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Hier Nachzulesen: die Mails zwischen Berger, Wüst und Heidmeier, wie sie in der Presse zitiert wurden.

Boris Berger ist in der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei Leiter der Abteilung „Regierungsplanung“. Er gilt als enger vertrauter Rüttgers‘.

Hendrik Wüst ist Generalsekretär der CDU NRW.

Matthias Heidmeier ist Pressesprecher der CDU NRW.

Zur Information: Die Staatskanzlei hat die Aufgabe, allgemeine Regierungsplanung und Ressortkoordination zu betreiben. Ihr unterliegen Protokollangelegenheiten genauso wie die Rechtsaufsicht über den Rundfunk, aber auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung. Trotzdem ist die Staatskanzlei als Landesbehörde zur Neutralität verpflichtet: Sie darf Regierungsarbeit betreiben, aber keine Parteiarbeit.

Es beginnt mit einer Mail des stellvertretenden Parteisprechers Thorsten Müller, der seinem Chef Matthias Heidmeier Bericht erstattet über einen Auftritt von Hannelore Kraft in Köln.

„800 Leute inklusive JU; zu Rüttgers: wahres Gesicht hat er gezeigt, kein Missverständnis was Rumänien angeht (insgesamt sehr wenig dazu, ich glaube sie hat die Handbremse angezogen). Insgesamt nicht ergiebig, aber sie zeigt Nerven bei Störungen.“

Heidmeier leitet diese Infos an Hendrik Wüst und Boris Berger weiter. Berger antwortet Heidmeier:

„Gute Infos, danke! Wie bündeln wir solche Infos, wir [sic] organisieren wir die dauerhafte Beobachtung und Archivierung der Infos?“

Heidmeier antwortet:

„Toto Müller hat das jetzt im Griff. Jeder Auftritt von Kraftilanti mit Tonband und Kamera. Das Material machen wir zugänglich.

Dieser gesamte Mail-Dialog spielt sich am 8. September 2009 ab.

Die CDU reagiert inzwischen auf das berühmte „Rumänen- Video“, das ein Amateurfilmer, der nebenbei Juso ist, bei einer  Wahlkampfveranstaltung in Münster aufgenommen hat. Dünnhäutig setzen die Verantwortlichen in großem Stil Kamerateams der Produktionsfirma Segami-TV auf Hannelore Kraft an – offenbar auf der verzweifelten – und aussichtslosen – Suche nach Faux-pas, mit denen sie es der SPD heimzahlen können. Dieses Vorgehen wird nun öffentlich und wird in der Presse überwiegend kritisch besprochen. Generalsekretär Wüst erklärt ohne Scham und offenherzig, das sei seit Jahren gängige Praxis bei der CDU, den Gegner derart zu überwachen. Boris Berger richtet nun, am 17.09.2009, erbost das Wort an Wüst und Heidmeier:

„Bei aller Freundschaft, da ist richtig Scheiße angerichtet worden! Ohne Not dicke Hose vorgetäuscht und dafür noch Prügel bekommen! Das ist das zweite Eigentor, das wir in zwei Wochen schießen! BB“

– Das erste Eigentor war die Rumänen-Affäre. – Wüst antwortet geknickt:

„Wohl richtig. Wir hatten primär das Ziel, den Eindruck zu vermeiden, dass das ne Reaktion auf die Rumänen war. Dabei haben wir uns gleich mehrere Eigentore geschossen.“

Und Heidmeier schreibt Berger:

„Das Professionelle ist scheiße genauso wie das Systematische, aber alles ist ohne das Rumänen-Video nicht zu verstehen.“

— Fortsetzung folgt.

Update: Im Tagesspiegel findet sich ergänzend das Zitat von Matthias Heidmeier, „dass das Adenauer-Haus selbstverständlich Videoüberwachung macht.“


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Ein Kommentar

  1. Weblog der NRWSPD 9. Dezember 2009 · 10:01 Uhr

    […] Diese Vorgänge waren jedoch sowohl innerhalb der Landes-CDU als auch in der Staatskanzlei von Anfang an bekannt und mehr noch: geplant. Pikanterweise kam dies erst an die Öffentlichkeit, als ein vertraulicher E-Mail-Verkehr zwischen dem Generalsekretär der CDU NRW, Hendrik Wüst, dem Staatskanzlei-Abteilungsleiter und engen Rüttgers-Vertrauten Boris Berger und dem Pressesprecher der CDU NRW, Matthias Heidmeier, an die Presse gelangten. […]

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