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91 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland sollte man denken, die Frage nach der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen sei nur noch rein rhetorischer Natur. In der Realität ist sie es nicht. Ein zum Jahresbeginn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) veröffentlichter Bericht zeigt, dass es besonders in den Führungsetagen großer deutscher Unternehmen noch immer Nachholbedarf gibt.

Die Untersuchung deckt auf, dass der Frauenanteil in den Vorständen der Top-100-Unternehmen im Jahr 2009 unter die Ein-Prozent-Marke gesunken ist. Bei den Aufsichts- und Verwaltungsräten sind es lediglich rund zehn Prozent. Diese Entwicklung schiebt kurz nach dem Weltfrauentag eine neue Diskussion darüber an, wie es um die Gleichberechtigung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt bestellt ist.

Die Telekom ist nun als erstes deutsches börsennotiertes Unternehmen vorgeprescht und hat sich selbst verpflichtet, weltweit bis Ende 2015 30 Prozent seiner oberen und mittleren Führungspositionen mit Frauen auszustatten. Es geht also doch. Aber warum eigentlich nur 30 Prozent? Immerhin sind rund zwei Drittel der Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge weiblich.

Aber wie sieht es mit dem Rest deutscher Unternehmen aus? Soll es dabei belassen und der Telekom gratuliert werden? Nein. Bundes- sowie NRWSPD fordern die Besetzung von mindestens 40 Prozent aller Aufsichtsratsmandate durch Frauen.  Doch damit ist es nicht getan. Zudem sei es vonnöten, den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ durchzusetzen. Dass dieser Vorsatz nicht einfach an den Haaren herbeigezogen ist, untermauern Erhebungen des statistischen Bundesamtes. Der Verdienstunterschied (Gender Pay Gap) zwischen Männern und Frauen liegt demnach immer noch bei 23 Prozent.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (ehemals Köhler) sieht die  Situation etwas anders. Sie spricht sich gegen die Einführung von Quoten in Aufsichtsräten aus. Laut TAZ gab Schröder an, Gesetze wirken lediglich „wie Cortison bei Hautausschlag“. Die ASF-Bundesvorsitzende Elke Ferner zeigt sich brüskiert.  Die Telekom habe „mehr begriffen als die Frauenministerin Schröder, die noch immer vor gesetzlichen Regelungen warnt. Sie hält weiterhin freiwillige Lösungen für wirksamer“.

Unabhängig davon, ob gesetzlich geregelte Quoten sinnvoll sind oder nicht, belegen die Zahlen, dass der Diskussionsbedarf  in Sachen Gender Mainstreaming noch nicht gestillt ist. Ich hoffe jedoch, dass es bei der derzeitigen Würdigung der Telekom zur Selbstverpflichtung wirklich um die Anpassung der Beschäftigungsverhältnisse an eine moderne Arbeitswelt geht und nicht um den Versuch des Unternehmens, sein Image aufzupolieren, welches unter dem Datenskandal und der Spitzelaffäre gelitten hat.

Eines ist allerdings unumstritten. Die Wirtschaft kann heute nicht mehr auf qualifizierte Frauen verzichten. Sie machen ein Unternehmen erfolgreicher und führen es souverän durch die Krise. Deshalb lässt sich eines zusammenfassend sagen: Women Matter!


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2 Kommentare

  1. Dietrich Zobel 20. März 2010 · 15:49 Uhr

    Ein Prozent – erschreckend!

  2. Heinrich Bolte 2. April 2010 · 0:49 Uhr

    Erschreckend? Es wird schon einen bestimmten Grund geben, warum Männer für bestimmte Positionen bevorzugt werden. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Gegner der Gleichberechtigung, aber langsam wächst uns diese Gier nach Neutralität über den Kopf. Wenn ich daran denke,dass durch ein entsprechendes Gesetz bestimmte Probleme entstehen können, kann ich es nicht gut heißen.
    Sollte z.B. irgendwann einmal der Fall eintreten, dass in einer bestimmten „Sparte“ Nachwuchsmangel an qualifizierten oder interessierten Frauen gibt, würde sich eine Firma, für die das Gesetz gilt, schon ohne Zutun strafbar machen. Mal davon abgesehen, wenn eine eine Frau Bundeskanzlerin werden kann sind wir denke ich mal gleichberechtigungs-technisch relativ weit. Erschreckend ist dann viel mehr was Frauen teilweise für einen Stand in islamischen/islamisch-geprägten Staaten haben!

    Es grüßt Sie,
    H. Bolte

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