(Update des Update 28.06.; 10.13 Neu: Fankfurter Rundschau, Bild-Zeitung)
Wir haben viel darüber nachgedacht, was Jürgen Rüttgers sich in diesem Jahr für ein Sommerlochthema aussuchen könnte. Atomkraft, Lebenslügen der CDU, all das hatten wir schon. Was sich die Strategen rund um Rüttgers diesmal ausgedacht haben, ist sehr vergnüglich.
Die Rüttgers CDU hat ihr erstes Sommerlochthema gefunden: die dritte Auflage der „Rote-Socken-Kampagne“.

Wir erinnern uns: 1994 und 1998 befand sich die Bundes-CDU mit Helmut Kohl an der Spitze im Niedergang. Und immer, wenn der CDU gar nichts mehr einfällt, kam und kommt sie mit der Keule des Anti-Kommunismus. So auch der damalige CDU-Generalsekretär Peter Hintze. Bundesweit versuchte die CDU mit der Drohung vor einer Koalition zwischen SPD und PDS auf Stimmenfang zu gehen. Das Ergebnis kennen wir alle: die CDU wurde abgewählt.
Aber zurück in die Gegenwart und zurück zur Rüttgers-CDU.

Geschichte 1: Was macht Che Guevara im Landtag?

Es begab sich, dass ein Mitarbeiter des CDU-Landtagsabgeordneten Olaf Lehne sich in den SPD-Trakt im Landtag verirrte (Was, um Himmels Willen, hat er da auch gemacht?!). Wie nicht anders zu erwarten, wurde er dort prompt mit sozialdemokratischen Abgründen konfrontiert. Schwer schockiert muss er zu seinem Abgeordneten zurück getaumelt sein und atemlos über das Unfassbare berichtet haben. Und so tat Olaf Lehne in 163 Wörtern gegenüber der Presse seinem Entsetzen kund: „[Dies] widerspricht dem freiheitlich-demokratischen Geist des Landtages“, „[Dies bedeute] die Abschaffung unserer Demokratie, unseres Rechtsstaates, unserer Freiheit.“ Die Landtagspräsidentin wurde von ihm aufgefordert, einzuschreiten.
Was war passiert??? An einer der Bürotüren hing eine DIN A4 Schwarz-Weiß-Fotokopie des Portraits von Che Guevara.
Und das müsse sofort abgehängt werden…
(Ich muss bei so was ja immer an ein Foto des jungen Wolfgang Schäuble denken. Da hing nämlich in seinem Büro eine Deutschlandkarte mit West- Mittel- und Ostdeutschland… – muss ich noch mal wieder raus suchen.)

Weg mit Che!

Nun könnten man trefflich über die historische Figur, den Mythos und die Pop-Kultur-Ikone Che Guevara streiten. Will ich aber gar nicht, sondern weiter erzählen. Der Herr Lehne ist nämlich „Manager“ des FC Landtag NRW, einer Fußballmannschaft von Landtagsabgeordneten. Und nun ratet mal in welches Land diese Mannschaft im Mai 2006 gereist ist? Na? Genau. Nach Kuba. (Hinweis: Die Reisen des FCL werden von jedem Einzelnen aus eigener Tasche bezahlt.)
Dass Herr Lehne in Kuba sich selber eine Postkarte mit Che Guevaras Foto gekauft habe, ist indes nur ein Gerücht.
Update: Was gestern nur ein Gerücht im Landtag war, steht heute in der Frankfurter Rundschau:
„Der CDU-Mann räumte im Gespräch mit der FR übrigens ein, dass er selbst schon mal im Kuba-Urlaub eine Che-Postkarte gekauft hat –aber das seidoch „etwas ganz anderes“. Lehne will sich vom Spott nicht beirren lassen. Er geht davon aus, dass das Che-Plakat noch den Ältestenrat des Landtags beschäftigen wird.“


Auch die Zeitung mit den Großbuchstaben (Ausgabe Düsseldorf) hat heute die Posse aufgegriffen:

Bild Che

Dass Herr Lehne in einem weitern Brief an Hannelore Kraft gleich ganze Passagen aus dem Wikipedia-Eintrag über Che Guevara abgeschrieben hat, ist auch kein Gerücht:
Text Lehne:
„Die Gegner von Guevara, besonders Mitglieder der kubanischen Exilgemeinschaft in den USA und Flüchtlinge aus realsozialistisch regierten Ländern, bezeichnen ihn als Mörder und Terroristen. Sie behaupten, er habe Freude an der Exekution von Gegnern der kubanischen Revolution gehabt und er sei verantwortlich für Folter und Tötung tausender Insassen kubanischer Gefängnisse sowie für den Mord an zahlreichen Kleinbauern in den Regionen, welche seine Guerillatruppen kontrollierten oder aufsuchten.“

„Auch Guevaras Haltung gegenüber der Kubakrise ist nicht unumstritten: Seine Aussage, er hätte, wenn er anstelle der Sowjets die Verfügungsgewalt über die Atomraketen gehabt hätte, diese auch abgefeuert, hinterließ angesichts eines damals nur knapp vermiedenen Atomkrieges bei der Weltbevölkerung gemischte Gefühle.“

