Das ist doch blanker Zynismus! Die Dortmunder CDU-Fraktion fordert, die Testphase des „Sozialtickets“, der günstigen Monatsfahrkarte für Arbeitslose, sofort zu beenden. Der CDU- Fraktionsvorsitzende Frank Hengstenberg gab das am Mittwoch in einer Presseerklärung bekannt.

Geschmackloserweise nutzt Hengstenberg seine Kritik am Sozialticket, um sozusagen in einem Abwasch alle möglichen Vergünstigungen für Dortmunder Hartz-IV-Bezieher generell mit abzuwatschen: „Wir haben ein Sozialticket, diskutieren einen Energiesozialtarif für Menschen, die nicht zur Arbeit gehen und stellen den Kindern kostenloses Schulmaterial für 60 Euro zur Verfügung.“ Das hört sich ja so an, als hätten sich diese Menschen ihr Leben in Arbeitslosigkeit selbst so ausgesucht!

Doch der Höhepunkt der Anmaßung kommt erst: „Als Krönung leisten wir es uns als einzige Stadt in Deutschland, Beziehern von Transferleistungen kostenlosen Zoo-Eintritt zu gewähren.“ Ich überlasse die Kommentierung dieser Zeilen Frank Fligge von der Westfälischen Rundschau: „Mal ganz im Ernst, Herr Hengstenberg: Was für ein Menschenbild steckt hinter solchen Sätzen?! Vielleicht versuchen Sie mal, ein halbes Jahr mit Hartz IV klar zu kommen.“

Jürgen Rüttgers‘ Strategie geht nicht auf: Es macht keinen Sinn, seiner CDU einen sozialen Anstrich zu verleihen, wenn Politiker auf lokaler Ebene die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit nicht verinnerlicht haben. Rüttgers‘ vermeintliche Sozialpolitik ist nichts als eine Farce.


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Ein Kommentar

  1. S1P 6. September 2008 · 9:49 Uhr

    Haben wir nicht derzeit das Problem, dass jede kritische Äußerung zu diesem Thema fast ein öffentliches an den Pranger stellen bedeutet ?

    Nur durch Kritik kann etwas verbessert werden. Das pauschalisierte Abwatschen kann kaum die richtige Lösung sein.

    Im Zuge der berechtigten Kritik muss man also fragen dürfen ob ein Arbeitsloser mit der Familie kostenlos in den Zoo darf und ein Arbeitnehmer mit geringem Einkommen sich diesen Besuch nicht leisten kann.

    Sozial gerecht ist das nämlich nicht. Daher muss man über solche Themen öffentlich laut reden dürfen um eine sozial gerechte Lösung zu finden.

    Ansonsten wird der kostenlose Zoobesuch nämlich das kleinste Problem sein, welches Deutschland in der Zukunft hat.

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