auch hier einem intensiven Austausch mit Erfahrenen, die von eigenen außergewöhnlich erfolgreichen Projekten berichten können. Am besten genau dann, wenn die Projekte noch ganz frisch sind…

    Die Aufgabe: Menschen zusammentrommeln. Das geht am besten, wenn man etwas Cooles zu erzählen hat… Meine Vermutung: Bei der Kommunalwahl ist es nicht gelungen, ne coole oder geile Vorstellung für die Wähler in einem Wahlkreis zu formulieren, wo man gemeinsam hin will. Und dann hatten die Wählerinnen was besseres zu tun…

  2. Benno 11. September 2006 · 13:46 Uhr

    Ganz entscheidend wird wohl sein, dass das Politikinteresse insgesamt in den letzten Jahren immer stärker gesunken ist. Teilweise ist das schiere Ignoranz, teilweise aber sicherlich auch eine Abwehrreaktion — denn die Unzufriedenheit der Menschen mit der Politik insgesamt (also nicht nur mit der Regierung, sondern auch der Opposition) ist ein wachsendes Phänomen, das man nicht kleinreden sollte.

    Zugleich leidet gerade die Kommunalpolitik an der mangelnden medialen Plattform. Wer heutzutage nicht mehr seine Lokalzeitung kauft oder abonniert (und das ist leider immer häufiger der Fall), ist doch schon direkt von allen kommunalpolitischen Entwicklungen so gut wie abgeschnitten. Das Internet könnte dafür zwar theoretisch in die Bresche springen, in der Praxis gibt es aber hierzulande noch keine Plattformen, die diese Form der Politikvermittlung (auf kommunaler Ebene, wohlgemerkt) wirkungsvoll erfüllen. Das fängt allein schon damit an, dass es immer noch viel zu viele städtische Websites gibt, auf denen man vergeblich nach aktuellen Meldungen aus der Kommunalpolitik oder auch nur nach Protokollen der Ratssitzungen sucht.

    Um diesem nachlassenden Interesse insbesondere an der Kommunalpolitik entgegenzuwirken, wird es aber vor allem wichtig sein, nicht nur medial, sondern auch leibhaftig präsent zu sein. Ich denke, dass ein Ratsmitglied, das in seinem Wahlbezirk auch außerhalb der Wahlkampfzeiten „Klinken putzt“ und mit Aktionen wie Bürgersprechstunden, gemeinsamen Ortsbegehungen o.ä. aufwartet, bei der Bevölkerung ein wesentlich größeres Bewusstsein für das, was in der Stadt vor sich geht, erzeugen wird. Und das ist leider noch längst keine Selbstverständlichkeit: Der SPD-Ratsherr für meinen Wahlbezirk ist hier so gut wie gar nicht präsent. Wenn man dann noch mit einem Anliegen auf ihn zukommt, kann es einem sogar passieren, dass man von ihm ohne ersichtlichen Grund angepampt wird. Meine Konsequenz: Ich werde ihn 2009 definitiv nicht wiederwählen, auch wenn an meiner Stimme für ihn leider auch die Stimme für die gesamte SPD-Ratsliste hängt.

    Quintessenz für alle Ratsmitglieder und -bewerber: Betrachtet eure Wähler nicht nur als Stimmvieh, sondern als Mitbürger, die volle Aufmerksamkeit verdienen. Ansonsten dürft ihr euch wirklich nicht mehr wundern, wenn ihr nicht wiedergewählt werdet und/oder die Wahlbeteiligung in den Keller geht.

  3. Benno 12. September 2006 · 9:05 Uhr

    Der Göttinger Politologe Franz Walter hat eine ganz interessante und in meinen Augen treffende Analyse zur niedrigen Wahlbeteiligung geschrieben:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,436422,00.html

    Im Übrigen sieht man ja auch gerade an dieser Diskussion und am Blog generell, wie gering das Politikinteresse mittlerweile geworden ist. Es kann kaum noch verwundern, dass hier kein Nichtwähler vorbeikommt und erläutert, warum er nicht mehr wählen geht. Anstatt dessen führen wir eine Debatte, bei der wir die Motive zur Wahlenthaltung im Grunde genommen nur raten können. Schade auch, dass sich die paar verbliebenen „Stammkommentatoren“ in diesem Blog ebenso wenig zu dieser brisanten Problematik äußern.

