Hannelore Kraft hob vor allem die ursozialdemokratischen Themen der SPD wie etwa soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit in ihrer Rede hervor und erntete dafür jede Menge Applaus. Sie stellte noch einmal heraus, dass der Leitantrag, der im Verlauf des Landesparteitages verabschiedet werden sollte, auf all die Themen konzentrierte, die für NRW eine große Bedeutung haben, wie etwa die Gestaltung der Globalisierung, Rolle des Staates, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Der Leitantrag ist dabei zugleich ein Gegenentwurf zur Politik der Landesregierung.

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„Unser Bildungsprogramm ist ein umfassender Entwurf mit einem klaren Ziel: Die beste Bildung für alle“, betonte Kraft. „Wir müssen – ganz im Sinne des Vorsorgenden Sozialstaates aus unserem Grundsatzprogramm – alles dafür tun, dass wir die beste Bildung für alle erreichen. Das wird uns aber nur gelingen, wenn alle Kinder den gleichen Zugang zu Bildungschancen haben. Das müssen wir sicherstellen – wer denn sonst? Die CDU steht in NRW für mehr oder verschärfte Auslese. Schwarz-gelb macht die Zugänge zur Bildung enger statt weiter. Ihr Ziel erkennt man an dem, was sie tun, etwa höhere Kita-Gebühren, Abschaffung der Grundschulbezirke, Aushebelung des Elternwillens, Festhalten am gegliederten Schulsystem, am Sortieren in Schubladen und Sitzenbleiben und Abschulen als Ausleseinstrument.“ Die nordrheinwestfälische SPD will die dafür nötigen Veränderungen anpacken und zwar nicht halbherzig, sondern sie habe den Mut, jetzt den entscheidenden Schritt zu tun. Mit der Gemeinschaftsschule schlagen sie ein Schulmodell vor, das helfen soll, die Probleme der Zukunft zu lösen, denn sie habe große Vorzüge gegenüber allen vorher diskutierten Modellen. Denn alle Kinder werden länger gemeinsam lernen, mindestens bis Klasse Sechs bleiben alle zusammen, niemand wird aussortiert. Schüler, Lehrer und Eltern sollen gemeinsam mit dem Schulträger bestimmen, wie es nach der sechsten Klasse weitergeht. Volle Integration bis zur zehnten Klasse ist möglich, aber sie wird nicht von Düsseldorf aus verordnet. Hannelore Kraft fragte dabei ganz offen: „Wollen die Wählerinnen und Wähler Auslese und soziale Ausgrenzung oder wollen sie Integration und gemeinsames Lernen und die beste Bildung für alle? Wollen sie die Schulpolitik von gestern oder eine Schulpolitik für die Zukunft?“

In dem Mittelpunkt dieses Bildungsparteitages stand natürlich das Thema Bildung mit der Forderung. „Wir wollen die beste Bildung für alle“. So ging Hannelore Kraft auch auf das Grundsatzprogramm ein, das im Verlauf dieses Parteitages verabschiedet werden soll. „Beide großen Volksparteien, SPD und CDU, arbeiten fast zu gleicher Zeit an einem neuen Grundsatzprogramm. Wer die beiden Entwürfe vergleicht, der sieht: In zentralen Bereichen sind wir weit, sehr weit voneinander entfernt.“ Einer dieser Bereiche sei das Verhältnis zum Staat und der Rolle, die diesem zugewiesen werden soll sowie die Konsequenzen daraus.

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Hannelore Kraft im Gespräch mit den Jusos

Die Ergebnisse der Abstimmung sprachen eine deutliche Sprache: 99,1 Prozent sprachen sich für den neuen Leitantrag aus:

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2 Kommentare

  1. Olaf Koch 25. August 2007 · 13:39 Uhr

    Es ist ja sehr erfreulich, dass sich (einige Jahre nach den Grünen) auch die SPD in NRW wieder der Frage der Chancenverbesserung im Schulsystem zuwendet.
    Wie allerdings soll bei dem angestrebten Gemeinschaftsschulmodell verhindert werden, dass es eine Aufsplittung in Gemeinschafts-Haupt-Schulen in Problemvierteln (im Gegensatz zu Gemeinschaftschul-Gymnasien in wohlhabenden Stadtteilen) bilden? Sonst hängt der Bildungerfolg am Ende nicht zu 80% vom Elternhaus, sondern zu 100% vom Stadtteil ab.
    In Skandinavien existieren zwar funktionierende Modelle, aber dort gibt es zumeist 2 Lehrer auf etwa 24 Schüler statt einem auf 30, Sozialarbeiter und Psychologen an den meisten Schulen und Ballungsräume mit entsprechenden sozialen Problemen sind dort auch weitgehend unbekannt.
    Bitte bei aller Euphorie diese Fragen nicht vergessen, sondern von vorne herein miteinbeziehen. Einige Jahre nach dem PISA-Schock besteht die Chance etwas positiv zu verändern, die sollte genutzt werden. Viel Erfolg dabei!

  2. Koetter 27. August 2007 · 17:44 Uhr

    Läßt man sich auf das Auswertungsniveau der PISA-Studie herab, dann kann man folgendes feststellen:

    Bei all der Diskussion um Gesamtschule und drei- bzw. viergliedriges Schulssystem wird oft übersehen, dass in der PISA-Studien die Gymnasien im Schnitt genauso gut oder schlecht wie der finnische Schnitt waren. Die Gymnasien als Schulform haben sich demnach bestätigt.
    Die Gesamtschulen hingegen lagen deutlich dahinter. Gliedert man es nach Schulformen, lag sie sogar im Mittel hinter der Realschule. Das würde ja eigentlich gegen die Gesamtschule sprechen.
    Meiner Ansicht nach sollte man ein zweigliedriges Schulsystem einführen: Gesamtschule (berufsorientiert) und Gymnasium (studienorientiert).

    Aber für mich stellt sich eher eine andere Frage: Wieso plädiert die SPD für die Einführung der Gesamtschule, während ich aus eigener Erfahrung weiß, dass viele (führende) SPD-Mitglieder ihre Kinder eben doch zum Gymnasium und nicht zur Gesamtschule schicken? Das widerspricht doch der Glaubwürdigkeit in das Gesamtschulwesen? Ich mich über eine Antwort einiger führden SPD-Mitglieder diesbezüglich freuen.

    MfG
    S. Kötter

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