Wer ist der Unbekannte?

Wer ist der Unbekannte?

Sigmar Gabriel, SPD-Chef und politisches Schwergewicht, stattete am Mittwoch Gelsenkirchen einen Besuch ab: Bei der Ruhrgebietskonferenz hatte Gabriel ein offenes Ohr für die SPD-Bürgermeister/innen aus NRW, wie sehr denn der finanzielle Schuh vor Ort drückt. Doch die Blicke zog an diesem Tag jemand anders auf sich – sozusagen der heimliche Star der Veranstaltung.

Schon als er durch die Eingangstür der Maschinenhalle Zeche Oberschuir lugt, erntet der junge Mann fragende Blicke: Wer ist der Kerl? Zugegeben: Schickes blaues Hemd – aber doch keiner von uns, oder? Vielleicht ein neuer Kollege von der Rheinischen Post, der sich als kritischen Möchtegern-Journalisten geben will? Oder doch ein Nachwuchs-SPDler vom Ortsverein Gelsenkirchen Bulmke?

Kurz vor zehn. So langsam füllt sich der Saal, gleich sollte die Ruhrgebietskonferenz beginnen  – zunächst wollten die Genossen alleine diskutieren, Journalisten konnten später dazu stoßen. Es geht sofort in die Vollen. „Dramatisch“ sei die Situation der Städte, sagt Sigmar Gabriel. Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz (was für ein Wort!) der Bundesregierung seien ihnen 1,6 Milliarden Euro entzogen worden. Und der „Raubzug“ gehe bald weiter: „Die geplanten 24 Milliarden Euro Steuersenkungen bedeuten zwei Milliarden weniger an Einnahmen für NRW.“ Eine Situation, unter der vieles leidet – Hannelore Kraft zählt die bitteren Pillen auf: Jugendhilfe, Drogenhilfe, Vereine, Schulen, Kindergärten. Um den Trend aufzuhalten beschäftigt sich die SPD im April nochmal intensiver mit dem Thema Kommunalfinanzen, außerdem soll ein Kommunalbeirat beim SPD-Vorstand eingerichtet werden.

Doch das interessierte bald nur noch wenige. Nach und nach begann die Musik woanders zu spielen, nämlich in den hinteren Reihen: Der junge Schnösel mit dem blauen Hemd hatte sich doch glatt in den Saal „geschummelt“ und mimte den Hinterbänkler. Rüttgers-Schelte vom SPD-Chef? Egal! Frank Baranowskis Reformvorschläge? Später! Wer zum Henker ist der, den keiner kennt? Die Nervosität steigt.

Während Hannelore Kraft gerade weiter über den Strukturwandel im Ruhrgebiet spricht, tuscheln die in schwarz gehüllten Sicherheitsmänner am Ende des Saals in ihre Walky-Talkies. Es wird gemunkelt, dass auch auf dem Dach schon Beamte vom Bundesnachrichtendienst per Wanze alles mithörten und Kameras die sensiblen Mitschriften des Mannes unter die Lupe nahmen.

Dann traut sich ein Genosse. Er schleicht sich zu dem unbekannten Objekt und setzt sich auf den Stuhl neben ihm. „Wer warst Du nochmal?“, fragt der SPDler mit seriöser Stimme, als ob gerade zwei Männer von Interpol und dem CIA aufeinandertreffen. „Ich bin Dennis Sohner, Mitarbeiter der SPD-Pressestelle.“ – „Landesverband NRW?“, hakt er ungläubig nach. „Genau.“ Hört’s und macht sich von dannen. Falscher Alarm.

 


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