Auf den ersten Blick erscheint es gar nicht ungewöhnlich, wenn sich sieben der acht demokratischen Präsidentschaftsbewerber mit zwei wichtigen Medienvertreter in Chicago treffen. Nur wenn es sich bei diesen Medienvertretern um Blogger handelt, dann mag der ein oder andere doch kurz staunen. Eingeladen zu diesem Blogger-Gipfel namens Yearlykos hatten Vertreter der liberalen US-Amerikanischen Politik-Blogs DailyKos und Bloggerpower.com.
Dass fast alle der Spitzenpolitiker aus dem demokratischen Lager – unter ihnen Hillary Clinton und Barack Obama – zu dem Blogger-Gipfel gekommen waren, zeigt die wachsende Bedeutung, die den Bloggern in der Medienlandschaft zukommt und ist zudem ein Indiz für die wichtige Rolle der Blogs für die politischen Entscheidungsträger.
Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die US-Amerikanischen Präsidentschaftsbewerber nur in den konventionellen Massenmedien auf Stimmenfang gingen; wie auch schon hier berichtet, nutzen die Politiker das Internet immer häufiger – beispielsweise im Rahmen einer Youtube-Befragung. Mitt Romney als einer der aktivsten Politiker was das Internet betrifft schrieb etwa einen Wettbewerb aus, bei dem sein TV-Wahlkampfvideo auf Jumpcut erstellt werden soll oder lässt seine fünf Söhne für ihn bloggen. Zudem ist er im Facebook, der amerikanischen Version des StudiVZ, präsent:
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Mittlerweile informieren sich 15 Prozent der Amerikaner im Netz in Sachen Politik und auch die Zahl der Blog-Leser wächst stetig. Die Blogs der zehn größten Zeitungen in den Vereinigten Staaten zogen im vergangenen Dezember dreimal so viele Leser an wie noch 12 Monate zuvor.

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Europa steht den Amerikanern jedoch in puncto Bloggen und Internetwahlkampf in nichts nach. In England wurden die Blogger sogar zur Staatssache gemacht, denn die britische Regierung plant laut einem Bericht der Financial Times, Blogs und Internetforen, die politische Inhalte thematisieren, zu beobachten und auszuwerten. Dadurch erhofft sie sich Informationen über die Haltung der Wählerinnen und Wähler in Bezug auf die Politik der Regierung zu gewinnen. Ist nur zu hoffen, dass die britische Regierung dadurch die Ängste und Sorgen der Bürger stärker wahrnimmt!

Obwohl sich die europäischen Politiker sicherlich in puncto Internetwahlkampf stark an den USA orientieren – oft wird in diesem Zusammenhang auch von ´Amerikanisierung´ gesprochen – setzten sie dennoch ihre eigenen Ideen um. Wie etwa in Frankreich während des dortigen Wahlkampfes zwischen Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy. Die französischen Präsidentschaftskandidaten setzten auf wechselseitige Kommunikation anstatt nur auf WebTV; will heißen, sie nahmen Kritik nicht nur hin, sondern konnten zum Teil auch darauf eingehen und mit den Bürgern kommunizieren.
Die USA, England und Frankreich machen es uns vor, dann stellt sich nur die Frage: Wie verhält es sich mit den deutschen Spitzenpolitikern sowie den Parteien und dem Internet? Das habe ich in dem Beitrag „Internetauftritte der SPD, CDU, FDP und Grünen in Niedersachsen“ etwas näher untersucht. Weitere Berichte zu den Bundesländern Hessen und Hamburg, in denen in den nächsten Monaten ebenso wie in Niedersachsen Wahlen stattfinden, folgen. Ein kurzes Fazit darf vielleicht auch an dieser Stelle erlaubt sein: Obwohl hier bald Wahlen anstehen, scheinen einige Landesverbände (fast aller Parteien) nicht allzu viel Zeit in ihre Internetpräsenzen investiert zu haben. Blogs, Audiopodcast oder Mitmachcenter sind Mangelware, selbst Online-Spenden gehört nicht zur Grundausstattung der Seiten. Um mit dem Blogger Nico Lumma abzuschließen, der zum Bürgerschaftswahlkampf in Hamburg treffend anmerkte: „Der Hamburger Bürgerschaftswahlkampf 2008 wird im Internet nicht stattfinden. Stattdessen werden wieder Leute mit verschränkten Armen hinter dem Infostand verschanzt an der Ecke vorm Edeka stehen und darauf warten, dass endlich mal jemand vorbei kommt, den man kennt und der mit einem redet. Wer will, bekommt ein Feuerzeug, einen Kugelschreiber oder einen Luftballon. Ich fühle mich jetzt schon sowas von angesprochen, ich kann meine Vorfreude kaum ausdrücken.“


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