  4. Dirk 12. September 2006 · 10:19 Uhr

    @benno: wenn ich mal vom blog abstrahiere, muss ich auch ansonsten feststellen, dass das interesse an politik und der arbeit der nrwspd zur zeit eher gering ist. weniger anfragen, weniger briefe etc. das hat natürlich auch was mit zyklen zu tun. vor wahlen steigt das interesse enorm nach oben, danach fällt es systemathisch ab. außerdem sind wir in nrw auch keine regierungspartei mehr. das ist das eine.

    deinen hinweis auf die „leibhaftige“ präsenz vor ort kann ich nur ganz dick unterstreichen. sich nur wählen lassen reicht einfach nicht aus.

    @oliver: „Ich glaube, deutsche Parteien müssen sich schneller mit neuen Kommunikationsarten und veränderten Bedürfnissen der Wählerinnen und Wähler auseinandersetzen und mehr ausprobieren.“
    ein wenig versuchen wir das ja. ich hoffe, dass sich die erfahrungen, die wir gesammelt haben und immer weiter sammeln, auch in den wahlkämpfen auszahlen. natürlich kann internet ein wichtiges medium sein um die bürgerinnen und bürger mit einzubeziehen. da muss sich aber im bewußtsein vieler politikerInnen noch einiges ändern.

    zum artikel von franz walther:
    „Im Rückgang der Wahlbeteiligung drückt sich seit nunmehr zwei Jahrzehnten signifikant die soziale Spaltung der Gesellschaft aus – die Kluft zwischen privilegierten und randständigen Schichten, die Ungleichgewichte bei sozialen Chancen und gesellschaftlicher Teilhabe.“

    das betrifft natürlich auch das medium internet. wen erreichen wir damit überhaupt? ist das nicht einfach ein zusatzmedium für die, die ohnehin zur wahl gehen? und geht das nicht völlig vorbei an den sog. „randständigen Schichten“?
    der zugang zum internet und der souveräne umgang damit ist sicher auch immer noch eine frage der familiären und ökonomischen rahmenbedingungen.

    zum thema blog im speziellen würde ich gerne demnächst noch mal gesondert diskutieren. da gibt es nämlich einen menge zu zu sagen und noch mehr zu fragen.

  5. Oliver Zeisberger 12. September 2006 · 11:53 Uhr

    Die Frage „Wen erreichen wir über das Internet überhaupt“ springt mir zu kurz! Es spielt eine sehr große Rolle, WOMIT wir jemanden erreichen. Immer nur die, die wir erreichen, mit klug ausgedachten eigenen Politikrezepten und Hau-auf-die-anderen-drauf-Messages zu befeuern langweilt auf Dauer. Richtig einbezogen in den NRWSPD-Politikbetrieb fühlt sich doch von den hier beteiligten Mitdiskutanten vermutlich keiner…

    Ich bin fest überzeugt, dass sich über das Internet Gespräche aufbauen und Aktitäten koordinieren lassen, die die sozialdemokratischen Wertekontext unterstützten. Und wir können so Multiplikatoren in ihren sozialen Netzwerken und Kontexten teilhaben lassen. Darüber erreichen wir dann auch „randständige Schichten“ (Was ein Scheisswort – wenn ich das mal sagen darf!).

