Danke, Ministerin Sommer!

Das war ein derartig aufgesetzter bis peinlicher Auftritt gestern in der aktuellen Stunde im Landtag zum Thema Gesamtschule – das Presseecho hätte für Gesamtschulbefürworter nicht positiver ausfallen können.

Selbst ein sonst der Landesregierung gegenüber eher wohlwollend eingestellter Berichterstatter der Westfalenpost hat sich zu der Bemerkung hinreißen lassen: „Vorn am Mikrofon bemüht sich Sommer derweil, ihre im teuren Coaching-Kurs erworbene neue Redetechnik einzusetzen. Mit viel Theatralik redet die Minister mit den Händen, wechselt zwischen laut und leise, greift an und gibt sich betont überlegen. Im Plenum allgemeine Verwunderung, Kopfschütteln. Manchmal ist weniger mehr.“

Worum ging es eigentlich? Ministerin Sommer kritisierte die Gesamtschule als Schulform. Das Gesamtschulabitur ist ihrer Meinung nach „weniger wert“, sie spricht von einer „Light-Version“. Dabei schnitten die Gesamtschul-AbiturientInnen in diesem Jahr beim Zentralabitur im Durchschnitt nur eine Viertelnote schlechter als GymnasiastInnen ab. Und dass, obwohl Gesamtschulen in der Regel eine andere soziale Klientel aufweisen als Gymnasien. Eigentlich beweist das die guten Möglichkeiten, die sich an der Gesamtschule für Aufsteiger bieten und die hohe Durchlässigkeit. Auch Schüler, die am Ende der Grundschulzeit eine Empfehlung für die Hauptschule erhalten, können letztlich an der Gesamtschule ihr Abitur machen.

Barbara Sommer hingegen lässt soziale Unterschiede nicht gelten, so in einem Interview mit der WAZ: WAZ: Dass an Gymnasien die besseren Schüler sind, ist doch keine Überraschung.

Sommer: Nach 13 Jahren Schule muss ich beim Zentralabitur erwarten, dass an einer Gesamtschule die Noten im Normalfall so ausfallen wie an einem Gymnasium.

Häme erntete Sommer aber auch nicht bloß in der Sache, sondern auch in der Art und Weise ihres Vortrags. Sommer wurde von dem ehemaligen ZDF-Moderator Alexande Niemetz gecoacht. Was sie jetzt ablieferte, wirkte unnatürlich und angestrengt. „So kämpferisch wie gestern trat Sommer noch nie auf. Ein wenig aufgesetzt wirkte ihr gestenreicher, offenbar gut einstudierter Vortrag“, schildert der Kölner Stadtanzeiger das Schauspiel lakonisch.

Und die Rheinische Post mokiert sich: „Bei der Schulministerin fiel auf, dass sie – anders als früher – heftig gestikulierte, manchmal fast brüllte und dann wieder ganz leise sprach. Dies ist offenbar die Folge einer Schulung. Wie berichtet, sollen sie und CDU-Generalsekretär Wüst an einem Training zur Selbstdarstellung mit dem früheren ZDF-Moderator Alexander Niemetz teilgenommen haben. Die Kosten von 10.000 Euro soll die CDU bezahlt haben. Beobachter der Debatte waren von dem gestrigen Auftritt der Ministerin jedoch alles andere als angetan.“


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Ein Kommentar

  1. Weblog der NRWSPD 3. September 2008 · 14:41 Uhr

    […] auf Sommers Vorwürfe, an Gesamtschulen würden etwa Schülerinnen und Schüler zum “Abitur light” geführt. Und zu Sommers Äußerung, sie liebe alle Schulformen wie eine Mutter ihre […]

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