Man muss zugeben, er hat das geschickt gemacht die letzten Wochen. Die modische Inszenierung als Barney-Stinson-Double ist Christian Lindner jedenfalls gelungen. Darüber, dass die FDP nur ein fünfseitiges Programm als Wahlempfehlung anbietet, redet aufgrund der Schwächen Norbert Röttgens und Philipp Röslers niemand. Lindner trifft eine oppositionelle Nische.

Er arbeitet bei seinen Auftritten gerne mit wiederkehrenden rhetorischen Mitteln. Beliebt dabei: die Insolvenz von Schlecker. In seinen Interviews scheint es, als komme er rein zufällig auf dieses Thema zu sprechen. Zum Beispiel hier: „Denken Sie an Schlecker …“ Oder hier: „Beispiel Schlecker: CDU, Grüne und SPD waren sich sofort einig …“ Oder auch hier: „Bei der Schlecker-Entscheidung hat man zuletzt gesehen …“

Bei allem Wahlkampfgetöse: Ein bisschen weniger Instrumentalisierung wäre stilvoll gewesen, obwohl einigen enttäuschten Guttenberg-Fans Lindners Auftreten sicherlich gut gefallen hat. Ähnlich wie Philipp Rösler glaubte Christian Lindner, das FDP-„Nein“ zur Schlecker-Transfergesellschaft könnten die Gefeuerten durch engagierte Arbeitssuche in den Arbeitsämtern selbst kompensieren.

Erst 87 der 2494 gekündigten Bediensteten haben eine neue Stelle gefunden. Trotz unterschiedlicher ordnungspolitischer Vorstellungen täte ein bisschen mehr Demut vor Schicksalen der Debatte gut.


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2 Kommentare

  1. Ein kritischer Beobachter 13. Mai 2012 · 18:32 Uhr

    Heul, heul.

    Soll die Alte Tante SPD doch Schlecker aus Parteieinnahmen aus ihren Medienbeteiligungen übernehmen, wenn sie so mitfühlend sind.

    Heuchlerei auf höchstem Niveau. Und dank Alimente aus Bayern und Baden-Württemberg auch weiterhin ohne jeden Willen zu einer finanziell stabilen Zukunft,

  2. Stefan Wehmeier 18. Mai 2012 · 21:56 Uhr

    “Aus dem offenkundigen Versagen des historischen Liberalismus erwuchs die sozialistische Bewegung mit dem Ziel, die missbrauchten Freiheitsrechte einzuschränken zugunsten der Gesamtheit und besonders zugunsten der wirtschaftlich Schwachen. Diese Zielsetzung beruht jedoch auf einem Denkfehler; denn der historische Liberalismus versagte nicht, weil er zuviel, sondern weil er zuwenig Freiheit verwirklichte. Eine „freie Wirtschaft“ hat es im Liberalkapitalismus in Wahrheit nie gegeben, sondern nur eine vermachtete Wirtschaft: vermachtet durch Privatmonopole, durch den privaten Monopolbesitz von Grund und Boden und den Rohstoffen, durch das Geld- und Bodenmonopol, durch die Bildung von Syndikaten, Kartellen und Trusts. An die Stelle einer freien Konkurrenzwirtschaft trat die Herrschaft privater Wirtschaftsmächte, die durch ihre Maßnahmen weitgehend auch die Höhe von Preisen, Löhnen und Zinsen und damit das Wirtschaftsgeschehen insgesamt nach ihren Interessen bestimmen konnten.
    Die sozialistischen Bestrebungen laufen darauf hinaus, die liberalkapitalistische durch eine zentralgeleitete Wirtschaft, also die private durch eine staatliche Vermachtung und die Privatmonopole durch Staatsmonopole zu ersetzen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die vielen erbarmungslosen Wirtschaftsdiktatoren, die sich immerhin noch durch einen letzten Rest von Konkurrenz gegenseitig in ihrer Macht beschränken, durch einen einzigen, ebenso erbarmungslosen, aber völlig unbeschränkten Wirtschaftsdiktator in Gestalt des Staates abgelöst werden. Dadurch kann sich die Lage der arbeitenden Menschen nur noch hoffnungslos verschlimmern, wie mannigfache geschichtliche Erfahrungen hinlänglich bestätigen.”

    Dr. Ernst Winkler (aus “Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung”, 1952)

    Für die “Finanzkrise” (korrekt: beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) gibt es keine “politische Lösung”, sondern nur genau eine technische Lösung, die wiederum das, was heute – am Ende des zivilisatorischen Mittelalters – als “hohe Politik” bezeichnet wird, überflüssig macht: http://www.anww.de

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.