foto by: Altweibersommer

Blumenfreunde aufgepasst! Letzte Woche versuchte der nordrhein-westfälische Innovationsminister die Abgeordneten des deutschen Bundestags in Sachen Studienfinanzierung zu überzeugen. Die Idee, die hinter dem  „NRW-Stipendium“ stecke, sei auch für den Bund eine super Sache. Innig nennt er sein Modell ein „zartes Pflänzchen“. Trotz aller Liebe: Pinkwart fehlt der grüne Daumen. Dazu ein paar Überlegungen fernab der Botanik:

Worum geht es? Die schwarz-gelbe Landesregierung führte im vergangenen Jahr das „NRW-Stipendium“ ein. Mit ihm sollten die „besten“ 10 Prozent der Studentinnen und Studenten gefördert werden. Stipendiaten erhalten monatlich eine Förderung von 300 Euro. Getragen wird die Fördersumme zur Hälfte aus den Landestöpfen, zur anderen Hälfte von privaten Spendern der jeweiligen Universitäten. Klingt eigentlich toll. Wo liegt das Problem?

Erstens: Das Modell ist unsozial. Schon jetzt gibt es mit dem Bafög und dem bestehenden Stipendiensystem Instrumente der staatlichen Studienförderung. Sie sind weitaus durchdachter als das NRW-Modell, weil bei der Vergabe neben der notenbelegten Schul- und Universitätsleistung auch bürgerschaftliches Engagement, die Persönlichkeit und die soziale Herkunft der Studenten berücksichtigt werden. Schon jetzt sind Studentinnen und Studenten, die aus den sogenannten „bildungsfernen Schichten“ kommen, in der Begabtenförderung unterrepräsentiert. Das NRW-Modell wird diesen Trend verstärken. Ein kurzes Beispiel dazu: Nach dem Leistungsverständnis und der Denke des Innovationsministers haben zum Beispiel Studentinnen und Studenten, die einen Notenschnitt von 1,7 haben, sich sozial engagieren und nebenher jobben müssen, weniger geleistet als Studentinnen und Studenten, die einen Schnitt von 1,5 aufweisen können. Eine 1,5 ist zweifelsohne eine Top-Note. Dennoch: eine stärkere Differenzierung in der Gesamtbetrachtung ist von Nöten.

Zweitens: Das Modell ist kaum finanzierbar. 10 % der Studierenden in NRW möchte Pinkwart fördern. Bislang sind es lediglich 0,3 % und die Universitäten haben bereits jetzt teilweise Probleme, für ihren Teil des Fördertopfes private Geldgeber zu finden. Sollte, wie bei Schwarz und Gelb geplant, das NRW-Modell auf die Bundesebene ausgeweitet werden, droht die Sache in Gänze auszuufern. Denn nicht nur für potenziell zukünftige Stipendiatinnen und Stipendiaten muss Geld aufgetrieben werden, auch für aktuell Begabte soll die öffentliche Hand gelockert werden. Nach Regierungsplänen hat jede und jeder von ihnen demnächst monatlich 220 Euro mehr in der Tasche. Vielen Nutznießern selbst ist dies gar nicht so recht. Sie würden liebend gern auf das Pinkwart-Schavan-Geld verzichten und starteten gestern eine Online-Petition. Es dauerte nicht einmal 24 Stunden bis 550 Stipendiatinnen und Stipendiaten sich gegen die schwarz-gelben Pläne stellten. Pinkwart brauchte für 1200 ein ganzes Jahr.

Drittens: Das Modell ist nicht transparent. Wer Geld zahlt möchte in der Regel eine Gegenleistung. 62% der gestifteten Stipendien sind fachgebunden. Mit anderen Worten: Nach Ansicht der Geldgeber gibt es Studentinnen und Studenten, die etwas „Richtiges“ und es gibt jene, die etwas „Falsches“ studieren. Es bleibt nebulös, welche Kriterien hier jeweils gelten. Eine demokratische Bildungspolitik sollte dagegen von einer gewissen Offenheit geprägt sein oder gezielte Anforderungen zumindest demokratisch legitimieren. Das geschieht im Pinkwart-Modell nicht. Es hat zudem eine weitere Krux: in konjunkturschwachen Phasen dürften weniger private Geldgeber bereit sein, zu spenden. Doch gerade da werden gut ausgebildete Studentinnen und Studenten benötigt.

Fazit: Pinkwarts Zuchtblume ist nicht absatzfähig. Sie ist voller Dornen, in jungen Jahren bereits welk, ihr fehlt das Sonnenlicht. Die NRWSPD spricht sich daher im Wahlprogramm ausdrücklich für den Ausbau der auf Bundesebene bestehenden Studienförderung aus. Es ist gerechter, demokratischer und innovativer.

Das Programm der NRWSPD zum Download


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