Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede im Katschhof Aachen

Die gestrige Veranstaltung  der SPD in Aachen lässt sich am Besten frei nach Franz Müntefering zusammenpassen: Wetter gut, Stimmung gut, alles gut.

So begann die Wahlkampfveranstaltung der SPD pünktlich um 16.00 im wunderschönen Katschhof mit der „Jazzhouse Band“ aus Aachen, die zur Einstimmung etwas zwischen Jazz, Swing und bekannten Hits, wie La Cucaracha spielten.

Die Aachener Jazzhouse Band auf der Bühne

16:14 Uhr: Die Band macht eine Pause, alles wartet gespannt, ein Glockenschlag unterbricht die Stille. Die obligatorischen BKA Beamten im üblichen Anzug (Schwarz, eng anliegend mit goldener Kravatte) schauen sichtlich angespannt (wie immer) über den engen aber mit wunderschönen alten Gebäuden umrahmten Platz. Um die Pause zu füllen stellt sich die Band kurz vor und fängt danach wieder an zu spielen.

16:30 Uhr: So langsam regt sich etwas auf dem Platz. Sowohl die Anhänger von attac (mit Schildern) als auch eine kleine Gruppe von Piraten (mit Fahne) formieren sich im hinteren Bereich des Platzes.

16:40 Uhr: Das erste unruhige Gemurmel entsteht. Um die (anscheinend ungeplante) Pause zu füllen, stellt sich die Band ein zweites Mal vor und endlich kommt der Moderator auf die Bühne.

In den folgenden Diskussionrunden fällt ein Teilnehmer durch engagiertes Reden auf: Der SPD Europaabgeordnete Martin Schulz nimmt das im Hintergrund läutende Glockenspiel als Startschuss zu einem imposanten Auftritt: „Bei einem Stundenlohn von 2,73 (die eine Zeitarbeitsfirma in Wuppertal zahlt) fällt dem Ministerpräsidenten Rüttgers nichts anderes ein als gegen Ausländer zu hetzen! […] Wer daher nicht will, dass Deutschland als Investitionsland zurückfällt, der muss dafür sorgen, dass Rüttgers schweigt!“ Dass die kommende Wahl eine wirkliche Richtungsentscheidung und nicht nur ein (bei jeder Bundestagswahl) dahergesagter Satz, konnte er auch sehr deutlich klarstellen: „Wir wollen  den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit am gleichen Ort. Während die einen keine Mindestlöhne wollen und die anderen die bestehende Tarifautonomie abschaffen wollen. Wenn das keine Richtungsentscheidung ist, dann weiß ich es auch nicht.“ Sein deutlicher, alles andere als langweiliger Auftritt wird vom Publikum mit Applaus belohnt.

Ulla Schmidt bei ihrer Rede in Aachen

Als um 17.40 Ulla Schmidt auf die Bühne kommt, hängen die Erwartungen daher hoch, doch Ulla Schmidt kann sie nicht ganz erfüllen. Im Gegensatz zu Martin Schulz sind ihre Statements oft sehr lang, öfter sehr komplex (z.B. beim Thema Gesundheit) und ihr will es icht ganz so gut gelingen, an die Spitzen von Martin Schulz heranzukommen. Auch Ulla Schmidt spricht den Treppenwitz der Geschichte an, dass in den USA jetzt Präsident Obama darum kämpft, eine staatliche Krankenversicherung einzuführen, während hier Schwarzgelb genau diese nach der Wahl abschaffen will.

Aachener Jusos beim Empfang von Frank-Walter Steinmeier

Um 18.05 ist endlich Frank-Walter Steinmeier angekommen. Schnell bahnt er sich einen Weg durch die Menge, durch das wartende Spalier der Jusos und kommt ebenso schnell auf den politischen Gegner zu sprechen: „Westerwelle hat neulich wieder gesagt: Solidatrität ist staatliche finanzierte Faulheit. Schwarzgelb droht unser Land zu spalten.“ Auch zu Herrn Rüttgers hat Frank-Walter Steinmeier etwas zu sagen: „Dieser Mann richtiet mit seinen Sätzen mehr Flurschäden an, als ein guter Außenminister in Monaten wieder reparieren kann. Rüttgers braucht Zeit, weil er sich die Welt einmal anschauen muss, über die er so locker spricht. Was mich wirklich ärgert ist, dass sich dieser Mann auf Johannes Rau bezieht. Rau würde sich so etwas verbitten und wir dürfen das nicht zulassen, dass sich so jemand noch länger auf ihn beruft.

Auch zu den mittlerweile wieder hochgehaltenen attac Schildern (auf denen SOFORT RAUS AUS AFGHANISTAN! steht) geht Frank-Walter ein: „Wir sind damals nicht kopflos nach Afghanistan reinmarschiert und wir dürfen jetzt nicht kopflos einfach wieder rausgehen.“

Zum Schluss seiner Rede stellt er eine Frage ans Publikum: „Welcher Vorschlag, den wir zur Wirtschafts- und Finanzkrise im Kabinett ernsthaft weiterverfolgt haben, kam in den letzten Monaten von der CDU?“ – Stille – „Tja, mehr fällt mir dazu auch nicht ein. Wer nicht gestalten will, der darf auch nicht regieren!“

Frank-Walter beim Abschiedsfoto in Aachen

Am Ende gibt es (neben den üblichen Pressefotos mit Juso-Umrahmung) einen großen Applaus eines Publikums, das anfänglich skeptisch war aber durch Martin Schulz und Frank-Walter Steinmeier zumindest am Montag wieder positiv über die Sozialdemokratie in Aachen gesprochen hat.


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentare sind geschlossen.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.