In seiner heutigen Regierungserklärung zog der versierte Ministerpräsidenten-Darsteller Jürgen Rüttgers im Düsseldorfer Landtag erneut alle Register seines Könnens. Über eine Stunde lang lauschte er verzückt und mit teilweise verschlossenen Augen den (gewichtigen) eigenen Worten. Dabei okkupierte er mal wieder penetrant die alte Johannes-Rau-Formel „Wir in Nordrhein-Westfalen“ – nur dass das bei Rüttgers immer eher nach Pluralis majestatis klingt als nach Gemeinsinn und Solidarität…

Mit betont tiefer Stimme und demonstrativ sorgenzerknitterter Stirn präsentierte Rüttgers ein wahres Feuerwerk an Ideen, Konzepten und visionären Zukunftsplänen. Das NRW der Zukunft, hier gewann es Gestalt! Der Scharfsinn und die Prägnanz von Rüttgers Analysen und Forderungen müssen beeindrucken – daher an dieser Stelle eine kleine Auswahl seiner tiefschürfenden Thesen:

„Vier Themen sind wichtig für NRW: Bildung, Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft!“

„ Wir sind ein Industrieland!“

„Für Innovation brauchen wir die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft!“

„Bildung ist eine Schicksalsfrage!“

„Ökologie und Ökonomie dürfen nicht als Gegensatz begriffen werden!“

Donnerknispel. Der Mann offenbart Sachverstand und Weitblick. Dennoch hat er einige wegweisende Erkenntnisse auf dem Weg in die Informationsgesellschaft unterschlagen, die ich an dieser Stelle gerne nachreichen würde:

„Eins und eins ist zwei!“

„Wasser ist nass!“

Oder:

„Nachts ist es dunkler als draußen!“

Nicht zu vergessen:

„Kaffee schmeckt heiß am besten!“

Damit wäre die Zukunft des Landes dann endgültig gesichert. Und auch für Jürgen Rüttgers wird sich nach dem 9. Mai sicher eine schöne neue Aufgabe finden lassen. Vielleicht als Rhetorik-Coach in der Laienschauspiel-Szene.

War sonst noch was? Ach ja: Rüttgers bedauert zutiefst, dass Kinder mit Migrationshintergrund oft „schlechter deutsch sprechen als ihre Eltern“ und zunehmend den Entschluss fassen, in ihre Herkunftsländer zurückzukehren (er meint Kinder, die hier geboren sind!). Das findet Herr Rüttgers gar nicht gut. Er meint: „In NRW muss jeder Mensch respektiert und geachtet werden, egal woher er kommt!“

So so.

Herr Rüttgers, wir haben da mal eine Frage:

Gilt das auch für Rumänen, Inder und Chinesen?


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