Samstag, 6. September:

Mehrere Medien berichten, dass Außenminister Frank- Walter Steinmeier die Kanzlerkandidatur übernehmen werde. Die Entscheidung soll auf der Klausurtagung der SPD-Führung am Sonntag in Brandenburg bekanntgegeben werden.

Sonntag, 7. September:

13:24 Uhr: In der Presse wird bekannt, dass Kurt Beck auf der Tagung am Schwielowsee überraschend seinen Rücktritt als SPD- Parteivorsitzender angekündigt hat.

13:44 Uhr: Becks Nachfolger wird Franz Müntefering. Er soll auf einem Sonderparteitag zum Parteivorsitzenden gewählt werden, dessen Termin noch nicht feststeht. Damit folgte das SPD-Präsidium dem Vorschlag von Frank- Walter Steinmeier. Er selber wird bis dahin das Amt des Parteivorsitzenden kommissarisch übernehmen.

16:19 Uhr: Auf einer Pressekonferenz nach der Tagung wird die Kanzlerkandidatur Frank- Walter Steinmeiers offiziell von Generalsekretär Hubertus Heil bekanntgegeben. Steinmeier verkündet vor den Pressevertretern, dass er antrete, um die SPD 2009 wieder in die Regierung zu führen. Hubertus Heil zur Kandidatur: „Wir tragen Verantwortung für Deutschland und wir wollen weiter Verantwortung für Deutschland tragen.“ Durch die Sonder-Tagung der EU-Außenminister in Brüssel am 1. September 2008 verschob sich die schon früher geplante Bekanntgabe der Entscheidung. Laut SPD- Parteivorsitzendem Kurt Beck hatte er schon vor zwei Wochen Steinmeier gebeten, die Spitzenkandidatur zu übernehmen, darüber aber Stillschweigen zu bewahren.

NRWSPD Vorsitzende Hannelore Kraft zur Kandidatur: „Die NRWSPD unterstützt die Nominierung von Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten. Mit ihm haben wir den richtigen Kandidaten. Seine Klarheit setzt sich wohltuend ab von einer Kanzlerin, deren Markenzeichen die Beliebigkeit ist. Deshalb spielen wir auf Sieg. Gerade in NRW erleben die Menschen, welche unsoziale Politik CDU und FDP machen. Düsseldorf ist ein abschreckendes Beispiel für Berlin. Auch die Nominierung von Franz Müntefering zum neuen Parteivorsitzenden ist eine richtige Entscheidung. Mit seiner großen Erfahrung wird Franz Müntefering der SPD jetzt Orientierung geben. Er verkörpert Selbstbewusstsein und Gradlinigkeit. Die SPD wird jetzt zur Aufholjagd aufbrechen und geschlossen handeln. Sowohl Frank-Walter Steinmeier als auch Franz Müntefering können sich dabei auf die Unterstützung der NRWSPD verlassen.

Zum Rücktritt Becks sagt Steinmeier: „Wir waren alle überrascht und schockiert. Kurt Beck hat die Partei gut durch eine schwierige Zeit geführt, er hat unsere Partei verstanden – und mit dem Hamburger Programm eine gute Grundlage für unsere künftige politische Arbeit gelegt. Wir alle haben großen Respekt vor seiner Leistung, vor allem schulden wir ihm großen Dank.“

17:02 Uhr: Das Rücktrittsschreiben von Kurt Beck wird bekannt.

Hannelore Kraft zu den Ereignissen: „Die Entscheidung von Kurt Beck ist zutiefst bedauerlich, aber sie verdient tiefen Respekt. Er hat als SPD-Vorsitzender das Hamburger Programm erfolgreich auf den Weg gebracht, das weiterhin Leitlinie unserer sozialdemokratischen Politik bleibt. Wir alle schulden Kurt Beck großen Dank. Er hat die Parteiführung in einer schwierigen Zeit übernommen und ihr inhaltlich Orientierung gegeben.“

Montag, 8. September:

Unter Leitung von Frank- Walter Steinmeier kommt heute um 13 Uhr das Präsidium der SPD im Willy- Brandt- Haus zusammen. Im Anschluss daran tagt um 14 Uhr der SPD- Parteivorstand.



