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In der Bundesrepublik ist das Volk der Souverän. Im Grundgesetz ist verankert, dass von ihm alle Staatsgewalt ausgeht, welche unter anderem in Wahlen und Abstimmungen ihren Ausdruck findet.

Doch wie so oft entscheidet sich der Souverän am Wahlsonntag dafür, lieber mal etwas länger  im Bett liegen zu bleiben (im Zweifelsfall bis abends), weil die Party vom Vortag bis zum Morgengrauen angedauert hat, nach Holland zum Shoppen in ein Outlet-Center zu fahren oder bei Oma zuKaffee und Kuchen vorbei zu schauen. Und wenn es dann auch noch regnet, sind nicht nur die Aussichten für’s Wetter schlecht, sondern auch für die vielen Freiwilligen, die sich in den Wahllokalen die Füße in den Bauch stehen. Denn was gibt es für den Souverän besseres, als sich gemütlich mit einer Tasse Tee auf die Couch zu legen und einen Spielfilm anzugucken?

Naja gut, ganz so schlimm ist es nicht. Aber man findet (wenn man will) viele Gründe, um an diesem einen Stichtag die Wahlurne nicht aufzusuchen.  Doch mal unter uns: So groß ist der Aufwand nun auch wieder nicht. Meist liegt das nächste Wahllokal nicht weiter als fünf Minuten Fußweg entfernt. Und ein wenig Frischluft und Bewegung hat noch keinem geschadet. Mit einem Schritt vor die Tür ließe sich auch direkt der Brötchenkauf erledigen und ein Hund, der schon sehnsüchtig auf das erste Gassi gehen wartet, glücklich machen.

Anfang Mai wird es dann soweit sein, dass rund 930.000 junge Menschen zum ersten Mal und 13,5 Millionen BürgerInnen  insgesamt im doppelten Sinne vor die Wahl gestellt werden. „Gehe ich zur Wahl?“ und wenn ja, „wo setze ich mein Kreuz?“. Genau genommen ist letztere Frage nicht ganz korrekt, denn in Nordrhein-Westfalen können in diesem Jahr erstmals zwei Kreuze gemacht werden, so wie es bei der Bundestagswahl üblich ist – die Erststimme für das Direktmandat im Wahlkreis und die Zweitstimme für die Landesliste der Partei.

Doch die dringlichen Bedürfnisse von Bello und ein knurrender Magen sollten nicht der Grund sein, aus welchem man sich entscheidet, zur Wahl zu gehen. Denn ohne Wahlen gibt es keine Demokratie und eine Stimmenthaltung schwächt die Demokratie.  Wer sein Kreuz nicht macht, verschenkt seine Stimme und somit auch die Chance, etwas zu bewegen. Und wer will schon, dass die Stimme des Nachbars, den man sowieso nicht sonderlich mag, mehr zählt, nur weil man selbst nicht zur Wahl gegangen ist? Eines sollte bei  allen Überlegung klar sein: Die Stimme jedes Einzelnen ist nicht nur dazu da, um die Regierung zu bestätigen, sondern kann auch genutzt werden, um sie abzustrafen.

Bei den gerade geschriebenen Zeilen schwirrt mir sofort ein Zitat Karl R. Poppers durch den Kopf, welcher sagte: »Jede Regierung, die man wieder loswerden kann, hat einen starken Anreiz, sich so zu verhalten, dass man mit ihr zufrieden ist.“ Das trifft zu. Dadurch stellt sich mir jedoch die Frage: „Ist der CDU in Nordrhein-Westfalen dies auch bewusst?“ Zwei andere Frage sind mir aber beantwortet worden: „Ja, ich werde am 9. Mai zur Wahl gehen und meine Kreuze an der richtigen Stelle setzen“.

Und hier noch eine kleine Anmerkung für all diejenigen, die am 9. Mai shoppen gehen oder bei Oma vorbei schauen wollen: es gibt auch die Möglichkeit der Briefwahl!


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Ein Kommentar

  1. Binder Hans-Joachim 5. April 2010 · 4:20 Uhr

    Alles richtig: Demokratie lebt vom wählen gehen.
    In der Auseinandersetzung muß aber auch gesagt werden: Ach Nichtwähler wählen !!!
    Beispiel Bundestag: 6 Mio Wähler für die FDP sind 10% der Wahlberechtigten; 14% der Stimmen wurden sie nur durch die 30% Nichtwähler.
    Ich denke es ist wichtig den Wahlberechtigten dies klar zu machen.
    Es ist auch wichtig eine „Wählen-Gehen-Kampagne“ zu starten und auch Wahl-Begleitungen für Behinderte, Alte und Kranke anzubieten.
    Jede Stimmenthaltung ist ein Votum für die Zerschlagung der Krankenversicherung.
    Binder, Stuttgart

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