Prof. Dr. Palkovits, Preisträgerin 2010 in der Kategorie Nachwuchs © Carsten Terres

Ich hatte es ja bereits in meinem allerersten Blog-Eintrag erwähnt.

Inzwischen ist es schon eineinhalb Monate her, dass ich mein Praktikum hier in der Pressestelle der NRWSPD begonnen habe. Am Montag hatte ich erstmals die Gelegenheit einer  kleinen Pressekonferenz im Landkreistag beizuwohnen.

Im Vorfeld zu der Verleihung des Innovationspreises des Landes NRW 2010 am Montagabend, trafen sich Preisträger Professor Klaus Meerholz und Regina Palkovitz sowie Jurymitglied und Nobelpreisträger des Jahres 2007 Professor Peter Grüneberg wenige Stunden vor der Veranstaltung mit Vertretern der Presse auf Einladung des NRW-Ministeriums für Wissenschaft und Innovation. Bei Kaffee und in lockerer Stimmung moderierte Dirk Borhart (Sprecher des Ministeriums) eine rege Befragungsrunde, in der die Wissenschaftler viele Informationen und Eindrücke weitergaben.

Professor Meerholz ist einer der insgesamt 3 Preisträger dieses Jahres. Er forscht im Bereich der OLEDs (organic light-emitting diodes), eine Technologie, mit der selbst kleinste Displays möglichst viele Pixel verarbeiten und darstellen können. Die Nachwuchsforscherin Palkovitz erforscht neue Energiequellen für die Mobilität der Zukunft. Sie hat bei Ihrer Grundlagenforschung das Ziel Katalysatoren zu entwickeln um beispielsweise Holz in flüssigen Kraftstoff umwandeln zu können.

Doch bei dem Pressetermin drehte sich nicht alles um die Einzelheiten ihrer Forschung- darüber wird wohl im Laufe des Abends ausgiebig genug  geredet werden. So erfahre ich nebenbei auch einiges über die Schwierigkeiten in der Forschung, Wünsche an die Politik und den Interessenkonflikt bei der Energieerzeugung.

Grüneberg gab in der Runde auch Privates preis, er beschrieb zum Beispiel seine zeitweilige Ungeduld mit Studenten als schwierig. „Da ist wirklich anstrengend ist,  sich immer zurück zu halten, wenn es mir mal zu langsam geht, würde ich manchmal am liebsten alles selbst machen“, gibt der Forscher zu. Aber es habe auch sein Gutes, mit vielen Studenten zusammenzuarbeiten: So würden ganz andere Ideen in die Forschungsarbeit mit einfließen.

Der Preisträger Meerholz freut sich über die zunehmende Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teilbereichen der Forschung: „Alles hat sich miteinander vermengt- Die Forschung ist einfach interdisziplinär geworden.“ Er ist sich aber mit Kollegin Palkovitz einig: „Es gibt immer noch zu wenig Geld für eine schnelle Umsetzung.“ Besonders an den Unis sei es finanziell problematisch, das richtige Grundequipment anzuschaffen, ergänzt die Nachwuchsforscherin mit Seitenblick auf die Politik.

Ich selbst habe von Naturwissenschaften nur rudimentäre Kenntnisse, an manchen Stellen, besonders wenn es um die Funktionsweise dieser neuen, bahnbrechenden Technologien geht,  schalte ich auf Autopilot. Aber wenn man die Wissenschaftler so beobachtet, entdeckt man zwischendurch immer wieder dieses Glitzern in ihren Augen, so als ob der Kopf, währen der Mund noch erklärt, in Gedanken schon beim nächsten Versuch wäre.

Die Forschung hat sich bereits erheblich verändert, das ist offensichtlich. Was sich aber auch entwickelt hat, ist die Methodik. An dieser Stelle sei besonders die Grundlagenforschung nicht wegzudenken, erklärt Palkowitz. „Während man früher viele, viele Versuche machte und hoffte, dabei einen Treffer zu landen, gibt es heute nichts wichtigeres, als die Grundlagen zu erforschen.“ Grundlagenforschung sei es, die es erlaube, herauszufinden, woraus die Wirkung eines bestimmten Vorgangs resultiere, betont auch Meerbusch.

Dies sei unabdingbar, um gezielte Versuche einzuleiten. Grünberg bedient sich an dieser Stelle eines Vergleiches: „Was heute nach Grundlagenforschung aussieht, kann irgendwann noch einmal stark gebraucht werden. Das hat man bei Einstein gesehen.“

Von der Politik wünschen sich die Forscher die Möglichkeit langfristiger planen zu können. Geld dürfe nicht nur für einen engen Zeitraum zur Verfügung stehen, das mache häufig planungsunfähig. „Aber insgesamt wird das schon gut gemacht“,  resümiert Meerbusch mit einem Augenzwinkern.

Und zum Schluss ihre Wünsche für die Zukunft der Energiegewinnung, Frau Palkovitz? “Keine Energiegewinnung durch fossile Rohstoffe mehr, das ist ganz wichtig für uns. Genauso wichtig ist auch, dass die Produktion von Energieträgern nicht mit der Lebensmittelherstellung konkurrieren darf.“ Es fallen auch die Begriffe Investitionen in Photovoltaik und Thermo-Solar, vielleicht sogar  CO² als zukünftigen Rohstoff der chemischen Industrie.“

Das hört sich alles sehr vielversprechend an. Die Drei scheinen keinen Zweifel daran zu haben, dass die Wissenschaft der Gegenwart in Sieben-Meilen-Stiefeln voranschreitet. Sie sind es auch, die mir zu hoffen geben, dass wir AKWs, Steinkohlekraftwerke und unheilbare Krankheiten bald nur noch in Geschichtsbüchern wiederfinden werden.


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