    Mir ist die Kommunikationskette zu kurz gedacht, wenn man glaubt, man könne die „randständigen Schichten“ nur auf direktem Wege (am besten noch mit gekauften Adressen aus dem „Direktmarketing“) erreichen. Diese Idee spiegelt zu stark den Gedanken wieder, dass die SPD der „Sender“ ist und alle anderen der Empfänger. Das ist Broadcast-Denke und die hält nicht mehr lange. Die funktioniert nur, wenn man VIEL Geld hat und das verpulvern kann. Das klappt allenfalls noch kurz vor Wahlen, weil man bis dahin alles angespart hat und dann wieder ein massenmediales Feuerwerk zünden kann… Aber das wird wegen der sich stärker individualisierenden Medienmärkte und der immer differenzierteren Mediennutzung mit jedem mal schlechter und wir daher immer teurer.

    Es wird den Menschen, die sich unserem Wertekontext anschliesen können, nicht besonders leicht gemacht, an der Umsetzung aktiv teilzunehmen. Auf E-Mails an Landespolitiker wird nicht reagiert. (Ich hatte z. B. Axel Horstmann geschrieben – noch nicht mal eine Eingangsbestätigung habe ich bekommen).

    Diejenigen, die uns im Wahlkampf online unterstützt haben, haben auch lange keine Kontaktaufnahme vom Online-Team mehr gehabt. Vielleicht ist der ein oder andere ja bereit, uns bei den Aktivitäten und dem Um- und Ausbau der NRWSPD zu unterstützen – mit Zeit, mit Geld, mit guten Ideen. Darauf konzentrieren sich aber nicht die Kräfte. Jedenfalls werden die Anstrengungen eher in die Richtung unternommen, zu „konservieren“ was noch da ist, statt auszubauen, was gebraucht würde.

    Ein Beispiel: Wer sich bemüht, dass wir nicht noch mehr BESTEHENDE SPD-Mitglieder verlieren, kann sich nicht gleichzeitig darum kümmern, dass wir NEUE in neuen Bereichen hinzugewinnen.

    Bestehende Mitglieder zu halten funktioniert nur über eine andere Message, als neue zu gewinnen. Also ist die Message für potenzielle neue Mitglieder kontraproduktiv. Potenzielle Neumitglieder bekommen den Eindruck, man kümmere sich nur um sich selbst (was ja auch passiert) und für neues ist wenig Platz. Ich mache das jetzt ein wenig schwarz-weiss, damit mein Punkt klar wird.

    Es ist wie in jeder Beziehung. Wenn sie nicht gepflegt wird, wird sie unbedeutender und geht am Ende kaputt. Wer sich nur um die schon gewonnen Freunde bemüht, wird nur wenig neue Leute kennenlernen.

    Die Menschen werden so häufig von Werbung, von Unternehmen, von der Kirche, von Interessengruppen und Verbänden und von Regierungen und Parteien hinters Licht geführt – um nicht „belogen“ zu sagen. Fast jede Art von Organisation oder Einrichtung hat inzwischen einen erheblichen Glaubwürdigkeitsmakel. Übrigens auch die „Massenmedien“, über die die Politik häufig versucht, jemanden „zu erreichen“. Aber auf der „anderen Seite“ der medialen Kette gibt es entweder nur ein nicht endendes Freizeichen oder einen Besetztton wie beim Telefon.

    Die Glaubwürdigkeitskrise der Institutionen führt dazu, dass die Menschen skeptischer werden und nach authentischen und glaubwürdigen Gesprächspartnern suchen – meist im eigenen Bekanntenkreis.

    Ich weiss nicht, wer in der NRWSPD für mich persönlich derzeit so ein glaubwürdiger Repräsentant und Gesprächspartner sein könnte. Klar, ich kenn einige Aktive und einige Mitarbeiter. Denen traue ich das zu. Aber insgesamt gibts da zu wenig von und die stecken meistens mit „massenmedialem Kommunikationskonzept im institutionellen Glaubwürdigkeitsdilemma beim Versuch Wähler zu erreichen“… ;-)

    Es ist gerade nicht besonders glaubwürdig, immer kurz vor einer Wahl aufzutreten und das Gute zu versprechen. Das gilt im Netz, wie es auch offline gilt. Wenn die massenmediale Aufmerksamkeit vor einer Wahl da ist, dann fällt es natürlich allen leichter, weil das „Publikum“ schon da ist, um sich das Spektakel anzusehen.

