Archiv: Juli 2009

foto by: Andreas-photography

„Wie ich erfahre, hat dieser Beitrag im Verlag der WAZ-Gruppe zu erheblichen Irritationen geführt. Von besonderer Bedeutung ist dabei für mich, dass die Irritationen sich auch auf mich und die Landesregierung auswirken. Es wird kritisch angemerkt, dass durch das Schalten von Anzeigen und die Unterstützung von Beilagen indirekt eine Art negativer Wettbewerb unterstützt wird.“

Der Verfassser dieser Zeilen ist der Regierungssprecher des Landes Nordrhein-Westfalens, Hans-Dieter Wichter. Sie stammen aus einem vertraulichen Brief an Helmut Markwort, den Chefredakteur des in München erscheinenden Magazins Focus. Worum ging es? Der Focus produzierte für seine Ausgabe am 15. Juni 2009 eine Sonderbeilage mit dem Thema Nordrhein-Westfalen. Eine Verlagsbeilage, wie man sie zuhauf kennt, und zwar aus den meisten Printmedien: Ein paar positive Artikel über, sagen wir, die Energiewirtschaft, garniert mit ein paar schönen bunten Anzeigen der großen Energiekonzerne, und alle Beteiligten sind zufrieden. Gemacht nicht gerade für den kritischen Leser. Die Artikel haben den Tenor: Energie ist gut, Energiekonzerne sind fortschrittlich und modern, und genau das ist im Interesse der Anzeigenkunden. Bei den Leitmedien bedient man gerne auch das obere Segment mit Beilagen über Yachten oder Golf.

Solche Beilagen finanzieren sich durch Anzeigen. Und irgendwie mag sich manch einer, der ein bisschen Macht zu verteidigen hat, schon daran gewöhnt haben, dass man auf diese Weise einen erwünschten Content nahezu ‚kaufen‘ kann – der dann schlimmstenfalls im Design und Layout des Mediums daherkommt und so kaum mehr unterscheidbar ist von redaktionellen Beiträgen.

Das ist zwar bei der Focus-Verlagsbeilage zum Thema Nordrhein-Westfalen nicht der Fall, aber hier waren, passend zum Thema NRW, Anzeigen diverser Landesgesellschaften geschaltet. Nun geschah das Wunderbare:


An der NRW School of Governance wird am 7. Juli öffentlich über Politik diskutiert. Franz Müntefering und Professor Karl-Rudolf Korte sprechen über Globalisierung, Wirtschaftskrise und Demokratie. Aber auch Parteien, Partizipation, Medien und Jugend sind Thema. Da kann man entweder hingehen oder sich via YouTube und Twitter einbringen.

Wer Lust hat kann seine Fragen per Video auf YouTube hochladen und die werden dann im Gespräch aufgegriffen. Für eine direkte Beteiligung an der Diskussion wird die Veranstaltung auf Youtube als Livestream übertragen (Link auf der der Seite von www.nrwschool.de). Per Twitter kann man sich mit gezielten Fragen einbringen.

Wer hingehen möchte: 7. Juli 2009, 11 bis 13 Uhr, Campus Duisburg, Gebäude LB, Raum 104, Lotharstraße 65, 47057 Duisburg


Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.