Archiv: Juni 2007

Die Rüttgers CDU unterhält uns im Sommerloch ja mit ihrer Rote-SockenWeg-mit-Che-Guevara- Kampagne.
Die Frankfurter Rundschau berichtet heute darüber, dass die CDU diese Kampagne länder- und bundesweit weiter führen will. In den NRW-Kommunen tut die JU das schon munter. (Im Pottblog gibt es da einen sehr schönen Text zu.)

In der Zwischenzeit geht der Bildersturm in die zweite Runde: beim DGB in NRW ist ein Portrait von Rosa Luxemburg aufgetaucht!
Der DGB sah sich „gezwungen“, folgende Pressemitteilung zu veröffentlichen:

DGB meldet Portrait von Rosa Luxemburg im Zimmer des Bezirksvorsitzenden
Angesichts der Sommerpause und der anhaltenden Diskussion über ein Portrait des kubanischen Revolutionshelden Che Guevara in den Räumen der SPDLandtagsfraktion Nordrhein-Westfalen teilte der DGB-Bezirk NRW, auch um die Debatte fortzuführen, mit:

„Im Büro des DGB-Bezirksvorsitzenden Guntram Schneider befindet sich seit seiner Übernahme des Gewerkschaftsvorsitzes ein Portrait der deutschen Sozialistenführerin Rosa Luxemburg! Rosa Luxemburg gehörte bekanntlicher Weise zu den führenden Vertretern des marxistischen Flügels in der deutschen Sozialdemokratie und zu den Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands. Es ist zu hinterfragen, ob der DGB-Bezirkvorsitzende angesichts des Vorhandenseins des genannten Portraits kurz vor der Veränderung seiner parteipolitischen Präferenz steht oder ob er nur von seinen konservativen Überzeugungen durch das Foto der deutschen Sozialistenführerin ablenken will. Die CDU-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen wäre gut beraten, die Anwesenheit des Portraits von Rosa Luxemburg im Büro des DGB Bezirksvorsitzenden für eine kleine Anfrage zu nutzen, um zu ergründen, ob der DGB weiterhin auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung steht.


Gestern haben wir ja über die neue Rote Socken Kampagne der CDU / JU in NRW berichtet. Heute haben die Jusos der JU geantwortet:

Rote Socken JU

Offener Brief an den Vorsitzenden der JU NRW

„Sehr geehrter Herr Volmering,

offensichtlich steht es richtig schlecht um die CDU in NRW. Immer dann, wenn der CDU nichts mehr einfällt, greift sie in die angestaubte Propaganda-Kiste der 50er Jahre und zieht die Roten Socken heraus. Das haben Sie bereits 1994 und 1998 versucht und sind damit kläglich gescheitert: Helmut Kohl und die CDU wurden abgewählt.

Jetzt also der dritte Versuch. Eigentlich weiß ja jeder, dass eine Geschichte mit Bart nicht besser wird, wenn man sie ein zweites und ein drittes Mal erzählt.

Ihr Roten Socken sind aber offensichtlich so abgetragen und durchgelaufen, dass wir uns gedacht haben: die JU und CDU in NRW könnte mal endlich was Neues und Hübsches gebrauchen. Deshalb übersenden wir Ihnen heute ein paar neue Rote Socken in die Sie in den nächsten Jahren bei ihren weitern politischen Gehversuchen bequem herein wachsen können.

Mit freundlichen Grüßen
Christoph Dolle“


Kinder fragen, Politiker antworten. Ein schönes Spiel, bei dem häufig Interssantes oder Entlarvendes herauskommt.
Diesmal zum Thema Internet.
Also, werte Genossinnen und Genossen: schaut Euch das an! Und dann lest die Beiträge dazu im „Internet“, in sog. „Weblogs“.
Zum Beispiel hier, hier und hier. (Es gibt noch eine Menge andere Seiten, die da was zu schreiben…)

Link: Kinder fragen Politiker nach dem internet

Was läuft da falsch?
Eine Karrikatur gibt es übrigens auch schon in diesem komischen Internetz.

via


(Update des Update 28.06.; 10.13 Neu: Fankfurter Rundschau, Bild-Zeitung)
Wir haben viel darüber nachgedacht, was Jürgen Rüttgers sich in diesem Jahr für ein Sommerlochthema aussuchen könnte. Atomkraft, Lebenslügen der CDU, all das hatten wir schon. Was sich die Strategen rund um Rüttgers diesmal ausgedacht haben, ist sehr vergnüglich.
Die Rüttgers CDU hat ihr erstes Sommerlochthema gefunden: die dritte Auflage der „Rote-Socken-Kampagne“.

