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Monatelang hatten Eltern, ErzieherInnen und Kommunen vor knapp zwei Jahren gegen das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) der Landesregierung aus CDU und FDP protestiert. Die Eltern vor allem für bessere Bildung ihrer Kinder, die ErzieherInnen für sicher finanzierte und gut ausgestattete Einrichtungen und die Kommunen für den Schutz ihrer klammen Kassen.

Und sie haben gewarnt. Berechtigterweise. Gewarnt vor einem Murks-Gesetz, dass nicht zu mehr Bildung und besserer Betreuung führt – sondern zu ansteigenden Kosten und schlechterer Betreuung und Förderung.

Genützt hatte es nichts: Das Gesetz wurde gegen den Willen der Eltern durchgedrückt – und damit entgegen aller Vorahnungen derer, die ein Schreckensszenario für die frühkindliche Bildung prophezeiten.

Hätten CDU und FDP bloß mal auf die Mahnungen von Eltern, ErzieherInnen und Städten gehört.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisiert anderthalb Jahre nach Einführung des Gesetzes sowohl Landesregierung als auch Kibiz – wie ich finde, völlig zu Recht: Einen völligen Neuanfang fordern die Gewerkschafter. Klar sei: Es gibt viel zu wenig Personal, zu wenig Geld, das in die frühkindliche Betreuung investiert wird, außerdem ist das Gesetz ein „bürokratisches und Pädagogik-feindliches Regelwerk“, das „zur Verschlechterung der pädagogischen Arbeit“ geführt hat, findet Verdi.

Kritik, die die SPD-Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp teilt: „Unsere zentralen Kritikpunkte an diesem Gesetz haben sich bestätigt.“ Hört man sich die Stellungnahmen an, muss man zu dem Schluss kommen, dass Kibiz eine regelrechte Bruchlandung hingelegt hat. Rumms.

Aber Spulen wir noch einmal zwei Jahre zurück und gönnen uns einen Blick auf die Kibiz-Ziele von Schwarz-Gelb. Ist die Kritik berechtigt? Was wurde erreicht?

  • „Die Stärkung des Bildungs- und Erziehungsauftrags im frühen Kindesalter“

War da nicht was? Richtig! Das Gesetz führte „zur Verschlechterung der pädagogischen Arbeit“

  • „Sicherung der pädagogischen Qualität in den Tageseinrichtungen“

War da nicht was? Richtig! Das Gesetz ist ein „Pädagogik-feindliches Regelwerk“

  • „Sicherung einer vielfältigen Angebotsstruktur“

War da nicht was? Richtig! „Es gibt einen Sanierungsstau, der durch kontinuierliche Kürzung der Sachkosten verschärft wurde“ Und die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege betont: „Kibiz-Verlierer sind bisher Einrichtungen mit besonderen Angeboten“

  • „Angebote für 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren bis 2010“

War da nicht was? Richtig! „Es mangelt … beim Ausbau der Plätze für Kinder unter drei Jahren an Geld“ Laut Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege liegt das Angebot bei „derzeit zehn Prozent“

Viel zu tun also für die SPD. Klar ist: Nur Hannelore Kraft und die Sozialdemokraten haben die richtigen Rezepte, um den Mumpitz wieder in die richtige Bahn zu lenken – für Eltern, ErzieherInnen, Kommunen und vor allem die Kinder: Etwa die Bildung kleinerer Gruppen, das Fördern unterschiedlicher pädagogischer Ansätze, das Angebot von Erziehungsberatung auch in den Kitas und die individuelle Förderung von Kindern und Beratung von Eltern.

Also: Am 9. Mai geht es auch um eine bessere und gerechtere Bildung. Denn Kibiz ist nicht nur Mumpitz – es ist eine einzige Katastrophe!


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3 Kommentare

  1. Wolfgang Müller 23. März 2010 · 22:23 Uhr

    Das ist doch eine Frechheit, was sie hier schreiben. 40 Jahre hat die SPD die Karre in den Dreck gefahren und jetzt soll die CDU daran schuld sein, dass sie in 5 Jahren daraus noch keinen supertollen Flitzer machen konnte. Die Fortschritte, die ich bei meinen Neffen und Nichten in den Schulen und Kindergärten sehe, sind doch nicht von der Hand zu weisen. Erst seitdem die CDU und FDP an der Regierung sind, kann meine Schwester wieder voll arbeiten, weil sie einen Betreuungsplatz für ihre Tochter bekommen hat.

    Hoffentlich bleibt Herr Rüttgers am Ruder, der tut wenigstens etwas für unserer Kinder.

  2. Bücker 20. Juni 2010 · 20:04 Uhr

    Kibiz ist Mumpitz!!!

    Dank Kibiz bin ich arbeitslos….was jetzt? So wie mir ergeht es bald noch vielen Ergänzungskräften. Dann liegen wir dem Staat auf der Tasche ohne es zu wollen! Dank der Politik! Da muss dringend was getan werden. Nicht jeder hat die Zeit sich weiterzubilden…..das ist eine Frechheit..vor allem weil die Kinderpfleger ausgebildet sind für die altergemischten Gruppen und jetzt auf einmal doch nicht? Und nun????

  3. thomas b. 8. Juli 2010 · 22:01 Uhr

    Meine Frau, Kinderpflegerin, 48, hat es jetzt auch erwischt. Als Wiedereinsteigerin hangelte sie sich etwas über zwei Jahre mit Zeitverträgen durch. Damit ist die Weiterbildung nicht möglich, da dafür ein Beschäftigungsverhältnis über die ganze Dauer der Weiterbildung zwingend ist.

    Nun läuft der letzte Arbeitsvertrag aus und so wie es aussieht, war es das jetzt. Das Arbeitsamt fordert zwei Bewerbungen pro Woche, aber wo denn bitteschön? Die Träger haben ja schon Schwierigkeiten, die fest angestellten Kinderpflegerinnen unterzubringen.

    Das ist staatlich verordnete Arbeitslosigkeit.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.