Während die NRWSPD fleißig für ihre Bildungspolitik wirbt, schreibt die aktuelle OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ dem deutschen Bildungssystem erneut ein schlechtes Zeugnis aus.
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2 Foto: aj82
In vielen Bereichen, besonders in der Ausbildung im tertiären Bereich, (höhere Fach- und Berufsausbildung, höhere Fachschule, Fachhochschule, Universität, Hochschule) fällt Deutschland weiter hinter dem OECD-Durchschnitt zurück. In manchen Berufssparten drohen aufgrund eines Akademikermangels Nachwuchsprobleme. Kritisiert wird auch die frühe Selektion im deutschen Schulsystem, die das Leistungspotenzial vieler junger Menschen ungenutzt lässt.

Aus der Studie geht hervor, dass das Tempo beim Ausbau des tertiären Bildungssystems deutlich hinter den OECD-Durchschnitt zurückfiel. Als positives Beispiel wird Südkorea genannt, das zwischen 1970 und 2000 von Rang 25 auf Rang 3 aufrücken konnte. Deutschland hingegen verschlechterte sich im gleichen Zeitraum von Platz 10 auf Platz 22.
Besonders gravierend ist der Unterschied zu den übrigen OECD-Staaten bei der Entwicklung der Studierendenzahlen. In Deutschland nahmen diese seit 1995 nur um 5 Prozent zu, im OECD-Mittel jedoch um ganze 41 Prozent. Besonders betroffen von der geringen Anzahl an Hochschulabsolventen sind die Ingenieurs-, Bildungs- und Naturwissenschaften. Hier kann es in Zukunft zu Problemen bei der Neubesetzung kommen, wenn die ältere Generation in den Ruhestand geht.
Problematisch ist auch die stagnierende Studienanfängerquote. Während in manchen Ländern bereits 70 Prozent eines Jahrganges eine Ausbildung im tertiären Bereich beginnt, sind es in Deutschland gerade mal 36 Prozent, womit das Potenzial schon weitgehend ausgeschöpft ist: Der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung liegt hierzulande lediglich bei 38 Prozent. In der Studie werden daher flexiblere Regelungen für den Hochschulzugang empfohlen.
Bemängelt wird auch die Abhängigkeit des Studienerfolges vom sozialen Status. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus einer Arbeiterfamilie ein Studium beginnt, ist nicht einmal halb so hoch, wie es gemessen an deren Anteil an der Gesamtbevölkerung zu erwarten wäre. Dies ist der geringste Wert in allen europäischen OECD-Staaten.
Für eine Gemeinschaftsschule nach dem Modell der NRWSPD spricht die Kritik, die die Studie am vorherrschenden Schulsystem hervorbringt: „Der Zusammenhang zwischen Bildungsleistungen und sozialem Hintergrund wird in Deutschland wie auch in anderen ebenso stark gegliederten und früh selektierenden Bildungssystemen (…) in wesentlichem Maße durch die Schul- und Schulformwahl beeinflusst, die wiederum den Hochschulzugang bestimmt. Der Zusammenhang deutet darauf hin, dass das Schulsystem selbst einen erheblichen Einfluss auf die ungleiche Verteilung von späteren Bildungschancen hat und damit das Leistungspotenzial eines beträchtlichen Anteils junger Menschen, einschließlich von Schülern mit Migrationshintergrund, ungenutzt lässt (PISA-Datenbank).“


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4 Kommentare

  1. NRWler 12. Oktober 2007 · 3:30 Uhr

    Die Rede ist immer von Akademikermangel, Fachkräftemangel, Mangel an Studierenden,….

    Dabei wird völlig ausser acht gelassen was auf Deutschlands Schulhöfen und Strassen passiert!

    Die Entwicklung sollte alarmierend sein….
    Täglich streben Jugendliche dannach Cool zu sein, respektiert zu werden usw. Eigentlich nichts schlimmes, doch die meisten sind anscheinend der Meinung im Ghetto zu leben. Offensichtlich sind „Möchtegern-Gangster“ in dieser Szene angesehen, fleißige Schüler – im Gegensatz – werden als Streber und Opfer abgetan.

    Unter Beachtung dieser Gesichtspunkte ist die zukünftige Entwicklung für mich klar!
    Von Ingenieuren und Akademikern wird wohl auch in Zukunft nicht viel zu sehen sein :(

  2. Peter L. 19. Oktober 2007 · 13:30 Uhr

    So veraltet das dreigliedrige Schulsystem auch ist, es wäre wesentlich besser, wenn man die Schüler/Azubis/Studenten stärker, effektiver und individueller betreuen würde. Kleinere Klassen/Kurse, mehr persönliches Engagement, mehr Kompetenz bei Lehrkräften… auch mehr Integration… Wenn das funktionieren würde, wäre es für einen anfangs unerkannt, aber begabten Hauptschüler leichter, am Ende eine Universität zu besuchen.

    Also: das alte Spiel – kleinere Klassen, bessere Lehrerausbildung, mehr soziale Kompetenz, dann klappt’s auch mit den Fachkräften – irgendwann mal.

    Wenn ich allerdings bedenke, wie allein manche Schulgebäude aussehen, wie schlecht meine frühere Schule ausgestattet war… nein, ich glaube nicht mehr daran, dass es besser wird.

  3. Peter L. 19. Oktober 2007 · 13:47 Uhr

    PS: manchmal sagt ein kurzes Filmchen mehr als tausend Worte ;o)))

    http://www.youtube.com/watch?v=CbpVdtAtUgQ

  4. Chattem 23. Oktober 2007 · 3:00 Uhr

    Super Videobeispiel !

    Und man beachte das es sich um eine Uni handelt.
    Die Verhältnisse auf normalen einfachen Schulen sind dann ja wohl ***** !

    MfG

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