Bürgersprechstunden gehören für Hannelore Kraft zum politischen Alltag genauso dazu wie das Rot zur SPD oder die Kartoffeln zum Kartoffelsalat: In ihrem Wahlkreis Mülheim an der Ruhr I hört sie sich regelmäßig die Sorgen und Nöte der Bürger an.

Diese Bürgersprechstunde war aber eine besondere. Denn diesmal waren es 13 Bürger auf einen Streich, die Hannelore Kraft das fragen konnten, was ihnen unter den Nägeln brennt – eingeladen hatten die Ruhr Nachrichten (zum Live-Ticker).

Leider konnte ich keinen der 13 Plätze ergattern und mir das Ganze hautnah anschauen. Stattdessen nahm ich mir heute bei Kaffee und Fleischwurst-Brötchen Zeit für eine ausgiebige Zeitungslektüre. Auch gut.

Was wollten die Haltener, Wittener oder Dortmunder denn da so alles wissen…? Ich kann euch ja mal etwas drüber erzählen.

Warum hat denn eigentlich die SPD den Willen, das dreigliedrige Schulsystem zu reformieren? Das wollte etwa ein Teilnehmer aus Dortmund wissen. Klare Sache für Hannelore Kraft: Wir haben „den Mut, weil wir sonst sehenden Auges in die Katastrophe schlittern. 20 Prozent eines Jahrgangs machen weder Schulabschluss noch Ausbildung. Das können wir uns nicht mehr leisten“.

Auf die Frage eines Halterners, wie die SPD denn verlorene linke Wähler wieder zurückholen wolle, nannte Hannelore Kraft etwa den SPD-Vorschlag, Vermögen bei Hartz-IV nicht mehr anzurechnen – und traf damit offenbar den Nerv des Fragenstellers. „Glaubwürdige Antworten. Sie geht auf die Bürger zu“, sagte der Mann später zufrieden über die Spitzenfrau der NRWSPD.

Doch genauso am Herzen liege ihr das Thema frühkindliche Betreuung. Zurzeit würden Erzieherinnen nur noch befristet eingestellt, weil sie nicht ausreichend Planungssicherheit hätten. „Ein Unding“, denn kontinuierliche Betreuung müsse sichergestellt werden. Ein weiteres Problem: Aktuell seien viele Kita-Gruppen zu groß. „Wir würden gerne Personal aufstocken.“

Und auch das Thema Arbeit stand auf der Frage-Liste der Teilnehmer. Hartz-IV-Empfänger in Arbeit zu zwingen sei „der größte Schwachsinn“, macht ein Mann aus Werne mit Blick auf die Forderungen von FDP-Chef Westerwelle seinem Unmut Luft. Zustimmung von Hannelore Kraft: Genauso sehe sie das auch. „Ich will keinen Zwang zur Arbeit, sondern ein Recht auf Arbeit“, machte die NRWSPD-Vorsitzende laut RN klar. „Denn Arbeit hat mit Würde zu tun.“

Ein gutes Schlusswort für einen Rückblick auf eine gelungene Runde, finde ich, oder? Am Ende waren alle Teilnehmer zufrieden: Für einen Abiturienten hat es sich „richtig gelohnt“, für eine Teilnehmerin aus Dortmund gab sich die SPD-Spitzenkandidatin „sehr natürlich“, „glaubwürdige Antworten“ habe er bekommen, sagt ein Mann aus Haltern, und einem arbeitslosen Sendenhorster machte Hannelore Kraft „wieder Hoffnung“ .

Die Bürgersprechstunde zeigt: Hannelore Kraft und die Bürger – das passt. Symbolisch dafür, ein Diskussions-Teilnehmer aus Werne: „Ich bin wieder SPD-Wähler“, sagte der Mann nach der Gesprächsrunde. „Das sagt alles.“

(Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten vom 17.03.2010)


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3 Kommentare

  1. Horst Körner 19. März 2010 · 19:29 Uhr

    Zur Wahl am 9.5.2010 inNRW habe ich an die Wähler eine Bitte. Bitte informieren sie sich über das Programm der einzelnen Partein. Nur daran kann man erkennen ob es eine Partei für alle Bürger in NRW ist. Die SPD ist noch immer
    eine Partei die ganz Deutschland im Blickfeld
    hat. Die FDP dagegen wird es nie werden, da für sie solidarität und Gemeinwohl Fremdwörter sind. Die CDU hat zwar ein C für christlich im Programm aber ihre Politik lässt die schwachen Mitbürger, siehe Mindestlohn, nicht am normalen Leben teilhaben. Auch das Intresse an den Kommunen bleibt auf der Strecke. Das werden die Bürger zu erst merken, wenn in den Kommunen und Städten aus Geldmangel
    vieles nicht mehr bezahlbar sein wird. Ich hoffe nur das der Wähler weiß ,wer diese
    Steuerausfälle zu verantworten hat. Der Bürgermeister und die Mitarbeiter in den Rathäusern bestimmt nicht.
    Horst Körner aus Berlin.

  2. Simon 23. März 2010 · 8:35 Uhr

    Ich habe diesen Artikel in den Ruhrnachrichten auch gelesen und er hat mich sehr überrascht. Die RN schreiben seit Wochen schlecht über die SPD, aber hier haben sie Bürger zu Wort kommen lassen und alle sprechen positiv über Hannelore und die SPD.

  3. Baby Name of the Day: Hannelore « Appellation Mountain | Baby name 6. April 2010 · 10:15 Uhr

    […] „Hannelore Kraft geht auf die Bürger zu“ | Weblog der NRWSPD […]

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