Foto by goocy

CDU und CSU versuchen verzweifelt, Deutschlands Bürgerinnen und Bürgern eine angebliche Entlastung um 40 Milliarden Euro weiszumachen, wenn – ja, wenn die Laufzeit der Atomkraftwerke um mindestens 15 Jahre verlängert werde. In der Zwischenzeit haben viele namhafte Experten diesem Vorschlag widersprochen und auch auf offensichtliche Fehler hingewiesen.

Zwar können bei einer zusätzlichen Laufzeit von 15 Jahren für alle AKWs zusammen bis zu 6 Milliarden Euro zusätzliche Gewinne aus der Stromproduktion pro Jahr eingefahren werden. Daraus soll rund die Hälfte einen Fonds speisen, so will es die CDU/CSU. Unionsfraktionschef Volker Kauder erklärt dazu: „Die Stromkonzerne haben signalisiert, dass sie bereit sind, einen Teil der zusätzlichen Rendite an die Stromkunden zurückzugeben. Gehen Sie mal davon aus, dass diese Größenordnung [40 Mrd. Euro]
abgesichert ist.“

Die Energiekonzerne sehen das nur dummerweise ganz anders. Die angenommene Summe von 40 Milliarden hat sich als frei erfunden erwiesen. Ein Sprecher der RWE sagte: „Wir können diese 40 Milliarden Euro nicht nachvollziehen.“ Die Union habe diese Summe „einfach in den Raum gestellt“. Es bleibt völlig offen, wie sich CDU und CSU diese freiwillige Weitergabe der Mehreinkünfte an die Kundinnen und Kunden vorstellen, wenn die Energiekonzerne dazu gar nicht bereit sind.

Ebensowenig würde ein längeres Betreiben von AKWs die Energiekosten senken. „Dafür gibt es keinen Ansatzpunkt“, sagt Prof. Olav Hohmeyer, Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung. „Beim Stromkunden kommt davon kein einziger Cent an“, meint auch der Energieexperte des Ökoinstituts, Felix Matthes. Der Strompreis wird an der Börse durch die Kosten des teuersten benötigten Kraftwerks bestimmt. Bleiben abgeschriebene und damit günstigere Kraftwerke am Netz, steigt nur der Gewinn der Unternehmen, am Börsenpreis ändert sich nichts.

Diese vermeintliche, real nicht zu erwartende Entlastung des Verbrauchers soll mit wachsendem Betriebsrisiko aufgrund des zunehmenden Alters der Anlagen erkauft werden. Darüber hinaus fällt stark radioaktiver Atommüll an, der eine ökologische und finanzielle Erblast darstellt – für Jahrtausende.


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

5 Kommentare

  1. Jan 18. September 2008 · 18:26 Uhr

    „Der Strompreis wird an der Börse durch die Kosten des teuersten benötigten Kraftwerks bestimmt.“

    Wenn ds so wäre, dann könnte man sich eine Stromhandelsbörse ganz sparen und einfach eine Kommission herumschicken, die guckt, wie wirtschaftlich einzelne Kraftwerke so arbeiten.

    Unabhängig davon, dass es natürlich Quatsch ist, den Verbraucher an den Erlösen der Konzerne zu beteiligen (we das möchte, kann Aktien kaufen) und unabhängig davon, dass Atomkraft sicher nicht das Zukunftsmodell ist, als dass es uns aufgrund der Klimahysterie ständig verkauft wird, ist es doch wohl eine Binsenweisheit, dass eine Verknappung des Angebots zu höheren und eine Steigerung zu tieferen Preisen führt.

    Ob das konkret beim aktuellen Energiemarkt so sein muss, ist eine etwas kompliziertere Frage aber sicher ist doch zumindest, dass die Abschaltung von Kraftwerken sicher nicht die Preise senkt.

  2. Zonk 18. September 2008 · 23:48 Uhr

    Darüber dürfen wir nicht reden. In Sachen Atomkraft haben wir in der SPD Denkverbot.
    Parteidisziplin bitte!

