Auch 1960 war es ein mediales Ereignis, dem Politiker und Wähler mit einer großen Portion Skepsis gegenüber standen. Das erste TV-Duell der Geschichte zwischen Richard Nixon und John F. Kennedy am 26. September war so etwas wie eine Revolution im Wahlkampf – und doch setzte sich dieses Duell nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande durch.
Der erste Youtube-Auftritt amerikanischer Politikerinnen und Politiker in diesem Jahr – auch hier wurden die Kandidaten live befragt, allerdings per Video – ist bestimmt ebenso revolutionär wie das Ereignis vor 45 Jahren. Gleichzeitig sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Art des Wahlkampfes über den großen Teich in die Bundesrepublik schwappt. Die Amerikaner, wieder ein Vorbild der Wahlkampfführung und vor allem der Internetnutzung?

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Doch mitnichten sind alle US-amerikanischen Volksvertreter gleich aufgeschlossen, was eine Youtube-Befragung angeht. Während sich die demokratischen Kandidaten dem Internetportal Youtube gegenüber interessiert zeigten und alle acht Demokraten um die US-Präsidentschaftskandidatur in dem Portal Rede und Antwort standen, misstrauen die Republikaner dem Portal. Geplant ist zwar, am 17. September eine ähnliche Befragung durch Internetuser zu veranstalten, doch aus den Reihen der Republikaner wurden indes schon kritische Stimmen laut. Man wolle sich nicht von einem Schneemann befragen lassen, ließ etwa der Spitzenkandidat Mitt Romney verlauten. Ähnlich reagierte der zweite Bewerber mit Chance auf die Kandidatur, der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudolph W. Giuliani. Fragt sich nur, woher diese Angst der Republikaner vor der Youtube-Gemeinde kommt. Ist es eher eine Furcht vor den aufkommenden politischen Fragen oder vor der ihnen unbekannten Technik? Die Republikaner gelten in den USA nämlich eher als konservativ sowie unsicher und komplett unerfahren das Internet betreffend.

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Im Vergleich der beiden großen Parteien sammelten sie nicht nur deutlich weniger Online-Spenden, sondern haben darüber hinaus weniger Mitarbeiter, die für die Internetpräsenz der Republikaner verantwortlich sind. Während die Demokraten 39 Mitarbeiter für acht Kandidaten abgestellt haben, kümmern sich bei den Republikanern nur 18 Mitarbeiter für die Internetauftritte von neun Kandidaten. Die Konsequenzen daraus werden schon beim ersten Betrachten der beiden Seiten ersichtlich: Die Republikaner präsentieren eine völlig überfüllte, bunte Seite, während die Demokraten eine gute, interessante Homepage anbieten.
Bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA ist es noch gut ein Jahr hin. Wie man sieht, sind die Demokraten schon gut darauf eingestimmt, während es den Republikanern noch an der Einsicht fehlt, dass Wahlen immer mehr durch die Neuen Medien entschieden werden. Ist nur abzuwarten, ob sie ihre Angst vor dem Internet ablegen und das geplante Youtube-Duell wirklich stattfinden lassen oder ob sie in ihrer Unsicherheit verhaften bleiben und dadurch einige Wählerstimmen verlieren werden.


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2 Kommentare

  1. Weblog der NRWSPD 4. September 2007 · 21:32 Uhr

    […] etwa auch bei der Youtube-Befragung zu sehen war. Jenny um 21:32 Keine Kommentare | Permalink | Trackback URL  Mein Kommentar Mein Name(Pflicht): […]

  2. Weblog der NRWSPD 5. September 2007 · 12:08 Uhr

    […] Auf den ersten Blick erscheint es gar nicht ungewöhnlich, wenn sich sieben der acht demokratischen Präsidentschaftsbewerber mit zwei wichtigen Medienvertreter in Chicago treffen. Nur wenn es sich bei diesen Medienvertretern um Blogger handelt, dann mag der ein oder andere doch kurz staunen. Eingeladen zu diesem Blogger-Gipfel namens Yearlykos hatten Vertreter der liberalen US-Amerikanischen Politik-Blogs DailyKos und Bloggerpower.com. Dass fast alle der Spitzenpolitiker aus dem demokratischen Lager – unter ihnen Hillary Clinton und Barack Obama – zu dem Blogger-Gipfel gekommen waren, zeigt die wachsende Bedeutung, die den Bloggern in der Medienlandschaft zukommt und ist zudem ein Indiz für die wichtige Rolle der Blogs für die politischen Entscheidungsträger. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die US-Amerikanischen Präsidentschaftsbewerber nur in den konventionellen Massenmedien auf Stimmenfang gingen; wie auch schon hier berichtet, nutzen die Politiker das Internet immer häufiger – beispielsweise im Rahmen einer Youtube-Befragung. Mitt Romney als einer der aktivsten Politiker was das Internet betrifft schrieb etwa einen Wettbewerb aus, bei dem sein TV-Wahlkampfvideo auf Jumpcut erstellt werden soll oder lässt seine fünf Söhne für ihn bloggen. Zudem ist er im Facebook, der amerikanischen Version des StudiVZ, präsent: […]

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