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An den Universitäten in NRW hat dass Wintersemester begonnen. Mit dem Start ins neue Semester fallen für viele Studenten erstmals Studiengebühren an. Durch den Beschluss der Landesregierung vom 16.03.06 erhielten die Universitäten und Hochschulen in NRW die Möglichkeit, selbständig Gebühren zu erheben. Wie ein aktueller Lagebericht zeigt, haben 28 der 33 staatlichen Hochschulen in NRW bereits Gebrauch von der Möglichkeit zur Erhebung von Studiengebühren gemacht. Erste Auswirkungen der Studiengebühren sind schon jetzt erkennbar. Die Zahl der Studienanfänger an allen Hochschulen des Landes ging deutlich zurück.
Zum Wintersemester 2006/2007 sank die Zahl der Studienanfänger um 3500 oder 5,3 Prozent auf 63850 gegenüber dem Wintersemester 2005/2006. Selbst Wissenschaftsminister Pinkwart (FDP) gesteht einen Zusammenhang zwischen den Studiengebühren und dem Rückgang der Erstsemester ein. Er erwartet jedoch aus Gründen, die seitens des Wissenschaftsministeriums nicht genauer erläutert wurden, die Anmeldung von tausenden zusätzlichen StudienbewerberInnen in den kommenden Semestern.
Die Abschreckende Wirkung der Studiengebühren und auch der vielfachen Einführung von Studiengängen mit NC sieht der Wissenschaftsminister nicht. Angesichts der Tatsache, dass zum Beginn des Wintersemesters eigentlich 5000 Studienberechtigte mehr als im vergangenen Jahr die Schule verlassen haben fragt man sich, wohin sich diese Masse an Nicht-Studierenden bewegt. Viele von ihnen werden wohl auf den ohnehin schon überlasteten Ausbildungsmarkt stoßen und die Problematik „Lehrstellenangebote“ nicht gerade vereinfachen.

CC photo by ethiemo


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45 Kommentare

  1. Klaus-Dieter 17. Oktober 2006 · 22:34 Uhr

    Ich sehe das mit den Studiengebühren nicht so dramatisch, finde auch nicht, daß ein Rückgang der Studienanfängerzahlen um 5% ein „deutlicher Rückgang“ ist. Tatsache ist doch, daß viele Universitäten überlaufen sind, so daß ein Rückgang der Studierendenzahl auch Entlastung schafft und zu einer Verbesserung der Lehrqualität führen kann, zumal gebührenzahlende Studierende auch eine gute Ausbildungsqualität erwarten können. Aufgabe einer Uni kann es auch nicht sein, diejenigen aufzunehmen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben oder den betrieblichen Ausbildungsmarkt zu entlasten, weil das heißt, betriebliche private Ausbildungskosten noch stärker auf den Staat, auf die Allgemeinheit umzulegen. Das heißt nichts anderes als Gewinne privatisieren und Kosten sozialisieren. Und das ist sozialdemokratisch?

    Wenn die Politik der Ansicht ist, daß es zu wenig Ausbildungsplätze gibt, dann muß sie an diesem Problem arbeiten und die Rahmenbedingungen auf dem Ausbildungsmarkt so ändern, daß zusätzliche möglichst höherqualitative Ausbildungsplätze entstehen. Mit den Unis hat das nichts zu tun.

    Abgesehen davon verstehe ich die ganze Aufregung nicht. Es geht hier um 500 Euro pro Semester. Ein Regelstudium von 9 Semestern kostet dann 4.500 Euro. Für dieses Geld bekommt man noch nicht einmal einen vernünftigen Gebrauchtwagen. Aber ein Studium darf das nicht kosten, das muß gratis sein? Die meisten Studierenden stammen aus einkommensstärkeren Haushalten, denen dieser geringe Betrag sicherlich nicht wehtut, erst recht nicht im Angesicht der dafür erhältlichen Gegenleistung: Ein Hochschulstudium. In Deutschland kosten Kindergartenplätze Gebühren, schon lange, nur ein Studium darf nichts kosten?

    Heute reden alle, auch Sozialdemokraten davon, daß der Einzelne mehr Eigenverantwortung für sich übernehmen muß, um den Staat und die Solidargemeinschaft zu entlasten. Arbeitslosen und Arbeitnehmern wird viel zugemutet. Nur für Studierende, die besserverdienenden zukünftigen Privilegierten, soll das nicht gelten? Wo heute so viel gefordert und gefördert wird in Deutschland, gerade von Sozialdemokraten, warum darf dann ausgerechnet von den zukünftigen Besserverdienenden nichts gefordert werden? Warum muß für deren Ausbildungskosten nach sozialdemokratischer Ansicht nur die Allgemeinheit aufkommen?

  2. Jens 18. Oktober 2006 · 15:46 Uhr

    Ich habe mit dem Gedanken gespielt und überlege immer noch ob ich nach meiner Ausbildung die FH-Karte ziehen soll oder nicht und der einzigste Faktor der mich derzeit vor den Studium abhält, sind die Studiengebühren. Denn ich kann sie mir nicht leisten und meine Eltern erst recht nicht, denn ich gehöre nicht zu den Leuten deren Eltern mit“Reichtum“ gesegnet ist. Und man darf auch nicht vergessen, dass das Studium nicht umsonst ist, denn das BAFÖG muss man bis zur Deckelung von ca. 10.000 € zurückzahlen, wenn man es kann…

  3. "Himbi" 18. Oktober 2006 · 18:51 Uhr

    Genau wer studieren will soll gefälligst auch zahlen.
    Nachher wenn man dann Banker ist kennt man auch keine Gnade…

  4. Klaus-Dieter 18. Oktober 2006 · 22:32 Uhr

    @ Jens:

    Deine Argumente überzeugen mich nicht. Wie du schon schreibst, gibt es beim BaföG eine Deckelungsgrenze von 10.000 €. Die Hälfte des BaföGs muß nicht zurückgezahlt werden, bei gutem und schnellem Studium gibt es Rabatt auf den Rest, der erst zurückgzahlt werden muß, wenn der Begünstigte dazu wirtschaftlich in der Lage ist, also eigenes genügend hohes Berufseinkommen bezieht. Damit wird niemand überfordert und das hält auch niemanden von einem Studium ab. BaföG ist fast geschenktes Geld. So generös wie beim BaföG zeigt sich der deutsche Sozialstaat nur noch selten. Und da beschwerst du dich?

    Bleiben noch die Studiengebühren: 4.500 € in neun Semestern Regelstudienzeit an der Uni, 3.500 € FH-Regelstudienzeit. Diese Summe kann man vorher ansparen (schließlich kommt das Studium nicht wie die Jungfrau zum Kinde, sondern ist Teil einer langjährigen Lebensplanung) oder man kann diese Summe über einen Bildungskredit aufnehmen. Wie gesagt, für 4.500 € bekommt man nicht einmal einen ordentlichen Gebrauchtwagen, für 3.500 € erst recht nicht. Wenn du dich deshalb von einem Studium abhalten läßt, das dir in Zukunft für Jahrzehnte deines Berufslebens womöglich ein deutlich höheres Einkommen bescheren kann, gegen das die 3.500 € wie ein Trinkgeld wirken, dann ist das deine Sache. Mir erscheint das jedenfalls nicht vernünftig, sich wegen einer solch geringen Summe von einem Studium abhalten zu lassen, wenn man denn studieren will und sich das zutraut.

  5. Jens 19. Oktober 2006 · 17:14 Uhr

    Was mich nervt ist auch der ewige Verweis auf die Kindergartengebühren, mittlerweile gibt es in einigen Bundesländern Bestrebungen, die Gebühren zu senken bzw. das dritte Jahr kostenlos zu machen. Bei der ganzen Studiengebührdiskussion haben wir eine Auswirkung außer Acht gelassen, die Auswirkung auf den normalen Ausbildungsmarkt. Immer mehr Abiturienten suchen eine Stelle auf den Ausbildungsmarkt, anstatt auf die Unis zu gehen. Während die Studienanfängerzahlen zurückgehen, steigen die Zahlen der Abiturienten auf den Ausbildungsmarkt um 4 Prozent, die Zahl der Fachabiturienten um 20 Prozent. Gymnasiasten verdrängen die Realschüler, die Realschüler verdrängen die Hauptschüler, die wieder einmal die Verlierer sind. Und man darf nicht vergessen, dass die normale Ausbildung auch umsonst ist und die Azubis dafür keine Gebühren bezahlen müssen..

  6. Klaus-Dieter 19. Oktober 2006 · 22:09 Uhr

    @ Jens:

    Scheinbar kann es mit der klammen Kassenlage in Deutschland doch nicht so schlimm sein, denn unsere Politiker zumindest scheinen zur Zeit wieder die Spendierhosen anzuhaben. Diesmal sollen also die Kindergartengebühren fallen. Doch warum? Schon heute richtet sich die Höhe der Kindergartengebühr an der Einkommenslage der Eltern. Wer nichts hat, braucht auch nichts zahlen. Niemand wird überfordert. Es würden von einer Kindergartengebührbefreiung also in erster Linie die Besserverdienenden profitieren.

    Aber abgesehen davon hat das wenig mit den Studiengebühren zu tun. Studiengebühren können keine Kindergartengebühren begründen und umgekehrt. In Deutschland herrscht immer noch das Verständnis vor, daß der Staat (also die Steuerzahler) für die Bildung und Ausbildung der Bürger alleinig aufzukommen hat. Ich sehe das nicht so. Heute ist es so, daß die öffentlichen Kassen eher leer sind, während sich auf der anderen Seite immenser privater Reichtum angehäuft hat in sechs Friedensjahrzehnten in einer Wohlstandsgesellschaft. Warum ist dann kein Eigenbeitrag zur eigenen Bildung und Ausbildung zumutbar von denen, die über genügend hohes Einkommen und Vermögen verfügen? Wir sollten vielleicht mal Abschied von der Vorstellung nehmen, daß „Vater Staat“ sich um all unsere irdischen Sorgen zu kümmern hat.

    Auch den beschriebenen Verdrängungseffekt auf dem Ausbildungsmarkt sehe ich so nicht. Die aktuelle geringe Studiengebühr von 500 € pro Semester wird nur wenige Abiturienten von einem Studium abhalten. Abgesehen davon schrieb ich ja schon, daß es nicht Aufgabe der Unis und FH’s sein kann, den betrieblichen Ausbildungsmarkt zu entlasten. Aufgabe der Unis und FH’s ist es vielmehr, Akademiker auszubilden. Auch der Verweis auf die Azubis zur Begründung einer Nichterhebung von Studiengebühren zieht nicht. Betriebe investieren mit der Ausbildung von Azubis in ihr eigenes betriebliches Humankapital, aber die Unis und FH’s als reine Ausbildungsstätten tun das nicht. Der Vergleich Azubi gegen Student hinkt daher.

  7. "Himbi" 21. Oktober 2006 · 11:42 Uhr

    2000,- pro Semester wären angebracht….und vor allem voll rückzahlbar…dann stregt sich Schicht auch ordentlich an um im Leben was zu werden…

  8. Stefan 21. Oktober 2006 · 12:36 Uhr

    Ich denke nicht, dass der Vergleich mit den Azubis hinkt. Erkläre mir doch mal einer, warum ein Anfang 20-jähriger Azibi für seine Ausbildung, bei der er auch größtenteils „nur“ lernt, Geld bekommt und gleichzeittig ein Student oben draufzahlt. Beide haben, so denke ich, ähnliche Ausgaben (Wohnung, Essen, evtl. Auto).
    ich halte es auch für wenig sinnvoll, wenn man Studium mit besserem Verdienst gleichsetzt!

    @ Klaus-Dieter: Wenn du mir eine Job-Garantie nach meinem Studium geben kannst, bin ich vollkommen einverstanden, aber die gibts für keinen.
    Und noch was: Was ist falsch daran, die Bildung vom Steuerzahler finanzieren zu lassen? In Deutschland besteht derzeit ein Recht auf Bildung, keins auf kostenfreie Kinderbeschäftigungstherapien à la KiTa. Wenn ich wirklich in Zukunft soviel Geld verdiene, dann sollte sich doch mein Beitrag zu meinem Studium schon aus meinen zukünftigen Steuerabgaben ergeben.
    Und das ist der Schlüssel: Nicht schreien: „Och die doofen, reichen Studenten sollen zahlen, die haben doch soviel. Nein!! Bildung umsonst für alle, die Kohle später wieder reinholen über die Besteuereung der Arbeitnehmer! Denn wenn ich zu den Besserverdienern gehören sollte, bin ich auch bereit etwas mehr zu zahlen.

  9. Christoph 21. Oktober 2006 · 16:58 Uhr

    Genau das wäre der richtige Weg – ein günstiges Studium für alle unabhängig vom Elternhaus zu ermöglichen, finanziert von Spitzenverdienern.

    Klaus-Dieter hat schon recht damit, dass der Staat im Vergleich zum Privatkapital ziemlich arm ist, allerdings ist der Schluss Studenten müssten deswegen viel Geld für ihr Studium bezahlen Schwachsinn. Vielmehr ist ein höherer Spitzensteuersatz bzw. eine Kapitalsteuer nötig, von der auch schlechter gestellten aber durchaus intelligenten Schülern ein Studium finanziert werden müsste.

    Das wollen Leute wie Klaus-Dieter, derzeitige Spitzenverdiener und Politiker allerdings wohl deswegen nicht einsehen, weil sie ja ihr Studium schon vor einigen Jahren kostenfrei genossen haben, nun Kohle scheffeln und davon natürlich nichts abgeben wollen.

