Hendrik Wüst, Generalsekretär der CDU NRW, hat offenbar Gedächtnislücken. Und das mit 34. Überhaupt hat er es nicht leicht. 9756 Euro Diäten als Landtagsabgeordneter und 8000 Euro Gehalt von der CDU bedeuten eine gewaltige Bürde. Man hat ja auch so viel Verantwortung. Da kann man schon mal vergessen, seinem Arbeitgeber, dem Landtag Nordrhein-Westfalens, mitzuteilen, dass man von seinem anderen Arbeitgeber, der CDU NRW, 120 Euro monatlich an Zuschüssen zu seiner privaten Kranken- und Pflegeversicherung bezieht. Wüst hatte nämlich gleichzeitig vom Landtag den Höchstsatz von 310 Euro monatlich erhalten – die 120 Euro hätten aber davon abgezogen werden müssen.

Natürlich musste Wüst als Abgeordneter zu Beginn der Legislaturperiode per Fragebogen durch Ankreuzen der entsprechenden Felder Angaben über die Art seiner Krankenversicherung machen. In diesem Fragebogen ist die Passage fett gedruckt, dass der Politiker den Beginn einer Bezuschussung von anderer Seite dem Landtag mitzuteilen hat. Dennoch sei es dem Volljuristen leider durchgegangen, diese Angaben zu machen; es sei ihm „nicht bewusst“ gewesen. Vom Focus-Magazin daran erinnert, habe er die 6100 Euro denn auch gleich.. usw. usf.

Als Ratsmitglied der CDU-Fraktion in seinem Heimatort Rhede kassierte Wüst darüber hinaus seit 2004 jeden Monat eine Pauschale von zuletzt 184 Euro. Rhedes Bürgermeister Lothar Mittag bestätigte gegenüber der WAZ, Wüst habe allerdings nur 16 von 36 Ratssitzungen besucht und an Fachausschüssen habe er gar nicht teilgenommen. Wüst räumte ein, wegen „terminlicher Überschneidungen“ habe er 2009 auch nicht mehr für den Rat kandidiert.

Und so windet er sich, Hendrik Wüst, der Hardliner, der wie kein zweiter für eine gnadenlose Law-and-Order-Mentalität steht. Noch wenige Tage vorher hatte der Hobby-Jäger härtere Strafen für jugendliche Straftäter gefordert. Irgendwie fällt es einem schwer, Mitleid mit ihm zu haben. Offenbar geht das aber nicht nur seinem politischen Gegner so. Als die Öffentlichkeit von der in der Staatskanzlei mitgeplanten Kameraüberwachung der SPD-Landeschefin Hannelore Kraft erfuhr, schlug Wüst um sich und posaunte alle möglichen Unterstellungen und Verdächtigungen in die Welt – bis sich der Maulwurf als Mitarbeiter der CDU NRW indentifizieren ließ und gegangen wurde. Wie gelangten nun Wüsts Doppelbezüge zum Focus? Nicht umsonst heißt die CDU NRW auch intern das „Intrigantenstadl“.

Ein paar ausgewählte Pressestimmen:

Westfälischer Anzeiger: „Als Jurist treffe Wüst besonders schwere Schuld“.

Rheinische Post: „Unkenntnis über die glasklaren Vorschriften schützt vor Strafe nicht. Das weiß auch der ausgebildete Jurist Wüst. […] mehr als peinlich für den forsch auftretenden ‚General‘ der NRW-CDU, der sich in der Attitüde des Saubermanns gefällt“

Westdeutsche Allgemeine: „Der im Umgang mit dem politischen Gegner so gar nicht zimperliche Generalsekretär der NRW-CDU wird plötzlich ganz großzügig, da es um die eigene Sache geht. […] Er ist ein verbaler Schnellschießer, dem das Wort ‚Lüge‘ sofort von den Lippen kommt.“

Bild: „Lügner oder Dummkopf! […] Diese Einteilung und die Rücktrittsforderung sind nachvollziehbar, wenn man die hohen Maßstäbe betrachtet, die Wüst stets an den politischen Gegner anlegt.“


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3 Kommentare

  1. Werner Tschoepe 6. Dezember 2009 · 18:13 Uhr

    Herr Wüst ist einfach nur absolut GIGA PEINLICH und eine GIGA Schande für jeden aufrechten Demokraten und Christen!

  2. Dieter 16. Dezember 2009 · 13:00 Uhr

    Da Herr Wüst ja immer „wüst“ auf andere rein haut? kann ich mir vorstellen das er jetzt die Hose voll hat.
    Als Jurist muß er ja wissen was man alles zahlen muß wenn man LT-Abgeordnerter ist, aber Jurist Wüst hat eine Demenz, denn er kann sich nicht erinnern an den Schriftstück der Präsidentin des NRW-LTGs.
    Juristen lesen sehr sorgfältig ihre Papiere, aber Herr Wüst nicht, sondern beleidigt in anderen Parteien, Vorsitzende, Mandatsträger, Arbeitsgruppen und Herr Wüst ist immer der CDU-Strahlemann, nein wär sowas macht was Herr Wüst im Landtag von NRW gemacht hat, Geld entgegen nehmen was ihn nicht gehört der muß bestraft werden, härter wie die Verkäuferin (1,36€) oder die Frau 3 halbe Brötchen vom Tisch des Chefes nahm, das waren Beschäftigte mit Mindestlohn 5,00- 6,00 € Herr Wüst bekommt 17000 € wo ist da die Grechtigkeit.

  3. Schulte 30. Dezember 2009 · 10:07 Uhr

    Dieser Mann ist eine Beleidigung für alle Juristen
    und für die Wähler nicht hinnehmbar. Unverständlich, dass die CDU einen solchen Mann nicht in die Wüste schickt. Ich hoffe, die Wähler erinnern sich um Mai an solche Vorgänge.

    Josef
    30.12.2009

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.