Eine gut bekannte Situation: eine Journalistin befragt einen Politiker. Der will auf die Frage aber gar nicht antworten, sondern was ganz anderes sagen. Gestern wieder im ZDF heute-journal zu bewundern. Marietta Slomka will von Peter Ramsauer, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe etwas über die Personalquerelen rund um Edmund Stoiber wissen. Ramsauer will darüber aber nun wirklich nichts sagen.

Seht selbst:

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P.S. Ein wenig kann ich aber auch Ramsauer verstehen. Da bereitet man über Wochen eine inhaltliche Veranstaltung (hier Klausurtagung) vor, will über Inhalte reden und die Presse fragt dann nur nach Personalquerelen. Ist uns auch schon passiert.
Trotzden ein vergnügliches Interview.

Hier noch das Transkript:

Frage: (Was ist in Bayern los, wenn vier gestandene Männer auf der Pressekonferenz in München auftreten, um die Angriffe einer Landrätin abzuwehren?)

Antwort: Wir haben in Bayern eine hervorragende Struktur was die Wirtschaft, Arbeitsplätze, Staatsfinanzen, Bildung anbelangt. Wir haben eine ausgezeichnete Struktur innerhalb der Partei. viele, die meisten Frauen, junge Frauen, mittlere, ältere Frauen in unserer Partei wundern sich, ehrlich gesagt, über das, was da vorgeht, nämlich über die angreifende Seite wundern die sich… Darum geht es hier in Wildbad Kreuth überhaupt nicht. Wir setzen uns hier … auseinander mit wichtigen Zukunftsfragen unseres Landes…

Frage: … Aber die Frage, wer nächster Ministerpräsident in Bayern wird, ist wohl auch eine wichtige Zukunftsfrage. Sie haben heute gesagt, sie würden sich hinter Stoiber stellen, vor ihn und auch um ihn herum. Das klingt fast so, als müssten Sie ein waidwundes Reh beschützen. Warum braucht der Ministerpräsident so viel Schutz?

Antwort: Ich habe das verdeutlich – weil, was hier an Theater aufgeführt wird, wird dem, was in der Tat an Substanz vorhanden ist, überhaupt nicht gerecht. Das war h eute Vormittag in München – und jetzt in Wildbad Kreuth geht es um all diese Sachfragen. Die Menschen im Land, bei denen ich dauernd bin, draußen im Lande in unzähligen Veranstaltungen, die sagen, habt ihr nichts Besseres zu tun, als euch mit Personalquerelen zu befassen. Und deswegen habe ich von Anfang an klargestellt. Wir machen hier die Personality-Show, die von anderer Seite aufgezwungen werden soll, nicht mit. Wir tun das, was die Menschen im Lande verlangen, nämlich dafür zu sorgen, dass ordentliche Politik gemacht wird.

Frage: Wer zwingt Ihnen denn diese Personaldebatte auf?

Antwort: Ja, Sie unterhalten sich mit mir seit einigen Minuten darüber…

Frage: … Wir wollen über die Basis der CSU reden, über die Stimmung dort. 60 Prozent der bayerischen Wähler sind der Ansicht …, dass die Ära Stoiber doch jetzt allmählich mal zuende geht und dass es Zeit für einen Wechsel ist. Wollen Sie das Thema einfach so abtun und damit auch diesen Wählern vor die Füße treten?

Antwort: Also erstens war diese Umfrage-Fragestellung überhaupt nicht so, wie Sie gerade gesagt haben… Ich kenne Umfragen, so lange ich politisch tätig bin, ich weiß wie wetterwendisch Umfragen … sind. Deswegen schreckt mit das nicht. Deswegen ist es umso erforderlicher, dass wir eine klare Vision, eine klare Überschrift über unsere Politik setzen. Und genau das werden wir hier … tun.

Frage: Und wenn all das kein Thema ist, warum braucht Stoiber seit Weihnachten täglich Solidaritätsbekundungen seiner Gefolgsleute?

Antwort: Weil ich genau weiß, was in meiner Partei los ist: Wir gehen in Bayern auf ganz wichtige Kommunalwahlen zu im nächsten Jahr und auch auf Landtagswahlen. Das geht den allermeisten auch Funktionsträgern bei uns an der Basis, in Gemeinderäten, Stadträten, Bürgermeistern … und so weiter darum, dass sie in ordentlicher Weise ihre Politik darstellen können. Das l iegt den Menschen wesentlich näher und ihrem politischen Umfeld hier in Bayern als irgendwelche Personalquerelen, die von irgendwoher ausgerufen werden.

Hier noch der Link zum Videopodcast des heute-journals.