    Naja letztendlich kann es mir ja nur recht sein. Ich bin mittem im Studium, die finanzierung des Reststudiums hab ich schon so gut wie sicher (nicht ganz arme Eltern + Job) und die Berufsaussichten sind in meinem Fall auch nicht grade schlecht. Persönlich ist mir daher auch ein niedriger Spitzensteuersatz und hohe Studiengebühren ganz recht – weniger Studenten in Zukunft bedeutet weniger Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt für Fachkräfte und damit sicherere Arbeitsplätze und höhere Löhne für uns. Und umso größer die Einkommenschere wird, umso weniger werde ich für meine Putzfrau ausgeben müssen.
    Eine Volkswirtschaftliche Katastrophe diese Studiengebühren, aber ganz OK solange man sich nur in der richtigen „Klasse“ im sich abzeichnenden Klassensystem positionieren kann.

  10. "Himbi" 22. Oktober 2006 · 8:05 Uhr

    Sowas gab es in DDR nicht….da konnte jeder studieren wenn er keine Lust um arbeiten hatte…
    .
    Ja genau Motivation ist in der Lage dringend erforderlich.
    .
    Wie dumm waren wir uns nicht mit den Russen zu verbrüdern..der Anfang war ja schon gemacht….Wäre auf jeden Fall besser gewesen sich mit dem Grosskotz Hungerleider BRD einzulassen.
    Nur noch Streiks für ein besseres Leben…mehr Geld…gegen Busch….sowas gab es nicht mal in der DDR.
    .
    Was haben wir uns da nur aufgeladen…Diese elenden Blender haben Ihre Pleite sehr gut überspielt…damals 1989
    .
    Jetzt spüllt es den ganzen Sumpf nach oben und alle jammern auf gleichen Nivau…na wenigstens da ist die Einheit vollzogen…
    .
    wir müssen begreifen das wir hier Lügnern und Hochstablern aufgesessen sind…

  11. "Himbi" 22. Oktober 2006 · 8:06 Uhr

    Sowas gab es in DDR nicht….da konnte jeder studieren wenn er keine Lust um arbeiten hatte…
    .
    aber das wollte ja keiner…alle sterbten diese „schöne“ Land wo Milch und Honig fliesen, an
    .
    Ja genau Motivation ist in der Lage dringend erforderlich.
    .
    Wie dumm waren wir uns nicht mit den Russen zu verbrüdern..der Anfang war ja schon gemacht….Wäre auf jeden Fall besser gewesen sich mit dem Grosskotz Hungerleider BRD einzulassen.
    Nur noch Streiks für ein besseres Leben…mehr Geld…gegen Busch….sowas gab es nicht mal in der DDR.
    .
    Was haben wir uns da nur aufgeladen…Diese elenden Blender haben Ihre Pleite sehr gut überspielt…damals 1989
    .
    Jetzt spüllt es den ganzen Sumpf nach oben und alle jammern auf gleichen Nivau…na wenigstens da ist die Einheit vollzogen…
    .
    wir müssen begreifen das wir hier Lügnern und Hochstablern aufgesessen sind…

  12. Florian M. Stork 22. Oktober 2006 · 9:20 Uhr

    Zitat Klaus Dieter: „[…]Die meisten Studierenden stammen aus einkommensstärkeren Haushalten, denen dieser geringe Betrag sicherlich nicht wehtut, erst recht nicht im Angesicht der dafür erhältlichen Gegenleistung: Ein Hochschulstudium. In Deutschland kosten Kindergartenplätze Gebühren, schon lange, nur ein Studium darf nichts kosten?“ – Zitat Klaus Dieter: „Studiengebühren können keine Kindergartengebühren begründen und umgekehrt.“

    Nun Herr Dieter, wenn Kindergartengebühren keine Studiengebühren begründen können, warum haben sie das noch kurz vorher als Argument angeführt? Sie reden sich hier um Kopf und Kragen und wiedersprechen sich selbst in jedem zweiten Satz. Es gibt keine logischen Begründungen zum Thema Studiengebühren. Wie sie selbst sagten, die einkommensstarken Familien sind in der Lage die Gebühren zu zahlen. Ich persöhnlich gehöre auch zu diesen. Jedoch kann und darf das kein Argument sein, denn die einkommensschwachen Familien können sich das nicht leisten.
    Und hören sie auf die 500€ pro Semester so herunter zu spielen. Denn zusammen mit dem, ebenfalls jedes Semester anfallenden, Semesterbeitrag von ca. 150€ kommen wir auf umgerechnet über 100€pro Monat. Ich mein klar, wenn man ein regelmäßiges Einkommen von was weiß ich wie vielen tausend Euro hat, kein Thema… Aber sie scheinen die Situation eines Studenten zu verkennen… Vllt. waren sie nie einer, oder mussten selbst keine Gebühren bezahlen, ich weiß es nicht. Aber fest steht, dass sich die meisten Studenten derartige Beträge nicht leisten können, zumal sie noch Miete zahlen müssen, sie müssen für ihren kompletten Lebensunterhalt sorgen, sie müssen sich Bücher, arbeitsmaterialien usw. selbst besorgen. Ein Student braucht monatlich mehr Geld zum leben als ein Hartz IV-Empfänger bekommt und muss nebenher noch fleißig lernen um die anderthalbfache Regelstudienzeit nicht zu überschreiten, denn dann wird es richtig teuer.

    Und die Aussage „schließlich kommt das Studium nicht wie die Jungfrau zum Kinde, sondern ist Teil einer langjährigen Lebensplanung“ ist absolut lächerlich. In Bezug auf all jene, die in fünf bis sechs Jahren anfangen zu studieren mag das vielleicht stimmen, aber sie scheinen völlig zu vergessen, dass es auch heute schon Studenten gibt, die jetzt keine Zeit mehr haben zu sparen. Zu solch einer Argumentationsweise könnte ich mich jetzt auf eine Art und Weise auslassen, die sie wahrscheinlich nicht mal verstehen würden, aber es macht keinen Sinn sich hier jetzt die Finger wund zu schreiben, denn wo soviel Deletantismus gepart mit Kurzsichtigkeit und Ignoranz aufeinander stoßen hilft nur ein Mittel: Rebellion der Intelligenz gegen die offensichtliche Dummheit, die uns regiert. Frankreich hat gezeigt wie die bislang einzige Lösung aussieht, doch noch haben die Politiker die Macht dieses Szenario ab zu wenden… noch…

    mit freundlichen Grüßen, Florian

  13. Klaus-Dieter 22. Oktober 2006 · 17:07 Uhr

    @ Florian:

    Sie geben selbst zu, daß die meisten Studierenden aus einkommensstärkeren Haushalten stammen. Das ist richtig. Die meisten Studierenden stammen aus einkommensstärkeren Haushalten. Die soziale Herkunft der Studierenden in Deutschland repräsentiert in keinster Weise mehr die soziale Schichtung der Gesamtbevölkerung. Auch ohne Studiengebühren gibt es für Kinder aus sozial- und einkommensschwächeren Haushalten in Deutschland kaum einen Zugang zu einer höheren Bildung. Die Selektion in Deutschland beginnt bereits im Kindesalter in ein dreigliedriges Schulsystem. Die Bildungschancen von Kindern aus einkommensschwächeren Haushalten sind in Deutschland schlechter als etwa in den USA und Großbritannien, wo es schon lange Studiengebühren gibt. Und doch werden immer wieder diese Kinder aus einkommensschwächeren Haushalten in Deutschland herangezogen, um Studiengebühren abzuweisen, weil diese sich sonst angeblich kein Studium mehr leisten können. Ich finde diese Argumentation paradox und lächerlich.

    Nochmal: Wir reden hier von maximal 4.500 € Studiengebühren in neun Semestern Regelstudienzeit. Für dieses Geld bekommt man noch nicht einmal einen vernünftigen Gebrauchtwagen, aber das Studium darf das nicht wert sein? Es gibt mehrere Möglichkeiten, diese geringe Summe aufzubringen: Vor dem Studium durch Sparen oder Arbeiten, während des Studiums durch begleitende Berufstätigkeit oder durch Kredit oder Stipendium und nach dem Studium ähnlich wie beim BaföG durch Rückzahlung. Studiengebühren sind daher grundsätzlich kein Finanzierungsproblem und halten niemanden von einem Studium ab.

    Der Staat wird immer ärmer und Privateinkommen steigen immer weiter, aber die Bildung hat alleine der Staat zu finanzieren. Ich finde diese Vorstellung höchst unsozial und egoistisch und halte sie für unsozialdemokratisch. Auch die Vorstellung der armen Bettelstudenten teile ich nicht. Ich weiß, daß viele Studierende einen PKW betreiben, teilweise mehrmals im Jahr verreisen und nicht unbedingt einen einfachen Lebensstil führen. Solche Studenten können Studiengebühren auch während des Studiums locker aufbringen.

  14. Klaus-Dieter 22. Oktober 2006 · 17:21 Uhr

    @ Stefan:

    Akademiker haben ein geringes Arbeitslosigkeitsrisiko und verdienen im Schnitt deutlich mehr als Nichtakademiker. Ein Stuidum lohnt sich daher im Allgemeinen. In der Tat kann man sich fragen, ob die Absenkung der Ausbildungsentgelte bei Azubis bzw. die Einführung von Ausbildungsgebühren bei Azubis nicht eine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt herbeiführen könnte, aber das ist nicht die Frage, die im Zusammenhang mit den Studiengebühren zu führen ist. Hier geht es um Studiengebühren. Wer sich lieber in die vermeintlich privilegierte Lage eines Auszubildenden begeben will, kann ja eine Ausbildungsstelle annehmen und bruaucht nicht zu studieren. Niemand ist gezwungen, zu studieren.

    Das Argument mit der nachgelagerten Besteuerung über Arbeitseinkommensbesteuerung überzeugt mich ebenfalls nicht. Wer sagt, daß an deutschen Hochschulen Ausgebildete später in Deutschland Steuern bezahlen? Viele Akademiker sind später selbständig und beziehen gar kein Arbeitnehmereinkommen. Viele gehen ins Ausland. Außerdem kommen Studiengebühren direkt den Hochschulen zugute, während Steuergelder in öffetnliche Haushalte gehen und nicht unbedingt der Hochschule zugute kommen und die Studienbedingungen unmittelbar verbessern. Auch dieses Argument spricht für Studiengebühren statt nachgelagerter Besteuerung.

    Außerdem verstehe ich Studenten nicht, wenn sie sich gegen Studiengebühren aussprechen: Die Studiengebühren kommen unmittelbar ihrer eigenen Ausbildung zugute und sie können bei besserer Betreuung und besseren Studiebedingungen ihr Studium schneller beenden und eher Geld verdienen. Bei Akademikereinkommen sind die 4.500 € Studiengebühren sehr schnell wieder hereingekommen plus dem zusätzlichen Einkommen durch früheres Geldverdienen. Studiengebühren rentieren sich also für Studenten.

  15. Tim 22. Oktober 2006 · 18:07 Uhr

    Mag sein, dass die meisten Studierenden aus den „höheren“ Schichten stammen, aber was ist mit den anderen? Eine Bekannte von mir z.B., Vater arbeitslos, Mutter Putzhilfe, bekommt aus völlig idiotischen, bürokratischen Gründen kein Bafög mehr (keine Langzeitstudentin)… da sind umgerechnet 84 Euro im Monat Studiengebühren ne ganze Menge. Aber nehmen wir einen Normal-Studenten: Der Bafög-Höchstsatz liegt bei ca. 520 Euro, das wurde bisher als Bedarf eines westdeutschen Studenten errechnet. Für Miete gehen davon im Schnitt bestimmt 200 Euro drauf, bleiben 320. Essen, bei Jugendfreizeiten darf man mit 8 Euro pro Tag und Teilnehmer rechnen, Studenten sind sparsam, sagen wir 5 Euro -> 150 euro im Monat, bleiben 170. Davon sind noch keine Klamotten gekauft, noch kein Kneipenbesuch bezahlt, keine Fahrkarte für den Elternbesuch am Wochenende. Auch der normale Semesterbeitrag (in Bonn ca.150Euro, also 12,50 im Monat) ist da noch nicht drin. 500Euro im Semester macht ca. 84 Euro im Jahr, dann bleiben unserem Musterstudenten noch ca.80 Euro monatlich für Kleidung, Bücher, Kopierkosten, Fahrtkosten, Papier, Stifte, Telefon…

    Jetzt kommt sicher das Argument, man könne ja neben dem Studium arbeiten. Allerdings ist das vielen Studenten bei der derzeitigen Umstellung auf Bachelor/Master nicht mehr möglich. Bei über 30 Semesterwochenstunden plus Vor- und Nachbereitung, Referate, Hausarbeiten etc. bleibt keine Zeit für nen Nebenjob. Und in den Semesterferien stehen Prüfungen an. Ausserdem verlangt der Arbeitsmarkt heute nach Auslandsaufenthalten etc., die auch extra kosten. Wir gucken bei den Studiengebühren immer auf Vorbilder wie England und die USA. Was dabei nicht beachtet wird: Viele Familien in England sind hochverschuldet, weil sie ihren Kindern eine Hochschulbildung ermöglichen. Und das, obwohl es in England viel mehr Stipendien gibt als in Deutschland.

    @ Klaus-Dieter: Ich weiß ja nicht, wie alt sie sind, ob sie selbst Kinder haben. Meine Eltern haben 3 Kinder, meine Schwester geht zur Schule, mein Bruder und ich studieren. Wir bekommen beide ganz knapp kein Bafög, also werden wir von unseren Eltern mit ca. 500Euro bezuschusst. Wir jobben auch beide ein wenig nebenher, allerdings lässt das Studium nicht allzu viel zu. Jetzt überlegen sie sich mal, was sie als Vater dazu sagten, wenn sie plötzlich alle halbe Jahr 1000 Euro extra bezahlen sollten… ich finde das ne Menge. Und welches Kind fängt Jahre vorher an für sein Studium zu sparen?

