Es ist Montag, der 21. September. Nach einem anstrengenden Wochenende finde ich meistens eher schlecht in die Arbeitswoche hinein, deswegen sind Wahlkampfveranstaltungen immer eine besonders schöne Abwechslung. Heute sind wir unterwegs in Bochum. Ich habe jetzt schon einige Veranstaltungen begleitet, habe sowohl Hannelore Kraft als auch Frank-Walter Steinmeier mehrmals gehört aber dennoch ist jede Veranstaltung für mich immer etwas ganz Besonderes.

Erstens bekomme ich so viele Orte und Ecken von NRW zu sehen, die ich als Niedersachse wohl nicht gesehen hätte. Zweitens ist jede Veranstaltung anders. Manche hatten eher den Charakter eines Familienfestes (wie am 6. September in Herne), manche waren eher außerhalb (wie Duisburg) und manche spielten sich mitten in der Innenstadt ab – so wie heute in Bochum. Deswegen ist natürlich das Kribbeln im Bauch und die Gedanken, die ich mir jedes Mal mache (wie viele Leute kommen, wie wird das Wetter, wie gut kommen die Reden bei den Menschen an?), nicht geringer, im Gegenteil.

Der Platz heute ist randvoll, das Wetter ist super und die Stimmung wirklich sehr gespannt und erwartungsvoll. Heute scheinen sich nach den Drohungen am Wochenende die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BKA eher nicht um Unauffälligkeit zu bemühen. Statt Anzüge dominieren heute definitv dunkelgrüne Uniformen überall. Die obligatorischen Kontrollen an den Presseeingängen sind heute noch genauer als sonst und nach kurzer Besprechung bleibe ich lieber außerhalb des Pressebereichs, um die tolle Stimmung besser mitzunehmen.

Es ist kaum möglich, einen guten Platz -vor allem einen Sitzplatz- zu finden, deswegen gehe in die örtliche Filiale einer großen, grünen Coffeehouse-Kette, um in Ruhe diesen ersten Eindruck schreiben. Draußen hat gerade die Begrüßung angefangen. Überall sind rote Schilder und Tshirts, Krawatten, Fahnen, Transparente und Schilder zu sehen. Viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sind heute anwesend. Von Orange oder gar Schwarz ist nichts zu sehen. Bochum ist fest in sozialdemokratischer Hand!

Etwas Abseits hat die schwarze Konkurrenz anscheinend einen örtlichen Waffelstand angemietet. Auf den ersten Blick ist er kaum als Wahlkampfstand zu erkennen. Nur ein paar Plakate an der Rückwand und zwei Frauen, die zur Waffel ein paar Flyer geben wollen und die üblichen Utensilien in der Auslage zeigen, dass dies ein etwas anderer Stand ist. Wenn man aber den Waffelbäcker zum aktuellen Wahlkampfprogramm fragt, sagt der nur: „Keine Ahnung. Ich mach hier nur die Waffeln.“

Direkt daneben stehen die GRÜNEN mit einem klar erkenntlichen Stand. Der ist aber genauso verlassen, wie der Waffelstand, im Gegensatz zum Platz, der sich mit immer mehr Menschen füllt.

Draußen läuft der SPD-Wahlkampfspot auf der Leinwand. Frank-Walter Steinmeier ist gerade angekommen.

Es ist 17:10 Uhr. Mit dem zweiten Kaffee in der Hand kann ich draußen einen Platz ergattern. Viele Menschen sind aufgestanden und drängen sich nach vorne, um einen besseren Blick auf Hannelore Kraft und Frank-Walter Steinmeier zu ergattern.

Hannelore Kraft hält wieder eine starke Rede. Eines ihrer zentralen Themen heute ist das so genannte Steuerkonzept der FDP. Eine Zahl bleibt dabei besonders hängen: Wenn der Spitzensteuersatz so gesenkt wird, wie die „Liberalen“ das wollen, dann würde der durchschnittliche Spitzenmanager eines DAX 30 Konzerns 400.000 Euro jedes Jahr an Steuern sparen. Wie das dem Mittelstand (der weit unter dem Spitzensteuersatz liegt) nützen soll weiß wohl niemand.

Nun steht Frank- Walter auf der Bühne. Er kommt schnell auf die Opel-Rettung zu sprechen. Ein Unternehmen, das übrigens ein bestimmter Wirtschaftsminister lieber in die Insolvenz jagen wollte. Ohne die Sozialdemokratie wäre das wohl auch passiert, mit einem vernichtenden Ergebnis für die Arbeitsplätze von Opel in Bochum. Nicht nur aber auch deswegen braucht Deutschland eine starke Sozialdemokratie.

Für Frank-Walter ist das Rennen noch nicht gelaufen: „Seit dem TV-Duell kämpfen wir mit Rückenwind! Ich sehe eine starke SPD!“

Warum der nächste Sonntag eine Richtungsentscheidung ist, bringt Frank-Walter wieder schön auf den Punkt: „Frau Merkel will Schwarzgelb. Das ist der Rückweg in die 90er Jahre. Das bedeutet Steuersenkungen für wenige und sozialer Kahlschlag für viele Menschen. […] Ohne Sozialdemokraten in der Regierung sähe dieses Land anders aus.“

Es sind noch 5 Tage bis zur Bundestagswahl. Würden die Menschen auf dem Platz heute die Entscheidung treffen dürfen, hätten wir dann einen neuen Bundeskanzler: Frank-Walter Steinmeier.


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3 Kommentare

  1. Hannelore Kraft, die Vorsitzende der NRWSPD, verteidigt Dortmunds gewählten OB Ullrich Sierau (SPD) » Pottblog 23. September 2009 · 10:08 Uhr

    […] Das Bild von Hannelore Kraft ist von ihrer Rede beim Besuch von Frank-Walter Steinmeier in Bochum (einen Tag […]

  2. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier attackiert Jürgen Rüttgers (CDU) in Dortmund » Pottblog 24. September 2009 · 14:29 Uhr

    […] Das Bild von Frank-Walter Steinmeier ist von seiner Rede beim Besuch von Frank-Walter Steinmeier in Bochum (einen Tag zuvor). die war nachher einfach voll [↩]der dann nach mehr als zwei Stunden […]

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