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4 Kommentare

  1. Klaus-Dieter 9. Januar 2007 · 22:16 Uhr

    Edmund Stoiber ist seit bald 14 Jahren Ministerpräsident von Bayern und seit bald 8 Jahren Vorsitzender der CSU. Ein charismatischer und kraftvoller Über- und Urbayer wie Franz Josef Strauß war er nie, sondern eigentlich eher uncharismatisch. Der halbe Rheinländer Stoiber trinkt lieber Kamillentee statt Bier. Dafür jedoch hält er sich schon sehr lange. Das hätte vor 14 Jahren niemand für möglich gehalten, da galt er noch als Übergangs- und Notlösung. Daß es nach 14 Jahren dennoch zu Verschleißerscheinungen kommt, zumal nach dem Hickhack um den Weggang nach Berlin, ist normal. Ich bin mir aber ganz sicher, daß die CSU professionell und diszipliniert genug ist, die Angelegenheit zu managen, ob mit oder ohne Stoiber und Pauli.

    Die nächste Landtagswahl in Bayern in knapp zwei Jahren, im Herbst 2008, wird die CSU jedenfalls wieder mit einer absoluten Mehrheit für sich entscheiden, weil ich niemanden sehe, der diese Mehrheit gefährden könnte. Es gibt keine sichtbare Opposition in Bayern und es gibt für die bayerischen Wähler keinen wirklichen Grund zum Regierungswechsel. Die Bilanz Stoibers und der CSU ist solide, der Freistaat steht gut da und wird gut regiert. Das wirtschaftliche Wachstum ist überdurchschnittlich und die Arbeitslosigkeit gering. Bayern geht es gut, wenn die CSU regiert.

    Davon mal abgesehen ist es zu wenig für die SPD, wenn sie immer nur auf die Fehler und Schwächen der anderen hofft. Die SPD muß selbst klarmachen, warum man sie wählen und unterstützen sollte. Das sehe ich zumindest in NRW zur Zeit überhaupt nicht. Ich wüßte als Nordrhein-Westfale nicht, warum ich SPD wählen sollte. Welchen Grund dafür könnte es geben, wenn man nicht gerade Bergmann ist?

  2. Karin 10. Januar 2007 · 17:22 Uhr

    Das Interview ist wirklich sehr amüsant und illustriert anschaulich, wie die Devise der CSU in den letzten Wochen lautete: Ohren taub stellen und Treuebekundigungen runterbeten. Hat die CSU wirklich keine personellen Alternativen, dass sie sich so davor scheut, Edmund Stoibers Führungsrolle zu hinterfragen? Natürlich geht es Bayern gut, aber was sind die Bayern noch bereit mitzumachen? Erst die Querelen, ob Herr Stoiber nun nach Berlin in ein für ihn maßgeschneidertes Wirtschaftsministerium wechselt, oder doch nicht, oder vielleicht doch wieder?
    Abgesehen von zahlreichen inakzptablen Äußerungen in den beiden letzten Wahlkämpfen (erwähnt seien nur die frustrierten Ostdeutschen, das „Eva-Prinzip“ für alle Frauen und das Fischen nach Stimmen am rechten Rand wie man so schön sagt…).
    Meiner Meinung nach hat Frau Pauli mit ihrer Forderung nach einem personellen Wechsel absolut recht und für Stoiber wäre es höchste Zeit für einen „würdigen“ Abtritt.

  3. Benno 12. Januar 2007 · 22:10 Uhr

    Was ich besonders schlimm finde, sind diese von vielen CSU-Führungsmitgliedern erkennbar geheuchelten Solidaritätsbekundungen gegenüber Stoiber. Man kann schließlich niemandem weismachen, dass es allein an der Basis brodelt, die Parteiführung aber über all der (berechtigten) Kritik an Stoiber steht. Da erhält das Sprichwort „Feind – Todfeind – Parteifreund“ wieder einen neuen Sinn.

  4. ccokz 17. Januar 2007 · 23:06 Uhr

    In den letzten beiden Tagen gab es vernichtende Schlagzeilen fuer die CSU: Seehofer&das Uneheliche (Bild), Stoiber-Krise: Wer streut ueber Seehofer? (Stoiber? Jedenfalls schrieb das das Hamburger Abendblatt) oder auch diese:
    Stoiberkrise zieht die Union nach unten-msn.de.
    Gestern hab ich 2+4 geguckt und dort wurde natuerlich die Frage gestellt: Wie kann das ueberhaupt passieren, dass ein Vollblut Politiker wie der Stoiber ueber ne Landraetin stolpert? Antwort inbegriffen, mickrige Landraetin, keine Lust sich damit auseinanderzusetzen, Arroganz der Macht.
    Ausserdem wussten wir ja alle schon seit laengerem, dass der Seehofer ein leicht verwundbarer Kronprinz ist.
    Gut, Ramsauer ist halt geistesgestoert. Sich vor ne Kamera zu stellen und in dieser Situation zu sagen, dass in Kreuth ueber die noch steigerbare Schoenheit Bayerns diskutiert wird, ist total laecherlich.
    Auf der anderen Seite ist Ramsauer halt der „Urige“ und deckt damit wohl ein gewisses Spektrum von Waehlern ab.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.