Wir erinnern uns: 1994 und 1998 befand sich die Bundes-CDU mit Helmut Kohl an der Spitze im Niedergang. Und immer, wenn der CDU gar nichts mehr einfällt, kam und kommt sie mit der Keule des Anti-Kommunismus. So auch der damalige CDU-Generalsekretär Peter Hintze. Bundesweit versuchte die CDU mit der Drohung vor einer Koalition zwischen SPD und PDS auf Stimmenfang zu gehen. Das Ergebnis kennen wir alle: die CDU wurde abgewählt.
Aber zurück in die Gegenwart und zurück zur Rüttgers-CDU.

Geschichte 1: Was macht Che Guevara im Landtag?

Es begab sich, dass ein Mitarbeiter des CDU-Landtagsabgeordneten Olaf Lehne sich in den SPD-Trakt im Landtag verirrte (Was, um Himmels Willen, hat er da auch gemacht?!). Wie nicht anders zu erwarten, wurde er dort prompt mit sozialdemokratischen Abgründen konfrontiert. Schwer schockiert muss er zu seinem Abgeordneten zurück getaumelt sein und atemlos über das Unfassbare berichtet haben. Und so tat Olaf Lehne in 163 Wörtern gegenüber der Presse seinem Entsetzen kund: „[Dies] widerspricht dem freiheitlich-demokratischen Geist des Landtages“, „[Dies bedeute] die Abschaffung unserer Demokratie, unseres Rechtsstaates, unserer Freiheit.“ Die Landtagspräsidentin wurde von ihm aufgefordert, einzuschreiten.
Was war passiert??? An einer der Bürotüren hing eine DIN A4 Schwarz-Weiß-Fotokopie des Portraits von Che Guevara.
Und das müsse sofort abgehängt werden…
(Ich muss bei so was ja immer an ein Foto des jungen Wolfgang Schäuble denken. Da hing nämlich in seinem Büro eine Deutschlandkarte mit West- Mittel- und Ostdeutschland… – muss ich noch mal wieder raus suchen.)

Weg mit Che!

Nun könnten man trefflich über die historische Figur, den Mythos und die Pop-Kultur-Ikone Che Guevara streiten. Will ich aber gar nicht, sondern weiter erzählen. Der Herr Lehne ist nämlich „Manager“ des FC Landtag NRW, einer Fußballmannschaft von Landtagsabgeordneten. Und nun ratet mal in welches Land diese Mannschaft im Mai 2006 gereist ist? Na? Genau. Nach Kuba. (Hinweis: Die Reisen des FCL werden von jedem Einzelnen aus eigener Tasche bezahlt.)
Dass Herr Lehne in Kuba sich selber eine Postkarte mit Che Guevaras Foto gekauft habe, ist indes nur ein Gerücht.
Update: Was gestern nur ein Gerücht im Landtag war, steht heute in der Frankfurter Rundschau:
„Der CDU-Mann räumte im Gespräch mit der FR übrigens ein, dass er selbst schon mal im Kuba-Urlaub eine Che-Postkarte gekauft hat –aber das seidoch „etwas ganz anderes“. Lehne will sich vom Spott nicht beirren lassen. Er geht davon aus, dass das Che-Plakat noch den Ältestenrat des Landtags beschäftigen wird.“


…und zum Geburtstag gibt ja immer was Gesungenes.
Ganz unpolitisch: Träumen, Singen, Fliegen.
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Morgen dann wieder Spass mit der CDU.


Die Uhr tickt. Noch eine Woche. Dann ist Schluss mit der TAZ NRW.
Es sei denn, bis dahin gibt es 500 zusätzliche Abos (Zielzahl sind 1000, knapp 500 neue Abos gibt es schon).
Die Uhr tickt damit auch für die von der TAZ NRW entführte Internetdomain kraft-2010.de.
(Über beides habe ich in den letzten Wochen berichtet (hier, hier, hier, hier, hier und hier).

