Die Bewegung lebt wieder auf (Thomas Duchnicki, flickr)

Die Bewegung lebt wieder auf (Thomas Duchnicki, flickr)

Deutschland wehrt sich- die Franzosen machten es vor, nun zieht Deutschland nach. Nach Stuttgart 21 folgt nun eine wiederauflebende Protestbewegung ganz anderer Größenordnung.

Als Krawallmacher, Brandstifter  und Öko-Freaks kann man Atomkraftgegner spätestens seit den weitestgehend friedlichen Protesten während des Castor-Transports nicht mehr abstempeln. An den Demonstrationen entlang der Strecke beteiligten sich Zehntausende, darunter nicht nur Anwohner, Organisationen und Parteimitglieder, sondern auch tausende Privatpersonen aus der so genannten „bürgerlichen Mitte“.

Nach den heftigen Demonstrationen, die den Castor-Transport mit eintägiger Verspätung im Zwischenlager Gorleben eintreffen ließen, geht es natürlich auch bei diesem Thema um die Fragen: Wer ist verantwortlich, wer übernimmt die Kosten? Und vor allem: Wie geht es jetzt weiter? Denn niemand wird leugnen, dass sich der Protestauch gegen die Bundesregierung richtet. Es galt nicht primär den Transport aufzuhalten, sondern Angela Merkel und Norbert Röttgen zu zeigen, dass es Widerstand gegen ihre Atompolitik gibt.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit der Aufkündigung des mühsam errungenen Atomkonsenses von 2002 nicht einverstanden, sie will keine Atomlaufzeitverlängerung. Gleichzeitig feiert die Regierung Merkel das Einknicken der Regierung vor der Atomlobby  als großen Wurf.

Bürgerinnen und Bürger machen sich Sorgen, und das zu Recht. Durch die Laufzeitverlängerung werden es die erneuerbaren Energien weitaus schwieriger haben sich zu entwickeln und etablieren. Außerdem ist diese Methode der Energiegewinnung nach wie vor mit großen Sicherheitsrisiken verbunden (Super-Gau, Terroranschläge etc).

Wie direkt uns die negativen Auswirkungen der Atomenergiegewinnung jedoch noch treffen können, ist bis jetzt noch nicht abzusehen. Denn das Endlagerproblem wurde und wird auch in nächster Zukunft nicht gelöst. Nun wird also unsere schwarz-gelbe Bundesregierung die 17 Meiler in ganz Deutschland rund 12 Jahre länger giftigen Müll produzieren lassen, und das, ohne zu wissen wohin damit.

Stoiber beispielsweise sieht das Ganze „pragmatisch“. Er schlug vor, dass man den strahlenden Müll ja auch nach Ausland abgeben könnte, wenn sich hierzulande kein passendes Endlager finde. Im eigenen Bundesland lehnte er deshalb auch ab zu suchen. Viel zu gefährlich. Für die Bürger. Für die Wählerstimmen. Für sich selbst.

Ein ähnlicher Gedanke schien auch der Bundesregierung gekommen zu sein. Unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit bereitete sie einen Übernahme-Vertrag mit Russland vor, berichtete die Süddeutsche. Demnach soll Atommüll in größerem Umfang in die russische Wiederaufarbeitungsanlage Majak transportiert und wieder aufbereitet werden.  Seit mehreren Monaten sind die Pläne bekannt, das Bundesamt für Strahlenschutz hatte den Transport von 18 Castor-Behältern Ende September genehmigt. Der deutsch-russische Vertrag ist demnach unterschriftsbereit, bestätigte die Regierung auf Anfrage der „Süddeutschen Zeitung“. Unerwähnt bleibt, dass die Anlage in Majak unter anderem auch durch den Kyschtym-Unfall 1957 große Mengen an radioaktivem  Material in die Umgebung freisetzte. Besonders Gewässer, aber auch Böden und Fauna im Umkreis von vielen Kilometern sind kontaminiert. Russische Umweltschützer beurteilen ein solches Vorgehen in einem Schreiben an Merkel schlicht als „unvernünftig“ .

Lässt sich aufgrund dieser Tatsachen die Argumentation „Aus den Augen, aus dem Sinn“ rechtfertigen? Sicherlich nicht.

Doch die CDU (u.a. Katherina Reiche, Joachim Herrmann, Alexander Dobrindt) stürzt sich lieber verbal auf die “gewalttätigen“ Demonstranten um die Aufmerksamkeit von sich zu lenken.

Die SPD-geführten Länder wollen gegen die Laufzeitverlängerung Verfassungsklage einreichen, da die Regierung den Bundesrat von vorneherein bei dieser Entscheidung ausgeschlossen hatte. Wenn sie in Karlsruhe Recht bekommen, hat der Spuk schon bald ein Ende. Falls nicht, müssen wir auf die Bundestagswahl 2013 hoffen: Dann wird sich auch zeigen, wen die Wähler regieren lassen wollen und wem sie am liebsten den Atommüll in den Vorgarten kippen würden.

100 gute Gründe gegen Atomkraft.


