Keine Ahnung, ob der deutsche Außenminister den Titel eines kürzlich veröffentlichten Papiers von Olivier Blanchard ähnlich übersetzt. Er ist englisch und schreibt sich „Rethinking Macroeconomic Policy“. Zu Deutsch heißt das: „Die Makroökonomie auf politikinhaltlicher Ebene überdenken“. Zu Deutsch heißt das:  „Hey Leute, so geht’s nicht weiter. Diese Sache mit dem ‚der freie Markt allein wird’s schon richten‘ war irgendwie doch nicht so das Wahre. Wir müssen etwas Anderes probieren“. Aber wahrscheinlich will das der deutsche Außenminister auch gar nicht hören.

Olivier Blanchard ist in seinem Arbeitsgebiet ein dicker Brocken. Er ist immerhin Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds. Sein Werk „Makroökonomie“ gilt als heilige Schrift für VWL-Erstsemester-Studenten. Er sagt nun: Die Politik der vollkommenen Deregulierung führt in die Sackgasse. Sein Wort hat Gewicht. Viele Volkswirte grübeln nach der Finanzkrise über sich selbst nach. Eine Branche braucht die Couch.

Immer mehr Ökonomen zweifeln an der Wirkungskraft der „unsichtbaren Hand“ des uneingeschränkten Marktes. Gustav A. Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie der Hans-Böckler-Stiftung, wies erst gestern im Gespräch mit Spiegel-Online auf die Kosten der staatlichen Lohnaufstockung hin. Michael Hüther, Horns Gegenüber im Institut der deutschen Wirtschaft, gestand in einem Interview mit fr-online jüngst ein: „In der Logik des Systems mit Grundsicherung und Tarifautonomie passt nur ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn“. Man müsse „höhere Löhne möglich machen“.

Recht hat er.  Die NRWSPD sagt das nur schon etwas länger. Im aktuellen Wahlprogramm heißt es: „Wer Vollzeit arbeiten geht, muss von seinem Lohn auch anständig leben können. Das verlangt die Würde des Menschen. Wer Mindestlöhne verweigert und weiter auf Niedriglöhne setzt, macht Menschen dauerhaft abhängig von staatlicher Hilfe“. Fast acht Millionen Beschäftigte, also fast jeder Vierte, halten sich mit solchen Jobs über Wasser, die im Politikersprech mit dem unheimlichen Wort „prekär“ bezeichnet werden. Familienverpflichtungen nicht mit eingerechnet.

Fazit: Der Mindestlohn muss her. Sonst wird das nichts mit dem Gleichgewicht. Gesellschaftlich und wirtschaftlich gesehen.

Siehe auch: Robert von Heusingers Beiträge im ZEIT-Blog und für die Frankfurter Rundschau


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Ein Kommentar

  1. Eine Ode an den Blaumann | Weblog der NRWSPD 30. März 2010 · 12:29 Uhr

    […] Lohndruck andere Menschen um ihre Existenz bangen müssen. Flächendeckende, gesetzliche Mindestlöhne sind daher das Gebot der Zeit. Sie sind im Kampf gegen die nach unten offene Lohnspirale eine […]

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.