foto by: alasam

Es ist so: Wenn man bei der CDU einmal etabliert ist, kann man noch so viel Mist bauen – man fällt immer auf die Füße. Vielleicht wird man mal ein wenig gerügt, damit die Öffentlichkeit zufrieden ist. Aber innerhalb der in Stein gemeißelten Machtstrukturen greifen in der CDU alte Treue-Bündnisse. Hinter geschlossenen Türen schlägt man sich krachend auf die Schulter und sichert sich zu, stets weich zu fallen.

So geschieht es jetzt mit Ex-Bau- und Verkehrsminisgter Oliver Wittke: Er bekommt einen guten Listenplatz 7 auf dem silbernen Tablett serviert (Aachener Nachrichten und WAZ von heute). 2005 besetzte der Gelsenkirchener noch Platz 10 der Landesliste. Rüttgers und die CDU scheinen sich nicht weiter an Wittkes diversen Unanständigkeiten zu stören. Sein Abloosen als Verkehrsminister mit 109 km/h in der 50-Zone, sein „Ich kann auch mit Doofen“, seine unangemessenen Äußerungen über Amtskollegen, Marktvorteile für seinen neuen Arbeitgeber durch Insiderinformationen – bei der CDU alles verjährt.

Verkehrsminister Wittke wird im November 2008 bei massiver Geschwindigkeitsüberschreitung innerhalb einer geschlossenen Ortschaft geblitzt und muss seinen Lappen abgeben. Am 11. Februar 2009 tritt er deswegen von seinem Ministeramt zurück – Rüttgers rügt ihn öffentlich. Im Juni des Jahres wird dann bekannt, dass Affären-Olli einen neuen Job als Projektleiter beim Dinslakener Bauunternehmen Hellmich antritt- eine umstrittene Entscheidung, da Wittke als Ex-Bauminister über Spezialinformationen über den Markt verfügt. Generalsekretär Hendrik Wüst hält Händchen: Da Wittke als Abgeordneter ja nur knapp 10 000 Euro verdiene, könne man ja verstehen, dass er einen Fuß in der freien Wirtschaft behalten wolle. Zudem bleibt Wittke wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Wie will er diese Jobs voneinander trennen, ohne dass dem Mittelständler und MSV-Duisburg-Mäzen Hellmich Marktvorteile daraus erwachsen?

Besonders verärgert Wittke auch Fraktionskollegen, als er tönt, er habe sich als Landtagsabgeordneter quasi gelangweilt: “Früher habe ich für einen Job 200 Prozent gegeben, also kann ich zwei Jobs zu 100 Prozent erledigen”. Ja klar. Landtagsabgeordneter zu sein ist ja praktisch nur ein halber Job.

Wittke ist natürlich nicht der einzige, der in letzter Zeit bei der CDU weich gefallen ist. CDU-Generalsekretär Hendrik „Ich-habe-mich-nicht-angesprochen-gefühlt“ Wüst beispielsweise musste noch nicht einmal der Form halber seinen Posten kurz verlassen – wäre auch zu doof für Rüttgers gewesen so kurz vor der Landtagswahl. Dabei kassierte Wüst über Jahre hinweg zu hohe Zuschüsse zu seiner privaten Krankenversicherung. Eine Runde öffentliche Reue bekunden, und weiter geht’s. Wenn es um eigene Belange geht, wird der bissige Law-and-Order-Hardliner Wüst plötzlich ganz sozial und tolerant. In der CDU gibt es Netzwerke und Allianzen in Burschenschaft-Manier, denen der persönliche Profit und Machterhalt der Mitglieder am Herzen liegt. Politik zu machen steht da gar nicht im Vordergrund. Einmal in diesen Netzwerken etabliert, kann man bei der CDU nur noch weich fallen.


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentare sind geschlossen.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.