  16. Stefan 22. Oktober 2006 · 19:54 Uhr

    @ Tim: So sieht es auch bei mir in der Familie aus…

    @Klaus-Dieter: So wie sie den Sachverhalt beschrieben haben, ist es allerdings nicht in der Wirklichkeit.
    Den Hochschulen wird platt ausgedrückt die „Pistole auf die Brust“ gesetzt. Den Hochschulen werden die Zuwendungen vom Land gestrichen und die Hochschule DARF dann entscheiden, ob sie Studiengebühren erhebt. Dabei ist von vornherein sonnenklar, wie das ausgeht.
    Die Studenten zahlen also diese Gebühr (noch max. 500€ Gebühr + etwa 150€ Semesterbeitrag, der auch schon vorher aufzuwenden war). Dieses Geld kommt allerdings eher einer Qualitätssicherung als einer Verbesserung der Qualität gleich. Infolge der Studiengebühren fallen die Zahlen der Studenten, da es sich nicht mehr soviele Abiturienten erlauben können – die Last der „Qualitätssicherung“ verteilt sich also auf weniger Schultern.
    Was dann kommt ist abzusehen: Die Hochschulen müssen weiterhin auf ihr Budget kommen und so kippen letztendlich auch gutgemeinte Vorsätze die Studiengebühren bei max. 500€ zu belassen. Unser Musterstudent hat also bald noch weniger als seine 80€ im Portemonnaie.
    Wer’s nicht glaubt kann sich ja gerne einmal in unseren Nachbarstaaten umhören.

    Aber ich denke, Sie, Klaus-Dieter, gehören zu denen die beipflichten, wenn es heißt:
    „Warum soll die Putzfrau mit 3 Kindern für das Studium vom Zahnarztsohn putzen gehen?“ oder „Wenn die Studenten nicht mit dem Geld auskommen, sollen sie einfach weniger telefonieren.“ Leider handelt es sich hierbei um blanken Populismus. Schade, dass man sowas von unserer Politik zu hören bekommt.

  17. Klaus-Dieter 22. Oktober 2006 · 20:04 Uhr

    @ Tim:

    Bürokratische Probleme beim BaföG sind kein Argument gegen Studiengebühren. Studierende, die meinen, daß sie zu Unrecht kein BaföG erhalten, können den Rechtsweg beschreiten. Daß Leistungen nach dem BaföG von vielen Empfängern als gering empfunden werden, ist bekannt, aber auch das ist kein Argument gegen Studiengebühren.

    Eine Ausbildung ist eine Investition in die eigene Zukunft. Viele Investitionen werden vernünftigerweise über Kredit finanziert, da sie sich mittel- und langfristig rentieren und hohen Gewinn abwerfen. So machen das alle Unternehmen, aber auch viele Privathaushalte, wenn sie größere Anschaffungen (Auto, Haus, Möbel) finanzieren. Darum ist die Finanzierung eines Studiums über Kredit durchaus sinnvoll. Über Kredit können sowohl laufende Lebenshaltungskosten als auch Studiengebühren finanziert werden. Der Staat hat die Möglichkeit, ähnlich wie beim BaföG, günstige Kredite für die Finanzierung des Studiums anzubieten. In Deutschland gibt es diese Möglichkeit bereits, ich denke da an die Studienabschlußfinanzierung über Kredit.

    Es gibt zur Finanzierung eines Studiums plus Studiengebühren also die Möglichkeit des vorherigen Ansparens, der Aufbringung der laufenden Kosten während des Studiums durch Berufstätigkeit, der Finanzierung durch ein Stipendium oder der Kreditfinanzierung. Diese Finanzierungsmöglichkeiten kann man auch mixen: Teilfinanzierung durch Ansparen, durch Arbeiten und durch Kredit.

  18. Klaus-Dieter 22. Oktober 2006 · 20:21 Uhr

    @ Stefan:

    Die Länder als Träger der Hochschulen streichen, weil sie hochverschuldet sind, ohnehin Ausgaben, also auch bei den Hochschulen. Damit die Lehrqualität dennoch erhalten werden kann, sind Studiengebühren und damit ein Eigenbeitrag der Studierenden geradezu unabdingbar. Das ist ja wohl zuerst im Interesse der Studierenden selbst, daß die Qualität erhalten bleibt oder sogar zunimmt. Natürlich gibt es in Zeiten leerer öffentlicher Kassen Verteilungskämpfe ums knappe Geld, das ist normal. Es ist auch normal und richtig, daß Studierende für ihre vermeintlichen Interessen eintreten, aber sie können nicht erwarten, daß ausgerechnet ihnen nichts zugemutet wird, wenn zum Beispiel Arbeitnehmer und Patienten kräftige Einschnitte hinnehmen müssen. Diese Position ist unrealistisch. Finden Sie sich damit ab: Studieren in Deutschland wird zukünftig teurer werden. Da werden auch die Linksparteien nichts dran ändern (die sind doch froh, daß die bürgerlichen Parteien ihnen in den Ländern jetzt die „Schmutzarbeit“ abnehmen).

    Umso eher Studierende erkennen, daß sie einen höheren finanziellen Eigenbeitrag zu ihrem Studium leisten müssen als bisher (den Löwenanteil der Kosten trägt ja weiterhin der Steuerzahler) und umso eher sie erkennen, daß eine gut ausgestattete Hochschule zuerst in ihrem eigenen Interesse ist, umso besser. Studenten sind nun „Kunden“ ihrer Universität. Drängen Sie auf gute Studienbedingungen für Ihr Geld!

    Wenn aufgrund der Einführung von Studiengebühren die Zahl der Studierenden sinkt, dann ist das auch im Interesse der Studierenden, denn ihre Studienbedingungen verbessern sich, wenn Professoren und Dozenten sich um weniger Studierende kümmern müssen. Die Masse mag dann kleiner werden, aber die Qualität verbessert sich dann.

  19. bazinho 23. Oktober 2006 · 0:58 Uhr

    Was wirklich interessant finde ist der Dreh in der Diskussion den die schwarz-gelben Gebührenfans vollzogen haben.

    Erst brauchte man die Studiengebühren um die Hochschulen zu verbessern und wie die Studenten davon wohl profitieren würden.

    Jetzt kann man damit nur noch die Qualität sichern, aber das ist jawohl immer noch besser als wenn die Unis ohne Geld dastehen würden.

    Naja demnächst steht dann wohl die erste Gebührenerhöhungswelle an um die Qualität zu verbessern.

    @klaus dieter

    sie schreiben:

    „Umso eher Studierende erkennen, … daß eine gut ausgestattete Hochschule zuerst in ihrem eigenen Interesse ist, umso besser.“

    Nun es mag Sie überraschen, aber Studenten wußten schon zu allen Zeiten, dass gut ausgestattete Hochschulen in ihrem Interesse liegen. Oder haben Sie jemals davon gehört, dass Studenten gefordert haben ihrer Hochschule die Gelder zu kürzen?

    „Studenten sind nun “Kunden” ihrer Universität. Drängen Sie auf gute Studienbedingungen für Ihr Geld!“

    Schöner schwarz-gelber Werbespruch aber Sie glauben doch selber nicht ernsthaft, dass die Hochschulen mehr aus weniger machen können nur weil die Studenten das als Kunden forderten?

    „Wenn aufgrund der Einführung von Studiengebühren die Zahl der Studierenden sinkt, dann ist das auch im Interesse der Studierenden, denn ihre Studienbedingungen verbessern sich, wenn Professoren und Dozenten sich um weniger Studierende kümmern müssen.“

    Schon eine ganz schön makabere Logik oder? Drängt die Ärmeren von der Uni, dann verbessern sich die Bedingungen für die Reichen.

    „…wenn Arbeitnehmer und Patienten kräftige Einschnitte hinnehmen müssen…“

    Nun es mag Sie vielleicht wirklich überraschen, aber Studenten sind auch Patienten und in der Mehrzahl auch Arbeitnehmer, insbesondere jene die nicht aus einkommensstarken Familien stammen.

  20. Klaus-Dieter 23. Oktober 2006 · 4:31 Uhr

    @ bazinho:

    Ich verstehe die ganze Aufregung um die moderaten Studiengebühren in NRW nicht. Die Zahl der Studienanfänger ist um 5% gesunken, aber das ist doch nicht dramatisch. Es gibt Studienanfänger, die schreiben sich ein, weil sie die Wartezeit auf einen NC-Studienplatz überbrücken wollen, andere schreiben sich ein, um in den Genuß eines günstigen Nahverkehrstickets zu kommen, andere wechseln in noch studiengebührenfreie Bundesländer. Für diese Scheinstudenten lohnt sich die Immatrikulation nun nicht mehr, also handelt es sich bei der gesunkenen Studienanfängerzahl vermutlich in erster Linie um einen statistischen Effekt.

    Daß 500€ Studiengebühr pro Semester „die Ärmeren“ vom Studium abhalten, glauben Sie doch wohl selbst nicht. Für die sogenannten Ärmeren gibt es Leistungen wie BaföG, damit auch diese sich ein Studium leisten können, am Geld soll die Sache ja nicht scheitern, zumal es sich Deutschland nicht leisten kann, talentierte junge Menschen alleine deswegen nicht gut auszubilden, weil diese aus einkommensschwachen Haushalten stammen. Zur Zeit ist es so, daß ganz ohne Studiengebühren die Bildungschancen von Kindern aus sozial- und einkommensschwachen Haushalten in Deutschland schlechter sind als in angelsächsischen Ländern mit Studiengebühren.

    Ich will die Vorteile von Studiengebühren noch einmal zusammenfassen:

    – die Studienzeiten verkürzen sich, Studierende treten früher ins Berufsleben ein und verdienen eher Geld
    – die Unis bekommen zusätzliche (eigenverdiente) Mittel zur freien Verwendung, über deren Verwendung vor Ort direkt entschieden wird.
    – Unternehmerisches Denken hält Einzug, was erwünscht ist
    – der „Kundendienst“ für Studierende verbessert sich. Studierende sind nicht mehr nur reine Behördenfälle, die von Beamten gut ausgebildet werden oder nicht, sondern sie sind zahlende Kunden, um die sich die Unis bemühen müssen
    – insgesamt hält mit den Studiengebühren ein gewünschter Wettbewerbs- und Unternehmergeist Einzug an den deutschen Unis, der Behördencharakter wird zurückgedrängt, ein Mentalitätswechsel Lehrender und Lernender wird forciert hin zu mehr Eigenverantwortung; Effektivität und Effizienz von Forschung und Bildung steigen, die Mittel werden zielgerichteter eingesetzt
    – Studiengebühren können der Einstieg sein zu weitergehenden Reformen wie ein stärkerer Wettbewerb der Unis untereinander und stärkerer Autonomie sein
    Studiengebühren könnten zukünftig von Fakultät zu Fakultät und Uni zu Uni unterschiedlich hoch sein, wenn diese nicht mehr gedeckelt werden und die Unis über deren Höhe mehr selbst entscheiden können
    – Akademiker leisten einen stärkeren Eigenanteil zu ihrer eigenen Ausbildung als bisher, was zur Entlastung öffentlicher Kassen beiträgt und dem politischen Ziel stärkerer Eigenverantwortung der Bürger für ihr eigenes Leben mehr entspricht
    – das in Deutschland unterentwickelte Stipendien- und Sponsorenwesen wird gefördert, das bisher darunter litt, daß in Deutschland alle auf „Vater Staat“ setzen. Somit kommt verstärkt privates Kapital den Universitäten und Studierenden zugute
    – die Qualität der deutschen Unis wird insgesamt besser, sie können zukünftig im internationalen Wettbewerb besser mithalten im Bemühen um externe Mittel und gute Köpfe, was zur Zeit noch zu wenig der Fall ist

    Das sind so viele Vorteile, das es geradezu fahrlässig wäre, auf das Instrument Studiengebühren zu verzichten.

  21. Stefan 23. Oktober 2006 · 12:13 Uhr

    @ Klaus-Dieter: Dass sich Studenten willkürlich einschreiben um die Wartezeit auf einen NC-STudienplatz zu überbrücken, halte ich für ein Gerücht, da diese Semester nicht auf die Wartezeit angerechnet werden können. Und auch von den weiteren „Scheinstudenten“ lasse ich mich nicht überzeugen. Wenn es sich bei den 5% um Personen handeln würde, die ein Nahverkehrsticket erschleichen wollten, dann wären diese an meiner Hochschule in diesem Semester noch eingeschrieben geblieben, da die Studiengebühren erst ab dem Sommersemester fällig werden. Stattdessen verzeichnet meine Hochschule auch einen Rückgang der Neuanfänger…
    Nein, bei den Verminderung der Studienanfänger handelt es sich nahezu ausschließlich um Menschen, die von den Studiengebühren abgeschreckt werden. Punkt, aus.

    Die angeblichen Vorteile:
    1. Nein, Studienzeiten verlängern sich, da immer mehr Studenten zweigleisig fahren müssen! Studieren und Arbeiten ist nicht immer vereinbar, wie bereits beschrieben und hat zur Folge, dass sich die Studienzeit verzögert. Gerne erinnere ich mich an die Erzählungen meiner Großeltern von den Studenten der früheren Zeit. Diese studierten ein Semester und nutzten dann wieder das darauffolgende Semester um zu pausieren und Geld zu verdienen. Heutzutage undenkbar und realitätsfern in Zeiten in denen alles daran gesetzt wird 12 Schuljahre zu erhalten und somit eher junge, gut ausgebildete Menschen zu fördern. In vielen Studiengängen aufgrund des differierenden Vorlesungsangebots (Sommer-, Wintersemester) überhaupt nicht praktikabel.