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6 Kommentare

  1. The Zonk 8. September 2008 · 15:35 Uhr

    Beck weg – das war überfällig.

    Wie soll man als SPD dem Wähler einen Präsi verkaufen, der optisch mit seiner Gesichtstapete ein Schmuddel – Image der SPD bedient? Wie soll man inhaltlich jemanden verkaufen, dessen inhaltliche Leere ihn völlig ausfüllt? Wie soll man eine Person als wahrhaftig vermitteln, der die SPD gerade an die Linkspartei und diesen Lügner Lafontaine verschachert? Wie soll man jemanden als sachorientierten, altruistischen Parteivorsitzenden erscheinen lassen, dessen „ich- sach- nich- wer- Kanzler- wird“- Spielchen so aussieht, als würde er gerne Kandidat werden, aber ausser dummen Spielchen nichts drauf hat?

    Lieber Kurt! Wenn ich Boss bin, bin ich Boss. Dann lebe ich das und führe. Beck war als Parteivorsitzender Wurst. Körpersprache, Inhalt, Strategie, verhalten, Auftreten, Äusserungen – eine saft- und kraftlose Gurke. Auch im Abgang: Wenn ich schmeisse, dann komm ich durch den Vordereingang, scheuche alle auf Seite, sage, was Lage ist, mache ne Ansage, keine „Entschuldigung- dass- ich- Lebe“- Rede, und gehe geradewegs durch den Mittelgang wieder raus.
    Erhobenen Hauptes. Nix Hinter(n)eingang!

    Tschüss Kurt. Nimm X- Ypsilanti – Ungelöst gleich mit.

    Die SPD war schockiert über deinen Abgang?
    Lieber Kurt: Rechne da mal die Gesamtmitgliederzahl minus eins. Ich hab ne Flasche Schampus aufgemacht und gefeiert. Aber im Gegensatz zu den verlogenen Heuchlern, mit denen Du Dich da im Vorstand umgeben hast, und die Trauertränen und „Schockiertheit“ vor den Kameras inszenierten, stehe ich offen zu meiner Meinung. Tschökes!

  2. Peter 9. September 2008 · 1:44 Uhr

    Trotz allem mag ich die SPD ja irgendwie. Zumindest lieber als die CDU, das wisst Ihr – sonst würde ich kaum regelmäßig diesen Blog lesen. Aber mit Steinmeier als Kanzlerkandidaten habt Ihr Euch wahrlich keinen Gefallen getan. Wenn es gut läuft, schafft es Schwarz-Gelb auch diesmal nicht. Dann gibt’s hoffentlich ein längeres Rumgeeiere um mögliche Koalitionen, was dann wieder auf die gute alte Angola-Koalition hinauslafen wird. Ich werde nächstes Jahr wieder wetten. Dann gebe ich ein Bier für jeden vollen Prozentpunkt, den die SPD über 27% schafft, bei jedem darunter kassiere ich. Bin mal gespannt, wer die Zeche zahlt.

    Aber mal abgesehen davon: ist diese Aussicht nicht erbärmlich? 27% für die SPD ist doch mies. Ihr habt Euch die coolen Themen von den Linken wegnehmen lassen. Noch trauriger: die hälfte von den Linken sind Ehemalige von Euch (WASG). Und alles nur wegen dieser blöden Agenda 2010, die kaum einer von Euren Wählern will.

    Ich wünsche mir die alte SPD zurück. Und das, bitte, noch bevor die NPD im Ruhrpott Familienfeste veranstaltet.

    Vielen Dank.

