Eins muss man den Julis (Jugendorganisation der FDP) ja lassen: sie überraschen immer mal wieder mit medienwirksamen Vorschlägen. Die Julis Niedersachsen forden eine Freigabe von Pornos ab 16 und die Möglichkeit für TV-Sender nach 24 Uhr Pornographie zu senden.

porno ab 16

„Es ist doch irrsinnig, dass manche Sender ihre Nachtprogramme mit Mord, blutigen Kriegen, Obduktionen und Vergewaltigungen füllen und das Abbilden der Geschlechtsorgane nicht möglich sei.“, so der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen Niedersachsen, Christopher Vorwerk.
Das nenne ich doch mal wirklich liberal. Wenn schon Gewalt, dann auch Porno. Sat1 und Co werden sich freuen, dann können sie nämlich endlich wieder ihre 80er Jahre Lederhosen-Sexfilmchen auspacken.
Die Mutterpartei FDP fand das laut SZ gar nicht so witzig, Westerwelle und Niebel wollten sich erst gar nicht äußern.


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7 Kommentare

  1. Carsten 14. Februar 2007 · 13:34 Uhr

    Typisch Julis. Nur auf die Pressewirkung aus und nicht mal zwei Meter gerade aus gedacht…

    Das Problem bei Pornographie ist ja eben nicht nur die Darstellung des Geschlechtsakts! Würde es nur darum gehen, dann würd ich den JuLis sogar zustimmen. Aber der Konsum von Pornographie erfordert auch ein gewisses Maß an Reife um mit der doch recht „speziellen“ Darstellung der Frau, von Sexualität und der Welt an sich klarzukommen. Die meisten jugendlichen sind doch heute schon mit den per VIVA und MTV verbreiteten Welt-/Frauen- und Gesellschaftsbildern überfordert und schaffen es nicht so etwas zu filtern. Wie sollen sie das dann bei Pornographie schaffen…

    Aber typisch JuLis: Hauptsache mal provoziert. Damit haben sie erreicht was sie wollten….

  2. Peter L. 14. Februar 2007 · 22:42 Uhr

    So gewinnt man junge Wähler ;-)) In Niedersachsen ist Anfang 2008 Landtagswahl. So macht man als Spaßpartei auf sich aufmerksam….

  3. Oliver 15. Februar 2007 · 22:29 Uhr

    AUSSAGE: „Typisch JuLis. Nur auf die Pressewirkung aus und nicht mal zwei Meter gerade aus gedacht.“

    ANTWORT: Erst informieren, dann kritisieren! Die dpa-Meldung über die Pornographie-Beschlusslage der Jungen Liberalen Niedersachsen kam erst als Reaktion auf einen NDR-Bericht zustanden, den dieser selbst recherchiert hatte. Da dieser die Beschlusslage zu diesem Thema stark verzerrte und eine Klarstellung von Seiten des JuLi-Landesverbandes Niedersachsen nötig machte. Laut Satzung ist der Landesvorstand zur richtigen Darstellung der Beschlüsse der Landeskongresse verpflichtet.

    Dieses Thema wurde also nicht von den JuLis in die Öffentlichkeit gedrängt, um Schlagzeilen zu machen. Es ändert jedoch nichts an der Korrektheit der Aussage, dass die JuLis Niedersachsen Pornographie ab 16 freigeben wollen.

    Fakt ist: Das Sexualverständnis unseres Staates ist in vielerlei Hinsicht überholt. Die Jungen Liberalen Niedersachsen verstehen in einer aufgeklärten Gesellschaft unter den Begriffen Sexualität oder Sex nichts Anrüchiges sondern etwas völlig Natürliches. Deshalb ist es unverständlich, aus welchen Gründen die explizite Darstellung sexueller Handlungen im Vergleich etwa zur Darstellung von Gewalttätigkeiten in deutschen Medien untersagt oder im Bezug auf das Alter restriktiver beschränkt ist, als die sexuelle Handlung an sich. Die Position der JuLis Niedersachsen auf dem Gebiet der Pornografie erstreckt sich auf drei konkrete Forderungen:

    Der Pornografiebegriff muss vom Gesetzgeber definiert werden. Es ist unerträglich und an der Grenze zur Willkür, wenn Urteile nach dem Kriterium „Ich erkenne es, wenn ich es sehe.“ gefällt werden.

    Die Altersgrenze für den Zugang zu pornografischen Schriften soll von 18 auf 16 Jahre gesenkt werden. Die Rechtslage zum Thema Pornografie in Deutschland ist geprägt von einer gewissen Doppelmoral. Ein Gesetz, dass Geschlechtsverkehr von Volljährigen mit 16 bis 18 Jährigen im Allgemeinen ausdrücklich zulässt (Gegenargument aus § 182, vgl. auch § 180 StGB), es aber unter Strafe stellt, Minderjährigen unter 18 Zugang zu Pornografie zu gewähren (§ 184) ist inkonsequent. Das Strafrecht scheint im Allgemeinen von einer Fähigkeit der 16 bis 18 Jährigen zur sexuellen Selbstbestimmung auszugehen (Gegenargument aus. § 182 II am Ende). Warum gestattet die Rechtsordnung ihnen dann nicht, sich Darstellungen der Sexualität von Anderen anzusehen?
    Die Julis Niedersachsen wollen diese Unklarheiten beseitigen. Wer 16 ist hat ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung – mit allen Konsequenzen! Einer Ausbeutung von Minderjährigen als Pornodarsteller wirken das Bürgerliche Gesetzbuch (Einwilligungsbedürfnis der Erziehungsberechtigten, ggf. des Jugendgerichtes) und der § 180 StGB (Verbot der Förderung sexueller Handlung Minderjähriger) ausreichend entgegen.