    2. Lasse ich ebenfalls nicht gelten, da die finanziellen Mittel nur für die, sagen wir „Standard-Studiengänge“ benutzt werden. VWL, BWL, Jura etc. werden zukünftig von den Hochschulen bevorzugt behandelt, da hier auch mehr „Kunden“ zu erwarten sind, die Nachfrage höher ist (wenn wir schon bei Dienstleistern sind). Individuelle Studiengänge werden unrentabler für die Hochschulen und „unwirtschaftlich“. –> Gleichmacherei an den Universitäten; keine individuelle Entfaltung der Studenten mehr möglich(Oder warum werden in Deutschland Theater und Schauspielhäuser so stark subventioniert, dass man einen 50€ auf jeden Sitz bei jeder Vorstellung legen könnte um dies zu versinnbildlichen?)
    Oder man sagt einfach: „die Mittel werden zielgerichteter eingesetzt“(Klaus-Dieter)
    3. Unternehmerisches Denken ist erwünscht? Wieso?
    4. Zahlender Kunde bin ich ebenfalls nicht. Ein Kunde kann seine Ware beanstanden, umtauschen, sein Geld zurückfordern. Diese Ansprüche werden Studenten versagt. Das Geld für ausgefallene Vorlesungen kann ich nicht zurückfordern. Wir sprechen hier von GEBÜHREN!
    5. Das Thema der Eigenverantortung hatte ich bereits erwähnt. Das Argument meines erhöhten Steuerbeitrags für die Allgemeinheit nach Abschluss meiner Ausbildung lasse ich weiterhin gelten, da hierdurch ein Ausgleich für die von mir beanspruchten Mittel entsteht.

    Und noch einmal. Eigenverantwortung, schön und gut, aber diese muss maßvoll stattfinden (siehe: Rechenbeispiel „Musterstudent“). Warum soll ich dafür „büßen“, dass ich eine gute Ausbildung habe, die mich befähigt zu studieren? Jedem stand diese Möglichkeit zu Beginn seines Lebens offen! Nur weil der andere keine Lust hatte zu lernen, als ich vor den Hausaufgaben saß, muss ich mich heute nicht schämen! Jetzt hab ich mein Abitur und was dann kommt ist klar. Die Leute mit der verpassten Chance (vielleicht gehört Klaus-Dieter auch dazu) fangen in der deutschen Leid- und Neidgesellschaft an zu schreien wie ungerecht das doch alles ist.
    Aber wo soll das denn eigentlich alles hinführen? Wenn Studiengebühren, dann bald auch wieder Schulgebühren, denn warum sollen die Kinder denn umsonst zur Schule gehen? Wir fangen einfach mal bei den Gymnasien und Gesamtschueln an, denn Stufe 11 und 12 sind ja auch Luxus. Die leisten besser auch einen „stärkeren Eigenanteil zu ihrer eigenen Ausbildung als bisher“ (Klaus-Dieter)

  22. Fabian 23. Oktober 2006 · 12:41 Uhr

    Wie der gute Klaus- Dieter ganz richtig erkennt, kommen sowieso schon zu viele Studenten aus einkommensstärkeren Familien. Diese Jugendlichen werden Studiengebühren eher nicht abschrecken, da gebe ich ihm durchaus recht. Es wird diejenigen abschrecken, die keine finanzkräftigen Eltern im Hintergrund haben. Diejenigen, die sich verschulden müssen, um überhaupt studieren zu können. Das zu viele junge Menschen studieren, hängt einfach damit zusammen, dass Firmen immer mehr nach hochqualifizierten Fachkräften schreien, die sie selber aber nicht ausbilden wollen, weil sie die Kosten scheuen. Wer sollte hier also mehr in die Pflicht genommen werden? Die Studenten oder die Firmen, die hinterher die Arbeitskraft nutzen wollen. Selbst die Firmenstipendien, die großspurig angekündigt wurden und dabei trotzdem bei weitem nicht alle Studienrichtungen abdecken, lassen zu wünschen übrig.
    Wenn eine Hochschulzugangsbegrenzung, warum über finanzielle Wege? Sind Leute mit mehr Geld intelligenter als Leute mit weniger Geld? Mit Sicherheit nicht! Warum also nicht Eingangstests verlangen und damit die Intelligentesten und nicht die Reichsten studieren lassen? Der wahre Grund: Weil Reiche eine stärkere Lobby haben und heutzutage nur noch nach finanziellen Gesichtspunkten entschieden wird!

    Bildung ist aus gutem Grund ein allgemeingut, auf welches Jeder anspruch hat, nicht nur eine finazielle Oberschicht. Es ist notwendig, gerade Forschung nicht nur primär von finanziellen Interessen abhängig zu machen, denn Geld hat kein Gewissen.

    Liebe Mitbürger, bitte unterschätzen sie nicht den sozialen Druck, der ohnenhin schon auf Jugendlichen der sogenannten „Unterschicht“ liegt. Es ist völlig unnötig, diesen Menschen den Zugang zu Hochschulen durch Studiengebühren zu erschweren, solange noch Steuern für Unternehmen gesenkt werden, die dann doch wieder Leute entlassen.

    In diesem Sinne,

    Fabian

  23. Benno 23. Oktober 2006 · 17:25 Uhr

    @Fabian:

    Deinen Vorschlag, Aufnahmeprüfungen an den Universitäten durchzuführen, kann ich nur unterstützen. Intelligenz oder Dummheit sind nun wirklich nicht einseitig bei einer bestimmten Einkommensgruppe vertreten — das sehe ich allein schon, wenn ich bei mir im Studium auf Kommilitonen stoße, die zwar die Studiengebühren mit einem müden Lächeln bezahlen können, dafür aber nichts auf der Pfanne haben. Ein guter Abischnitt (wie auch ein dicker Geldbeutel) ist nun mal nicht unbedingt repräsentativ für die intellektuellen und nicht zuletzt auch sozialen Kompetenzen eines Studenten.

    Das Problem beginnt aber auch schon viel früher, nämlich an den Gymnasien, die meines Erachtens viel zu viele Schüler aufnehmen und damit auf den Weg zur Hochschulreife bringen. Daher müsste bereits am Übergang von der Grund- zu den weiterführenden Schulen angesetzt und eine Einstufungsprüfung für die Schulwahl eingeführt werden. Damit würde man auch ganz nebenbei diesem Irrsinn mit der verbindlichen Lehrerempfehlung, wie sie die Landesregierung beschlossen hat, ein Ende bereiten.

  24. Tim 23. Oktober 2006 · 17:47 Uhr

    Die Verbesserung der Studienbedingungen durch Studiengebühren ist ein Gerücht, eine nette Idee, aber utopisch. Ich habe vor kurzem ein Senatsmitglied der Uni Bochum gehört, der sagte allein die jährlich zu erwartende Steigung der Energiekosten und die normalen Lohnerhöhungen der Mitarbeiter fressen einen Großteil der Gebühren auf. Auch die Verwaltungskosten der Hochschulen sind durch Hochschulfreiheitsgesetz etc. rapide gestiegen. Zwar dürfen die Landeszuschüsse in den letzten Jahren nicht gesenkt werden, aber das wurden sie auch nie! Andererseits gibt es auch nicht mehr Geld vom Land, womit die Unis unterm Strich auch mit Gebühren bald weniger zur Verfügung haben als früher.
    Dass die Bildungschancen für Menschen aus unteren sozialen Schichten in Deutschland so viel schlechter sind als in anderen europäischen Ländern hat nichts mit Studiengebühren zu tun. Im Gegenteil, hätten die andern Länder keine, stände Deutschland noch schlechter da. Das Problem dabei ist vor allem die frühe Einteilung in Haupt- und Realschule und Gymnasium. Ausserdem haben die Engländer z.B. ein deutlich besseres Stipendiensystem, gerade für sozial Schwache, was in Deutschland fast völlig fehlt.
    Ich finde, in der gesamtenBildungsdiskussion gucken wir immer viel zu viel auf das Ausland. Sicher haben wir nicht so viele ausländische Studenten wie die USA oder England. Vielleicht haben wir auch nicht so tolle Unis wie Harward oder Yale. Vielleicht sind auch Juristen und Wirtschafswissenschaftler aus Harward klasse ausgebildet, besser als bei uns. Aber heißt das, dass wir alles von denen kopieren müssen? Weil deutsche Abgänger zu alt sind soll das Studium kürzer werden, die Motivation soll gesteigert werden durch Gebühren. Stop. Warum sind die zu alt? Einmal machen die deutschen normalerweise mit 19-20 Jahren Abitur. Dann folgt für die Jungs noch ein Jahr Bund oder Zivi. Im Gegensatz zu einem Engländer der mit 18 anfängt zu studieren sind die Deutschen also schonmal 2 Jahre im Rückstand. Dann dauert unser Diplom nunmal länger als ein Bachelor, darum wird das ja auch umgestellt. Dummerweise sind viele In-und Ausländische Arbeitgeber davon gar nicht so begeistert, denn im Vergleich zum umfangreichen Stoff eines Diploms, oft mit Nebenfächern ist der Bachelor eine Schmalspurausbildung, ein light-Hochschulstudium. Aber selbst ohne den Bachelor-Unfug: Wenn man versucht mit Studiengebühren das Studium zu verkürzen nimmt man Studierenden die Möglichkeit sich auch ein wenig über ihre Fächergrenzen hinaus zu bilden. Man nimmt ihnen die Flexibilität (eine in der Wirtschaft immer gefragtere Eigenschaft). Man nimmt ihnen die Möglichkeit Fehlentscheidungen zu revidieren oder zumindest zu überprüfen, indem man mal in eine andere Veranstaltung reinschnuppert oder mal ein ausserplanmäßiges Praktikum macht und erzeugt einen Haufen von Fachidioten. Ausserdem bestraft man ehrenamtliches Engagement, z.B. in Fachschaften etc. „Bummelstudenten“ sind nicht unbedingt faul, sondern oft einfach interessierter als ihre Komolitonen.
    Und eigenverantwortlicher werden die Unis auch nicht. Immerhin sitzen in ihren Gremien jetzt Leute von aussen, früher gab es zwar gewisse Bedingungen, die die Politik vorgab, aber ansonsten wurden Entscheidungen an den Unis gefällt und vom Ministerium abgesegnet. Jetzt entscheiden Externe mit. Und das Stipendien- und Sponsorenwesen wird in Deutschland nicht gefördert, jedenfalls habe ich noch keine neuen Stipendien gesehen oder davon gehört. Die wenigen, die es gibt sind höchstens noch gefragter als bisher, können aber auch nicht mehr Geld bereitstellen. Stattdessen wurde gleich zu Beginn dieser Diskussion auf Studienkredite gesetzt, was dazu führt, dass junge Menschen sich hoch verschulden und diese Schulden gerade in dem Lebensabschnitt zurückzahlen müssen, wenn sie noch keinen sicheren Job haben, bei vielen Familiengründung etc. auf dem Plan steht, viele Anschaffungen nötig sind (welcher berufstätige kommt heute noch ohne Auto aus?) und oftmals noch nicht viel verdient wird.

  25. Klaus-Dieter 24. Oktober 2006 · 3:05 Uhr

    @ Fabian:

    Fabian: „Es wird diejenigen abschrecken, die keine finanzkräftigen Eltern im Hintergrund haben. Diejenigen, die sich verschulden müssen, um überhaupt studieren zu können.“

    Wenn Sie BaföG-Empfänger sind, weil Sie keine finanzkräftigen Eltern im Hintergrund haben, haben Sie heute bereits (und seit langer Zeit ist das schon so) am Ende Ihres Studiums Schulden, die Sie zurückzahlen müssen. Nach Ihrer Logik dürften dann alle BaföG-Empfänger ja nicht studieren, weil sie dann Schulden haben und aus einkommensschwachen Haushalten stammen (deswegen bekommen sie ja BaföG). Wenn Sie sich ein Haus oder eine Wohnung auf Kreditbasis kaufen, haben Sie Schulden. Viele Menschen finanzieren Möbel und Autos auf Kreditbasis. Diese Güter verlieren jeden Tag an Wert, das Auto rostet Ihnen langsam weg. Ein Studium gewinnt an Wert, es verheißt beruflichen Erfolg und gutes Einkommen, ein Leben lang. Aber kosten darf es um Himmels Willen nichts, auch wenn die öffentlichen Kassen leer sind und die Unis finanziell aus dem letzten Loch pfeifen. Das Studium hat Ihnen gefälligst der Staat, der Steuerzahler alleine zu finanzieren? Und damit das so bleibt, sind Sie sogar bereit, schlechtere Studienbedingungen hinzunehmen, nur damit Sie um Gottes Willen keinen Eigenanteil zu Ihrer eigenen Hochschulausbildung leisten müssen, selbst wenn dieser Eigenanteil nur lausige 4.500€ beträgt, Sie davon ein Leben lang profitieren und ein hohes Einkommen beziehen?

    Ja, warum wollen Sie dann denn studieren und sich krumlegen? Warum wollen Sie sich diese unzumutbare Qual antun, wo es doch den Azubis angeblich so viel besser geht? Suchen Sie sich doch eine Lehrstelle, da kriegen Sie doch sogar noch Geld dafür. Wem seine eigene Hochschulausbildung nicht mal der Preis eines zehn Jahre alten gebrauchten VW Golf wert ist (der kostet ungefähr 4.500€), der hat an einer Uni auch nichts zu suchen.

