Deutschsprachiger Obama-Flyer

Barack Obama besucht heute Deutschland – während ich nachrichtengeile Medientussi gespannt auf seine Rede warte, mokieren sich amerikanische konservative Blogs über seinen Berlin-Auftritt. Was zuweilen skurrile Blüten treibt. Eine kleine Sammlung von Kuriosem und Seltsamem, das uns Einblicke in die amerikanisch-republikanische Seele gewährt.

Dr. Melissa Clouthier findet in ihrem privaten Blog, Barack Obamas Flyer, siehe oben, sehe total aus wie ein Bild von Hitler… zum Verwechseln ähnlich. Ja nee, is‘ klar… Sie schreibt:

„This is about artistic tone. The profile view. The serious expression. The shading. When I saw the Obama flier picture, my mind immediately called up this Hitler image and I was struck by how similar they are in feel the color choice differences aside. Unnerving really.“

Aber Gott sei dank wird so ein Quatsch von Kommentatoren auch nicht allzu ernst genommen, etwa edsbowlingshoe:

„This is one of most absurd, laughable blog posts ever.
Obama can’t use profile shots – Hitler once used those!!!
Obama can’t put out fliers in Germans – Hitler spoke German!
Volkswagen used to make military vehicles for the Nazis….Volkswagen owns Audi…perhaps I should burn my Audi A6 to the ground!!!
Are you kidding me? Way to ruin your credibility on your own blog.

Auf der Seite www.thenextright.com, einer selbsternannten neurepublikanischen Bewegung, mokiert sich auch Patrick Ruffini über den Obama-Flyer – weil er auf DEUTSCH geschrieben ist! Wirklich ungewöhnlich für eine Veranstaltung, die in Berlin stattfindet. Solche Reaktionen verwundern schon nicht mehr, schließlich wurde Obama für seine Forderung, amerikanische Kinder sollten in der Schule eine Fremdsprache erlernen, ebenfalls angefeindet (abc news).

„Stop the aclu“ ist eine Organisation gegen die ACLU, der American Civil Liberties Union, die sich etwa gegen die Todesstrafe und für Homosexuellenrechte einsetzt. Entsprechend unsympathisch kommen auch Kommentare auf der Website stoptheaclu.com – „Beating them with their own sickle and hammer“ (!) daher. Achtung, jetzt wird es wirklich schäbig:

Two Dogs:

„What is up with Barry’s Lenin posters? Did they dig up the Communist propaganda artist from the Bolshevik Revolution? Or is he just trying to soften his image as a Black person and lean toward being blue?“

Ich verstehe ja, dass der Republikaner an sich gerade überfordert ist, jetzt, da das nunmehr ausgelutschte Muslim-Feindbild langsam wegbröckelt. Wie man hier sehen kann, greift man nun auf Altbewährtes zurück, was in mir einige Heiterkeit auslöste (wiederum Two Dogs):

„At the very least, his PR graphics types are clueless or enamored with the political graphics style of their Che T-shirts.

No matter what their intent, they sure seem to use a lot of the generic Third World Heroic Glorious Leader imagery and Soviet-era style.“

Oh jemine, Kuba, und überhaupt, die Bolschewiken! Jetzt wissen wir endlich, was uns blüht, sollte Barack Obama tatsächlich die Präsidentschaftswahl gewinnen. Kubanischer Sozialismus mit Nazi-Propaganda und Deutsch wird Weltsprache! Und alle müssen Che-T-Shirts anziehen!


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2 Kommentare

  1. Osama 21. August 2008 · 14:26 Uhr

    Ne ganz einfache allgemeine Festellung ist doch: „Was ist das besondere an dieser Wahl?“. Ich kenne weder von Obama noch von McCain die wahre politische Vorgeschichte. Mir ist die Wahl in den USA (wenn sie überhaupt stattfindet) sowas von egal. Der Fahrplan für die nächsten Monate und Jahre steht doch sowieso.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.