Foto by: kris.hoet

Nie im Leben hatte ich es geglaubt- die Presse hatte schon seit Tagen von 40.000 Demonstranten gesprochen. Doch als ich – extra früh aus dem Ruhrpott angereist- am Samstag um 9 Uhr den Kölner Bahnhof verließ, konnte ich meinen Augen kaum trauen.

Alle um mich herum hatten das gleiche Ziel: der Roncalli- Platz neben dem Dom, auf dem ab 10 Uhr die Kundgebung stattfinden sollte. Selber Kind der Schüler- Anti- Irak- Krieg- Demonstrationen war von solchen Massen natürlich begeistert und gesellte mich zunächst zu den schwul –lesbischen Kölner- Chören, die bei strahlendem Sonnenschein vor dem Dom ein morgendliches Ständchen sangen. Mit meinem Brötchen in der Hand und der Sonnenbrille im Gesicht bekam der Begriff „Demo- Tourist“ da ganz neue Bedeutungen.

„Bunt statt Braun“- einer der vielen Motti der Demonstration trat dann während der Demonstration richtig zu Tage. Gruppen jedes gesellschaftlichen Couleurs hatten sich gemeinsam gegen Rechts aufgestellt. Da stand die Oma neben dem vermummten Schwarzen Block und versperrte gemeinschaftlich die „Pro Köln“- Kundgebung auf dem Heumarkt. Neugierig lief ich selbst von Blockade zu Blockade und beobachtete das Treiben. Dabei fand ich auch meinen Lieblingsdemospruch „Der Dom braucht eine Freundin“, von einem jungen Teenager in pink neben eine Moschee auf ein Plakat gepinselt. Kein bisschen fehlte mir die unterschwellige Aggressivität, die man sonst auf solchen Demos von beiden Seiten zu spüren bekommt. Alle schienen guter Laune zu sein, vielleicht auch wegen der Musik von „De Höhner“, die im Zuge der „Asch huh, Zäng ussenander“- Aktion gerade ohrenbetäubend die Rechten beschallten. Auf dem Weg zum Rhein fand ich dann zum ersten Mal außerhalb des Heumarktes doch noch ein paar Rechte, die sich wohl verlaufen hatten und nun von der Polizei zurück zum Rest der braunen Herde gebracht werden mussten. Für die Nazi- Gegner natürlich ein gefundenes Fressen: unter Schmunzeln der Polizisten piesackte man die Eingekreisten ob ihrer Blödheit. Dies alles verlief jedoch ganz ruhig, wie der Großteil der gesamten Aktion. Auch wenn es immer wieder mal ein paar kleine Zwischenfälle gab, konnte man eigentlich nur beeindruckt von dem friedlich kreativen kölschen Protest sein. Als dann auch noch so gegen Mittag die Nachricht von der Auflösung der „Anti- Islamisierungskundgebung“ kam, war die Freude groß. Besser hätte man wohl kein Signal gegen die Beschränktheit, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit der sogenannten Bürgerinitiative „Pro Köln“ setzen können.

Das sagen auch:

Der Kölner Stadtanzeiger

Die taz

Die Welt

Die tagesschau



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