Live-Stream von 13.30 Uhr bis ca 15.30 Uhr

Herzlich willkommen zur Live-Übertragung der Feierstunde zu Ehren von Johannes Rau!
Die Historische Stadthalle Wuppertal bietet ein würdiges Ambiente für diesen Anlass. An dieser Stelle verfolgen wir die Ansprachen von Hannelore Kraft, Kurt Beck und Avi Primor. In lockerer Folge erscheinen Auszüge aus ihren Reden, Stimmung und Statements.

Rede von Hannelore Kraft, der Landesvorsitzenden der SPD in Nordrhein-Westfalen

Hannelore Kraft erinnert an Johannes Rau als Politiker, der ein halbes Jahrhundert lang in den unterschiedlichsten Funktionen gewirkt hat.
Mit dieser Feierstunde erinnern wir an seine Wahl in den Landtag von Nordrhein-Westfalen vor gut 50 Jahren und an seine Wahl zum Ministerpräsidenten von NRW vor fast genau 30 Jahren.

Hannelore Kraft würdigt Johannes Rau in ihrer Ansprache als Politiker und Mensch mit einer einzigartigen Persönlichkeit. Als solcher war er stets nah bei den Menschen. Manchmal beantwortete er Briefe sogar persönlich am Telefon. „Johannes Rau mochte die Menschen. Und die Menschen mochten ihn.“ Johannes Rau nahm Anteil an den Menschen in Nordrhein-Westfalen, auch als Bundespräsident aus dem fernen Berlin.

Als Familienvater büxte er sogar schon einmal seinen eigenen Bodyguards aus, um ein wenig Privatheit mit seiner Familie zu genießen.

Hannelore Kraft spricht über Johannes Raus tiefen christlichen Glauben. „Evangelischer Christ zu sein und öffentliche Verantwortung zu übernehmen – das war für ihn ein und dasselbe“.

Auch würdigt sie sein Engagement für Nordrhein-Westfalen: „Was ihn angetrieben hat, treibt uns auch noch heute an“. Es ging ihm um die Chancengleichheit. Innerhalb weniger Jahre flossen deshalb während seiner Amtszeit Milliarden in den Hochschulbau. Studiengebühren bildeten für ihn ganz klar soziale Hürden. „Für uns Sozialdemokraten galt und gilt: Die Chance auf Bildung, Teilhabe und Aufstieg darf nicht von der Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern abhängen.“

In der Globalisierung sah Johannes Rau „kein Naturereignis“, sondern als „von Menschen gemacht“. Gerade deshalb können Menschen sie auch beeinflussen.

Johannes Rau sah in den Kommunen einen wichtigen Motor für das Gemeinwohl. Sein Grundsatz war: „Stadt und Land – Hand in Hand!“

Hannelore Kraft ist „stolz darauf, der Partei anzugehören, die für Johannes Rau fast 50 Jahre politische Heimat gewesen ist“. Sein Bild einer solidarischen Gesellschaft „ist unser Bild, ist auch mein Bild“.

Rede von Kurt Beck, dem Bundesvorsitzenden der SPD und Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz

Kurt Beck würdigt die politischen Überzeugungen von Johannes Rau. Sie können uns heute und in Zukunft politische Orientierung bieten. Dies tat er als Sozialdemokrat: „Er hat sich nie gegen seine Partei profiliert, sondern immer mit seiner Partei“. Für ihn war „Solidarität keine Einbahnstraße“.

Kurt Beck betont die Verbundenheit von Johannes Rau zu Nordrhein-Westfalen: „Ich glaube, das kann man im besten Sinne ‚Heimatliebe‘ nennen“.

Die Wirtschaftspolitik von Johannes Rau basierte auf dem Wissen, dass „der Markt als Ordnungsprinzip der Wirtschaft allen anderen Prinzipien überlegen ist“. Aber für ihn sorgte, so Kurt Beck, „der Markt von alleine weder für sozialen Ausgleich, noch für ökologische Nachhaltigkeit“.