    Ich glaube, die Beteiligung hier im Blog findet bei unserer Diskussion deshalb nicht statt, weil wir etwas besprechen, was den meisten schon vollkommen klar ist. Wir hängen bei der Analyse fest, die eigentlich den meisten schon gemacht haben. Wir suchen nach immer mehr Erklärungen und unterlegen diese noch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, Studien, Selbstbeobachtungen, Beispielen und Erfahrungen am eigenen Leib. Was wir nicht tun, ist als Organisation mutig und kraftvoll die Konsequenzen aus der Analyse zu ziehen. Da sind wir zögerlich und vorsichtig, und „versuche“ ein „wenig“, viel zu zaghaft.

    Der Kniff ist aber: Es anders MACHEN. Nicht alles ewig hin und her diskutieren und abwägen, sondern raus und drauf los. Ausprobieren, Fehler machen, Lernen, besser machen.

    Oder brauchen wir tatsächlich noch mehr Analyse? Was meint ihr.

    Ich trage in einem nächsten Beitrag gerne mal meine Punkte zusammen, von denen ich meine, dass sie analytisch Konsens offensichtlich sein müssten. Einige habe ich ja schon geliefert…

  6. Benno 12. September 2006 · 16:20 Uhr

    @Oliver:

    „Ich glaube, die Beteiligung hier im Blog findet bei unserer Diskussion deshalb nicht statt, weil wir etwas besprechen, was den meisten schon vollkommen klar ist. Wir hängen bei der Analyse fest, die eigentlich den meisten schon gemacht haben.“

    Das wage ich ganz stark zu bezweifeln. Die geringe Beteiligung an den Diskussionen in diesem Blog betrifft doch nicht nur dieses Thema „Niedrige Wahlbeteiligung“, sondern leider Gottes so ziemlich jedes Thema, das hier angeschnitten wird. Insofern sehe ich hier nicht die Wurzel des Problems nicht in einem etwaigen „Wissensvorsprung“ der „anderen“, sondern einfach in so schlichten Dingen wie Desinteresse bzw. Gleichgültigkeit. Was hält z.B. jemanden, der sich bereits Gedanken zur niedrigen Wahlbeteiligung gemacht und daraus Rückschlüsse gezogen hat, davon ab, uns hier an diesen Überlegungen teilhaben zu lassen? Insofern erscheint mir deine Erklärung nicht sehr plausibel.

    „Der Kniff ist aber: Es anders MACHEN. Nicht alles ewig hin und her diskutieren und abwägen, sondern raus und drauf los. Ausprobieren, Fehler machen, Lernen, besser machen.“

    Dass man nicht nur reden, sondern auch handeln soll, streitet doch niemand ab. Der erste Schritt fürs zielführende Handeln kann aber nur sein, die Lage erst einmal zu analysieren und deren Ursachen zu erforschen. An welcher Wurzel soll man denn anpacken, wenn man sich vorher nicht gemeinsam überlegt hat, wo die Wurzeln überhaupt liegen? Was verlieren wir, wenn wir ein Brainstorming machen und Ideen sammeln, welches der richtige Weg ist? Und wofür sonst wird dieser Blog betrieben, wenn Diskussionen nicht mehr gestattet sein sollen?

  7. Oliver 12. September 2006 · 19:18 Uhr

    Benno: Nein nein, diskutieren wollen wir hier doch sehr gerne! Du musst mich falsch verstanden haben.

    Ich kann nachvollziehen, dass der ein oder andere Leser kein Interesse mehr daran hat, sich hier zu beteiligen, weil die Beteiligung hier oft konsequenzenlos ist. Die weitreichenste Konsequenz einer Kommentierung hier im Blog ist doch, dass – wenn man den Nutzungsbedingungen nicht entspricht – die Kommentare entfernt werden. Ansonsten sind die einzelnen Beiträge und Kommentare doch meistens folgenlos.