    Meine Güte, was ist in diesem Land geschehen? Hier hält jeder nur die Hand auf und fragt, was das Land für ihn tun kann. Daß bloß keiner zu kurz kommt. Kein Wunder, daß es mit Deutschland immer mehr bergab geht bei so einer Staatsversorgungsmentalität. Jeder wartet auf ein Wunder, daß Vater Staat sein Füllhorn öffnet und Goldtaler übers Land regnen läßt, nur Vater Staat ist pleite und die Staatsschulen und die Steuern zahlt ihr selbst! Der Staat hat nämlich gar kein Geld, der Staat seid ihr selbst! Seid ihr alle in der DDR großgeworden, wo sich der Staat um euch kümmerte von der Wiege bis an die Bahre? Wißt ihr, was aus diesem Arbeiter-, Studenten- und Bauernparadies geworden ist?

    Fabian: „Das zu viele junge Menschen studieren, …“

    Es studieren in Deutschland nicht zu viele, sondern zu wenige. Die Akademikerquote ist in anderen Industrieländern höher als in Deutschland, trotz fehlender Studiengebühren, die in vielen anderen Industrieländern mit höherer Akademikerquote schon lange üblich sind. Macht Sie das nicht stutzig? Wie kriegen Sie diesen Widerspruch denn auf die Reihe? Das kriegen Sie ideologisch doch gar nicht hingebogen.

  26. Jürgen 24. Oktober 2006 · 10:11 Uhr

    @Klaus-Dieter:

    Der Staat wäre nicht pleite, wenn die Politiker nicht das Geld mit vollen Händen zum Fenster rauswerfen würden.

    Der Bundesrechnungshof zeigt jedes Jahr mit schöner Regelmäßigkeit auf, wie Steuermilliarden im schwarzen Loch versenkt werden. Aber wo wird gespart? Beim Bürger. Ist ja so einfach. 3% auf die Mehrwertsteuer, soundsoviel Mehreinnahmen in der Kasse. Kürzung der Pendlerpauschale und Streichung der Eigenheimzulage: Mehr Geld in der Kasse.

    Konsequente Verfolgung von hinterzogenen Steuermilliarden? Brächte auch mehr Geld, ist aber aufwendig und man könnte es sich ja mit der Wirtschaft verscherzen und nach dem Ende der politischen Karriere keinen Posten mehr abkriegen.

    Umzug der Regierung nach Berlin? Die reinste Geldvernichtung. Immer mehr Überwachung? Die reinste Geldvernichtung ohne nachhaltige Wirkung auf Terroristen. Nebenbei geht noch der Rechtsstaat zugrunde.

    Wie Sie selbst sagen, studieren in Deutschland zu wenige. Glauben Sie allen Ernstes, durch Studiengebühren ändert sich das?

    Soziale Gerechtigkeit heißt: Gleiche Bildungschancen für alle, je nach Fähigkeiten. Studiengebühren sind per Definition asozial und bevorteilen die Vermögenden. Das Ziel der Verbesserung der Studienqualität wird wie bereits erwähnt nicht erreicht werden. Um das zu begreifen, reicht der gesunde Menschenverstand, der vielen Politikern heutzutage abzugehen scheint.

    MfG,
    Kashban

  27. Benno 24. Oktober 2006 · 11:40 Uhr

    Eine Anmerkung zu der niedrigen Studentenzahl in Deutschland:

    Von der merkt man aber im Uni-Alltag herzlich wenig. Ich komme gerade aus einer Vorlesung, in der der Hörsaal (einer der größten an unserer Uni) bis auf den letzten Platz besetzt war. In vielen anderen Vorlesungen und insbesondere Seminaren sieht es nicht anders aus, vor allem in kleineren Hörsälen ist es an der Tagesordnung, dass die Studenten auf den Boden oder die Fensterbänke ausweichen müssen. Und im Kampf um die Bücher in den Bibliotheken muss man schnell sein, da die Konkurrenz nicht schläft und das Problem schon damit anfängt, dass die grundlegende Literatur für Seminare oft nur in geringer Zahl (teilweise sogar nur einmal) vorhanden ist.

    Kurzum: Die Universitäten platzen aus allen Nähten. Daraus schließe ich, dass die Ursache für Deutschlands niedrige Akademikerquote nicht etwa in Benachteiligungen und anderen Fehlern im Bildungssystem begründet liegt, sondern in einer für ein Volk unserer Größe immer noch zu geringen Zahl an Hochschulen und entsprechenden Studienplätzen.

  28. Tim 24. Oktober 2006 · 14:27 Uhr

    @ Klaus-Dieter:

    Studienkredite und Bafög sind zwei Paar Schuhe. Das Bafög muss zwar auch zum Teil zurückgezahlt werden, allerdings 1. nur zum Teil und 2. nur, wenn die Einkommenssituation nach dem Studium das zulässt. Wer nach dem Studium nicht oder zu wenig verdient wird von der Rückzahlung zurückgestellt (ohne, dass Zinsen dazu kommt). Ein Studienkredit muss dagegen in voller Höhe und mit Zinsen zurückgezahlt werden. Auch der Vergleich mit dem Haus-, Auto- oder Möbelkauf auf Kredit hinkt. Dafür bekommt man nur einen Kredit, wenn es gewisse Sicherheiten gibt, dass man das auch zurückzahlen kann, anders beim Studienkredit, wo das für den Studi und für die Bank höchst spekulativ ist. Ausserdem handelt es sich beim Studium sicher um eine Investition, aber auch um eine Investition in die Zukunft unseres Landes, nicht in privaten Luxus. Sie sagen selbst, dass es eigentlich im Vergleich zu anderen Ländern zu wenig Studierende in Deutschland gibt. Von mir aus, und ich glaube, ich spreche da auch für viele andere Studenten, können wir ab einem bestimmten Einkommen die Steuern etwas anheben und das gewonnene Geld in die Unis stecken. Da wir in den höheren Einkommensschichten vor allem Akademiker sitzen haben zahlen dann die, die von ihrem Studium am meisten profitiert haben für die nächste Generation, das wäre durchaus fair, sicher sozial gerechter, als wenn die steigende Zahl von arbeitslosen Akademikern und Akademikern in unterbezahlten Halbtagsjobs genauso dafür zur Kasse gebeten wird und vor allem fairer, als wenn die Eltern von Studierenden, die eben nicht ausschließlich reiche Schnösel sind, zur Kasse gebeten werden. Auch könnten die Milliarden, die jetzt zur Förderung von einzelnen Fachbereichen an einzelnen Unis, die jetzt zu Elite-Einrichtungen erkoren werden viel effektiver allen zu Gute kommen. Man könnte so viel Geld sparen (und sowohl national als auch international die Vergleichbarkeit enorm steigern, was ja auch immer wieder Thema ist) wenn man diesen albernen Föderalismus im Hochschulwesen zurückfährt und einheitliche Standarts in Deutschland schafft.

  29. Stefan 24. Oktober 2006 · 22:59 Uhr

    „Ein Studium gewinnt an Wert, es verheißt beruflichen Erfolg und gutes Einkommen, ein Leben lang.“ (Klaus-Dieter)

    Diesen Satz kann ich so nicht stehen lassen. Ein Studium qualifiziert mich für eine bestimmte Tätigkeit, für einen Beruf mit erhöhten Anforderungen. Das ist richtig. Allerdings wird mir dieser Beruf nicht garantiert. Ob ich einen Job erhalte, steht in den Sternen.
    Auch die Behauptung eines „guten Einkommens“ ist doch falsch. Ein Studium ist doch kein Freifahrtschein in die „belle etage“! So realitätsfremd kann man doch nicht sein.
    Fakt ist, dass heutzutage immer höhere Einstellungskriterien an die Bewerber gestellt werden(die Löhne steigen doch nicht proportional dazu). Aus diesem Grund möchte ich mich durch mein Studium dafür qualifizieren.
    Um mein Ziel zu erreichen, investiere ich als Student:
    – Zeit: diese ist nicht zu unterschätzen, da ich hierdurch keine anderen geregelten Tätigkeit – außer auf 400€ Basis – nachkommen kann
    – Geld: für Semesterbeitrag (150€), Skripte, Bücher, sonstige Materialien (ebenfalls nicht wenig, da Fachliteratur vom Preis her nicht mit Taschenbüchern gleichzusetzen ist)

    Ich HABE bereits investiert:
    – 3 zusätzliche Jahre im Gegensatz zu denen, die sich nach der 10. Stufe entschlossen haben abzugehen und Geld zu verdienen
    – Fleiß um mein Abitur zu bestehen

    Ich kann es nicht mehr hören, dass sich ein Student aus purem Neid von allen Seiten beschimpfen lassen muss wie der Klassenbeste früher in der Schule. Ich habe was dafür getan, damit ich die Chance ergreifen kann, mich an einer Hochschule, die von Vater Staat für ALLE angeboten wird, ausbilden lassen zu können. Das ist mein Einsatz, meine Investition! Dafür will ich nicht auch noch finanzeill zur Kasse gebeten werden – das werde ich noch früh genug später, wenn ich angeblich so horrende Summen verdiene.

    Hört endlich auf die Studenten immer wieder runterziehen zu wollen mit den Forderungen „Vater Staat kann doch nicht alles Zahlen und vor allen Dingen nicht den Studenten“. Gut ausgebildete Menschen sind doch das beste Kapital, das Staat haben kann. Also sollte sich auch für die Allgemeinheit diese Investition lohnen – zumindest mehr als irgendwelche Hartz IV-Gelder (ohne diese abwerten zu wollen). Bietet den Studenten etwas, bildet sie aus, sie haben eine Multiplikatoren-Wirkung auf die gesamte Wirtschaft. Wenn wir keine ausgebildeten Leute haben wandern Firmen ab, denn nicht-wissensbasierte Tätigkeiten sind austauschbar.
    Wenn ich einen Studienkredit aufnehme, muss ich nach dem Studium erst einmal einen „Gebrauchtwagen“ abbezahlen ohne mich in ihn reinsetzen zu können und zu meiner nächsten Arbeitsstelle fahren zu können!

    Und zum Abschluss: Infolge des demographischen Wandels werden wir in Zukunft auch weiterhin abnehmende Hochschulabsolventenzahlen schreiben, weil einfach nicht mehr Junge nachkommen. Warum belasten wir also immer weiter die kommende Elterngeneration finanziell? Sie sollen ihre Ausbildung zahlen, die Wirtschaft ankurbeln, für ihr Alter vorsorgen, die Renten der Älteren bezahlen und dann auch noch Kinder in die Welt setzen. (Wenn es nach einigen Politikern geht auch noch komplett für die im ALter eventuell sozialhilfebedürftigen Eltern herhalten). Das sind 3 Generationen getragen von einer! Dass Akademiker demnächst garkeine Kinder in die Welt sollte doch jetzt jedem klar sein.

  30. Florian M. Stork 26. Oktober 2006 · 18:48 Uhr

    Wenn ich mir das hohle Geschwätz von unserem Klaus Dieter durchlese dann schlage ich mir mit der offenen Hand auf die Stirn und frage mich: von was für Schmalspurdenkern werden wir hier regiert?

    Sicherlich, meine Ausdrucksweise lässt gerade in Bezug auf eine ordentliche Diskussion zu wünschen übrig, aber es gibt leider keine anderen Mittel in der deutschen Sprache um zum Ausdruck zu bringen, mit was für einem Schwachsinn wir hier von Seiten der Politik konfrontiert werden.

    @ Klaus Dieter:
    Sie werfen hohle Argumente in den Raum, die keinen Halt haben. Den Hochschulen werden bisherige Gelder seitens der Länder und des Staates gestrichen, was mit Studiengebühren kompensiert werden muss aber zu einer Verbesserung der Bedingungen führen soll? – Haltlos.
    Nun, um diesem Irrtum ihrerseits entgegen zu wirken, da sie offensichtlich bloß gestellt wurden, geben sie nun an, dass sich die Bedingungen der Studierenden ja nun dadurch verbessern, dass andere nicht mehr in der Lage sind zu studieren. Ich mein, sicher, meine Bedingungen verbessern sich dadurch, aber für all jene, die nun nicht mehr studieren können, gibt es keine deffinition des Grades der Verschlechterung ihrer Bedingungen, da sie schlichtweg kein Studium mehr bestreiten können. Höchst makaber und zu Gunsten der besser verdienenden. Diese haben Chancen auf viel Geld im Berufsleben und verdienen am Ende noch mehr, wärend die schlechterverdienenden auf das hoffen müssen, was der Arbeitsmarkt noch so gerade eben an Lehrstellen hergibt und werden noch ärmer.
    Die Schere zwischen arm und reich weitet sich noch mehr. – Sie fallen mit ihrer Argumentation in ein noch tieferes Loch.

    Nächster Punkt:
    Nun bedienen sie sich der Methode „uns“ deutlich zu machen, dass „wir“ der Staat seien. Was ist mit ihnen… gehören sie nicht zum Staat? Natürlich gehören sie dazu. Aber sie müssen ja nicht ihre Tasche weit aufreißen und den letzten Cent raus kratzen. Sie haben ja nen Job, sie verdienen als Politiker reichlich an den Steuergeldern der verarmenden Familien, die jetzt noch tiefer in die Tasche greifen müssen, damit ihre Sprösslinge sich ein Studium leisten können. Und dass sie, gerade SIE dann davon sprechen wo denn bitte das soziale Gefühl der Bevölkerung bliebe ist der größte Hohn!
    Deutschland ist unter den 16 Jahren Kohl – CDU zu Grunde gegangen… und die CDU leistet auch heute wieder hervoragende Arbeit in Sachen Taalfahrt, immer schön dem Abgrund entgegen.
    Ich identifiziere mich nicht mit dem aktuellen Deutschland, denn ich sehe mich als Teil einer Gesellschaft in der Gleichberechtigung in jederlei Hinsicht das höchste Ziel sein sollte. Doch da wir aktuell mehrheitlich von der CDU regiert werden und dies auch in den meisten Ländern der Fall ist, bewegt sich unser „soziales“ System in die entgegengesetzte Richtung. Reichtum und Privilegien sind das höchste Ziel des Individuums und das auf Kosten so vieler anderer wie möglich. Ich werde in allen Gründen, mit denen ich mein Kreuz bei der SPD rechtfertige, mit jedem weiteren Tag, den die CDU an der Macht ist, bestätigt.