  3. Jan 19. September 2008 · 0:21 Uhr

    Och, ich bin ja nichtmal in der SPD und halte auch nix von Atomkraft. Ich find nur offenkundig schwache Argumente gegen Atomkraft irgendwie überflüssig. Gibt genug stichhaltige.

  4. Merle 19. September 2008 · 11:06 Uhr

    Mehr Argumente gegen Atomkraft?

    Die derzeitige Entsorgung des Atommülls entspricht nicht den Anforderungen des Atomgesetzes, welches eine schadlose Verwertung oder geordnete Beseitigung radioaktiver Abfälle fordert. Die gängigen Praktiken erfüllen diese Anforderungen nicht.

    Ausgediente Brennelemente aus Kernkraftwerken und Rückstände aus Reaktoren werden zum einen in den beiden deutschen zentralen Zwischenlagern in Ahaus und Gorleben deponiert. Ein Großteil der Brennstäbe wird zur Wiederaufbereitung ins Ausland – nach Großbritannien oder Frankreich – geschickt. Der bei der Wiederaufbereitung anfallende Müll muss wiederum zurückgenommen und in Zwischenlager transportiert werden. Beide Methoden werden von der Regierung seit Jahrzehnten als vorläufiger Entsorgungsnachweis anerkannt.
    Ursprünglich ging die Nutzung der Kernenergie von einer rückstandlosen Wiederaufbereitung der Kernbrennstoffe aus, dem Brennstoffkreislauf. Die Wiederaufbereitung hat sich jedoch nur als Verschiebung des Atommüll-Problems herausgestellt. Einen geschlossenen Brennstoffkreislauf gibt es real nicht. Nur ein Teil des Materials kann in neu hergestellten Brennelementen wieder verwertet werden – als Rest bleibt atomarer Müll, der vom Volumen her noch größer als die ursprünglichen Brennelemente ist und von Deutschland wieder zurückgenommen werden muss. Nicht nur ökonomisch ist das Vorgehen fragwürdig. Technisch haben sich Wiederaufbereitungsanlagen als gefährlichster Schritt in der Atomenergienutzung erwiesen. Im Vergleich zu Kernkraftwerken geben sie im Normalbetrieb erheblich größere Mengen radioaktiver Substanzen an die Umwelt ab. Hinzu kommen die Transporte – in die Wiederaufbereitungsanlagen wie zurück in die deutschen Zwischenlager -, die immer wieder große Proteste in der Bevölkerung hervorrufen.

    Wer mehr Argumente gegen Atomkraft sucht, findet sie in der Studie des Öko-Instituts unter http://nrwspd.net/db/docs/doc_20081_2008919103748.pdf.

  5. Zonk 19. September 2008 · 14:39 Uhr

    Na toll!

    Ypsilanti´s Programm z.B. sieht vor, dass für Kraftwerke 10 Täler geflutet und 40 Standorte entlang von Flüssen mit Fliesskraftwerken bestückt werden sollen. Und dass wir hinsichtlich Kernkraftwerken ein Denkverbot haben.

    Also denk ich parteilininetreu nicht drüber nach, sondern sprech es aus:

    Was machen wir, bis die Solartechnik soweit ist? die Täler in Deutschland geflutet und die Wasermassen aufgestaut sind?

    Uns von den co2- Drecksschleudern die Lungen verpesten lassen?

    Aber wir sind ja solche Gutmenschen! Bei uns kommt der strom aus der Steckdose, nicht aus den Kernkraftwerken!

    Dass aus Wackelreaktoren wie Tremelin oder aus französischen Reaktoren Kapazitäten gekauft werden, damit unser Energiebedarf gedeckt ist, das lassen wir mal unter den Tisch fallen!

    Darüber spricht „man“ nicht.

    Was sind wir doch für Gutmenschen…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.