Da wollte unser Ministerpräsident sich einmal ganz volksnah und kinderlieb präsentieren und liefert stattdessen einmal mehr eine Lach- und Sachgeschichte. Unter dem Motto „Rückenwind für jedes Kind“ lud Kinder- und Jugendminister Armin Laschet am Dienstag, 11. September rund 500 Kinder und Jugendliche zum Kinderforum mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und den Ministerinnen und Ministern des Landeskabinetts ein.


In einer Fragerunde sollte sich Jürgen Rüttgers persönlich den Fragen der anwesenden Kinder stellen. In der Ankündigung heißt es: „Dort können Mädchen und Jungen aus allen drei Altersstufen ihre Wünsche, Fragen und Anliegen direkt dem Ministerpräsidenten und den beiden für Kinder und Jugendliche zuständigen Ministern vortragen und mit ihnen besprechen.“ Doch die Fragen kamen nur von einem Kind: dem als „Kindermoderator“ (Link gelöscht) vorgestellten 9jährigen L (gelöscht). Wer hier noch keinen Verdacht schöpfte, (gelöscht) der sollte spätestens während des Interviews hellhörig werden:
„Wenn NRW eine Mannschaft wäre, dann wäre der Ministerpräsident ja der Kapitän. Ist er denn auch für uns Kinder da?“ , lautete eine der Fragen, die der (gelöscht) Kindermoderator zu Tage förderte. Spätestens hier sollte wohl jedem klar gewesen sein, dass ein Kind von neun Jahren, gesetzt den Fall es interessiert sich überhaupt für Politik, nicht zu solchen Formulierungen greifen würde.

Dies dachten sich auch die Mitarbeiter des WDR und berichten im WDR2-Radio Folgendes: Der „Kindermoderator“ ist der Sohn des Pressesprechers der CDU-Schulministerin. Den ahnungslosen Gästen der Veranstaltung wurde diese Information natürlich vorenthalten.

Damit der junge Nachwuchsmoderator zu solch journalistischen Glanzleistungen fähig war, wurde er zuvor auf einem extra vereinbarten Termin von Vertretern der Staatskanzlei, des Familien- und des Schulministeriums auf die Veranstaltung vorbereitet. Dabei wurden nicht nur Ablauf und Inhalt des Interviews besprochen, sondern auch solch brillante und kindgerechte Fragen, wie oben genannt, ausformuliert, berichtet der WDR.

Bleibt nun die Frage, wie es dazu gekommen ist.
Wollten übereifrige Mitarbeiter ihren Ministerpräsidenten davor bewahren, erneut seinen angeborenen Spürsinn für Fettnäpfchen unter Beweis zu stellen? Oder hat Jürgen Rüttgers Angst vor allzu spontanen Kinderfragen?
Es bleibt anzunehmen, dass Rüttgers‘ Mitarbeiter eher die unvorbereiteten Kinder vor allzu spontanen Antworten des Ministerpräsidenten schützen wollten, getreu dem Motto: „Wieso, weshalb, warum, wer Rüttgers fragt bleibt dumm“


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5 Kommentare

  1. Tobi 28. September 2007 · 19:39 Uhr

    Der WDR/Aktuelle Stunde hat heute dazu aufgerufen, Fotos und Videos der Veranstaltung einzusenden…

  2. Peter L. 30. September 2007 · 12:29 Uhr

    Kinder von Partei- und Linientreuen Mitarbeitern stellen Politikern „kritische“ Fragen. Das erinnert schon ein wenig an die DDR.

  3. Dieter 1. Oktober 2007 · 14:49 Uhr

    Lieber Peter L. schade hast den Namen nicht ausgeschrieben, wollte schnell noch dazu sagen, Kinder in der DDR (heute neue Bundesländer)wurden von der Mutter genommen und in Heimen für schwer erziehbare Kinder gesteckt.
    Guck Dir heute mal die 2. Folge vom Film „Check-point Charlie“ an, ist gut für Nichtwisser.

  4. Weblog der NRWSPD 1. Oktober 2007 · 17:07 Uhr

    Wir haben an diesem Beitrag ein paar Änderungen vorgenommen. Warum, das erklären wir hier.

  5. Peter L. 2. Oktober 2007 · 13:56 Uhr

    Lieber Dieter,

    unabhängig von dem zweiteiler, den auch ich gesehen, und gar nicht schlecht fand, möchte ich Dir meinen Kommentar oben nochmal erklären. (Bei manchen Leuten muss man das leider). Es ging mir nicht darum, die Landesregierung gänzlich als totalitäres Regime zu bezeichnen, sondern lediglich meine Meinung zum Ausdruck zu bringen, dass mich eine solche inszenierte Politik, hier bezogen auf Öffentlichkeitsarbeit, im Einzelnen an Methoden einer Regierung wie damals in der DDR erinnert. Auch in der DDR hat man vorzugsweise solche Menschen öffentlich sprechen lassen, die mit den damaligen Partei- und Staatsidealen konform und möglichst berechenbar waren. Auch dort und damals wurde Politik öffentlich inszeniert. Abgehört und ausspioniert wurde in der DDR übrigens auch, was man heute ebenfalls als Spezialgebiet der CDU bezeichnen könnte, wenn man Herrn Schäuble & Co. genau zuhört…. Aber das sind ja auch alles nur Einzelheiten, die unsere lupenreine Demokratie in keiner Weise gefährden.

    VLG, Dein Peter.

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