    Über dieses Weblog müsste es ernst zu nehmende politisch inhaltliche Initiativen geben. Die Auswirkungen auf die tatsächliche Politik der NRWSPD müssen transparent werden – sofern sie da sind. Ich glaube aber im großen und ganzen, dass die NRWSPD diese Plattform nicht offensiv für eine Fortentwicklung ihrer Politik und ihrer Strategie nutzt, sondern das sie die Diskussionen hier im Großen und Ganzen recht kalt lässt.

    Klar, es gab und gibt Einzelerfolge – aber ich vergleiche so eine Entwicklung immer mit den Hinterzimmern von Kneipen, in denn Ortsvereinsversammlungen stattfinden. Dieses Weblog hat – das magst du anders sehen und sicher gebe ich meine Darstellung besonders pointiert – den Charakter eines „virtuellen Hinterzimmers“. Hier läßt sich wie dort trefflich diskutieren und argumentieren! Sicher ist es auch ein wichtiger Ort. Aber eine mitreissende Wirkung erzeugt das hier doch nicht, oder?

    Gleichgültigkeit und Desinteresse hat seine Ursache doch in der Regel bei der RELEVANZ für jeden Einzelnen und für die Gemeinschaft. Hätte das, was wir hier diskutieren – egal in welchem Beitrag – für die Leser und Mitdiskutanten eine hohe Relevanz, dann würden Sie sich beteiligen. Aber ich glaube, dass wir es stellenweise auch uninteressant und unwichtig und mithin irrelevant machen! Ein Beispiel: Axel Horstmann hätte hier mal schreiben können, warum er meint, er müsse sein Mandat noch einige Zeit behalten. Leider hat er sich nicht beteiligt – obwohl ich ihn sogar per E-Mail auf unsere hiesige Diskussion aufmerksam gemacht habe. Aber daran sehen wir, dass wir es relevant machen müssen, wenn wir mit dem hier diskutierten Konsequenzen herbeiführen wollen.

    Ein anderes Beispiel: Keiner kann mir erzählen, dass sich Sozialdemokraten mit dem aktuellen Schulgesetz anfreunden können. Dazu kann man ein Weblog prima einsetzen. Fachliche Beiträge organisieren, Entscheider aus der Fraktion hinzuziehen, Weiter-sagen-Kampagnen aufbauen, sich mit anderen Weblogs und Websites zum Thema Schulpolitik vernetzen, Lehrergemeinschaften und Schülerinitiativen eine Plattform für ihre Positionen anbieten – um nur ein paar Beispiel zu nennen.

    Da müssen wir hin – das meine ich mit MACHEN. Das kann weder Dirk beim NRWSPD Landesverband organisieren noch kannst du es alleine oder ein anderer Leser. Das geht nur gemeinsam. Aber wir müssen gemeinsame Aktivitäten finden, an denen wir etwas tun können!

    Der NRWSPD kommt aus meiner Sicht dabei die Aufgabe zu, aktivierender „Enabler“ zu sein, stärker die einzelnen Mitglieder und Mitstreiter zu befähigen und zu vernetzen. Das Weblog leistet einen Teil dazu – wie auch das Mitmach-Center und andere Bausteine mehr.

    Du merkst, ich kann und will mich nicht damit abfinden, dass es ein Desinteresse und Gleichgültigkeit gibt. Ja die gibt es, aber das liegt in meinen Augen nur daran, dass es Dinge gibt, die den Menschen scheinbar wichtiger und interessanter erscheinen. Also müssen wir überlegen, wie wir die Wichtigkeit herausstellen und Interesse wecken!

  8. JensausEssen 13. September 2006 · 13:42 Uhr

    Ich will es mal mit einem etwas abgewandelten Zitat versuchen:

    Politik ist viel zu wichtig um sie den Politikern zu überlassen.