    Je nach Definition des Begriffes soll das in den Rundfunkstaatsverträgen zwischen den Ländern vereinbarte Verbot der Ausstrahlung von Pornographie im Fernsehen ab 24.00 Uhr entfallen. So sollte die vollständige Darstellung körperlicher Liebe erlaubt und somit auch Detaildarstellungen der primären Geschlechtsorgane möglich sein. Pornographisches Material, das Gewalttätigkeiten, den sexuellen Missbrauch von Kindern oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand hat, soll verboten bleiben (siehe derzeitiger §184 III StGB).
    Gerade die (gesetzlich nicht belegbare), schwammige Abgrenzung zwischen „Soft-Pornos“, die ausgestrahlt werden und sogenannten „Hardcore“ Pornos, die nicht gesendet werden oder durch Verfremdung der Geschlechtsorgane scheinbar „legalisiert“ werden, führt zu einer Verwässerung dessen, was völlig zu Recht und für alle verboten ist und Darstellung von natürlichem Umgang mit Sexualität.

    Es geht den Jungen Liberalen Niedersachsen nicht um die Erregung öffentlicher Aufregung, sondern um eine ernsthafte Diskussion über die beiden genannten Vorschläge. Ein Abdrängen in die Illegalität von Jugendlichen, die ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung besitzen, ist heutzutage ungerechtfertigt und unzeitgemäß. Viele Jugendliche, die auch selber bereits sexuell aktiv sind, besorgen sich pornographisches Material auf anderem Wege, z. B. über das Internet. Gerade der Reiz des Verbotenen übt dabei eine besondere Faszination aus. Bei unbegleitetem Umgang mit Pornografie ist zu befürchten, dass dadurch ein emotionsarmer Umgang mit körperlicher Liebe erlernt wird. Wenn man Pornos pauschal verurteilt verhindert man damit jede kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. Mit besonderer Sorge betrachten wir, dass für alle verbotene Gewalt- und Tierpornos heute auf Schulhöfen kursieren. Sauber Gegensteuern kann der Gesetzgeber aus unserer Sicht aber nur, wenn er ganz klar macht, was in Ordnung ist und was nicht. Durch die Tabuisierung und Illegalisierung der Darstellung natürlicher Vorgänge wird der Blick dafür, was tatsächlich pervers und vor dem Hintergrund der Menschenwürde unerträglich ist, verstellt.

  4. Dirk 16. Februar 2007 · 7:47 Uhr

    @oliver: danke für deinen beitrag.
    nur ein kleiner formaler hinweis. wir haben im beitrag bereits auf euren erläuterungstext zu diesem thema verlinkt, ein umfangreiches copy-and-paste wäre also gar nicht nötig gewesen. ;-)

  5. Oliver 16. Februar 2007 · 22:47 Uhr

    Jetzt sehe ich es auch. Ich wollte nur noch mal der Populismus-Kritik vorbeugen, indem ich unsere Argumentation hinsichtlich dieses Themas in den Vordergrund rücke. Die wird in der ganzen Diskussion leider häufig zu wenig beachtet.

  6. Jens 17. Februar 2007 · 0:09 Uhr

    Naja momentan scheinen ja alle beim Thema „Medien“ auf den Amoklauf zu sein, die CSU will CounterStrike und Co. verbieten und die Julis fordern Poppfilme ab 16-Jahre im TV..

    Wir haben ein gutes Jugendschutzgesetz und da sollte nicht herumgespielt werden weder hinsichtlich Pornos , noch die von der Union so geliebten „Killerspiele“.

  7. Sebastian 23. Februar 2007 · 15:54 Uhr

    Das was sich die Julis da ausgedacht haben, klingt ja wirklich höchst interessant.

    Besonders schön ist dieser Teil:

    „Bei unbegleitetem Umgang mit Pornografie ist zu befürchten, dass dadurch ein emotionsarmer Umgang mit körperlicher Liebe erlernt wird.“

    Wie sieht denn der begleitete Umgang aus? Vater und Sohnemann gemeinsam onanierend vorm Porno auf der Wohnzimmercouch oder familiärer Gesprächkreis nach gemeinsamer Porno-Vorführung.

    Ne Kinners, wenn’s sich um sinnfrei aufregende Forderungen dreht, bleiben die Julis einsame Spitze. Zumindest kann man sich nun eine Vorstellung von dem Privatleben niedersächsischer Jung Liberaler machen, wenn die Pornos ernsthaft für eine natürliche Darstellung des Geschlechtsaktes halten.

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