Schon viel wurde an dieser Stelle über die Internetpräsenz der Politiker und Parteien geschrieben, im Guten als auch im weniger Guten, hauptsächlich jedoch über die neuen Möglichkeiten und Trends der politischen Netznutzung aus den USA. Deshalb bin ich umso glücklicher, heute einmal von einem äußerst positiven deutschen Beispiel berichten zu können, nämlich von der Homepage der SPD-Abgeordneten Nicolette Kressl. In seiner aktuellen Ausgabe hat das Fachmagazin „Politik und Kommunikation“ die Websites aller politischen Akteure auf Bundes- und Landesebene getestet, den ersten Platz unter den Homepages aller Bundestagsabgeordneten belegt – genau wie in zwei vorangegangenen Tests – Nicolette Kressl.

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Zu einer guten Homepage gehört laut dem Fachmagazin mehr als die bloßen Grunddaten der Parteienkarriere. „Eine Webseite darf nicht nur Verkündigungsplattform für die Politik eines Abgeordneten sein. Sie sollte es ermöglichen, Fragen zu stellen, die auch beantwortet werden. Es muss eine Verbindung mit den Menschen geben, die sie repräsentieren. Das ist entscheidend“, erklärt der amerikanische Publizist und Internetpionier Howard Rheingold. Friedrich Hagedorn (Leiter der Projektgruppe Grimme Online Award) weist darauf hin, dass „das Internet gerade für junge Leute in Zukunft wichtiger wird. Und Politiker werden mehr gefordert werden. Sie sollten die Bürger jedoch nicht nur als Wähler begreifen, sondern als Dialogpartner. Sie können ihr Abstimmungsverhalten und ihre Hintergründe transparent machen – oder ihr Alltagsgeschäft, etwa in einem Blog.“
Die Zeichen der Zeit hat Nicolette Kressl aber heute schon erkannt. Auf ihrer Seite kann der Bürger ihre Arbeit in Berlin und für die Region Rastatt/ Baden-Baden kennen lernen und gewinnt einen Einblick in ihre Tätigkeitsfelder Bildung und Forschung sowie Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zudem erfährt der Leser Politisches und Persönliches über die Abgeordnete.
Unter dem Punkt „Person“ werden ihr Lebenslauf, ihre Arbeitsschwerpunkte und ihre Publikationen vorgestellt. In einem Interview, einem Fragebogen oder dem Presseportrait erfährt der Leser noch mehr über die Politikerin. In der „Berliner WG: Ein Ersatz-Zuhause fernab vom Wahlkreis“ schildert Nicolette Kressl ihr Leben mit Lydia Westrich und Barbara Hendricks in einer Berliner Altbau-Wohnung in Tiergarten. Ein Fotoalbum, Wander-Tipps und Buchempfehlungen runden den Punkt „Person“ ab.
Auf ihre Arbeit in der Hauptstadt geht die Politikerin gesondert in dem Punkt „Berlin“ ein. Ihre Politikschwerpunkte und ihr Abstimmungsverhalten werden dort genauso vorgestellt wie ihre Reden und Initiativen oder ein virtueller Rundgang. Das Bundestags-TV bietet dem User die Möglichkeit, live einen Blick in den Plenarsaal des Deutschen Bundestages zu werfen und Debatten online in voller Länge mitzuverfolgen. Auch der virtuelle Rundgang und das Politik-Lexikon bringen dem Leser die Berliner Politik näher.
Dass ihr Wahlkreis Rastatt/ Baden-Baden jede Menge zu bieten hat, wird dem Internetuser spätestens bei einem Blick unter dem Punkt „Wahlkreis“ klar. Ein Wahlkreis-Porträt, die Wahlergebnisse, die traditionelle Sommertour durch den Kreis sowie die Wahlkreis-Themen stellen den Wahlkreis 274 im westlichen Baden-Württemberg näher vor.
Auch Service wird bei der Abgeordneten groß geschrieben: Broschüren, Downloads, ein RSS-Feed, Newsletter, Telefonberatung, Web-Tipps für Kinder und der Presseservice informieren jeden Bürger.
Ein Klick auf den Menüpunkt „Interaktiv“ fördert so ziemlich alles zu tage, was der diskussionsfreudige Internetuser sucht: ein Forum, ein Gästebuch und ein Punkt namens „Aus meiner Sicht“, eine Art Online-Tagebuch.
Ein besonderer Service für die User ist zudem die Spalte „Inhalt auf einem Blick“ sowie die Navigationshilfe „Zum ersten Mal hier?“, der Erstnutzern eine Orientierung geben soll.
Zudem erweist sich die Homepage als übersichtlich und informativ.
Das empfanden auch die Juroren der „Politik & Kommunikation“ so: mit 31 von 48,25 Punkten bekam sie die beste Bewertung, zudem mit einem großen Abstand zum Zweitplatzierten (Uwe Schummer, CDU, mit 28,75 Punkten). Kriterien waren dabei Design/ Aufbau, Information, Interaktivität und Kreativität.
Aber auch andere Bundestagsabgeordnete zeigten sich als gute Internetuser. Ulrich Kelber (SPD) wurde als der transparenteste Abgeordnete ausgezeichnet, auf der Seite von Marco Bülow (SPD) gibt es zudem einen CO2-Zähler und bei Jörn Thießen (SPD) ein Video mit einem Tagesablauf eines MdBs. Herta Däubler-Gmelin zeigte sich besonders kinderfreundlich, indem sie eine Gute-Nacht-Geschichte auf ihre Homepage stellte.
Auch bei den Landtagsabgeordneten setzten sich einige mit guten Ideen von der Masse ab, wie etwa Reinhold Gall (SPD), der europäische Rezepte vorstellte, Öczan Mutlu (Bündnis 90/ Die Grünen), der eine mehrsprachige Seite präsentiert.
Hervorzuheben ist zudem, dass das generelle Interesser der Abgeordneten an dem Thema Internet steigt. Hatten 2004 noch 49 Prozent aller Landtagsabgeordneten eine eigene Onlinepräsenz, sind es in diesem Jahr bereits 68 Prozent. Das lässt für die Zukunft hoffen.


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