    Anstatt bei den Institutionen das Geld heraus zu kitzeln, wo es im Überfluss vorhanden ist, wird bei den armen gespart, die haben ja auch nicht die nötigen Mittel um etwas dagegen zu unternehmen.

    Die großen Banken, die Öl-Konzerne und andere große Firmen, die riesige Gewinne einfahren und gleichzeitig Stellen abbauen, die werden nicht zur Kasse gebeten, die könnten einem ja die persöhnliche Zukunft zerstören. Das Problem in unserer Gesellschaft ist, dass diejenigen, die in der Lage wären, oder besser gesagt, in der Position sind, etwas zu ändern, tun es nicht, weil sie nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Welcher Politiker bemüht sich denn noch um soziale Gerechtigkeit? Ein Mann fällt mir ein: Gerhard Schröder.
    Klar, das passt ihnen gar nicht und sie fühlen sich jetzt in ihrer Ehre gekränkt, aber das ist ein weiteres Problem. Sie denken zu schmal, als dass sie in der Lage wären ihre Irrtümer ein zu sehen und es endlich mal richtig zu machen, statt dessen halten sie sich an ihren Luftschlössern fest und versuchen mit hohlen Argumenten, die sich im zweiten Satz schon wieder wiedersprechen, die Meute bei der Stange zu halten. Mit dem geziehlten zurückhalten von Informtaionen (Das bisherige Gelder für die Hochschulen gekürzt wurden, weiß kaum jemand) und durch das einbringen von Fehlinformationen (Studenten, die sich einschreiben um günstiger durch Deutschland pendelnt zu können… lachhaft)wird hier für ihre Methoden propagiert und das schlimme daran ist, sie glauben auch noch, was sie erzählen.

    Aber mein Ziel ist es nichtmal sie, Herr Dieter, davon zu überzeugen, dass ihr Standpunkt haltlos, da ich weiß, dass sie zu borniert sind um auch nur einen Moment lang ein zu gestehen, dass sie im Unrecht sind, vielmehr will ich all jene, die ebenfalls die Fahrt gen Abgrund erkennen dazu ermutigen mehr persöhnliches engagement zu zeigen um diesem Irrsinn ein ende zu bereiten.

    Mit freundlichen Grüßen, Florian Stork

    PS.: Es gibt den Spruch:
    „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
    Ich sage:
    „Vertrauen fördert die Selbstständigkeit und das soziale Zusammengehörigkeitsgefühl,
    Kontrolle fördert Misstrauen und schafft blinde Gefolgsleute.“
    -Doch letzters scheint es zu sein, was man erreichen will.

  31. Klaus-Dieter 27. Oktober 2006 · 0:46 Uhr

    @ Florian:
    Es stimmt, daß Studiengebühren nicht zwangsläufig zu besseren Studienbedingungen führen, aber ohne Studiengebühren werden sie sicherlich zukünftig schlechter werden und mit Studiengebühren werden sie vermutlich besser werden, wenn die Einführung von Studiengebühren der Beginn weitergehender Reformen im Bildungswesen sind. Bund und Länder sparen, auch an den Hochschulen. Sie sparen, weil sie gar nicht anders können. Das machen übrigens auch die SPD-Länder. Auch die rot-grüne Landesregierung in NRW unter Clement und Steinbrück hat an den Hochschulen, Schulen und der Hochschulperipherie gespart. So wurden etwa Stellen nicht mehr besetzt und eine Studiengebühr von 650€ für Langzeitstudierende eingeführt. Die SPD in NRW ist froh, daß die Regierung Rüttgers nun die Schmutzarbeit abnimmt und Studiengebühren durchsetzt. Wenn Sie glauben, daß eine SPD-Landesregierung diese wieder zurücknehmen würde, dann sind Sie naiv.
    Die Einführung von Studiengebühren wird auch mitnichten, wie ich ja bereits mehrfach ausführte, dazu führen, daß sich „Arme“ das Studieren nicht mehr werden leisten können. Die Gründe habe ich auch schon dargelegt und brauche sie nicht zu wiederholen.

  32. Florian M. Stork 27. Oktober 2006 · 11:11 Uhr

    @Klaus Dieter
    „[…]Es stimmt, daß Studiengebühren nicht zwangsläufig zu besseren Studienbedingungen führen[…]und mit Studiengebühren werden sie vermutlich besser werden[…]“ -ohne Kommentar

    Sicher muss gespart werden. Es ist ja auch völlig logisch, dass bei den arbeitslosen zu tun (-SPD), dass an der Zukunft unseres Landes zu tun, bei der Bildung (-CDU). Es macht auch völlig Sinn bei einer der traditionsreichsten Industrien deutschlands zu sparen, am Kohlebergbau (-CDU, Rüttgers). Ergibt für mich totalen Sinn, wenn gleichzeitig das Kanzleramt einer Villa ähnelt wie sie sich ihrer Zeiten nur die hohen Könige und Fürsten leisten konnten, wärend das Volk hungerte. Macht völlig Sinn, wenn gleichzeitig Firmenbosse ihre Gehälter verdoppeln, weil sie weniger Arbeitskräfte finanzieren müssen, der Rest wurde ja entlassen. Klar, ich habe vollstes Verständnis dafür, dass es leicht ist bei den armen und mittellosen zu sparen, denn die haben auch nicht die Macht und die Mittel wie die großen Konzerne sich aktiv und einflussreich in die Politik ein zu mischen. Ich möchte hierbei an den Schmiergeldskandal der CDU erinnern.
    http://www.freitag.de/2000/03/00030101.htm
    https://spd-gespraeche.de/servlet/PB/menu/1011224/1685244.html
    „[…]Mit dem Prozess gegen den Ex-Rüstungsstaatssekretär Holger Pfahls holt der Spenden- und Schmiergeldskandal die CDU wieder ein. Nach dem Geständnis von Pfahls steht fest: Mitglieder der Kohl-Regierung waren käuflich.[…]
    Frau Merkel ist das inzwischen offenbar egal. Mit Helmut Kohl zeigt sie sich wieder gerne in der Öffentlichkeit.[…]“ – ohne Kommentar
    aber das nur am Rand, hier geht es um die Hochschulgebühren.
    Und hier sind 650€ für Langzeitstudierende durchaus akzeptabel und im Gegensatz zu 500€ für jeden Studenten auch nachvollziehbar! Das Ziel ist es, dass Studenten demnächst in kürzerer Zeit den gleichen Stoff lernen, was eine kleine Nebenbeschäftigung um Geld zu verdienen unmöglich macht. – 500€ pro Semester gehen nach hinten los.
    650€ ab einer bestimmten Zeitspanne machen Sinn.
    Und das die Einführung von Studiengebühren „mit nichten“ dazu führen wird, dass sich die „Armen“ das Studieren nicht mehr leisten können, ist auch eine Falschaussage, die Fakten sprechen eine andere Sprache, denn 5% weniger Neuanfänger haben wir schon zu verzeichnen und ich kann ihnen garantieren, dass es an den Hochschulen, die ihre Gebühren erst nächstes Semester einfordern, weitere Abgänger und noch weniger Neuanfänger geben wird. Diese Prognose ist nun absolut Praxisbezogen, denn ich pflege den Umgang mit vieler meiner Komilitonen und die meisten gehen mit ihren Finanzen jetzt schon auf dem Zahnfleisch und bei denen zählt jeder Cent mehr oder weniger im Monat und dann zu behaupten, dass ca. 83€ ja nen Klax wären ist blanker Hohn. Dazu zählen Studenten, die aus unter anderem 400km quer durch Deutschland umziehen mussten, um an der entsprechenden Uni zu studieren. Sie beziehen bereits Bafög, müssen ihre Miete zahlen. Bücher im Wert von insgesamt 130€, Arbeitsmaterialien, der Semesterbeitrag etc. diese Rechnung wurde schon einmal. Und jetzt das Argument der Kredite. Es gibt das Förderprogramm des Kfw, Banken verteilen auch Kredite. Aber wofür das alles? Damit die Banken wieder mehr abkassieren dürfen? Um nun auch die Berufseinsteiger gleich mit einem Kredit zu belasten und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, damit die, die ohnehin schon reich sind, noch reicher werden?

    Ich frage mich, wie engstirnig man sein muss, dass man das nicht sieht, oder aber, wie viel Geld man extra bekommt… Das ist kein Vorwurf, nur ein Gedanke, ich möchte klar stellen, dass ich damit niemanden der Korruption oder ähnlicher Dinge beschuldigen möchte.

  33. Klaus-Dieter 27. Oktober 2006 · 14:59 Uhr

    @ Florian:

    Ich muß mich bei Ihnen ständig wiederholen. Wie ich ja bereits schrieb, gibt es neben der Möglichkeit des Geldverdienens während des Studiums noch andere Möglichkeiten der Studienfinanzierung wie Stipendienbezug, Kreditaufnahme und vorheriges Ansparen. Wie auch bereits mehrfach von mir geschrieben, wird der Preis von 4.500€ – der Gegenwert eines zehn Jahre alten gebrauchten VW Golf – auch niemanden, der wirklich studieren will, an der Aufnahme und Durchführung eines Hochschulstudiums hindern. Das wäre selbst dann so, wenn die Studiengebühren noch deutlich höher lägen. Das ist so, weil es sich nicht rechnet, weil die Menschen ökonomisch denken und Vor- gegen Nachteile abwägen. Sie selbst schreiben ja, daß die Studiengebühren u.a. mit günstigen Bildungskrediten der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau finanziert werden können.

    http://www.kfw-foerderbank.de/DE_Home/Bildung/
    Wissenskredite_fuer_Studenten/KfW_Studienkredit/index.jsp

    Daß einige Studierende am Ende ihres Studiums Schulden haben werden, ist so. Viele Menschen haben Schulden, fast alle Unternehmen und auch der Staat. Das kann man bedauern, aber nicht ändern. Darum muß jeder vor Aufnahme eines Studiums genau abwägen, ob ihm/ihr das Studium diese Schulden wert sind oder ob nicht doch eine betriebliche Ausbildung besser wäre.

    Sie selbst bezeichnen sich hier ja so ostentativ als Sozialdemokrat und preisen Gerhard Schröder, den Erfinder von Hartz IV und Agenda 2010, als solch einen sozialen Politiker. Bei Ihnen weiß man nicht, wann Sie es ernst meinen und wann Sie ironisieren, aber warum eine Selbstbeteiligung an Ausbildungskosten Auszubildenden nicht zumutbar sein soll und warum Ausbildungskostenbeteiligung nicht mit sozialdemokratischen Grundprinzipien übereinstimmen soll, ist mir schleierhaft.

    Der Rückgang der Studieanfängerzahlen um 5% ist auch kein Beleg für Ihre Behauptung, „daß sich Arme das Studium nicht mehr leisten können“. Genauso gut könnten Sie behaupten, daß in Gegenden, in denen vermehrt Klapperstörche beobachtet werden, auch die Geburtenrate höher ist und es dementsprechend einen Zusammenhang zwischen den Klapperstörchen und den Geburtenzahlen geben muß. Meine Vermutung ist, daß einige Studierende in noch gebührenfreie Bundesländer ausweichen und sich für einige die Immatrikulation nicht mehr lohnt, da zum Beispiel das Semesterticket mit den Studiengebühren teurer ist als eine normale Jahresnetzkarte für den öffentlichen Nahverkehr. Vielleicht ist es auch so, daß nun mehr Abiturienten erst eine betriebliche Ausbildung absolvieren, bevor sie ein Studium aufnehmen, um ihrem Studium eine solidere Basis zu geben. Genaueres weiß man erst, wenn die Gründe der leicht gesunkenen Studienanfängerzahl untersucht werden. Bis dahin ist alles nur Stochern im Nebel.

    Fazit bleibt: Es gibt keine einleuchtenden Gründe, die gegen Studiengebühren sprechen, aus der Sicht sozialdemokratischer Grundüberzeugungen erst recht nicht.

  34. Stefan 27. Oktober 2006 · 16:44 Uhr

    Doch, in der Tat. Diese habe ich bereits dargelegt (siehe oben) und ihren Argumenten damit den Wind aus den Segeln genommen.

  35. Florian M. Stork 27. Oktober 2006 · 18:25 Uhr

    @ Klaus Dieter:
    Nun der Grund ihrer Wiederholungen liegt klar auf der Hand. Es gibt schlicht und ergreifend keine weiteren Argumente auf die sie ausweichen können. Alles von ihnen angeführte wurde bereits weiter oben wiedergelegt und es wurden stichhaltige Gegenargumente gebracht. Jemand, der sich die Mühe macht sich alles durch zu lesen, wird dies ebenfalls feststellen.
    Und da ihnen zwei Möglichkeiten bleiben, zum einen seinen eigenen Irrtum sehen und zugeben, dass die Einführung von Studiengebühren, für jeden studierenden 500€ pro Semester, eine Aktion ist die erhebliche Schäden an unserem Hochschulsystem verursachen wird. Oder aber sie bestehen auf ihren Standpunkt, warum auch immer man entgegen so vieler gesunder Argumente nicht nachgibt, und wiederholen sich permanent.

