Jürgen Rüttgers fragwürdiger Auftritt vor dem NRW-Kinderforum, bei dem er sich vom Sohn eines Mitarbeiters des Schulministeriums zuvor abgesprochene Fragen hat stellen lassen, zieht weitere Kreise in den Medien.

Besonders harsche Kritik erntet die CDU in NRW dabei von der Welt am Sonntag, in der es heißt: „Es ist ein ganz normaler Vorgang: Ein Regierungschef erweckt den Anschein, er stelle sich spontan den Fragen des Volkes, ja sogar den Fragen kleiner Kinder, die doch als besonders unberechenbar gelten. Tatsächlich aber wurden die Kinder vorher ausgesucht, ihre Eltern arbeiten im Regierungsapparat, und die Fragen wurden diktiert. Es ist also ein ganz normaler Vorgang – zumindest für jede Diktatur. Dummerweise spielte sich Ähnliches aber in NRW ab (…)“.

Die Rheinische Post schreibt: „Der neunjährige Junge soll bei einem Termin mit Vertretern verschiedener Ministerien auf das Frage-Antwort-Spiel mit Rüttgers vorbereitet worden sein. Der Sprecher der Landesregierung war für eine Stellungnahme dazu nicht erreichbar“.
Die Leserbriefe in der RP sprechen eine noch deutlichere Sprache: Von „Peinlich“ bis zu „Willkommen in der DDR“ reichen die dortigen Überschriften.

In der Bild-Zeitung wirft Andrej Priboschek, Pressesprecher von Schulministerin Barbara Sommer und Vater des „Kindermoderators“, der SPD vor: „Mein Sohn wird mit vollem Namen und Foto auf deren Homepage verunglimpft.“
Dazu ein paar Anmerkungen:
1. Nein, auf unsrer Internetseite haben wir nicht darüber berichtet. In unserem Weblog schon. (So viel feine Unterscheidung muss sein.)

2. Richtig ist, dass wir in unserem Beitrag im Weblog über den Vorgang berichtet haben und auch den Namen des Kindermoderators mit veröffentlicht hatten (wie auch die Welt am Sonntag und der WDR). Dies haben wir in der Zwischenzeit geändert. Wir nehmen damit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte des „Kindermoderators“.

3. Unserer Auffassung nach haben wir den „Kindermoderator“ nicht verunglimpft. Dennoch haben wir im Ursprungsbeitrag zwei beschreibende Begriffe zum „Kindermoderator“ gelöscht. Sollte sich der „Kindermoderator“ durch diese Wortwahl „verunglimpft“ fühlen, bitten wir das zu entschuldigen.

4. Das betreffende Foto war in unserem Beitrag nicht zu sehen, wir hatten lediglich einen Link auf ein öffentlich zugängliches Pressefoto des NRW- Familienministeriums gesetzt.
Dort war das Foto mit der Unterzeile „Der Kinder-Moderator XXX (hier stand der volle Name des Kindermoderators) im Interview mit Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers. Links im Bild der Hausherr und Gastgeber, Kinder- und Jugendminister Armin Laschet.“ zu finden.
Diesen Link haben wir entfernt. Sowohl die Bild-Zeitung als auch die Welt am Sonntag haben dieses Foto übrigens in ihren Beiträgen verwendet. In der Zwischenzeit ist das Foto von der Homepage des Familienministeriums gelöscht worden.

5. Wir finden den Vorgang auf dem Kinderforum nach wie vor unglaublich.


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2 Kommentare

  1. Benno 3. Oktober 2007 · 0:58 Uhr

    Erst tritt die Landesregierung auf dem Kinderforum (gelinde gesagt) ins Fettnäpfchen — und dann knatscht Frau Sommers Sprecher auch noch herum, dass die NRWSPD lediglich das aufgreift, was auch in den Medien kolportiert wird? Das wird ja immer besser…

    Was für ein „gutes“ Gefühl, von SOLCHEN Leuten regiert zu werden…

  2. Weblog der NRWSPD 26. September 2008 · 15:41 Uhr

    […] kritisierte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Ute Schäfer. Schon beim Kinderforum im September 2007 bezahlte Rüttgers den Kindermoderator mit 100 Euro und legte vorher die Fragen fest. Das ganze […]

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