
Der Generalsekretär der SPD, Hubertus Heil, 35, twittert vom Nominierungsparteitag der US-Demokraten in Denver. Das ist eine gute Sache. Natürlich tut er dies nicht bloß als Privatperson, sondern selbstverständlich auch, um das Medium Twitter für andere Zwecke zu erproben und um einmal mehr zu zeigen: Die SPD ist in Sachen Modernität und Mediennutzung weit vorne. Nun hat Heils ‘Gezwitscher’ in Presse und Blogs zahlreiche, zumeist positive Reaktionen hervorgerufen. Aber nicht nur positive.
Auf Spiegel online schrieb Carsten Volkery dazu einen… ja, was? Bericht? Kommentar? Einen “subjektiv gefärbten Bericht”, sagt meine Kollegin treffend. Volkery lästert über Heil und wirkt dabei so angelesen, als habe er sich jetzt erstmalig mit Twitter auseinandergesetzt.
Außerdem mokiert sich Volkery über Hubertus Heils Sprachstil: Der sei ja “durchweg in einem Jargon gehalten, der selbst manchen Teenager erbleichen lassen dürfte”. Seine Beispiele: die Ausdrücke “super”, “der Kracher” und “unglaublicher Trubel”.
Diese Beispiele sollen anbiedernde Jugendsprache belegen!? Mal ehrlich, ich fand Hubertus’ Twitter-Botschaften in recht unangestrengter, alltäglicher Sprache gehalten und hatte nicht den Eindruck, dass er sich gewollt locker oder anbiedernd jugendlich gibt. Er wirkt authentisch und ganz normal. Wie tattergreisig muss Volkerys Ausdrucksweise sein, dass er sowas schon als aufgesetzt jugendsprachlich empfindet.
Die sueddeutsche.de segelt jetzt auf dem gleichen Dampfer. Und stichelt gegen die Macher der Bundes-SPD-Homepage, auf der Internet- oder auch nur Twitter-Neulingen der Sinn und Nutzen des Ganzen erklärt wird. Die Sueddeutsche findet das alles nur peinlich und lächerlich. Das finde ich wiederum etwas arrogant. Jetzt mal Hand aufs Herz: Das, was wir hier tun, kann man sich innerhalb einer Woche draufschaffen.
Deshalb finde ich die Twitter-Kurzeinleitung auf spd.de überhaupt nicht peinlich, sondern demokratisch. Die SPD versteht sich hier auch als Multiplikatorin, zum Beispiel bei der nächsten “Wahlwerkstatt” am Wochenende. Was soll also diese Hochnäsigkeit? Gut, über den tieferen Sinn von Twitter kann man ja immer noch kritisch nachdenken. Ich finde es gut, bei besonderen Anlässen – dazu zählt für mich auch Hubertus’ USA-Reise – mit stärkerer Frequenz zu twittern und das Gezwitscher im Alltagsgeschäft auf das Wesentliche zu reduzieren. “Sind in der Mittagspause. Mahlzeit!” muss man da als Landesverband eher nicht verkünden.
Eine gute Einschätzung zum Thema liefert Thomas Knüwer im Handelsblatt-Blog Indiskretion Ehrensache.
Der Hamburger SPD-Mann Klaus Lübke hat Blog-Kommentare über HHs Amerika-Gezwitscher zusammengestellt. Die folgenden Links habe ich seiner Auflistung entnommen. Noch mehr mit Kommentaren auf seiner Seite.
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Hubertus Heil twittert – Ein gelungenes Experiment oder naiv?…
Hubertus Heil
Die Onlineaktivitäten von Hubertus Heil werden im Netz eifrig diskutiert. Der Generalsekretär bedient sich eines Kurznachrichtendienstes namens “Twitter“, der in den letzten Monaten immer beliebter geworden ist, und …
Würde sehr interessant zu lesen sein, wie er persönlich den Verlauf des Parteitag empfindet.