    (Frei nach Churchill) ;)

    Aber mal im Ernst, die deutsche Politik, und zwar aller Parteien, hat sich doch im Grunde genommen von dem Rest der Gesellschaft verabschiedet. Das mag sich jetzt zwar sehr klischeehaft anhören ist aber nichtsdestotrotz Wahr. Unsere heutigen Politiker beschäftigen sich im allgemeinen nur noch mit anderen Poltikern und zwar inzwischen von Berufs wegen. So werden Dinge als wahr angenommen die auch andere Kollegen als wahr annehmen, meistens sieht aber der Auftraggeber das ganz anders.
    Ich will ein Beispiel geben:
    Ich habe mal mit einem landesweit bekannten SPD – Politiker über das Problem der Innenstädte und den grünen Wiesen Einkaufscentern gesprochen. Es ging um die Problematik unsere Städte wieder attracktiver für die Bürger zu machen. Meiner Ansicht nach ist es auch gerade die Parkgebühr die hier einen nicht unerheblichen Einfluß hat, für einen Großeinkauf sind schnell mal 3 – 4 € ausgegeben. Die Antwort war das so etwas wie so eine kleine Summe doch keinen Einfluß haben kann. Na ja sagte ich bei deinem Gehalt sicherlich nicht aber bei dem Durschnittsverdiener ist es schon ein Unterschied ob er 3 – 4 mal im Monat in die City fährt oder auf die grüne Wiese.
    Dieses Beispiel setzt sich in einem fort, unsere Oberen (bin schließlich auch in der SPD) überlegen sich etwas, fragen dann einen Wirtschaftsberater ob Sie Recht haben und ziehen das dann durch. Das gemeine Volk bleibt dabei nicht mitgenommen auf der Strecke.

    Am Ende dürfen wir uns eben nicht fragen warum das Interresse an der Politik ständig sinkt. Wer glaubt er hätte „seine“ Politik nur nicht richtig erklärt und deswegen blieben die Wähler weg erklärt
    a) die Wähler für Dumm und
    b) macht sich was vor.

  9. Kommentierer 13. September 2006 · 21:11 Uhr

    „Um ernst gemeinte Erklärungsversuche wird gebeten.“

    Ganz im ernst gefragt: Warum?

    Es gibt viele verschiedene Parteien, freie Bürgerlisten und noch viel mehr Kandidaten, die alle zur Wahl stehen. Wer dann nicht wählt, lässt es eben. Punkt.

  10. manni 15. September 2006 · 23:13 Uhr

    Es ist ganz einfach:

    Unsere Politiker sind Amateure, die nichts von den Menschen verstehen und nichts von Wirtschaft, das Wichtigste für die Menschen.
    Sie machen Gesetzte für wie die Idioten.
    Gesundheitsreform: Ein Pflaster wird über das andere geklebt … ein weiterer Schritt in den Ruin.
    Arbeitsmarkt: Solange starke Schultern ausnutzen, bis keiner mehr Bock hat.
    Alle Reichen durch Zusatzabgaben ALLER Art ins Ausland verscheuchen…
    … anstatt sich bei 100ten Fachleuten Hilfe zu holen, endscheiden sie Unsinn auf Unsinn.
    Ein Gesetz auf das andere … unerträglich …

    Und bei Wahlen LÜGEN, dass sich die Balken biegen … Müntefehring – Mehrwertsteuer.

    Wer sollte den so ein Pack noch wählen; da hilft auch kein Wahlkampf.
    Das Durchschnittsalter der Deutschen liegt um die 40.
    Die lassen sich doch nicht durch Dummschwätzer kaufen.

    Sie warten solange, bis die richtige Partei für VERNÜNFTIGE Menschen an den Start geht und nicht ein Haufen, der kurz davor ist das Rad mit 9 Ecken zu erfinden.

    Das kann der aktuelle Stümperhaufen niemals sein.

    Ich wähle keine Lügner mehr …

  11. manni 15. September 2006 · 23:38 Uhr

    @Oliver, @Benno

    Eure Beiträge bringen es auf den Punkt:

    Langatmiges Gequatsche ohne Hand und Fuß; darf ich als ehemaliger SPD-Wähler und jetziger Nichtwähler*) fragen worum es überhaupt geht:

    Stimmen (mit Lügen) zu gewinnen oder den Menschen das Leben leicht zu machen?