    Ich bedarf damit keiner weiterer Diskussion, da die Sache für mich einwandfrei geklärt ist und da sie sich ja ohnehin nur noch wiederholen, werde ich wohl auch keine sinnvollen Gegenargumenten mehr zu lesen bekommen.

  36. Klaus-Dieter 27. Oktober 2006 · 19:37 Uhr

    Ich will noch einmal die Hauptargumente der Studiengebührengegner zusammenfassen und kommentieren:

    – „Arme können sich bei Einführung von Studiengebühren kein Studium mehr leisten und werden abgeschreckt.“

    Kommentar: Studierende aus einkommensschwachen Haushalten können ihr Studium durch vorheriges Ansparen, vorherige Berufstätigkeit, einen Bildungskredit oder ein Begabtenstipendium finanzieren. Sie werden nicht an einem Hochschulstudium gehindert.

    – „Studiengebühren führen zu keiner Verbesserung der Studienbedingungen, sondern versickern im Apparat; das Studium gewinnt nicht an Qualität.“

    Kommentar: Universitäten, die gebührenzahlenden Studierenden schlechtere Studienbedingungen bieten, weil sie die Mittel zweckwidrig verwenden, werden im Wettbewerb mit anderen Universitäten um Mittel und Studierende ins Hintertreffen geraten. Darum kann sich die Mittelzweckentfremdung keine Universität leisten, die mit anderen Universitäten im Wettbewerb steht. Im Gegenteil werden Studiengebühren die Mittelzweckentfremdung erschweren.

    – „An anderer Stelle verschwenden Staat/Politiker Geld oder verwenden es falsch, die Unis müssen es ausbaden.“

    Kommentar: Verschwendung von Steuergeldern an anderer Stelle ist kein Argument gegen Studiengebühren. Dieses Argmument ist ein Nullargument. Studiengebühren wären selbst dann sinnvoll, wenn es keine Steuergeldverschwendung gäbe und der Staat im Geld schwimmen würde aufgrund der gewünschten Lenkungseffekte durch Studiengebühren.

    – „Das Studium verliert an Breite; Schmalspurstudium; Geisteswissenschaften werden weniger attraktiv und verlieren an Bedeutung“

    Kommentar: Das sehe ich nicht so dramatisch. In der Tat ist es in angelsächsischen Ländern sogar so, daß an den gebührenpflichtigen Universitäten die Geisteswissenschaften besonders gefördert werden und ein hohes Ansehen genießen. Die Einführung von Studiengebühren in Deutschland wird nicht zwingend zu einem Bedeutungsverlust geisteswissenschaftlicher Fächer führen und nicht unbedingt ein Schmalspurstudium zur Folge haben. Universitäten und Politik stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, um dem entgegenzuwirken.

    – „Akademiker zahlen nach dem Studium höhere Steuern als Nichtakademiker; Akademiker nützen der gesamten Gesellschaft und haben Multiplikatorwirkung.“

    Kommentar: Das ist richtig. Aus diesem Grunde zahlen Staat und Gesellschaft in Deutschland auch weiterhin den Löwenanteil der Kosten der Hochschulen. Es ist in Zeiten leerer öffentlicher Kassen und um gewünschte Lenkungseffekte durch Studiengebühren zu erzielen, dennoch sinnvoll und gerechtfertigt, von Studierenden moderate Studiengebühren einzufordern.

    – „Studenten werden in einer Neidgesellschaft dafür bestraft, daß sie als Schüler fleißig waren, wenn sie Studiengebühren zahlen müssen.“

    Kommentar: Dieses Argument hat im Grunde genommen nur Stammtischniveau, wie jeder leicht erkennen kann.

  37. Klaus-Dieter 28. Oktober 2006 · 7:54 Uhr

    Das hat jetzt nicht direkt etwas mit dem Thema zu tun, aber mir fällt auf, daß sich an dieser Stueiengebührendiskussion keine Damen beteiligen. Anscheinend betrifft das Thema Stueiengebühren die Damen nicht. Die Diskussionsteilnehmer heißen „Klaus-Dieter“, „Jens“, „Himbi“, „Stefan“, „Christoph“, „Florian“, „Tim“, „Bazinho“, „Fabian“, „Benno“ und „Jürgen“. Nur Männer beteiligen sich an dieser Diskussion, aber keine einzige Dame.

    Die Linksparteien SPD, Grüne und PDS/Linke haben Frauenquoten eingeführt. Mandate werden bei den Linken kompetenz- und qualifikationsunabhängig nach Geschlechtszugehörigkeit vergeben. 50% der Mandate müssen von Frauen besetzt werden. Aber wo sind denn dann die Damen, wenn politische Themen diskutiert werden? Ist Politik nur Männersache? Müssen die Damen zum Jagen, zur Politik, getragen werden? Haben sie keine Zeit für die Politik, weil sie Kinderhüten und Kochen müssen?

    Ich bin Macho. Ich war immer schon der Meinung, daß Politik Männersache ist und Frauen in der Politik nichts zu suchen haben (es sei denn, sie haben „Cojones“ wie Maggie Thatcher). Frauen gehören an den Herd und in die Küche (und nicht an die Uni und nicht in die Politik). Ich fühle mich wieder einmal bestätigt. Ich bin froh, ein Mann und kein Linker zu sein.

  38. Benno 28. Oktober 2006 · 9:57 Uhr

    @Klaus-Dieter:

    Mit diesem einen letzten Kommentar hast du deine mühsam aufgezogene Argumentation in der Studiengebührenfrage vollends entzaubert und bewiesen, dass du im Grunde genommen einen Furz im Hirn hast. Peinlich, wie sich jemand derart selbst demontieren kann.

  39. Florian M. Stork 28. Oktober 2006 · 13:12 Uhr

    Oh je, wie tief kann man sinken?
    Wahrscheinlich hätten sie auch gerne noch vor 70 Jahren gelebt? – frage ich sie.
    Und sowas gestaltet unsere Politik. Das ist schon nicht mehr „nur“ traurig, das ist ERSCHRECKEND! Das ist Besorgnis erregend.

    Aber um zurück zum Thema zu kommen, möchte ich noch einmal zusammenfassen, weshalb Studiengebühren sinnlos sind und das deutsche Bildungswesen schädigen werden:

    – „Studierende aus einkommensschwachen Haushalten können ihr Studium durch vorheriges Ansparen, vorherige Berufstätigkeit, einen Bildungskredit oder ein Begabtenstipendium finanzieren. Sie werden nicht an einem Hochschulstudium gehindert.“

    vorheriges Ansparen fällt für all jene weg, die bereits studieren und für Schüler ist es auch nicht leicht schon vorher für ein Studium zu sparen, da hier beachtet werden muss, dass sie pflichtmäßig für die Schule lernen müssen. Vorherige Berufstätigkeit fällt auch nahezu völlig weg, da der Arbeitsmarkt schon völlig ausgereizt ist. Siehe über 4 mio. Arbeitslose. Ein Bildungskredit sorgt für Schulden, die im Gegensatz zum BaföG NICHT weg fallen können!
    Damit wird erreicht, dass Akademiker, sobald sie einen Job haben, ohnehin schon mehr Steuern zahlen als alle anderen, auch noch zusätzlich in die Tasche greifen müssen um ihre Schulden ab zu bezahlen, wovon wieder die Staatlichen Bildungskreditgeber und die Banken profitieren. Letztere haben ohnehin schon genug Geld.

    – „Universitäten, die gebührenzahlenden Studierenden schlechtere Studienbedingungen bieten, weil sie die Mittel zweckwidrig verwenden, werden im Wettbewerb mit anderen Universitäten um Mittel und Studierende ins Hintertreffen geraten. Darum kann sich die Mittelzweckentfremdung keine Universität leisten, die mit anderen Universitäten im Wettbewerb steht. Im Gegenteil werden Studiengebühren die Mittelzweckentfremdung erschweren.“

    Hier wird eindeutig keine Verbesserung der Studienbedingungen erwähnt, was bisher das Hauptargument für Gebühren war. Vielmehr wird jetzt mit allen Mitteln und Methoden versucht klar zu machen, dass es ja zumindest nicht schlechter werden kann. Falsch, es kann schlechter werden. Würden wir hier von einer Uni reden die als einzige in ganz Deutschland Studiengebühren einführt, dann würde das Wettbewerbsargument ziehen. Jedoch sind nahezu alle Universitäten betroffen und das führt dazu, dass es in Fragen des Wettbewerbs keine große Not gibt, wenn es darum geht die Gelder zweckmäßig einsetzen zu müssen.

    – „Verschwendung von Steuergeldern an anderer Stelle ist kein Argument gegen Studiengebühren. Dieses Argmument ist ein Nullargument. Studiengebühren wären selbst dann sinnvoll, wenn es keine Steuergeldverschwendung gäbe und der Staat im Geld schwimmen würde aufgrund der gewünschten Lenkungseffekte durch Studiengebühren.“

    Doch wurde das Argument der Geldknappheit genutzt um die Studiengebühren zu rechtfertigen. Es hieß, der Staat muss sparen und das auch an den Hochschulen. Hier kommt die Frage, warum muss er sparen? Weil er falsch haushaltet. Also ist die Verschwendung von Steuergelden und die falschen Sparmaßnahmen durchaus ein Argument GEGEN Studiengebühren. Und noch eines machen sie deutlich: Das lange geführte Argument des sparens war nur Mittel zum Zweck, in Wirklichkeit geht es ihnen um die Selektion an den Hochschulen, um den „Lenkungseffekt“. Hier Hauptziel ist die Kontrolle und die Unterdrückung der Autonomie, sowie die soziale Selektion.

    – “ ‚Das Studium verliert an Breite; Schmalspurstudium; Geisteswissenschaften werden weniger attraktiv und verlieren an Bedeutung‘

    Kommentar: Das sehe ich nicht so dramatisch. In der Tat ist es in angelsächsischen Ländern sogar so, daß an den gebührenpflichtigen Universitäten die Geisteswissenschaften besonders gefördert werden und ein hohes Ansehen genießen. Die Einführung von Studiengebühren in Deutschland wird nicht zwingend zu einem Bedeutungsverlust geisteswissenschaftlicher Fächer führen und nicht unbedingt ein Schmalspurstudium zur Folge haben. Universitäten und Politik stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, um dem entgegenzuwirken.“

    Durch eine dramatische Verkürzung der Studienzeit auf 3 Jahre! verliert das Studium durchaus an breite. Es ist nun nicht mehr möglich sich moderat in anderen Themenbereichen um zu schauen und mal hinein zu schnuppern. Es gibt zwar das sogenannte „Studium Universale“ – Pflichprogramm eines jeden BA-Studenten, doch sind 4 SWS, aufs gesamte Studium verteilt, keine wirkliche Möglichkeit einen anderen Themenbereich kennen zu lernen. Das ist ein Witz. Ein längeres Studium kann man sich nun nicht mehr leisten! Und das Politik und Universitäten viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen ist ebenfalls ein Witz, was denn für Möglichkeiten, bei weniger Geld? – nachdenken hilft halt manchmal @ Klaus-Dieter

    – “ ‚Akademiker zahlen nach dem Studium höhere Steuern als Nichtakademiker; Akademiker nützen der gesamten Gesellschaft und haben Multiplikatorwirkung.‘ – Das ist richtig. Aus diesem Grunde zahlen Staat und Gesellschaft in Deutschland auch weiterhin den Löwenanteil der Kosten der Hochschulen. Es ist in Zeiten leerer öffentlicher Kassen und um gewünschte Lenkungseffekte durch Studiengebühren zu erzielen, dennoch sinnvoll und gerechtfertigt, von Studierenden moderate Studiengebühren einzufordern.“

    Wiederspricht dem Argument, dass es auch in Zeiten voller Kassen sinnvoll wäre Studiengebühren einzufordern. Sie wiederlegen sich selbst. Durch die Kürzungen der bisherigen Gelder für Hochschulen verändert sich der Haushalt der Hochschulen nur in einer Richtung: weniger Geld, egal wieviel der Staat trotzdem noch zahlt. Das kann mit moderaten Studiengebühren nicht aufgefangen werden. Auch nicht mit 500€ pro Semester und die sind für Studenten schon alles andere als moderat, da in einem kürzeren Studium keine Nebentätigkeit möglich ist. Das betrifft vor allem all jene, die keine Zeit mehr haben zu sparen, aber auch diejenigen, die vielleicht erst in fünf Jahren anfangen zu studieren, falls es dann überhaupt noch möglich ist.

    – “ ‚Studenten werden in einer Neidgesellschaft dafür bestraft, daß sie als Schüler fleißig waren, wenn sie Studiengebühren zahlen müssen.‘ – Dieses Argument hat im Grunde genommen nur Stammtischniveau, wie jeder leicht erkennen kann.“

    Das ist ihre Behauptung, weil ihnen nichtmal ein halbwegs sinnvolles Gegenargument einfällt – was ja im Grunde nichts neues ist – Im Gegenteil, ich habe schon des öfteren Sprüche gehört wie: „Bei so einem Leben, wie es Studenten führen, sollen sie ruhig zahlen, ich konnte mir so ein Leben auch nicht erlauben“ – was puren Neid ausdrückt und deutlich zeigt, dass die meisten Menschen keine Ahnung haben, was es wirklich heißt zu studieren.
    Hinzu kommt, dass es äußerst unsozial ist als Politiker ein hohes Gehalt zu beziehen, sinnlosen Müll zu schreiben, wie sie es tun, und gleichzeitig darauf zu beharren, dass es fair ist wenn all jene, die wenig Geld haben noch mehr zahlen müssen. Wenn sie so darauf erpicht sind, dass der Staat mehr Geld hat, warum leisten sie dann nicht einen höheren Anteil? Warum fordern sie nicht die schwerverdienden Banken- und Firmenbosse und Vorstandsvorsitzende dazu auf ihren Anteil zum Vater Staat beizutragen? – ach, wie kann ich sowas nur verlangen? das sind ja diejenigen, die die Politikergehälter aufbessern… Würden die weniger kriegen, würde sich das ja in der eigenen Tasche bemerkbar machen…

    „Dem deutschen Volke“ – darum geht es doch schon lange nicht mehr… vielmehr sollte der Text wie folgt lauten: „Dem eignen Geldbeutel“

  40. Florian M. Stork 28. Oktober 2006 · 13:54 Uhr

    Für die Frage, ob sie wohl auch gerne vor 70 Jahren gelebt hätten möchte ich mich im nachinein entschudligen, ich war geschockt von ihrem Denken und nun nachträglich auch von meiner Reaktion, obgleich mir dieser Gedanke als erstes durch den Kopf ging, als ich ihre Selbstblamage gelesen haben.

