Wie desaströs der Konflikt zwischen Jung und Alt in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren ablaufen könnte, führt uns die CDU in der Debatte um die Rentenerhöhung nun schon ein Mal deutlich vor Augen.

Rüttgers Wüst
Rüttgers und Wüst dürften nicht gerade erfreut über die heftigen Streitereien zwischen Alt und Jung in der CDU sein

Als der junge Bundestagsabgeordnete und JU´ler Jens Spahn öffentlich feststellte, dass „Das Wahlgeschenk an die Rentner die Jungen mittel- und langfristig viel Geld kostet.“ und in seiner Haltung von vielen Ökonomen unterstützt wurde, hatte er sicherlich nicht mit derartigen Reaktionen von Vertretern der Senioren-Union gerechnet.

Nicht nur, dass er verbale Entgleisungen wie die Titulierung als „Hosenscheißer“ oder „Rotzlöffel“ hinnehmen musste. Im gleichen Atemzug forderte der Landesvorsitzende der Senioren-Union in NRW Leonhard Kuckart, die Aufstellung Spahns in seinem Bundestagswahlkreis in Borken zu verhindern und sowieso generell alle Kinderlosen und politisch Unerfahrenen in Zukunft aus dem Bundestag herauszuhalten. „Spahn hat mit seiner Kritik an der Rentenerhöhung zig Millionen Rentner vor den Kopf gestoßen, deshalb wollen wir ihn nicht mehr im Bundestag sehen“, sagte Kuckart in weiteren Interviews und wenn man die Aufstellung Spahns zur Bundestagswahl nicht verhindern könne, so wolle man ihm wenigstens die Erststimmen verweigern.

Wird hier einem jungen Politiker aus Altersstarrsinn und aus Angst vor politischer Umgewichtung heraus die berufliche Zukunft verbaut?

In der Debatte müssten auch die Aufbauleistung der Generation nach dem Krieg, die steigende Inflation und die Nullrunden für die Rentner in den letzten Jahren berücksichtigt werden. Und „Demokratie heißt auch Kampf“, so Kuckart zur parteiinternen Diskussion.
Doch ist Demokratie in der CDU gleichbedeutend mit Diffamierung und beruflicher Vernichtung für alle die gegen die Senioren aufbegehrenden?
Gibt es niemanden der die Jungen unterstützt oder zumindest derlei Ausfälle und Feldzüge gegen Einzelne unterbinden kann?

Augenscheinlich nicht!

Denn auch nachdem die Bundesvorsitzende Angela Merkel die Streithähne zur Vernunft gerufen hatte, ging die Diskussion weiter. Die Vorsitzende wird hier offensichtlich von den Senioren ignoriert und auch kein anderer der führenden Köpfe der CDU scheint gegen die immer weiter erstarkende Fraktion der Alten aufbegehren zu wollen. Wo der Schuldige für die Debatte zu finden ist, ist nach Kuckart sowieso klar: „Machen Sie jetzt bloß nicht Jens Spahn zum Märtyrer und mich zum Buhmann, das wäre falsch. Ich diffamiere niemanden, das sind nur Entlastungsargumente.“

Die Beteuerungen des NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers: „Wir sind doch die Partei, die in besonderer Weise an die Rentner denkt.“ werden einfach ignoriert und mahnende Aufrufe des Generalsekretärs der NRW-CDU, Hendrik Wüst, an die Senioren erscheinen wie leere Floskeln. Die Behauptung Rüttgers, dass die CDU die rentnerfreundlichste Partei sei, ist sowieso völlig von jeder Realität entfernt, denn die Rentenkassen sind erst durch die schamlose Plünderung der Regierung Kohl nach dem Mauerfall in ihre heutige präkere finanzielle Schieflage geraten. Wurde da an die Rentner von heute gedacht?

Ignoranz der Alten, Angst der Vorsitzenden und Unfähigkeit der Basis zum demokratischen Konsens prägen das Bild der, noch CDU-internen, Zwistigkeiten.
Sollten diese Positionen jedoch in der hier an den Tag gelegten Art und Weise in der gesellschaftlichen Diskussion vertreten werden ist es mit dem Frieden zwischen den Generationen in der deutschen Gesellschaft nicht mehr weit her.


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

3 Kommentare

  1. Sebastian 9. April 2008 · 17:13 Uhr

    Das eigentliche Problem ist die Überalterung der Parteien. Es gibt einfach zu wenige junge Menschen in den Parteien (in der SPD, soweit ich weiß, genauso wie bei der Union). Gegen eine Mehrheit der Parteimitglieder kann auch der bzw. die Vorsitzende nichts machen: Auch das ist in der SPD nicht anders als bei der CDU.

    Zum Fall Spahn / Kuckart habe ich hier gerade heute was geschrieben.

  2. Peter 10. April 2008 · 15:45 Uhr

    Der Konflikt zwischen Jung und Alt wird sich aus meiner sicht noch verschärfen. Es reicht ja ein Blick auf die Alterstruktur und deren Entwicklung in Deutschland. Ich hoffe die Politik ist in der Lage dort zukunftsweisende und eine gerechte Lösung zu finden.

  3. Dieter 13. April 2008 · 11:31 Uhr

    Nun gehöre ich auch zu den ALTEN (Senioren). Man kann nur mit den Kopf schütteln, wenn man einige Politiker oder Industrielle hört, MdB Abgeordnete oder Landtagsabgeordnete können doch wohl nicht klagen, geschweige die Arbeitgeber die immer zu wenig haben.
    Wenn ich heute die Jugend ansehe, da wird bis zum 18. bzw. 25. Jahr zur Schule gegangen, dann vielleicht eine Ausbildung oder eine ungelernten Arbeitplatz, Leiharbeit? befristete Arbeitsvertrag? wir in unserer Zeit haben mit den 14. Lebensjahr die Lehre angefangen, 4,Jahre Lehrzeit von 1946 – 1950, die Stadt von Trümmer aus den 2. Weltkrieg weg geräumt, wo wir heute noch auf ein DANKE von den Arbeitgeberverbänden warten.
    Jugendarbeitslosigkeit muß verschwinden und Mindestlohn muß kommen um überhaupt Leben zu können.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.