    Ich glaube es geht letztendlich nur um Stimmen.

    Aber auf diese Art werden es immer weniger …
    Wieviele Nettowähler hat diese sogenannte Volkspartei denn noch?

    Mit dieser Politik könnt Ihr nur noch die Arbeitslosen als Wähler haben … aber mit Euch werden es immer mehr, da sich Arbeit unter SPD nicht mehr lohnt.

    Bsp: Frau eines Besserverdieners:
    2000 Euro Brutto halbtags – super oder?
    1000 Euro Abzug Steuern usw.
    600 Euro Kindergarten
    400 Euro Auto (Werkstor!!)

    Wozu noch arbeiten.
    Kündigen AL kassieren – fertig

    Ihr seid so klasse!

  12. Benno 16. September 2006 · 8:59 Uhr

    @Manni:

    Wenn du meine Beiträge auch wirklich gelesen hättest, wüsstest du, dass ich es (genauso wie du) kritisiert habe, dass manche Politiker ihre Wähler nur als Stimmvieh betrachten. Ebenso habe ich dafür plädiert, dass die Politiker nicht nur in den Wahlkämpfen, sondern auch zwischen den Wahlen für die Menschen in ihren Wahlbezirken präsent sein und ihre Anliegen ernst nehmen sollen.

    Insofern: Lies erstmal nach, bevor du deine Mitdiskutanten wahllos beleidigst. Ich (und auch Oliver) nehme das Problem der sinkenden Wahlbeteiligung sehr ernst — sonst würden wir uns ja auch nicht so ausführliche Gedanken zu diesem Problem machen. Und nein: Ich gehöre nicht zu den Politikern, sondern bin (genauso wie du) lediglich Beobachter der Politik. Insofern triffst du mit deinem Gepöbel einen deiner Mitstreiter — auch wenn ich es nie nötig hatte, meine Kritik an der Politik mit so einer Gossensprache vorzutragen.

  13. Andrea Batti 20. September 2006 · 0:56 Uhr

    na ja, die wahlbeteiligung sinkt und die nazis werden immer stärker. am ende wählen nur noch nazis. siehe letztes ergebnis m.-v.

  14. Heinz Behrend 24. September 2006 · 22:06 Uhr

    Ohje, Stimmvieh ist glaube ich das Unwort des Jahres 2006 :(

    Lg, Heinz

  15. "Himbi" 15. Oktober 2006 · 8:13 Uhr

    Lindenberg hatte mal ein geiles Liedchen…
    .
    in 15 min sind die Russen auf dem Kurfürstendamm..
    .
    Jetzt sind Sie schon auf Schalke…
    .
    Dank der Politik in Schlappland…

  16. "Himbi" 15. Oktober 2006 · 8:35 Uhr

    Jetzt die Union…dann Ihr wieder….dann wieder die Union…und so wird es immer weiter gehen bis wir fest in Russenhand sind..oder vielleicht in Chinesicher ….da schmekt wenigstens die Katze besser…

    Lag der Wähler wirklich schief….?

    Sie denken immer subjektiv
    damit liegt der Wähler schief.
    Sicher, allen Leuten recht getan
    ist eine Kunst die keiner kann.
    Doch geht es ans Ersparte ran,
    halten die da oben fest zusammen.

    Irgendwer schimpft immer
    das wird zwar immer schlimmer.
    Doch ändern tut es nicht´s
    Auch wenn das Volk die Wahrheit spricht.

    Sie denken immer subjektiv
    Damit liegt der Wähler schief.
    Zickzack, nur noch Lügen nicht zu knapp
    Hickhack, nun ist es also doch passiert
    Grosses Chaos uns regiert.
    Der Wähler, der lag nicht schief,
    es war ganz einfach, denn er schlief.

    © Panik – Lyrik am Tag als Deutschland schlief (18.09.2005)

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.