Heute habe ich mich deshalb direkt zu den EntführerInnen gewagt – um zu verhandeln.
Das Angebot: die TAZ NRW bekommt den alten Kampagnenslogan „Wir in NRW“ aus der Zeit von Johannes Rau, wir bekommen dafür die Internetdomain.
Seht selbst:

Link: taz_redaktion


Update: Heute (26.) ist die Übergabe dann auch in der TAZ NRW erschienen:


“ „Die taz nrw ist ein wichtiger Bestandteil der Medienvielfalt des Landes. Ohne sie wäre die Zeitungslandschaft in Nordrhein-Westfalen ein ganzes Stück ärmer.“ Wer das sagt? Hannelore Kraft, Vorsitzende der NRWSPD, des mitgliederstärksten Landesverbands der Sozialdemokraten.“
Das schreibt der nrw-taz-blog.
Und bringt morgen (19.06.) das:
kraft taz
In der Zwischenzeit fehlen nur noch 98 Abos: Frank Baranowski, Sprecher der RuhrSPD und OB in Gelsenkirchen hat auch Abonniert.

Und ein eigenes Video zur Abokampagne hat die taz nrw jetzt auch.
Da kann man mal schön sehen, wer da alles (hoffentlich noch länger) arbeitet.
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Und die taz nrw braucht immer noch ganz viele Abos.


Über das Wochenende hat sich die Situation rund um die taz nrw zugespitzt. Wer die Geschichte rund um den „Entführungsfall“ einer Internetdomain bisher für einen lustigen PR-Gag gehalten hat, wird in der heutigen Ausgabe der taz nrw eines Besseren belehrt.

„Liebe LeserInnen, taz-Aufsichtsrat,Vorstand und Geschäftsführung haben am Freitag auf einer Sitzung in Berlin beschlossen, bei ihrem Ultimatum zu bleiben: Entweder die taz nrw schafft bis Monatsende 1.000 zusätzliche Abos heran oder diese vier Seiten werden eingestellt. Von dieser Zahl sind wir leider noch weit entfernt. Darum gibt es jetzt für Sie nichts anderes mehr zu tun als ein Fünf-Wochen-Kurzabo zu schalten.“

Ein Abo kann man ganz schnell hier bestellen.

Unsere Vorsitzende Hannelore Kraft hat (wie angekündigt) heute ein Abo abgeschlossen.
taz abo

Eine Meldung der „WELT“, nachdem die Einstellung der taz nrw bereits beschlossene Sach sei, wurde in der Zwischenzeit dementiert.


Nachdem die Entführer der Internetdomain bis zum Abend nicht auf unseren Appell an ihre politische Vernunft reagiert haben, ist der Krisenstab in die Offensive gegangen und hat die Medien eingeschaltet. RTL WEST berichtete am Abend über den Entführungsfall und überbrachte unser Angebot:
Hannelore Kraft wird Abonnentin und stiftet das Abo einer öffentlichen Einrichtung.
Ein entsprechendes Schriftstück werden wir am Montag aufsetzen und den Entführern übergeben.

Link: TAZ NRW erpresst NRWSPD

Bis dahin halten wir es mit dem Weblog der taz:

Helfen Sie heute gleich zweimal:
– nicht lange fackeln
Parteibuch beantragen
– Kreischef beim Bier treffen
taz-Abo für Ortsverband
Kraft freisetzen

(Danke für das Mitschneiden des Beitrages…)


Nach der nächtlichen Sitzung des Krisenstabes haben wir uns entschlossen, zunächst einmal an die politische Vernunft der Entführer zu appellieren.

Link: taz_nrw

Wir erwarten bis Montag eine Antwort der Entführer. Danach sehen wir weiter.

In der Zwischenzeit haben die Entführer sich im Pottblog gemeldet. Und die NRW-Lokalausgabe von RTL wird vielleicht heute über den Entführungsfall berichten (zwischen 18.00-18.30 Uhr, über Kabel oder DVB-T).

Und für alle Abo-Interessierten gibt es hier immer noch die taz-Sonderseite.


Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.