Text Wikipedia:
„Die Gegner von Guevara, besonders Mitglieder der kubanischen Exilgemeinschaft in den USA und Flüchtlinge aus realsozialistisch regierten Ländern, bezeichnen ihn als Mörder und Terroristen. Sie behaupten, er habe Freude an der Exekution von Gegnern der kubanischen Revolution gehabt und er sei verantwortlich für Folter und Tötung tausender Insassen kubanischer Gefängnisse sowie für den Mord an zahlreichen Kleinbauern in den Regionen, welche seine Guerillatruppen kontrollierten oder aufsuchten.“

„Che Guevaras Haltung gegenüber der Kubakrise ist nicht unumstritten: Seine Aussage in einem Interview mit dem britischem Daily Worker, er hätte, wenn er anstelle der Sowjets die Verfügungsgewalt über die Atomraketen gehabt hätte, diese auch abgefeuert, hinterließ angesichts eines damals nur knapp vermiedenen Atomkrieges bei dem entsprechenden Journalisten Sam Russell gemischte Gefühle.“

Während es bei Wikipedia noch der Journalist Sam Russell ist, der gemischte Gefühle hat, wird daraus bei Lehne gleich die ganze Weltbevölkerung. Eine Kennzeichnung als Zitat fehlt natürlich. Eine Quellenangabe auch. Muss man nicht so genau nehmen, nicht wahr, Herr Lehne?
So viel zur ersten Geschichte.

Geschichte 2: Was machen DDR-Fahnen und SED-T-Shirts bei der Jungen Union?

Da ein Che Guevara-Poster alleine noch lange kein CDU-Sommerlochthema macht, hat die Kinderspielgruppe von Generalsekretär Hendrik Wüst sich was ganz lustiges ausgedacht.
Man nehme eine DDR-Fahne und ein SED-T-Shirt (Ich frage mich ja, woher haben die das so schnell? Aus den Beständen der Ost-CDU?), packe dies in einen Umschlag und schreibe dazu folgenden lustigen Brief:

„Sehr geehrte Frau Kraft,
leider wissen wir nicht, ob Sie in diesem Jahr Ihren wohlverdienten Urlaub in China, Nordkorea oder auf Kuba verbringen werden.
(Ich verrate es euch, lieber JU-ler: im Sauerland, da wo Comandante Müntefering her kommt.)
Mit unserem „sozialistischen Urlaubspaket“ – bestehend aus SED-T-Shirt und DDR-Fahne – werden Sie jedoch keine Mühe haben, zumindest in den drei genannten Ländern, schnell die Anerkennung zu bekommen, die Ihnen in Nordrhein-Westfalen bisher Gott sei Dank verweigert wird.
Sven Vollmering“

Ach ja, das habe ich immer an der JU so geliebt. Die entlarven sich selber so gut, da braucht man gar nichts mehr zu machen.
Was lernen wir aus all dem? Die Rüttgers CDU ist nervös. Hat Angst. Und wird mit der dritten Auflage der Rote-Socken-Kampagne scheitern. Wie 1998 auch.

Morgen gibt es mehr.


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10 Kommentare

  1. Dirk 27. Juni 2007 · 20:48 Uhr

    was man nicht so alles findet, wenn man mal ein wenig googelt: da ernennt die ju 2003 in berlin che guevara zum ehrenmitglied http://www.tagesspiegel.de/berlin/;art270,2040279 und SPon berichtet darüber dass 2005 in der CDU-Wahlkampfzentrale „ein Mitarbeiter ein T-Shirt (trug), auf dem das Gesicht der CDU-Chefin und Kanzlerkandidatin auf das Konterfei des lateinamerikanischen Revolutionärs Ernesto Che Guevara montiert ist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,366931,00.html

  2. Pascal 27. Juni 2007 · 23:23 Uhr

    ich will das Mitteldeutschland-Foto sehen!

  3. Dirk 27. Juni 2007 · 23:45 Uhr

    @pascal: ich werde nach dem foto suchen. ist in einem biografischen buch über schäuble aus den 90er jahren in irgendeiner bücherkiste auf dem dachboden bei meinen eltern.

  4. FrEe sMs 28. Juni 2007 · 3:53 Uhr

    das ist ja wieder der oberhammer. da fragt man sich nur, haben die nichts besseres zu tun?

  5. Benno 29. Juni 2007 · 18:01 Uhr

    Ja, is denn scho der 1. April?

    Ich glaube, Herr Lehne, Herr Vollmering und Konsorten sollten mal lieber in Urlaub fahren, anstatt ihre Zeit für so eine Posse zu verschwenden.

  6. Gaby 14. Juli 2007 · 21:04 Uhr

    Wahlslogan für Frau Kraft!
    Wer schafft, braucht Kraft!
    Gruß…..Towanda2.

  7. gratis sms 25. August 2007 · 20:55 Uhr

    oje mine, habt ihr nichts besseres zu tun :)

  8. eu führerschein 7. Juni 2008 · 15:10 Uhr

    das ist ja wieder der oberhammer. da fragt man sich nur, haben die nichts besseres zu tun?

  9. la-hastla 20. April 2009 · 20:55 Uhr

    Es ist doch klar das sich herr Lehne und die cdu gegen den wohl populärsten politiker des letzten jahundertes stellen…

    immer hin hat er mit, den damaligen faschichtichen diktator Batista gestürzt ein hund der usa und ein freund des damaligen west deutschland was natürlich von der cdu regiert wurde ja und nach sturz hat man nicht mehr nix mehr von kuba bekommen….was auch klar ist…also wenn ich nix geben einen kapitalisten dann ix nix mehr seien seine freund:D

  10. Mp3 1. November 2011 · 20:35 Uhr

    Einfach ne krasse Storry..

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.