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9 Kommentare

  1. F.Zehner 18. November 2010 · 11:34 Uhr

    Ich bin der Meinung das Atomkraft nichts mit der Weiterentwiklung von erneuerbaren Energiequellen zu tun hat,wenn der Bürger gegen Atomkraft ist sollte er sich ,so meine Meinung,nach Energieanbieter umsehen die den bezug von Atomenergie ausschließt und würde das der Atomgegner tun müsten die Atomkraftwerkbetreiber zwangsläufig über kurtz oder lang die Segel streichen und dicht machen aber da dieses nicht passiert ist entweder die Ernsthaftigkeit,nicht gegben, oder die anzahl der gegner nicht hoch genug und somit liegt doch ein inoffizieller Volksentscheid für Atomkraft vor.
    Erneuerbare energiequellen lassen sich auch mit zur Zeit bestehender AKW´s erforschen ich sehe da kein hinderniss und wie schon erwähnt wollte der Bürger dieses aktive unterstützen so würde sich das proplem Atomkraft von ganz allein erledigen den ein Kundenverlust von rund 50% kann kein Unternehmen überleben.

  2. iphone reparatur 22. November 2010 · 12:47 Uhr

    Es müsste mehr Bio energie geben so das die Atom kraftwerke endlich mal redizuert werden können. Aber es ist halt immer noch die günstigeste Art Energie herzustellen.Wer das erfunden hat Atom Energie.jetzt sind sie schon am überlegen atomAkuu herzusetllen es wird doch immer verückter.

    • UlliMueller 10. Januar 2011 · 11:03 Uhr

      Liebe/r iphone reparatur,

      „…Aber es ist halt immer noch die günstigeste Art Energie herzustellen“
      Da solltest du mal richtig nachrechnen lassen, rein vom Geld zahlen wir da alle viel drauf, ob genutzt wird oder nicht.
      und nicht zuletzt für jede Demokratie ist diese Art der Enegiegewinnung mit den politischen Strukturen (Atomlobby) ein Knieschuss.
      Dezentralisierung ist nicht nur im Gesellschaftlichen Beisammensein ein Schritt zur Demokratie! (darum auch ein Nein zu den Windkraftwerksgroßanlagen an der Küste in den Händen der Atomlobby)
      .
      Lasse getz mal die gesundheitlichen Risiken (nicht nur die Leukämiefälle) und die Altlastenüberlassung an die Generationen nach uns ganz außer Betracht.
      .
      Atomtotstrom ist (sogar unter CO2-Gesichtspunkten) immer noch die unverantwortlichste Art der Energiegewinnung.

  3. Wellness Wochenende 14. März 2011 · 12:30 Uhr

    Nach den neusten Berichten aus Japan sollte eine neue Diskussion zu Atomenergie auch in Deutschland mit aller Härte geführt werden.

  4. ulrich sternitzke 1. April 2011 · 16:27 Uhr

    wer sitzt eigentlich mit SPD Parteibuch im Vorstand des RWE? Die wollen sich doch jetzt schon den Ausstieg von Steuergeldern bezahlen lassen und die unternehmerischen Risiken, die sie eingegangen sind, dem Staat – also uns – auflasten. Wer ist dafür mit verantwortlich?

  5. UlliMueller 5. April 2011 · 8:19 Uhr

    Hallo Ulrich,

    da sagst du nichts Neues,
    in den 70gern gab es leider den Tenor der „friedlichen Nutzung“ der Atomtodenergie. Und auch in der SPD gab es eine große Anzahl der naiven Fortschrittsgläubigen. Ein ganz bekannter Vertreter Kanzler Helmut der 1..
    Aber ich gebe dir Recht, als große finanzielle Gewinner der „Krise“ werden wieder die Lobbyisten absahnen. (dass ich schon aus demokratischen Gesichtspunkten gegen Atomtdtstrom bin, habe ich ja weiter oben geschrieben)
    Die Jenigen, die immer den Weg der Vernunft bekämpft haben, werden wieder der alternativen Energie Steine in den Weg legen, um dann zu behaupten, dass das Alles nicht so schnell und billig geht, weil der Weg so holprig ist. Und auch die gleichgeschaltete Presse wird wieder über den drohenden Untergang wegen Energiemangel klagen.
    Schaut doch nur in Film, Funk und Zeitung, Mergel darf ihre Erkenntnis mantramäßig verkünden: Wer hätte vor Fukushima DAS -Atomtodkraftwerkskatastrophe- für möglich gehalten!
    Hey Hallo, wieviel Leute waren in den letzten Jahren auf der Straße, Schienen, um das genau das, was in Japan passiert zu verhindern? Aber selbst unsere investigativen Journallie hat die ewigen Argumente der Anti-Atomtoddemonstrantenvergessen.
    Es wird dauern bis in Deutschland Vernunft, Verstand und Verantwortung siegen.

  6. Heiko 15. Juni 2011 · 21:52 Uhr

    Die SPD ist eine zerstörerische Kraft. Wie kann man so gewalttätige und ungebildete Fanatiker unterstützen ?
    Unterstützt die Industrie, untersützt unsere Atomwirtschaft, das alles nützt doch allen Menschen die hier leben !
    Besinnt Euch doch auf die alten Werte der SPD, also Realitätssinn, Vaterlandsliebe und alles für Deutschland. Das hatte August Bebel so oft angemahnt und er hatte Recht. Auch Helmut Schmidt und Noske sind sehr gute Vorbilder für die SPD, genauso wie Tilo Sarrazin.
    Die SPD ist schon OK., aber sie muß realistischer und deutsch-nationaler werden – dann ist sie die alte SPD. :-)

  7. iPhone Repair modhandy.de 15. Oktober 2011 · 13:22 Uhr

    Weg mit Atomstrom und Atommüll. Brauchen wir nicht mehr…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.