  41. Daniela Kaya 1. November 2006 · 20:30 Uhr

    @Klaus- Dieter: LOL!!!

    Zum Thema Studiengebühren:

    ideologische Argumente sind noch nicht von Nöten, es gibt verschiedene Studien die belegen wie sozial selektiv schon das dt. Schulsystem ist. Dies zieht sich durch bis in Promotionen und Habilitationen, bei denen der Frauenanteil plötzlich bei ca. 13%.

    Politik muss gestalten und auch die alten Herren der Konservativen werden nicht verleugnen können, dass eine wissensbasierte Gesellschaft wie die deutsche Akademiker braucht.

    Sozial Schwache die das Abitur trotz sozialer Selektion geschafft haben, werden sich doch nicht mit 19 oder 20 für eine horrende Verschuldung entscheiden ohne Gewissheit ob es überhaupt Arbeit für sie gibt nach abgeschlossenem Studium.

    Und die Theoretiker die sich ein angelsächsisches System in Deutschland herbeiwünschen sollten außerdem der Tatsache des fehlenden Stipendiensystems ins Auge blicken. Selbst jetzige Stipendiaten werden Studiengebühren zahlen müssen!

  42. Michael Wagner 6. November 2006 · 10:25 Uhr

    FÜR ALLE, DIE ES NOCH NICHT KAPIERT HABEN:

    Zitat von Klaus Dieter: „Tatsache ist doch, daß viele Universitäten überlaufen sind, so daß ein Rückgang der Studierendenzahl auch Entlastung schafft und zu einer Verbesserung der Lehrqualität führen kann, zumal gebührenzahlende Studierende auch eine gute Ausbildungsqualität erwarten können.“

    Die Qualität der Lehre an vielen Universitäten ist beschissen, obwohl Studierende selbstverständlich eine hochqualifizierte Ausbildung erwarten können. Auch ohne sich dafür finanziell zu verausgaben.

    Es ist völliger Quatsch, zu glauben, dass sich daran etwas ändert, wenn Studenten Geld dafür bezahlen. Das Geld landet zu mindestens 50% in der Staatskasse. Wer das nicht glaubt, der hat den Staat nicht verstanden.
    Es sind die Professoren und deren Assistenten, die den Unterricht machen und sehr viele machen das sehr schlecht.
    Es kostet kein Geld, sich Mühe zu geben.

    Es ist nicht wahr, dass die meisten Unis überlaufen sind.

    Es ist, wäre es richtig, nicht das Mittel der Wahl, Abiturienten von den Unis fern zu halten.

    LIEBER KLAUS DIETER!

    Wieviele Studenten kennst du? Was weisst du über die finanzielle Situation von Studenten im allgemeinen und im Speziellen?

    Wer hat dir den scheiß eingeredet, dass studis aus den einkommenstärkeren Familien kommen? Leg mal bitte die Statistik vor, aus der du das entnommen zu haben glaubst.

    Laut statistischem Bundesamt liegen die Lebenshaltungskosten für einen Studenten in der BRD bei 700€ monatlich. Durch Studiengebühren werden diese vermutlich um durchschnittlich 60 Euro steigen.

    Ich kenne eine Menge Studenten. Die meisten davon leben von monatlich 500 Euro. Haben dabei Lebenshaltungskosten von ungefähr 60% dessen. Unberücksichtigt Bücher, Skripte, Schreibmaterial, etc.

    Glaube mir mein Freund, wenn du denkst, dass 50 oder 60 Euro monatlich einem Studenten nicht weh tun, dann hast du keine Ahnung, wovon du sprichst.

    Es geht hier nicht um ein lächerliches Einkommenszehntel.
    Es geht hier um erreichen und nichterreichen eines Ausbildungsabschlusses.

    Wer hat dir erzählt, dass ein übliches Studium in 9 Semestern abgeschlossen ist?

    Regelstudienzeiten sind gelinde gesagt eine farce, alleine in den Ingenieursstudiengängen liegt der Abschlussdurchschnitt bei 14 Semestern, vodurch sich deine Rechnung auf 7000 Euro beläuft, unberücksichtigt, der gelegentlich weiter berechnete Semesterbeitrag und der danach anfallenden Langzeitstudiengebühren.
    Wenn ich mit meinem Studium fertig bin, haben meine Eltern sage und schreibe 72.300 Euro in meine Ausbildung investiert. Nicht per se abschreibungsfähige private Ausgaben das. Zwar habe ich überdurchschnittlich lange studiert, dennoch beläuft sich das auf runde 8000 Euro im Jahr. Nun sage mir, lieber Klaus, gehen wir mal von einem nur etwas fleißigeren Studenten aus, der kommt auf ca. 55000 Euro. Und das in sagen wir sechseinhalb Jahren. Welche Familie kann sich einfach so 8500 Euro im Jahr leisten? Kannst du das?
    Dann müssten alle Familien, die keine Studierenden beherbergen, jedes Jahr drei Wochen auf Jamaica verbringen können. Und soll ich dir noch was flüstern, du Schlauberger. Es gibt Familien mit zwei studierenden Kindern. Was hältst du davon?

    Sollen wir vielleicht alle Sozialhilfe beantragen, wäre das in deinem Sinn? Es geht bei diesen Studiengebühren schon lange nicht mehr um das Wollen.

    Meine lieben Freunde, ihr solltet langsam mal aufwachen und erkennen, dass es dabei um Können geht.

    Studenten sind die einzige völlig einkommensfreie Bevölkerungsgruppe in Deutschland und haben eine gesellschaftliche Reputation die Sozialhilfeabzockern gleich kommt.

    Was zur Hölle haben wir euch getan? Wollt ihr ein Deutschland ohne Studenten? Ja?

    Wisst ihr eigentlich, was dann hier los ist?

    Aber entschuldigung, ihr habt euch das alle sicher gut überlegt.

  43. Klaus-Dieter 7. November 2006 · 5:41 Uhr

    @ Michael Wagner:

    Lieber Michael Wagner, leider führst du überhaupt keine überzeugenden neuen Argumente an, warum es denn keine Studiengebühren geben sollte.

    Nein, ein Deutschland ohne Studenten will keiner. In dieser Diskussion geht es um die Frage der Erhebung von Studiengebühren und ob diese Erhebung sinnvoll und gerechtfertigt ist. Es geht nicht darum, jemanden etwas anzutun oder Abiturienten von den Unis fernzuhalten. Die Argumente, die für eine Erhebung von Studiengebühren sprechen, habe ich aufgezählt und du bestätigst die Richtigkeit auch noch einmal, wenn du etwa von unmotivierten verbeamteten Lehrenden an wettbewerbsfreien deutschen Behörden-Unis berichtest mit ihren überlangen Studienzeiten. Warum soll ein auf Lebenszeit verbeamteter Professor (oder sonstiger Beschäftigter) an einer deutschen Uni unbedingt motiviert sein? Der Job ist schließlich sicher und das Gehalt kommt bestimmt, bis zum Tode. Genau deshalb sind Studiengebühren zusammen mit anderen Reformen ein richtiger Schritt in die Richtung, um diese Strukturen aufzulockern. Es muß allerdings noch weitere und zusätzliche Schritte geben, etwa größere Autonomie der Unis in der Verwendung der Mittel. Die rot-grüne Landesregierung hat Reformen in diese Richtung eingeleitet, die zur Zeit von der Regierung Rüttgers fortgeführt werden. So weit sind die Lager hier gar nicht auseinander, wenn es in der Kasse nicht mehr klimpert. Die Macht des Faktischen, die Macht der leeren Kassen, siegt schließlich über alle Ideologie.

    Studiengebühren halten auch niemanden von einem Studium ab. Die Studienfinanzierung ist möglich etwa über Kreditaufnahme (also nachträgliches Bezahlen) oder vorheriges Ansparen, was auch kombiniert werden kann. Bedürftige Studierende aus einkommensschwachen Haushalten erhalten zur Studienfinanzierung Unterstützung nach dem BaföG.

    Wenn du dich über die soziale Herkunft Studierender informieren willst, kannst du das über die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes machen, dabei wirst du feststellen können, daß die soziale Schichtung der Studierendenschaft nicht identisch ist mit der sozialen Schichtung der Restbevölkerung. 2003 stammten 61% der Studierenden aus hohen und gehobenen sozialen Verhältnissen, 27% aus mittleren und nur noch 12% aus niedrigen (Bild 4.4, siehe Link). Von den Studiengebührengegnern werden aber immer genau diese 12% als Alibi angeführt, warum Studiengebühren auch für die 88% der Studierenden, die nicht aus niedrigen sozialen Verhältnissen stammen, „aus sozialen Gründen“ nicht zumutbar sein sollen. Um die Befürchtungen der Studiengebührengegner mal zu überspitzen: Ich sehe schon die Ärzte und Notare ihre Kids von den Unis holen, weil das plötzlich 500 € im Semester extra kosten soll ;-) Geht’s noch dicker?

    http://www.studentenwerke.de/se/2004/Kurzfassung.pdf

    Hier noch einmal ein paar Argumente, die für die Einführung von Studiengebühren sprechen:
    – die Studienzeiten verkürzen sich, Studierende treten früher ins Berufsleben ein und verdienen eher Geld. Das kompensiert die Studiengebühren in der Regel um ein Mehrfaches.
    – die Unis bekommen zusätzliche (eigenverdiente) Mittel zur freien Verwendung, über deren Verwendung vor Ort direkt entschieden wird.
    – der “Kundendienst” für Studierende verbessert sich. Studierende sind nicht mehr nur reine Behördenfälle, die von Beamten gut ausgebildet werden oder nicht, sondern sie sind zahlende Kunden, um die sich die Unis bemühen müssen
    – insgesamt hält mit den Studiengebühren ein gewünschter Wettbewerbs- und Unternehmergeist Einzug an den deutschen Unis, der Behördencharakter wird zurückgedrängt, ein Mentalitätswechsel Lehrender und Lernender wird forciert; Effektivität und Effizienz von Forschung und Bildung steigen, die Mittel werden zielgerichteter eingesetzt
    – Studiengebühren sind der Einstieg zu weitergehenden Reformen wie ein stärkerer Wettbewerb der Unis untereinander und stärkerer Autonomie
    – Akademiker leisten einen stärkeren Eigenanteil zur Finanzierung ihrer eigenen Ausbildung als bisher, was zur Entlastung öffentlicher Kassen beiträgt und dem politischen Ziel stärkerer Eigenverantwortung der Bürger für ihr eigenes Leben mehr entspricht
    – das in Deutschland unterentwickelte Stipendien- und Sponsorenwesen wird gefördert, das bisher darunter litt, daß in Deutschland alle auf “Vater Staat” setzen. Somit kommt verstärkt privates Kapital den Universitäten und Studierenden zugute
    – die Qualität der deutschen Unis steigt, sie können zukünftig im internationalen Wettbewerb besser mithalten im Bemühen um externe Mittel und gute Köpfe, was zur Zeit noch zu wenig der Fall ist.

  44. Florian M. Stork 7. November 2006 · 22:01 Uhr

    @ Alle Studiengebührengegner:

    Versucht es gar nicht erst, alles was unser Klaus-Dieter da her erzählt ist schon mehrfach wiederlegt worden, haltlos und in sich wiedersprüchlich. Aber allen logischen und vernünftigen Argumente zum Trotz weigert er sich wie ein stures Kind zu sehen, dass er im Unrecht ist und seine Argumente keinen Boden mehr haben.

    Also, lasst es sein, versucht nicht erzkonservative „auf der Stelle treter“ vom guten zu überzeugen sondern nutzt eure Energie sinnvoller. Zum Beispiel für eine Revolution ;).

    Also lasst uns, die klügeren, an dieser Stelle nachgeben und die dummen weiter unser Land gestalten, bis das wir genug Kraft haben, das System mit einem Ruck aus zu hebeln und neu an zu fangen. Es besser zu machen.

    Lieben Gruß, Florian.

  45. Charlotte 16. Februar 2007 · 14:35 Uhr

    @ Klaus-Dieter

    In gewisser Weise kann ich deinen Standpunkt verstehen. Allerdings kann ich die Einstellung bezüglich deiner Frage „In Deutschland kosten Kindergartenplätze Gebühren, schon lange, nur ein Studium darf nichts kosten?“ nicht mit dir teilen. Sollte man nicht eher darüber nachdenken ob die Kindergartenplätze gebührenfrei sein sollten? Was wird aus der Gesellschaft, wenn nur die studieren können, die es sich leisten können? Bildung sollte nicht nur für die zugänglich sein, die das Glück haben ohne Finanzsorgen zu leben, sondern ebenso für die, die studieren wollen und es sich nicht leisten können.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.