  3. Peter Kohlbecker 9. September 2008 · 13:08 Uhr

    Schade, denn das ewige hin- und her ( Hessen ), ohne erkennbare klare Linie hat die Wähler weiter von der SPD abrücken lassen.
    Auf Bundesebene darf man sich dies nicht leisten – wer gegen Frau Ypsilanti nicht besteht muss gehen.
    Gewogen – für zu leicht empfunden ist bitter –
    ich hätte mir dies anders gewünscht – aber die
    Parteispitze kennt kein Pardon – die Wahlergebnisse in Zukunft werden den Schaden, der entstanden ist erst aufzeigen.

  4. The Zonk 9. September 2008 · 15:20 Uhr

    Eine Sache sollte nicht vergessen werden: „Links“ ist der Tarnbegriff für Kommunismus / Marxismus.

    Und was der anrichtet, das haben wir ja in der DDR gesehen.

    Westerwelle hat am WE einen guten Ausspruch getan. Sinngemäss äusserte er, dass er sich nicht für die Deutsche Einheit abgerackert hätte, damit die Bundesrepublik jetzt von Stasis und Kommunisten regiert werden würde.

    Als SPD sollten wir uns dieser Meinung uneingeschränkt anschliessen. Aber was war? Kurt Beck, der beste SPD- Vorsitzende auf Kreisklasse- Niveau den wir je hatten, besucht einen ehemaligen Stasi- Knast, zeigt Betroffenheit – und lässt X- Ypsilanti- Ungelöst mit den Linken rumspielen. Die haben ja ausser G´schmäckle- Gysi, Lügner- Lafontaine und dubioser Parteifinanzierung sowie diversen Kontakten zu terroristischen Vereinigungen nichts zu bieten…

    Es ist nur logisch, dass Münte und Steinmeier (jesses, der gedanke, dass Münte die Partei rettet, ist immer noch skurril, auch wenn er es gottseidank tun wird) auf eine glasklare perteiliche Profilierung (Motto: Zeige Profil, und Du wirst erkannt) und eine stringente Strategie drängen.

    Zum klaren Profil hatte Beck keinen Mumm und es schien, als wollte er für alles offen sein (Strategischer Grundsatz, Genosse Kurt: Wer everybody´s Liebling sein will. ist bald everybody´s Aschloch). Taktieren, statt profilieren – irgendwo hat Kurt die Grenze nicht gesehen.

    Von Strategie, respektive: strategischer Planung hatte er erkennbar keine Ahnung. Meine ganz persönliche Einschätzung dazu: er wirkt auch, als wäre er zu dumm dazu. Bundesliga ist eben nicht Thekenniveau!

    Wir als SPD haben jetzt eine Chance, wieder ein klares, stimmiges Bild an den Wähler zu vermitteln und ihm zu zeigen, für was genau und mit wem genau wir auf Bundesebene eigentlich einstehen.

    Wir haben als SPD die reelle Chance, sozialdemokratische Werte und Tugenden zu kommunizieren, da uns das Einstehen dazu auch wieder abgenommen werden kann. Wahrhaftigkeit und Verlässlichkeit allen voran…

    Merkel muss weg, und jetzt haben wir die Chance, als Partei dies auch zu schaffen. Ohne die linken Stasis, ohne die rechte NPD, und auch ohne die diätengeilen, machtverliebten, krötenfressenden, satturierten grünen Bremsklötze. Ganz aus eigener Kraft – denn die haben wir! So absurd es auch scheint, wir sollten Münte im Voraus danken.

  5. Nachlassverwalter 9. September 2008 · 21:08 Uhr

    Anfrage:
    Ist es richtig dass Kajo Wasserhövel im Auftrag Münteferings den Medien die Munition gab um Beck so zu demütigen das dieser nur noch zurücktreten konnte? Stichwort „Büchsenspanner“ aus Kurt Becks Statement von heute mittag.Oder war doch Steinmeier der Auftraggeber?
    Übrigens ist wesentlich genauerer Ablauf des Putsches in der FAZ :http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~ECBB209099DF04471AC7C9CC2B6119D53~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

  6. The Zonk 10. September 2008 · 2:50 Uhr

    Büchsenspanner? Beck wäre selbst durch ein geworfenes Wattebällchen vom Thron gewischt worden!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.