Die SPD tritt das Erbe Johannes Raus als die „Schutzmacht der kleinen Leute“ an.

Kurt Beck erinnert daran, dass Johannes Rau für die Abkehr von der Atomenergie einstand.

Seine Integrationspolitik stand unter dem Eindruck des Anschlags von Solingen am 29. Mai 1993, bei dem fünf Menschen ausländischer Herkunft ums Leben kamen. Integration entsprang für Rau nicht nur der politischen Verantwortung und christlicher Nächstenliebe, sondern einem „aufgeklärten Eigeninteresse“. Bildung und Ausbildung spielte in seiner Integrationspolitik eine zentrale Rolle. Und Johannes Rau nahm die Sorgen und Ängste von Menschen mit Migrationshintergrund ernst.

„Im eigenen Land hat Johannes Rau sich für sozialen Ausgleich eingesetzt und für das friedliche Zusammenleben geworben“, so würdigt Kurt Beck seine politischen Werte. Eine besondere Freundschaft verband ihm aber mit dem Staat Israel. „Kein Land und keine Region lagen ihm so am Herzen wie Israel und der Nahe Osten“, so Kurt Beck.

– Es spielt das Trio Vivace –

Rede von Avi Primor, dem ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland und engen Freund Johannes Raus

Avi Primor erzählt von seinen ersten Jahren in Deutschland als israelischer Botschafter und erinnert sich daran, wie er Johannes Rau vorgestellt wurde. Dieser war damals Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens.

Er berichtet von den Vorbehalten, die manche Bewohner Israels Rau gegenüber hatten: „Er ist ein Freund Israels? Warum?“ Avi Primor interessierte sich für diesen Politiker, der sich so engagiert für die deutsch-israelischen Beziehungen einsetzte.

Avi Primor erinnert sich an die Laudatio, die er zu Ehren von Johannes Rau hielt, als dieser die Buber-Rosenzweig-Medaille für christlich-jüdische Zusammenarbeit bekam. Auch würdigt er das Engagement Johannes Raus im Nahost-Konflikt: „Immer wieder machte er Mut zur Verständigung zwischen Israel und Palästinensern“.

Avi Primor erinnert sich daran, wie er ihn fragte: „Was bringt Sie dazu, so ein Judenfreund zu sein? Womit hat es begonnen?“ Und Johannes Rau erzählte, wie er als Kind einen älteren Mann mit einem Judenstern sah. Er konnte nicht begreifen, warum sich ein erwachsener Mann vor einem Kind fürchten solle.

Avi Primor würdigt den Grundsatz von Johannes Rau, den Menschen auf persönlicher Ebene zu begegnen: „Beziehungen zwischen Staaten und Regierungen müssen oberflächlich sein. Aber Beziehungen zwischen den Menschen müssen persönlich sein.“

„Er ist ein Freund“, sagt Avi Primor über Johannes Rau. „Aber kein Philosemit. Johannes Rau hielt das jüdische Volk nicht für bessere Menschen“.

Zum Schluss seiner Rede erinnert Avi Primor an eine jüdische Tradition: Der Verstorbene muss in Vergessenheit geraten. „Das gilt für Johannes Rau überhaupt nicht. Er darf nicht in Vergessenheit geraten, weil wir ihn als Vorbild brauchen.“

– Es spielt das Trio Vivace –

Hannelore Kraft richtet Dankesworte an Kurt Beck und Avi Primor. Sie würdigt die Kraft seiner Worte und kündigt die Herstellung einer DVD dieser „SPD-Familienfeier“ zusammen mit Reden von Johannes Rau an.
Hannelore Kraft lädt abschließend zum Empfang und wünscht sich gute Gespräche.

Wir vom Team der Pressestelle der NRWSPD verabschieden uns von unseren Leserinnen und Lesern!


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